Radiojodtherapie

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 16. September 2016
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Die Radiojodtherapie gehört den nuklearmedizinischen Behandlungsmethoden an. Dabei kommen radioaktive Jodmoleküle zum Einsatz.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Radiojodtherapie?

Als Radiojodtherapie (RJT) wird eine spezielle Form der Strahlentherapie bezeichnet. Bei diesem Verfahren verwenden die Ärzte radioaktiv markiertes Jod. Die Radiojodtherapie dient in erster Linie zur Behandlung von bösartigen oder gutartigen Schilddrüsenerkrankungen.

Zu Beginn der 40er Jahre verwendete der amerikanische Mediziner Joseph Gilbert Hamilton (1907-1957) radioaktives Jod an gesunden Testpersonen sowie bei Menschen, bei denen eine Vergrößerung der Schilddrüse (Struma) bestand. Die erste Radiojodtherapie bei Morbus Basedow mit dem Jod-Isotop 130 fand 1941 statt. Noch im gleichen Jahr griff Hamilton auf das Isotop 131 zurück, das noch in der heutigen Zeit zum Einsatz gelangt.

Ab 1946 wurde Jod 131 gegen Schilddrüsenkrebs mit Metastasen verabreicht. In Europa erfolgte die Premiere der Radiojodtherapie bei einem Schilddrüsenkarzinom 1948 am Luisen-Hospital in Aachen.In der heutigen Zeit zählt die Radiojodtherapie zu den gebräuchlichsten Behandlungsverfahren der Nuklearmedizin.

Anwendung und Funktion

Im Rahmen der Radiojodtherapie erhält der Patient radioaktives Jod. Dieses wird entweder in Form einer Kapsel oder als wässrige Lösung von ihm eingenommen. Die Schilddrüse ist als einziges Körperorgan in der Lage, das Jod in seine Zellen aufzunehmen. Abgelagert wird das radioaktive Jod allein im Gewebe der Schilddrüse. In anderen Organen kann sich das Jod dagegen nicht ablagern.

Im Inneren der Schilddrüse setzt anschließend der Zerfall des Jods 131 ein. Neben stark energiehaltigen Teilchen werden auch Teilchen freigesetzt, die weniger energiereich sind. Es dauert ca. acht Tage, bis das Jod zu 50 Prozent im Körper zerfallen ist. Das Ziel der Radiojodtherapie besteht darin, die veränderten krankhaften Zellen der Schilddrüse durch die radioaktive Strahlung zu zerstören.

Die Schilddrüse des Menschen befindet sich unterhalb des Kehlkopfes. Für den Hormonhaushalt des Organismus ist das Organ überaus wichtig. Über Jod, das aus der Nahrung in den Körper gelangt, produziert die Schilddrüse die wichtigen Hormone T3 und T4. Diese üben einen aktivierenden Effekt auf den Energiestoffwechsel aus.

Die Steuerung der Schilddrüsenaktivität findet über die Hypophyse statt. Diese schüttet wiederum den stimulierenden Botenstoff TSH an die Schilddrüse aus. Im Falle von bestimmten Erkrankungen wird die Kontrolle der Hypophyse über die Herstellung der Schilddrüsenhormone gestört, wodurch die Hormone unabhängig vom Bedarf des Körpers gebildet werden. Dabei entstehen unkontrolliert mehr Hormone als der Organismus braucht.

Zur Anwendung gelangt die Radiojodtherapie, um gutartige Schilddrüsentumore oder eine Hyperthyreose (Überfunktion der Schilddrüse) wie Morbus Basedow zu therapieren. Als sinnvoll gilt die Behandlungsmethode zudem bei einigen Schilddrüsenkarzinomen. Dabei wird sie zusätzlich zu einem operativen Eingriff durchgeführt.

Soll bei einem Kropf, einer vergrößerten Schilddrüse, keine Operation vorgenommen werden, kann die Behandlung auch mit einer Radiojodtherapie stattfinden. Eine weitere Indikation stellen gutartige Schilddrüsenknoten dar, die für ein unkontrolliertes Ausschütten von Hormonen verantwortlich sind.

Die Radiojodtherapie sorgt für ein sicheres und wenig riskantes Entfernen des erkrankten Schilddrüsengewebes. Abgesehen vom Schilddrüsenkrebs muss bei den anderen Behandlungen keine vorherige Operation erfolgen.

Was muss der Patient beachten?

Vor der Radiojodtherapie darf der Patient keine Schilddrüsenhormone oder jodhaltige Kontrastmittel bzw. Medikamente mehr aufnehmen. Dieser Zeitraum setzt vier Wochen vor der Behandlung ein.

Nur durch den Jodverzicht ist es möglich, das TSH in größter Konzentration im Blut zum Zirkulieren zu bringen. Dadurch wird die Schilddrüse in die Lage versetzt, möglichst viel radioaktives Jod aufzunehmen. Darüber hinaus dürfen behandelte Frauen während der Radiojodtherapie nicht schwanger sein.

Mitunter ist das Durchführen einer zweiten RJT erforderlich. Aus diesem Grund findet drei bis sechs Wochen nach der Behandlung eine Ganzkörperszintigraphie statt. Bei manchen Patienten ist eine zusätzliche Einnahme von Schilddrüsenhormonen in Form von Tabletten sinnvoll.

Ablauf und Durchführung

Der Ablauf der Radiojodtherapie hängt von der Grunderkrankung ab. Grundsätzlich muss die Behandlung jedoch stationär in einem Krankenhaus erfolgen. In Deutschland verbleiben die Patienten einige Tage lang in Quarantäne. So besteht die theoretische Möglichkeit, dass andere Menschen durch das radioaktive Jod zu Schaden kommen, obwohl seine Strahlung lediglich einige Millimeter reicht.

So wird beim Zerfall des Jods nicht nur die therapeutische Betastrahlung frei, sondern auch die Gammastrahlung. Deren Reichweite ist deutlich höher einzuschätzen. Aus diesem Grund kann der Patient während der Radiojodtherapie nicht besucht werden. Abwasser aus Toilette und Dusche sammelt sich bis zum Abklingen der Strahlung in Spezialanlagen an.

Erster Schritt der Radiojodtherapie ist das Vornehmen einer Sonographie (Ultraschalluntersuchung) der Schilddrüse. Außerdem werden die wichtigsten Laborwerte bestimmt. Im Rahmen eines Radiojodtests schluckt der Patient eine Testkapsel. Dieses Verfahren dient zur Bestimmung der tatsächlichen Schilddrüsenaktivität. Danach wird die Kapsel oder Flüssigkeit, die das radioaktive Jod enthält, eingenommen.

Nach dem Schlucken des Jods ist der Patient gesetzlich dazu verpflichtet, wenigstens 48 Stunden in der Klinik zu bleiben. Die tägliche Reststrahlung der Schilddrüse darf nicht überschritten werden. Mitunter kann deswegen sogar ein Krankenhausaufenthalt von mehreren Wochen erforderlich sein, was jedoch von Patient zu Patient überaus unterschiedlich ist.

Die Heilungschancen der Radiojodtherapie gelten als sehr hoch und betragen etwa 90 Prozent. Im Anschluss an die Behandlung kann der Patient wieder seinen gewohnten Tätigkeiten nachgehen.



Eigenleistung oder Krankenkasse - wer übernimmt die Kosten?

Die Kosten für eine Radiojodtherapie müssen komplett von den Krankenkassen übernommen werden. Dies gilt auch für eine stationäre Unterbringung, weil das Jod sonst in öffentliche Abwasseranlagen geraten kann, was wiederum eine Gefahr für die Allgemeinheit darstellt.

Risiken, Gefahren und Komplikationen

Auch bei der Radiojodtherapie sind Nebenwirkungen im Bereich des Möglichen. So kommt es bei bis zu 70 Prozent aller Patienten zu zeitweiligen Veränderungen ihres Blutbilds. 10 bis 40 Prozent klagen über eine entzündete Schilddrüse oder schmerzhafte Schwellungen.

Im Falle einer hohen Joddosis bei einer Tumorbehandlung ist Mundtrockenheit keine Seltenheit. Sie entsteht durch die erhöhte Strahlenbelastung der Speicheldrüsen. Bei etwa einem Drittel aller Tumorpatienten zeigen sich Magen- oder Speicheldrüsenentzündungen sowie trockene Augen.

Als seltene langfristige Risiken der Radiojodtherapie kommen Schädigungen des Knochenmarks oder Leukämie in Betracht. Davon betroffen sind jedoch weniger als ein Prozent aller Patienten.

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