Orthorexia nervosa

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 11. April 2015
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Die Orthorexia nervosa genannte Essstörung ist von der Anorexie bzw. Magersucht und der Bulimie abzugrenzen. Die Betroffenen hungern nicht. Sie leiden zwanghaft unter einem Drang, sich gesund zu ernähren. Was gesund ist, wird immer enger definiert. Ob es sich um eine psychische Erkrankung oder überhaupt um eine Krankheit handelt, ist unter Fachleuten umstritten.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Orthorexia nervosa?

Die Orthorexia nervosa wird als zwanghafte Essstörung definiert. Die Betroffenen streben danach, sich "gesund" zu ernähren. Sie meiden immer häufiger als ungesund angesehene Lebensmittel. Der Begriff "Orthorexie" wurde 1997 vom US-Arzt Steven Bratman geprägt. Er war zeitweise selbst von dieser zwanghaften Essstörung betroffen.

Die ausgeprägte Fixierung auf gesundes Essen wird unter Schulmedizinern häufig nicht als echte Essstörung oder Erkrankung definiert. Die Orthorexia nervosa wird eher als psychische Erkrankung - etwa als Persönlichkeitsstörung -, eine Anti-Haltung im Rahmen einer Überfluss-Gesellschaft oder eine angelernte Zwangshaltung gesehen. Wann diese einen Krankheitswert erhält, wird kontrovers diskutiert.

Ursachen

Die Ursachen der Orthorexia nervosa können vielfältig und individuell unterschiedlich sein. Bei manchen Patienten beginnt diese Störung mit Gesundheits- oder Figurproblemen, bei anderen mit einem Lebensmittelskandal.

Weitere Patienten haben möglicherweise Persönlichkeitsstörungen, die sie zu Zwangshaltungen und Ritualen in Bezug auf gesunde Ernährung veranlassen. Dabei kommt es zunehmend zu Zwangshandlungen und vermehrtem Meidungsverhalten.

Ob bei der Orthorexia nervosa immer eine Essstörung oder eine Zwangsstörung vorliegt, ist verschieden. Die Betroffenen nehmen sich meist nicht als zwanghaft wahr. Sie kompensieren durch ihr spezielles Essverhalten jedoch meist eine zunehmende Unzufriedenheit mit dem Aussehen oder anderem. Lebensmittelskandale führen zu Ängsten und Ressentiments gegenüber entsprechenden Lebensmitteln. Diese werden in der Folge gemieden.

Wenn der Drang, sich gesund zu ernähren, in eine ausgeprägte Orthorexia nervosa übergeht, sind meist Leidensdruck und Untergewicht zu beobachten. Da es bisher kaum fundierte Studienergebnisse über die Orthorexia nervosa gibt, ist die Ursachenforschung noch in ihren Anfängen. Solange man die Orthorexia nervosa nicht als ernst zu nehmende Erkrankung ansieht, wird sich daran nicht viel ändern.

Symptome und Verlauf

Typische Symptome der Orthorexia nervosa:

Die ersten Symptome der späteren Orthorexia nervosa sind unspezifisch. Es besteht lediglich der Wunsch, sich gesund zu ernähren. Bis daraus eine zwanghafte Vorstellung wird, die mit Essritualen und Meidungsverhalten einhergeht, kann unterschiedlich viel Zeit vergehen. Die meisten Menschen, die sich gesund ernähren wollen, leiden später nicht an Orthorexia nervosa.

Daher könnte konstatiert werden, dass ein krankhaftes Verlangen nach gesunder Nahrung möglicherweise auf eine tiefer liegende psychische Störung, ein Kompensationsverhalten oder eine Essstörung hinweist. Möglicherweise werden unbewusste innerseelische Konflikte oder die Angst vor Kontrollverlust durch zwanghaftes Essverhalten ausgelebt.

Im Unterschied zur Anorexia nervosa geht es bei Orthorexia nervosa nicht um die Menge der aufgenommenen Nahrungsmittel, sondern um deren vermeintliche Qualität. Die Angst vor ungesunden Lebensmitteln wächst. Sie führt bei einer orthorektischen Essstörung zum Meidungsverhalten. Bei ausreichend vielen selbst auferlegten Nahrungsverboten kann es zu Mangelerscheinungen und Untergewicht kommen.

Zu den Symptomen der Orthorexia nervosa gehören Rückzugsverhalten, Meidungsverhalten, um Nahrung kreisende Gedanken, gesundheitsbezogene Besessenheit, zwanghaft ausgeübte Essrituale und Zwanghaftigkeit im Denken. Solche Symptome sind einer Untersuchung zufolge selbst unter Ernährungsberatern und Diätassistenten zu finden.

Diagnose

Die Diagnose der Orthorexia nervosa ist schwierig. Zum einen begreifen die Betroffenen sich nicht als krank. Zum anderen begreifen Schulmediziner die Störung meist nicht als behandlungsbedürftige Erkrankung. Selbst bei einer durchschnittlich gesunden Ernährung kann es schließlich zu Dysbalancen kommen. Es muss also bereits zu gravierenden Mangelerscheinungen und dramatischem Untergewicht gekommen sein, bevor eine ärztliche Diagnose erfolgt. Bisher hat die Ärzteschaft keine anerkannten Diagnose-Kriterien entwickelt. Ein entsprechendes Krankheitsbild wird folglich nur selten frühzeitig erkannt.

Als Anhaltspunkte für eine Diagnose gelten länger andauernde Essstörungen, die bei den Betroffenen Leidensdruck und gesundheitliche Probleme auslösen. Soziale Isolation, Rückzugsverhalten und eine mangelnde Teilhabe am Leben können bei vermeintlich gesundheitsbewussten Menschen Hinweise auf eine Orthorexia nervosa sein. Die Gedanken der Betroffenen kreisen nur noch um gesundes Essen. Ein rigider Ernährungsplan und ständige Hinweise über Essen, das vermeintlich krank macht, fallen bei einer Orthorexia nervosa auf. Es kommt zu missionarischem Eifer und Belehrungen an andere, die "ungesund" essen.

Im Verlauf der Orthorexia nervosa kommt es zu immer stärkeren Mangelerscheinungen im Organismus. Bei drastisch eingeschränktem Nahrungsangebot kann - ähnlich wie bei der Anorexie - eine der Magersucht ähnliche Situation eintreten. Der orthorektische Patient ist unterernährt und kann in Folge dessen sterben.

Behandlung und Therapie

Die Behandlung und Therapie solcher Patienten ist schwierig. Zum einen können sie fälschlicherweise als magersüchtig eingestuft werden. Zum anderen ist es schwer, überhaupt den Krankheitswert des zwanghaft gewordenen Verhaltens zu verdeutlichen. Für das Pflegepersonal wird es schwer, zu helfen.

In schweren Fällen wird eine Zwangsernährung nötig. Begleitet wird sie meist durch eine intensivmedizinische Behandlung, die aber oft zu spät kommt. Ohne Psychotherapie wird der orthorektische Patient vermutlich nicht in die Lage versetzt, sein krankhaft gewordenes Ernährungsverhalten zu ändern.

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Vorbeugung

Eine Vorbeugung gegen die Orthorexia nervosa ist durchaus möglich. Jeder Mensch müsste wissen, dass eine möglichst ausgewogene Ernährung wichtiger ist als eine, die alles, was irgendwie belastet erscheint, konsequent meidet. Tausende komplexer Vorgänge im Organismus bedürfen einer möglichst breiten, ausgewogenen und regelmäßigen Versorgung mit den notwendigen Nährstoffen, Vitaminen, Enzymen und Mineralstoffen.

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