Neutropenie

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 22. September 2015
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Eine Neutropenie liegt dann vor, wenn im Blut die neutrophilen Granulozyten (dabei handelt es sich um eine Sorte weißer Blutkörperchen) unter einen Schwellenwert absinken, in so fern ist es nur folgerichtig, dass diese Störung auch als Granulozytopenie bezeichnet wird.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Neutropenie?

Der Grenzwert, der im Blut nicht unterschritten werden sollte, liegt bei ca. 1800 neutrophilen Granulozyten pro Mikroliter. Es gibt auch einen oberen Grenzwert bei ca. 8000 Zellen pro Mikroliter, der bei gesunden Menschen nicht überschritten wird.

Als sehr wichtiger Teil unseres unspezifischen Abwehrsystems wehren die neutrophilen Granulozyten vor allem Infektionen ab. Auch für die Abnahme der weißen Blutkörperchen ganz allgemein, die auch als Leukozyten bezeichnet werden, gibt es den übergeordneten Begriff der Leukopenie; so ist die Neutropenie also nur eine besonders häufige Form der Leukopenie.

Eine "leichte Neutropenie" liegt dann vor, wenn der Betroffene zwar über weniger als 1800, aber dennoch mehr als 1000 Zellen pro Mikroliter verfügt; bezüglich des darunter liegenden Intervalls von 500 - 1000 Zellen pro Mikroliter spricht der Mediziner von einer "moderaten Neutropenie" und entsprechend von einer "schweren Neutropenie", wenn der Patient weniger als 500 neutrophile Granulozyten pro Mikroliter im Blut hat.

Die ganz schwere Form wird Agranulozytose bezeichnet. Wenn dann noch Fieber über 38°C hinzu kommt, das über einen längeren Zeitraum anhält (> 1 Stunde), dann handelt es sich um eine "febrile Neutropenie". Das so genannte "Kostmann-Syndrom" ist eine angeborene Neutropenie.

Ursachen

Gebildet werden die neutrophilen Granulozyten vor allem im Knochenmark. Deshalb ist eine Schädigung des Knochenmarks eine häufige Ursache für eine Neutropenie. Das Knochenmark wird z. B. angegriffen bei intensiver Antibiotika-Therapie oder bei Chemotherapien.

Aber auch giftige Pflanzen, manche Giftschlangen und andere giftige Chemikalien können als Auslöser in Frage kommen. Bei Organtransplantation ist eine Unterdrückung des Immunsystems ausdrücklich gefordert, um die Intensität von Abstoßungsreaktionen des Körpers zu minimieren. In solchen Fällen wird ggf. eine Neutropenie extra künstlich (medikamentös) eingeleitet.

Diagnose

Bei einer akuten Entzündung werden neutrophile Granulozyten in starkem Maße verbraucht. Hält eine intensive Entzündung sehr lange an, dann kommt das Knochenmark mit der Neuproduktion der neutrophilen Granulozyten nicht mehr hinterher und ihre Konzentration im Blut sinkt zwangsläufig ab.

Hinzu kommt noch, dass die gerade neu gebildeten Zellen sozusagen noch unreif sind (Vorläuferzellen), der Mediziner spricht dann von einer "Linksverschiebung".

Das bedeutet: In akuten Phasen schwerer Erkrankungen wie z. B. eine Bauchfellentzündung oder eine Sepsis besteht eine relativ große Wahrscheinlichkeit, auch zusätzlich noch an einer Neutropenie zu erkranken. So kann auch AIDS eine Ursache für die Ausbildung einer Neutropenie sein.

Behandlung

Wegen des allgemein herabgesetzten Immunsystems ist Hygiene schon mal eine erste, nicht zu unterschätzende Maßnahme für die Behandlung einer Neutropenie. Das bedeutet nicht nur häufiges Händewaschen, sondern auch das Desinfizieren der Hände und das Tragen von geeignetem Mundschutz, und damit ist auch der Besucher des Patienten gemeint. Im Krankenhaus muss ggf. eine Unterbringung in einem Einzelzimmer (Isolation) veranlasst werden.

Die Bildung bzw. die Ausreifung der neutrophilen Granulozyten kann angeregt und beschleunigt werden mit einem spezifischen Wachstumsfaktor, der als G-CSF bezeichnet wird. Die Herstellung dieses Arzneistoffes erfolgt auf der Basis von Säugerzellen oder Escherichia coli.

Bei der sogenannten PEGylierung geht G-CSF mit Polyethylenglycol (PEG) eine chemische Verbindung ein. Auf diese Weise wird der eigentliche Wirkstoff durch eine vollständige Hülle langkettiger Moleküle geschützt, was den vorzeitigen Abbau durch körpereigene Enzyme oder Antikörper eine Zeit lang verhindern kann. Man spricht hier auch von einer Maskierung. Durch diesen "Zeitgewinn" kann dann der Wirkstoff zu seinem Bestimmungsort gelangen.

G-CSF ist eigentlich sogar ein körpereigenes Peptidhormon und die Abkürzung steht für "Granulocyte-Colony Stimulating Factor). Bekannter als Cytokin wird es bei Entzündungen quasi automatisch vom Körper ausgeschüttet, um eben die Bildung von Granulozyten anzuregen.

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Vorbeugung

Auch in der Krebstherapie kommt G-CSF zum Einsatz, um insbesondere bei schweren Infektionen eine intensive Antibiotikatherapie so zu begleiten, dass die Neutropenie als Nebenwirkung schon im Vorfeld vermieden werden kann.

Bei Chemotherapien gilt quasi die Regel: Je intensiver die "Chemo", desto länger die Neutropenie. Und genau hier setzt dann auch wieder die Verabreichung des G-CSF an, denn damit kann man in der Regel eine Verkürzung der Neutropeniephase um mehrere Tage bewirken. Gleichzeitig ergibt sich daraus auch noch als günstiger Nebeneffekt, dass man ggf. die zeitlichen Abstände (Pausen) zwischen den einzelnen Chemotherapiezyklen verkürzen kann, was ggf. die Wahrscheinlichkeit, den Krebs zu besiegen, deutlich steigern kann.

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