Neuraltherapie

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 16. September 2016
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Bei der Neuraltherapie handelt es sich um ein Verfahren aus der Alternativmedizin. Dabei wird ein örtlich wirkendes Anästhetikum in die zu behandelnden Körperregionen injiziert. Ein wissenschaftlicher Nachweis für die Wirkung der Behandlungsmethode ließ sich jedoch nicht erbringen. Innerhalb der Europäischen Union wenden Schätzungen zufolge rund 1500 Menschen die Neuraltherapie an.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Neuraltherapie?

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Medikamente gegen: Kopfschmerzen

Entwickler der Neuraltherapie war der deutsche Arzt Ferdinand Huneke (1891-1966). Im Jahr 1925 verabreichte Huneke versehentlich seiner Schwester, die an Migräne litt, ein procainhaltiges Medikament anstelle eines Mittels ohne Procain. Das Ungewöhnliche daran war die intravenöse Darreichung. So galt in den 20er Jahren die Ansicht, dass es auf diese Weise zu einer tödlichen Hirnlähmung kommen könnte. Stattdessen setzte bei Hunekes Schwester jedoch eine rasche und nachhaltige heilende Wirkung ein.

Zusammen mit seinem Bruder Walter erforschte Ferdinand Huneke daraufhin die therapeutische Nutzung von Procain. Durch diese Forschung kam es schließlich zum Entstehen der Segmenttherapie, die einen wichtigen Bestandteil der Neuraltherapie bildete. Im weiteren Verlauf entwickelte sich die sogenannte Störfeldtherapie, die noch heute gebräuchlich ist. Verbreitung findet die Neuraltherapie in erster Linie in Deutschland, Italien, der Schweiz und Österreich.

Anwendung und Funktion

Wissenschaftliche Untersuchungen zur Wirksamkeit der Neuraltherapie wurden nur wenige vorgenommen. In einigen Studien zeigten sich durchaus positive Resultate. Allerdings war die Anzahl der Teilnehmer zu niedrig, um konkrete Aufschlüsse über die positiven Effekte der Behandlungsmethode liefern zu können. In der Medizin ist die Neuraltherapie bis heute heftig umstritten.

Zur Anwendung gelangt die Neuraltherapie, um die Selbstheilung des Patienten bei zahlreichen unterschiedlichen Erkrankungen zu unterstützen. Dazu gehören vor allem Schmerzen am Bewegungsapparat, Kopfschmerzen, Nervenschmerzen, rheumatische Erkrankungen sowie Tinnitus (Ohrengeräusche) und Schwindelgefühle.

Methoden und Verfahren

Die Neuraltherapie setzt sich aus zwei Formen zusammen. Dies sind die Segmenttherapie und die Störfeldtherapie. Im Rahmen der Segmenttherapie verabreicht der Therapeut dem Patienten ein lokales Anästhetikum in die Nerven des erkrankten Körperbereichs. Bei dem Mittel kann es sich um Procain, Prilocain, Mepivacain oder Lidocain handeln.

Die Injektion wird in der Region der sogenannten Headschen Zonen der inneren Organe verabreicht. Über das vegetative Nervensystem soll die positive Wirkung der Medikamente in den betroffenen Segmenten entfaltet werden.

Die zweite Theorie, auf der die Neuraltherapie basiert, stellt die Störfeldtherapie dar. Nach Ansicht von Ferdinand Huneke wirken sich krankhafte Prozesse wie Verletzungen, Entzündungen oder Narben innerhalb eines Organs negativ auf weitere Organe aus. Die auslösenden Stellen werden als Störfelder, Irritationszentren oder Herde bezeichnet. Nach Auffassung der Neuraltherapie ist der Organismus vorübergehend imstande, die Störungen auszugleichen. Sind die Störfelder jedoch von Dauer, hat dies krankhafte Beschwerden zur Folge.

Die Störfeldtherapie basiert darauf, dass Erkrankungen an einer Körperstelle durch Beschwerden an anderen Körperregionen, die weiter entfernt sind, verursacht werden. Bei der Neuraltherapie lokalisiert der Therapeut ein aktives Störfeld durch das Injizieren eines lokalen Betäubungsmittels. Kommt es in anderen Körperbereichen innerhalb von wenigen Sekunden zu einem Rückgang der Beschwerden, ist das Lokalisieren des aktiven Störfelds gelungen.

Was muss der Patient beachten?

Möchte der Patient eine Neuraltherapie an sich durchführen lassen, sollte er auf die Auswahl eines geeigneten Therapeuten achten. So ist es wichtig, dass dieser über ausreichende Erfahrung mit der Behandlungsmethode verfügt. Durch eine fachkompetente Behandlung lässt sich die Gefahr von Risiken und unerwünschten Nebenwirkungen erheblich verringern.

So sind zum Beispiel Nervenschäden durch falsch gesetzte Injektionen möglich. Von Heilpraktikern darf die Neuraltherapie in Deutschland nicht vorgenommen werden. Grund dafür ist die hierzulande seit 2006 bestehende Verschreibungspflicht für Lidocain und Procain.

Angeboten wird die Neuraltherapie in der Regel von Medizinern, die in der Naturheilkunde ausgebildet sind. Nach einer Fortbildung von ca. 120 bis 150 Stunden sowie einer Abschlussprüfung sind sie berechtigt, das Verfahren durchzuführen. Eine einheitliche Weiterbildungsordnung gibt es allerdings nicht.

Ablauf und Durchführung

Bevor der Arzt mit der Neuraltherapie beginnt, befasst er sich mit der Krankengeschichte (Anamnese) seines Patienten und führt eine gründliche körperliche Untersuchung durch. Mitunter erfolgt auch eine Diagnose per Injektion. Kommt es durch die Spritze zum Lindern der Schmerzen in einer anderen Körperregion, gilt dies als Hinweis auf ein Sekundenphänomen.

Die Neuraltherapie besteht aus der Lokalbehandlung und der Störfeldsanierung. Im Rahmen der Lokalbehandlung wird die Haut vom Therapeuten mit dessen Fingern abgetastet. Im Anschluss daran injiziert er ein örtlich wirkendes Betäubungsmittel in den schmerzenden Körperbereich. Diese Behandlung wird so lange vorgenommen, bis die Schmerzen nachlassen.

Von Bedeutung für die Neuraltherapie sind außerdem spezielle tiefe Stichtechniken. Zu diesem Zweck wird das Lokalanästhetikum in bestimmte Triggerpunkte der Muskeln, an denen starke Schmerzen oder Schwellungen bestehen, gespritzt.

Bei der Störfeldsanierung werden eventuelle Störherde, zu denen zum Beispiel Narben zählen, behandelt. Zu diesem Zweck verabreicht der Therapeut mehrere Injektionen um das Störfeld herum. Falls es erforderlich ist, lässt sich das lokale Anästhetikum auch in Nachbarschaft größerer Nervenstränge oder der Wirbelkörper injizieren.



Eigenleistung oder Krankenkasse - wer übernimmt die Kosten?

Die Erstattung der Kosten für die Neuraltherapie ist nicht unkompliziert. Sie richtet sich danach, welche Form der Behandlung durchgeführt wird. So können die Ärzte eine Segmenttherapie eher mit den Krankenkassen abrechnen. Dagegen handelt es sich bei Störfeldtherapien um private Leistungen, die der Patient selbst erbringen muss. Die Kosten für die Injektionen liegen zwischen 20 und 50 Euro, was sich nach dem jeweiligen Körperbereich richtet. Als Grundlage dient die Gebührenordnung für Ärzte (GoÄ).

Risiken, Gefahren und Komplikationen

Die Neuraltherapie ist nicht frei von Risiken. Zum Beispiel besteht die Gefahr einer Überempfindlichkeitsreaktion gegen das Lokalanästhetikum. Ebenso ist eine Infektion an der Einstichstelle denkbar. Diese macht sich durch das Anschwellen und Röten der Haut im betroffenen Bereich bemerkbar. Mitunter treten pochende Schmerzen oder eine sichtbare Ansammlung von Eiter auf.

Als typische Anzeichen für eine Überempfindlichkeit gelten Angstzustände, Unruhe, Zittern, Sprachstörungen, Sehstörungen, Muskelzuckungen sowie Übelkeit und Erbrechen. Weiterhin kann es zu Reizungen der Haut sowie allergischen Reaktionen kommen. Manche Patienten leiden zudem an Krampfanfällen oder Herzrhythmusstörungen.


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