Netzhauterkrankung bei Bluthochdruck

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 11. April 2015
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Bei Vorliegen eines chronischen oder akuten arteriellen Bluthochdrucks kann es zu einer Schädigung der arteriellen Gefäße in der Netzhaut kommen (Fundus hypertonicus), die meist nicht wahrgenommen wird, weil das Sehvermögen in der Regel (noch) nicht beeinträchtigt ist. Durch diese Netzhauterkrankung bei Bluthochdruck kann es in weiter fortgeschrittenem Stadium auch zu Schädigungen der Kapillaren und der ableitenden Venen (hypertensive Retinopathie) kommen, was sich in Beeinträchtigungen der Sehleistung und durch Teilausfälle des Gesichtsfeldes bemerkbar machen kann.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Netzhauterkrankungen bei Bluthochdruck?

Chronischer oder akuter arterieller Bluthochdruck (Hypertonie) kann zu einer Schädigung der arteriellen und – in fortgeschrittenem Stadium auch der venösen - Blutbahnen der Netzhaut (Retina) führen. Die Schädigung des arteriellen Gefäßnetzwerkes der Retina wird als Fundus hypertonicus und im fortgeschrittenen Stadium als hypertensive Retinopathie bezeichnet.

Falls bei Schwangeren eine Eklampsie auftritt und zu Schäden an der Retina führt, wird die Krankheit als eklamptische Retinopathie bezeichnet. Beginnende Schäden am Gefäßnetzwerk der Retina und der darunter liegenden Gefäß- oder Aderhaut (Uvea) sind reversibel. Das bedeutet, dass sie sich bei Normalisierung des Blutdrucks wieder zurückbilden können. Derartige Netzhauterkrankungen sind gut über die nichtinvasive optische Ophtalmoskopie diagnostizierbar.

Ursachen

Eine chronische oder akute extensive arterielle Hypertonie führen zu Veränderungen an den Netzhautgefäßen. Zunächst bilden sich Engstellen in den Arterien, die den Stoffaustausch in den Kapillaren behindern. Bei länger anhaltender Hypertonie neigt die glatte Muskulatur der Gefäßwände zu Verhärtungen und zur Ausbildung sklerotischer Veränderungen in den Arterien, die sie unflexibel machen und auch Verschlüsse verursachen können.

Es kommt zu typischen Veränderungen am Gefäßnetz, zu Ablagerungen in den Adern und zu Ausstülpungen. In Fällen besonders schwerer Hypertonie kann ein Ödem an der Eintrittsstelle des Sehnervs in die Retina verursacht werden. Der Sehnerv bündelt die einzelnen Nervenfasern der Millionen von Fotorezeptoren und leitet sie weiter in das Sehzentrum. Fundus hypertonicus und hypertensive Retinopathie werden ausschließlich durch arteriellen Bluthochdruck verursacht.

Symptome und Verlauf

Typische Symptome von Netzhauterkrankungen bei Bluthochdruck:

Die ersten Symptome eines Fundus hypertonicus äußern sich ausschließlich in Veränderungen am arteriellen Gefäßnetz der Retina. Die Erkrankung führt in diesem Stadium noch nicht zu einer Beeinträchtigung des Sehvermögens oder zu Gesichtsfeldausfällen. Falls die arterielle Hypertonie nicht behandelt wird und weiter anhält oder sich sogar verstärkt, wird auch das venöse Gefäßnetz in Mitleidenschaft gezogen. Der Stoffaustausch mit dem zu versorgenden Gewebe und der Millionen von Fotorezeptoren ist gestört, was zu irreversiblen Schäden führen kann.

An der Eintrittsstelle des Sehnervs in die Retina (Papille) können sich nervenschädigende Ansammlungen von Gewebsflüssigkeit (Papillenödeme) bilden, die zu einer Beeinträchtigung der Sehleistung in Form verminderter Sehschärfe oder zu Teilausfällen des Gesichtsfeldes führen können. Der symptomatische Verlauf der Krankheit wird in vier Stadien eingeteilt.

Im Stadium I zeigen sich erste Engstellen im arteriellen Gefäßnetz der Retina. Das Stadium II ist durch ausgeprägte Engstellen, Verdickungen und Anomalien an den Übergangsstellen vom arteriellen zum venösen Gefäßsystem (Kapillargeflecht) gekennzeichnet. Die Stadien III und IV werden als hypertensive Retinopathie bezeichnet. Es zeigen sich sogenannte Kupferdrahtarterien, die sich im weiteren Verlauf zu Silberdrahtarterien entwickeln. Es kommt zu Ausblutungen, zu Fettablagerungen und zur Entwicklung eines Papillenödems.

Diagnose

Da die Krankheit in den ersten Stadien keine bemerkbaren Symptome erzeugt, kann eine Diagnose ausschließlich über die nichtinvasive visuelle Augenhintergrundspiegelung (Ophtalmoskopie) erfolgen. Über die Ophtalmoskopie können die Retina, einschließlich Gefäßnetzwerk, der gelbe Fleck mit dem kleinen Areal schärfsten Sehens, der Fovea centralis, die Papille und die unter der Retina liegende Aderhaut visuell mit einer Lupe inspiziert werden, nachdem die Pupille mittels Augentropfen medikamentös geweitet wurden.

Der Befund der Sichteindrücke erlaubt es dem Augenarzt, eine entsprechende Diagnose zu stellen. Falls Schädigungen festgestellt wurden, können eine Blutdruckmessung und eine Anamnese über eventuell vorhandene organische Krankheiten oder das Vorliegen einer essenziellen Hypertonie weitere Hinweise über die Verursachung der Schäden liefern.

Behandlung und Therapie

Eine Behandlung des Fundus hypertonicus zielt in erster Linie auf die Behebung der Ursachen, also auf die Behebung der Hypertonie ab. Im Falle der essenziellen Hypertonie, die nicht als Sekundärfolge einer anderen Krankheit oder bestimmter Organschäden auftritt, geht es darum, den Blutdruck medikamentös so in Richtung Normalbereich einzustellen, dass sich die im Auge festgestellten Schäden selbständig zurückbilden. Regelmäßige Kontrollen des Augenhintergrunds können deshalb Hinweise darüber liefern, ob der Blutdruck dauerhaft gut eingestellt ist.

Falls der hohe Blutdruck als Sekundärerscheinung ursächlich auf andere Krankheiten oder auf Fehlfunktionen bestimmter Organe zurückgeführt werden kann, sollte die Therapie in erster Linie auf die Heilung der Primärkrankheit abzielen, da sich dann im Erfolgsfall auch eine Rückbildung des Fundus hypertonicus einstellt. Eine ähnliche Situation ergibt sich, wenn Schwangere von einer Eklampsie betroffen sind, die zu einer eklamptischen Retinopathie führen kann.

Größere Gefäßschäden mit Aussackungen, die sich auch bei Normalisierung des Blutdrucks nicht zurückbilden, können mit speziellen Lasern behandelt werden. Im Falle einer fortgeschrittenen hypertensiven Retinopathie mit starken Einblutungen in den Glaskörper kann ein operativer Eingriff, eine Vitrektomie notwendig werden, um das betroffene Gewebe zu entfernen.

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Vorbeugung

Direkte vorbeugende Maßnahmen, die eine durch Hypertonie verursachte Schädigung der Netzhaut verhindern könnte, existiert nicht. Die wichtigsten vorbeugenden Maßnahmen bestehen darin, den Blutdruck in regelmäßigen zu messen und bereits bei einer beginnenden Hypertonie eine konsequente medikamentöse Einstellung des Blutdrucks vorzunehmen. Die zweite Maßnahme besteht in der Durchführung einer Spiegelung des Augenhintergrunds durch einen Augenarzt, um bei Feststellung einer beginnenden Schädigung der Retina konsequent auf die Einregulierung des Blutdrucks zu achten.

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