Nager und ihre typischsten Krankheiten

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 22. Februar 2016
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Die große Gruppe der Nagetiere ist extrem vielfältig, sowohl von den angehörenden Rassen als auch den Krankheiten, die Hamster, Frettchen und Co. befallen. Die folgende Liste führt die beliebtesten Nagetiere und ihre typischsten Krankheiten auf. Oberstes Kriterium sollte jedoch immer eine artgerechte, saubere Haltung sowie passendes Futter sein. Alleine dadurch lassen sich die meisten der hier beschriebenen Krankheiten bereits im Vorfeld effektiv vermeiden.

Inhaltsverzeichnis

Hamster

Obwohl alle Nagetiere der gleichen Gattung angehören, leiden sie unter vielen verschiedenen Krankheiten, die je nach Rasse mehr oder weniger gehäuft auftreten.

Knochenbrüche: Hamstern fehlt der Sinn dafür, Höhen abschätzen zu können. Daher passiert es sehr häufig, dass die Tiere ohne Rücksicht auf Verletzungen von als Auslauf dienenden Betten, Tischen und Sofas springen und sich je nach Höhe schwere bis tödliche Knochenbrüche zuziehen. Erste Maßnahme sollte es sein, jeden Auslauf „ausbruchssicher“ zu gestalten und im Idealfall gleich auf dem Boden. Gleichsam sollten Hamster bei solchen Ausläufen nie ohne Beobachtung sein. Denn: Selbst wenn ein Zwerghamster nirgendwo herunterspringen kann, so kann er sich schnell hinter Schränken oder Ähnlichem verkeilen, wo er nicht gefunden oder nur mit viel Mühe befreit werden kann. Sollte der Hamster nach einem Sturz länger als eine Stunde apathisch sein oder sich nicht anfassen lassen, sollte er sofort zum Tierarzt gebracht werden.

Nassschwanzkrankheit: Sie befällt fast ausschließlich Jungtiere, die jünger als acht Wochen sind. Die Krankheit zeigt sich in einem – von Durchfall – nassen Hinterbereich rund um Schwanz und After der Tiere, sowie in Fieber und Blähungen. Der Grund dafür liegt in den überwiegenden Fällen in einer zu frühen Trennung von der Mutter und einer damit einhergehenden Futterumstellung, die zur Vermehrung von E-Coli-Keimen im Darm führt. Die Nassschwanzkrankheit kann durch Auslaugung und Ausspülung lebenswichtiger Nährstoffe binnen weniger Tage zum Tod des Tieres führen, daher ist schnelle Reaktion entscheidend.

Tumoren: Auch Kleinnager wie Hamster bleiben nicht von Tumoren verschont. Daher sollten die Tiere regelmäßig auf harte Stellen unter der Haut abgetastet werden. Im Zweifelsfall sagt der Tierarzt ob und wie eine Heilung sinnvoll ist.

Meerschweinchen

Meerschweinchen sind echte „Schniefnasen“, die häufig unter Erkältungen leiden.

Abszesse: Meerschweinchen werden in den meisten Fällen nicht alleine gehalten. Daraus entstehen häufig Kämpfe um die Rangordnung, bei denen es zu kleineren Bissverletzungen kommen kann. Werden diese nicht rechtzeitig entdeckt, können sie sich unter dem dichten Fell der Tiere rasch entzünden und mit großen Mengen Eiter füllen. Solche Abszesse sollten in keinem Fall vom Besitzer ausgedrückt werden, selbst wenn sie sich bereits von selbst geöffnet haben. Beim Tierarzt wird die Wunde steril behandelt und anschließend regelmäßig gespült, bis sie von innen heraus verheilt ist.

Erkältung: Eine der mit Abstand häufigsten Erkrankungen von Meerschweinchen ist die klassische Erkältung. Diese kann bereits durch etwas Zugluft aus einem offenen Fenster entstehen und sollte nicht unterschätzt werden: Unbehandelt neigen viele Tiere dazu, aus der Erkältung eine Lungenentzündung zu entwickeln, die potenziell tödlich ist. Als vorbeugende Maßnahme sollten der Käfig der Tiere in einiger Entfernung von Heizungen und Fenstern platziert werden. Zusätzlich kann in der kalten Jahreszeit besonders vitaminreiche Kost zugefüttert werden, die die Abwehrkräfte der Tiere stärkt. Wenn das Meerschweinchen aber erst einmal hustet, niest und die Nase läuft oder von getrocknetem Schleim bedeckt ist, sollte aus den zuvor genannten Gründen immer der Arzt konsultiert werden.

Zahnprobleme: Vor allem, wenn Meerschweine nicht regelmäßig hartes Futter vorgesetzt bekommen, an denen sie ihre Zähne abschleifen können, entstehen schnell Verletzungen, da die Zähne der Tiere immer weiter wachsen. Wenn ein Meerschwein hartes Futter verschmäht und in kurzer Zeit viel Gewicht verliert, sind die zu langen Zähne meist der Grund, denn sie verursachen dem Tier Schmerzen beim Kauen. Nachdem der Tierarzt die Zähne in einer kurzen OP auf Normalmaß geschliffen hat, sollte in der Zukunft vor allem Heu und Frischfutter angeboten werden, damit der Zahnschliff auf natürlichem Weg funktioniert.

Frettchen

Bei Frettchen sinkt durch ihre Quirligkeit der Blutzuckerspiegel schnell ab – potenziell tödlich.

Unterzuckerung: Bei den sehr aktiven Frettchen stellt ein zu niedriger Blutzuckerspiegel eine der häufigsten und gleichzeitig auch am schnellsten kurierbare Krankheit dar. Wenn das Tier ohne Grund umkippt, seine Beine zittern und es sich generell unsicher bewegt, dann ist Unterzuckerung die wahrscheinlichste Ursache. In diesem Fall muss schnell gehandelt werden, damit das Frettchen nicht in einen hypoglykämischen Schock verfällt. Wenn der Weg zum Tierarzt länger als fünf Minuten dauert, sollte zuvor als Notfallmaßnahme eine Traubenzuckerlösung verabreicht werden. Dazu zwei Teelöffel Traubenzucker in etwas lauwarmem Wasser auflösen und dem Tier mittels einer Spritze (ohne Kanüle) langsam in den Mund injizieren, um die schlimmsten Auswirkungen der Unterzuckerung abzufangen.

Dauerranz: Werden weibliche Frettchen geschlechtsreif, ohne dass es zum Geschlechtsverkehr mit einem männlichen Tier kommt, kann es vorkommen, dass der Östrogenspiegel im Tier auf einem dauerhaft zu hohen Level bleibt was wiederum schwere Schäden am Rückenmark bis hin zu vollständiger Lähmung hervorrufen kann. Bleibt das Geschlechtsorgan des Tieres über mehrere Tage geschwollen und zeigt das Frettchen zudem Symptome wie apathisches Verhalten, ist Vorsicht geboten und ein Gang zum Tierarzt obligatorisch.

Magen-Darm-Erkrankungen: Frettchen sind recht anspruchsvolle Fresser mit einer empfindlichen Verdauung, die schnell verstimmt sein kann. Neben diversen Spul- und Bandwürmern kann das auch durch bakterielle Entzündungen begründet sein. Vor allem die Würmer zeigen sich dadurch, dass das Tier zwar normal frisst und sich bewegt, jedoch ständig an Gewicht verliert. Bei viralen und bakteriellen Erkrankungen bestehen die Symptome eher darin, dass die Tiere schlecht fressen, sich häufig ins Maul greifen und gegebenenfalls erbrechen. Wenn dann noch der ebenfalls häufig vorkommende Durchfall hinzukommt, sollten das Frettchen zum Arzt gebracht werden. Wichtig: Über den Kot scheiden die Tiere Krankheitserreger mit aus. Wenn mehr als ein Frettchen gehalten wird, sollten daher die anderen Tiere nicht im gleichen Katzenklo ihr Geschäft verrichten, um sich nicht ebenfalls zu infizieren.

Mäuse

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Tyzzer’s: Die Tyzzer’s Desease wird von einem im Darm der meisten Mäusearten beheimateten Bakterium ausgelöst. In den meisten Fällen sind ausschließlich Rennmäuse betroffen, jedoch können auch andere Rassen befallen werden. Über die Entstehung ist sich die Wissenschaft nicht ganz einig, es wird vermutet, dass eine Kombination aus Stress und mangelnder Hygiene verantwortlich sein könnte. Die Symptome sind oft blutiger Durchfall, reduzierte Nahrungsaufnahme und apathisches Verhalten. Eine Therapie für die Tiere existiert noch nicht, der Tod tritt meist binnen 72 Stunden ein.

Abszesse: Auch in Gruppen gehaltene Mäuse neigen durch Revier- und Rangkämpfe zu ähnlichen Abszessen wie die Meerschweine. Die Gründe dafür sind meist Biss- und Kratzwunden, verlaufen aber bei Mäusen aufgrund des kleineren Körpers grundsätzlich häufiger tödlich, solange die Maus nicht von der Gruppe abgetrennt gehalten wird. In diesem Fall sollte die Wunde beim Tierarzt gereinigt und das Tier so lange in einem getrennten Käfig gehalten werden, bis die Verletzung verheilt ist.

Parasiten: Sämtliche Mäuserassen leiden durch die Bank weg überproportional häufig an Endo- und Ektoparasiten, also solche, die entweder im Tier oder darauf leben. Sie alle werden vor allem durch verunreinigtes Streu und Futter in das Mäusegehege eingebracht. Gegen Endoparasiten lässt sich wenig tun, da sie meist unerkannt für lange Zeit in der Maus leben, ohne dass es zu auffälligen Symptomen kommt. Erst im Endstadium wird das Tier meist sehr schnell so stark geschwächt, dass es zum Tod kommt. Ektoparasiten hingegen leben außerhalb des Tieres im Fell und auf der Haut. Sie zeigen sich etwa dadurch, dass die Maus sich häufig kratzt, teilweise auch nur an einer Stelle. In diesem Fall können die Schädlinge durch ein spezielles Parasitenbad abgetötet werden. Dies sollte bei allen Tieren erfolgen und danach die Käfige umfassend gereinigt werden, bevor die Tiere wieder hineingesetzt werden. Auch Streu und Futter sollten bei Parasitenbefall gewechselt werden, damit die Tiere sich nicht abermals infizieren.

Kaninchen

Auch Kaninchen, die nicht in den Garten kommen, sollten frühzeitig vor RHD geimpft werden.

Augenerkrankungen: Durch Streu und Rangkämpfe leiden Kaninchen recht häufig unter Erkrankungen des Auges. Oftmals stoßen sie sich unbeabsichtigt harte Strohhalme durch die empfindliche Lederhaut des Augapfels oder leiden unter Kratzattacken von Artgenossen. Daneben kommt es auch immer wieder zu Abszessen hinter dem Auge, die durch Probleme mit zu langen Zähnen entstehen, sowie Verstopfungen des Tränenkanals durch eine Erkältung. In all diesen Fällen zeigen sich Symptome wie geschwollene Augen, starker Tränenfluss und Verklebungen des Fells rund um das betroffene Auge. Spätestens dann sollte ein Tierarzt konsultiert werden, der je nach Verletzung über das weitere Vorgehen berät.

RHD: Die Rabbit Hemorrhagic Disease wird auf verschiedenen Wegen von Insekten bis hin zu kontaminiertem Futter übertragen und zeigt sich durch Blutspuren an Nase und Geschlechtsorganen, sowie apathischem Verhalten. Die Gründe dafür sind immer durch das RHD-Virus ausgelöste innere Blutungen. Diese sind in den meisten Fällen so stark und treten zudem so plötzlich auf, dass die Tiere meist schnell versterben. Selbst wenn die Krankheit frühzeitig bemerkt wird, eine Heilung existiert bislang noch nicht. Der einzige Schutz besteht darin, die Kaninchen grundsätzlich und vom Halteort unabhängig impfen zu lassen.

Magen-Darm-Erkrankungen: Wie die meisten Nager so leiden auch Kaninchen recht häufig unter Erkrankungen des Verdauungstraktes. Oft sind auch hier Viruserkrankungen die Ursache. In anderen Fällen aber auch falsches Futter: Vor allem getreidehaltiges Futter sollte am besten gar nicht verabreicht werden und auch zuckerhaltige Snacks gehören nicht in den Kaninchenkäfig (und eigentlich generell zu keiner Tiernahrung). Leidet das Tier bereits seit längerem unter Durchfall, sollte die Frischfutterration reduziert werden und auf Päppelnahrung umgestellt werden, die nicht nur die Krankheit selbst stoppen, sondern durch Vitamine und Mineralien dem Kaninchen auch wieder die notwendigen Nährstoffe zuführen, um die Auswirkungen der Krankheit zu bekämpfen.

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