Nagelbettentzündung

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 27. September 2016
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Als Nagelbettentzündung (in medizinischer Fachsprache Onychie bzw. Paronychie) bezeichnet man eine infektiöse Entzündung des Nagelorgans. Sie kann durch verschiedene Erreger hervorgerufen werden. Man unterscheidet akute, chronische und syphilitische Formen der Nagelbettentzündung.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Nagelbettentzündung?

Streng genommen handelt es sich bei einer Nagelbettentzündung um eine Entzündung des eigentlichen Nagelbettes, d. h. des Bindegewebes zwischen Fingerendknochen und Nagelplatte. Diese Erkrankung wird fachsprachlich Onychie genannt.

In der Umgangssprache und im klinischen Alltag werden aber auch die sogenannten Paronychien unter dem Begriff Nagelbettentzündung zusammengefasst. Dabei handelt es sich um entzündliche Veränderungen des Nagelwalls (der Hautfalte über der Nagelwurzel) und der Nagelfalz (der Hautfalte über dem seitlichen Nagelrand). Die Nagelbettentzündung ist die häufigste infektiöse Erkrankung der Hand: Sie macht ca. 30 % aller klinisch erfassten Fälle aus.

Ursachen

Die akute Nagelbettentzündung geht meist auf kleine Verletzungen in der Nagelumgebung zurück. Die Wunden sind dabei häufig so unscheinbar, dass sie vom Patienten nicht bemerkt oder nicht beachtet werden. Dennoch bilden sie eine gefährliche Eintrittspforte für Krankheitserreger.

Chronische Nagelbettentzündungen betreffen hauptsächlich Diabetiker oder Personen, deren Hände durch häufigen Umgang mit Reinigungsmitteln, Desinfektionsmitteln oder anderen Chemikalien angegriffen sind. Sowohl Bakterien als auch Viren oder Pilze können für eine Nagelbettentzündung verantwortlich sein.

Am häufigsten ist eine bakterielle Infektion mit Staphylokokken, seltener mit Streptokokken oder Escheria coli. Die syphilitische Form der Nagelbettentzündung geht auf eine Primärinfektion mit dem Bakterium Treponema pallidum, dem Erreger der Syphilis, zurück.

Liegt eine Pilzbesiedlung vor, handelt es sich typischerweise um eine Candidose mit dem Hefepilz Candida albicans. Virale Nagelbettentzündungen werden wie andere virale Hauterkrankungen vorwiegend durch Herpesviren verursacht.

Symtome und Verlauf

Eine Nagelbettentzündung macht sich zunächst durch Rötung und Schwellung des betroffenen Areals bemerkbar. Sie ist häufig schmerzhaft, wobei der Schmerz typischerweise pochenden oder klopfenden Charakter aufweist. Meist sind Eitereinschlüsse zu erkennen. Die entzündeten Stellen sind druckempfindlich, da Eiter und Wundflüssigkeit erhöhten Druck auf das umliegende Gewebe ausüben.

Bei Abszessen im Nagelbett kann sich sogar der Nagel ablösen. In fortgeschrittenem Stadium breitet sich die Entzündung in tiefer liegendes Gewebe aus und kann dabei die Knochenhaut (Periost) oder den Fingerknochen selbst infizieren. Gelangen die Erreger in die Blutbahn und rufen eine systemische Entzündung hervor, kann es sogar zu einer lebensbedrohlichen Sepsis kommen. Derartige Komplikationen sind zwar selten; dennoch sollte eine Nagelbettentzündung möglichst frühzeitig behandelt werden.

Diagnose

Diagnostiziert wird eine Nagelbettentzündung durch Blickdiagnose. Der Arzt erkennt sie an der typischen Lokalisation und den klassischen Entzündungszeichen: Rötung, Überwärmung, Schwellung, Schmerz und Funktionseinschränkung. Differenzialdiagnostisch sind eventuell übergeordnete Infektionskrankheiten wie Milzbrand oder Syphilis auszuschließen. Bei ausgedehnter Entzündung ist es sinnvoll, ein Röntgenbild anzufertigen, um eine mögliche Beteiligung des Fingerknochens zu erfassen. Bei der chronischen Nagelbettentzündung sollte differenzialdiagnostisch immer ein subungales Plattenepithelkarzinom ausgeschlossen werden. Hierzu wird eine Hautbiopsie entnommen.

Behandlung und Therapie

Die Behandlung einer Nagelbettentzündung ist von ihrem Ausmaß, ihrer Dauer und der Art des Erregers abhängig. Im Frühstadium genügt es meist, den Finger ruhig zu stellen und mehrmals täglich mit entzündungshemmenden, antiseptischen Salben oder Bädern zu behandeln. Der betroffene Finger sollte möglichst feucht umwickelt werden, um das Eindringen weiterer Erreger zu verhindern. Mit dieser Unterstützung gelingt es im günstigsten Fall den körpereigenen Abwehrkräften, die Infektion zu bekämpfen.

Diese Maßnahmen können auch in Selbstbehandlung erfolgen. Geht die Nagelbettentzündung aber auch nach einigen Tagen nicht zurück oder verschlimmert sich deutlich, sollte sie von einem Arzt begutachtet werden. Überfordert die Infektion das eigene Immunsystem, ist eine medikamentöse Therapie mit Antibiotika (gegen Bakterien), Virostatika (gegen Viren) oder Antimykotika (gegen Pilze) angezeigt.

Bei Abszessbildung kann zudem eine operative Therapie erfolgen: Hierbei schneidet der Arzt die Haut über dem Abszess ein, lässt den Eiter ab und desinfiziert die Wundhöhle. Diese Maßnahmen befreien den Patienten von den Druckschmerzen und beugen einer Ausbreitung der Entzündung vor.

Unter Umständen kann es sogar erforderlich sein, einen Teil der Nagelplatte zu entfernen, um subungale Abszesse auszuräumen.

Bei chronischer Nagelbettentzündung besteht die Behandlung zusätzlich darin, die chronische Irritation der Haut zu verhindern, beispielsweise durch verbesserte Diabeteseinstellung. Kurzfristig können auch lokale Kortikosteroide zur Milderung einer chronischen Nagelbettentzündung zum Einsatz kommen.



Vorbeugung

Die beste Prävention einer Nagelbettentzündung besteht darin, Verletzungen in der Nagelumgebung zu vermeiden und die gesunde Haut als natürliche Schutzbarriere aufrecht zu erhalten. Pediküre und Maniküre sollten vorsichtig und sachgemäß ausgeführt sowie insbesondere ein Schneiden des Nagelhäutchens unterlassen werden. Gegen rissige Haut in der Nagelumgebung helfen fetthaltige Cremes. Wer beruflich viel mit Chemikalien hantiert, sollte dabei möglichst Handschuhe tragen, um chronischen Nagelbettenzündungen vorzubeugen.

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