Morbus Scheuermann (Scheuermann-Krankheit)

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 29. März 2016
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Unter Morbus Scheuermann (Scheuermann-Krankheit) bezeichnet man eine Wachstumsstörung der Wirbelsäule, die sich bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen über die Bildung von Keilwirbeln in einem ausgeprägten Rundrücken manifestiert und typischerweise auf der Basis chronischer Fehlhaltung entsteht.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Morbus Scheuermann (Scheuermann-Krankheit)?

Morbus Scheuermann (Synonyme: Scheuermann-Krankheit, Adoleszentenkyphose, juvenile Kyphose) ist eine Erkrankung der Wirbelsäule, die in der Regel im jugendlichen Alter beginnt. Typisches sichtbares Kennzeichen der häufig auftretenden Wachstumsstörung ist ein ausgeprägter, meist durch chronische Fehlhaltungen verursachter Rundrücken, der durch eine schwache Rumpfmuskulatur noch verstärkt wird.

Beschrieben wurde die Störung erstmals vom dänischen Mediziner Holger Werfel Scheuermann, weswegen das Erkrankungsbild als Morbus Scheuermann bezeichnet wird. Nach der diagnostischen Sicherung mittels Röntgenaufnahme werden sportliche Aktivität und Krankengymnastik, unter Umständen auch Orthesen und operative Eingriffe zur Behandlung von Morbus Scheuermann eingesetzt.

Ursachen

Als Ursache für Morbus Scheuermann werden endogene Auslöser wie Vererbung oder Hormonstörungen, in der überwiegenden Mehrzahl aller Fälle jedoch exogene Auslöser wie eine chronische Fehlhaltung, unphysiologische Belastungen oder eine schwache Rumpfmuskulatur vermutet. Vor allem eine stark nach vorne gebeugte Sitzhaltung stellt eine unnatürliche Belastung der Vorderkanten der einzelnen Wirbelkörper, besonders im Bereich der Brustwirbelsäule, dar.

Fällt diese Belastung in die Phase des Heranwachsens, kommt es über die Schädigung von Deck- und Bodenplatten der Wirbelkörper, die Bildung von Keilwirbeln sowie den Eintritt von Bandscheibenmaterial in die zerfurchten Deck- und Bodenplatten (Schmorlsche Knötchen) zu einer massiven Kyphosierung des oberen Rückens (Rundrücken), der häufig von einer kompensatorischen Hyperlordosierung (Hohlkreuz) begleitet wird. Dieser Rund- beziehungsweise Hohlrundrücken ist das charakteristischste Anzeichen für Morbus Scheuermann.

Symptome und Verlauf

Hohlreuz und Rundrücken sind ein typisches Merkmal für Morbus Scheuermann.

Typische Symptome des Morbus Scheuermann:

In vielen Fällen verläuft die Scheuermann-Krankheit nahezu beschwerdefrei, was die hohe Zahl an Zufallsbefunden erklärt.

Mögliche Symptome der Adoleszentenkyphose sind Rückenschmerzen oder Einschränkungen in der Beweglichkeit der Wirbelsäule, jedoch korrelieren das im Röntgenbild festgestellte Ausmaß der Erkrankung sowie die Ausprägung des Rundrückens nicht unbedingt mit der Stärke der Beschwerden.

Morbus Scheuermann kommt mit dem Abschluss des Wachstums zum Stillstand, die entstandenen Wirbelsäulendeformierungen sind jedoch nicht mehr reversibel. Die juvenile Kyphose ist in den meisten Fällen durch eine gute Prognose gekennzeichnet.

Schmerzen, Wirbelblockaden oder ungünstige Beeinflussungen anderer Strukturen des Stütz- und Bewegungssystems, die als Spätfolgen im Erwachsenenalter auftreten, werden als ein Zustand nach Morbus Scheuermann bezeichnet.

Ein starker Rundrücken kann sich unter Umständen negativ auf die Lungenfunktion auswirken, diese spätere Auswirkung eines Morbus Scheuermann ist jedoch höchst selten zu beobachten.

Diagnose

Morbus Scheuermann ist in der Regel durch die Kombination von ärztlicher Untersuchung und seitlicher Röntgenaufnahme zweifelsfrei zu diagnostizieren. Ein (auch in der Position der Rutschhalte) sichtbarer Rundrücken, oft in Kombination mit einem Hohlkreuz, ein jugendliches Alter und unter Umständen unklare Rückenschmerzen kennzeichnen das typische klinische Bild der Scheuermann-Krankheit.

Die Röntgenaufnahme zeigt durch die Darstellung von unscharf begrenzten Grund- und Deckplatten der Wirbel, Schmorlschen Knötchen, Keilwirbeln sowie höhenreduzierten Zwischenwirbelräumen das Ausmaß der Erkrankung. Wegen der Beschwerdefreiheit vieler Patienten wird Morbus Scheuermann oft nur im Rahmen eines Zufallsbefundes erkannt. Bei symptomatischen Erwachsenen sind grundsätzlich Rheuma, Osteoporose und Morbus Bechterew auszuschließen, bevor die Diagnose Morbus Scheuermann gestellt wird.

Behandlung

Zur Behandlung von Morbus Scheuermann genügen in den meisten Fällen nicht-operative Therapiebausteine, die als wichtigstes Ziel die Wiederaufrichtung der unphysiologisch gekrümmten Wirbelsäule haben. Die physiotherapeutische Behandlung umfasst nicht nur Übungen zur Aufrichtung aus der Fehlhaltung, sondern auch zur Kräftigung abgeschwächter beziehungsweise Dehnung verkürzter Muskulatur.

Im Idealfall übt der Betroffene auch zu Hause und gestaltet darüber hinaus seinen Alltag rückenfreundlicher (zum Beispiel mit einem adäquaten Schreibtisch). Im Sportbereich eignen sich besonders Ausdauersportarten (Schwimmen, Nordic Walking) sowie Gymnastik oder ein dosiertes Krafttraining. Sportarten mit Druck- oder Drehbelastungen, mit Sprüngen oder Stößen sowie mit gegnerischer Einwirkung sollten gemieden werden.

Bei Schwierigkeiten, die durch Morbus Scheuermann gekrümmte Wirbelsäule wieder aufzurichten, leisten Korsetts gute Dienste. Voraussetzungen für einen guten therapeutischen Erfolg sind jedoch eine tägliche Tragedauer von etwa 20 Stunden sowie unterstützende Krankengymnastik. Die Entscheidung zur Operation hängt stark davon ab, inwieweit sich der Betroffene von seinen Beschwerden eingeschränkt fühlt. Die Entfernung maroder Bandscheiben, das Auffüllen von Knochensubstanz sowie die Aufrichtung mit künstlichen Fixierungen sind typische Eingriffe bei Morbus Scheuermann.

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Vorbeugung

Die Vorbeugung der durch Morbus Scheuermann verursachten Schäden beschränkt sich auf die exogenen Ursachen der Erkrankung, die häufig als Reaktion auf andauernde Fehlbelastungen im Kindes- und Jugendalter (Lehrlingsbuckel) entsteht.

Geeignete Maßnahmen, der unphysiologischen Krümmung der Wirbelsäule sowie deren Folgeschäden vorzubeugen, sind die Ausbildung einer guten Bauchmuskulatur und die Stärkung der Rückenmuskulatur und eine regelmäßige breitensportliche Aktivität. Darüber hinaus sollten Heranwachsende keine schweren Gegenstände tragen und über einen ergonomisch gut eingestellten Schreibtisch verfügen, da eine ständige gebeugte Sitzhaltung das Entstehen von Morbus Scheuermann begünstigt.

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