Missempfindungen (Parästhesien)

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 2. Juli 2015
Gesundpedia.deSymptome Missempfindungen (Parästhesien)

Kribbeln oder Taubheitsgefühle an diversen Körperstellen deuten zumeist auf mangelnde Durchblutung oder Nervenstörungen hin. Auch psychische Ursachen können der Grund für solche Missempfindungen sein, die auch als Parästhesien bezeichnet werden.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Missempfindungen?

Hinter dem Begriff Parästhesien respektive Missempfindungen verbergen sich ungewöhnliche Sinneswahrnehmungen der Nerven wie Brennen, Kribbeln, Stechen oder Schmerzen, die sich anfühlen wie Nadelstiche. Meist sind diese Missempfindungen die Folge von Nervenschädigungen, die durch Druck, Einklemmung oder Krankheiten auftreten.

Missempfindungen können an allen Körperstellen auftreten, finden sich aber zumeist an Fingern, Händen und Füßen. Vorübergehende Parästhesien, zu denen auch das „eingeschlafene Bein“ gehört, treten recht häufig auf. Sie werden durch eine zeitweilige Unterbrechung der Blutversorgung in der jeweiligen Extremität verursacht, die zu einem Sauerstoff- und Glucosemangel in den Nervenzellen und dadurch zu einer Fehlschaltung in der Erregungsleitung führt.

Ursachen

Die Ursachen für Missempfindungen können vielschichtig sein. Zu den weiteren Ursachen für diese vorübergehenden Missempfindungen gehören Hyperventilation, Migräne, Druckbelastung einer Nervenbahn oder myofaszialer Schmerz.

Dauerhafte Fehlfunktionen der Nervenzellen, wie z. B. bei Neuropathien, führen zu chronischen Missempfindungen. Hierfür kommen folgende Ursachen infrage:

  • orthopädische Erkrankungen wie Wurzelkompressionssyndrome (z. B. Ischialgie) oder Engpasssyndrome

Missempfindungen an bestimmten Hautstellen können auch durch Erkrankungen bestimmter Nerven beziehungsweise Spinalnerven verursacht werden.

Diagnose-Verlauf-Behandlung von Missempfindungen

Für die Diagnose, den Verlauf und die Behandlung der Missempfindungen spielt es eine nicht unwichtige Rolle, an welchem Körperteil diese in welcher Form auftreten. Welche Untersuchungen letztendlich für die Diagnostik eingesetzt werden, hängt von den jeweils vermuteten Ursachen ab. Nachfolgend sind Diagnose, Verlauf und Behandlung (Therapie) verschiedener Gefühlsstörungen ,abhängig von der Ursache und der betreffenden Körperregion, beschrieben.

Missempfindungen durch Veränderungen der Halswirbelsäule

Missempfindungen sowie eine Störung der Hautsensibilität an den Fingern, den Händen oder den Armen können durch Veränderungen der Halswirbelsäule, z. B. durch Verschleiß oder übermäßige Knochenneubildung, verursacht werden. Diese Symptome werden durch gezielte Fragestellung sowie durch Röntgen- und/oder CT-Aufnahmen diagnostiziert. Die Behandlung dieser Missempfindungen erfolgt in Form von Krankengymnastik oder operativ.

Missempfindungen durch Nervenschädigungen

Bei Missempfindungen, die sich durch ein brennendes Gefühl in der Haut oder ein taubes Empfinden und/oder ein Kribbeln bemerkbar machen, das zunächst in Händen und Füßen und später auch in Armen und Beinen auftritt, handelt es sich meist um eine Nervenschädigung. Da in diesem Fall viele Nerven betroffen sind, ist hier auch von einer Polyneuropathie (= Viel-Nerven-Erkrankung) die Rede. Sie wird durch das Prüfen der Reflexe, einen Vibrationstest mittels Stimmgabel, Messung der Nerven-Leitgeschwindigkeit sowie Labortests diagnostiziert. Die Polyneuropathie, der zu jeweils 30 % Diabetes und Alkoholmissbrauch zugrunde liegen, wird durch Therapie eben dieser Ursachen behandelt.

Missempfindungen durch Karpaltunnel-Syndrom

Bestehen die Missempfindungen in Schmerzen, die mit Kribbeln und einem Taubheitsgefühl in Fingern oder Händen einhergehen, so kann ein eingedrückter Nerv im Handgelenk dafür verantwortlich sein. Da dieser Nerv im Handgelenk durch den sogenannten Karpaltunnel verläuft, wird diese Art der Missempfindungen auch als Karpaltunnel Syndrom bezeichnet. Hier geschieht die Diagnose über Tests der Finger- und Handsensibilität, spezielle Röntgenaufnahmen und der Messung der Leitgeschwindigkeit des Nervs. Behandelt wird das Syndrom durch Ruhigstellung der Hand. Die Schmerzbehandlung erfolgt über Medikamente oder direkt in den Karpaltunnel gespritztes Kortison. Helfen diese Methoden nicht, ist eine operative Weitung des Karpaltunnels nötig.

Missempfindungen durch Verletzungen

Auch nach Unfällen, Verbrennungen oder sonstigen Verletzungen, die zur Schädigung eines Nervs führen, können Missempfindungen auftreten. Besteht das Taubheitsgefühl auch nach dem Abheilen der Verletzung, so ist davon auszugehen, dass die Nervenfunktionen dauerhaft beeinträchtigt sind. Diagnostiziert wird durch Gespräche, Messen der Impulsübertragung des Nervs und testen der Sensibilitäts-Funktionen. Durch physiotherapeutische Behandlungen kann versucht werden, die Beeinträchtigungen und die einhergehenden Missempfindungen zu mindern.

Missempfundungen durch Gewebeveränderungen (Tumor)

Bei taubem Empfinden, Missempfindungen oder völligem Fehlen von Hautempfindungen könnte auch ein Tumor oder eine Geschwulst die Ursache sein. Beide können einen Nerv abdrücken, so dass dieser seiner Funktion nicht mehr nachkommen kann. Die Diagnose erfolgt durch Befragen, Betasten, Testen der Hautempfindungen, Röntgen, Ultraschall und/oder eine Gewebeprobe. Die Behandlung entspricht in diesem Fall der Krebstherapie.

Missempfindungen durch Durchblutungsstörungen

Treten die Missempfindungen an Beinen, Armen oder Fingern auf, so könnten sie Hinweise auf Durchblutungsstörungen sein. Hier erfolgt die Diagnose durch gezielte Fragen, z. B. nach dem Kälteempfinden, sowie Untersuchungen der Gefäße mittels Ultraschall oder Röntgen mit Kontrastmitteln. Therapiert werden durchblutungsbedingte Missempfindungen durch:

  • ein Absenken der Blutfettwerte durch Medikamente
  • das mechanische Weiten der Blutgefäße (Ballon-Dilatation)
  • ein operatives Abfräsen vorhandener Blutfettverengungen
  • eine künstliche Umgehung verengter oder verschlossener Gefäße (Bypass)

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Vorbeugung

Da den Missempfindungen viele Ursachen zugrunde liegen, gibt es keine spezielle Prophylaxe. Es kann nur vorbeugend gegen die ausschlaggebenden Faktoren angegangen werden. So sollte die Ernährung ausgewogen, abwechslungsreich und cholesterinarm sein. Regelmäßige Bewegung, vor allem Personen, die einer sitzenden Tätigkeit nachgehen, kann Schäden an der Halswirbelsäule entgegenwirken. Genügsamer Alkoholkonsum und der Verzicht auf Nikotin können ebenfalls dazu beitragen, Missempfindungen von vornherein zu vermeiden.

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Kommentare und Erfahrungen von anderen Besuchern

Kindsvater Neta kommentierte am 17.09.2014 um 20:17 Uhr

Ich habe schon seit über 10 Jahren Missempfindungen ohne bekannte Ursache. Während dieser habe ich oft in den Muskeln der betroffenen Körperregion ein komisches Gefühl, ähnlich Erfrierungserscheinungen im Winter oder wie ein Muskelkrampf. Die entsprechende Stelle hat dann einen Durchmesser von 5 bis 10 cm und der krampfartige Schmerz dauert nur paar Minuten an, dann verschwindet er wieder. Es gibt Tage an denen mehrere verschiedene Stellen meines Körpers betroffen sind. Kein Arzt konnte bisher eine Diagnose stellen. Ich sorge mich sehr um eventuelle Folgen und wegen der bisher unbekannten Ursache.

Paulline kommentierte am 11.03.2015 um 20:17 Uhr

Ich leide seit 2007 an Polyneuropathie ohne genaue Herkunft. Die Schädigung beträgt 80% in beiden Oberschenkeln. Ich kann kaum noch laufen. Das Kribbeln in beiden Oberschenkeln ist unerträglich.

Marlene kommentierte am 27.08.2015 um 02:43 Uhr

Ich leide seit einiger Zeit unter Sensibilitätsstörungen in den Oberarmen. Diese "Schmerzen" (Druckgefühl, Nadelstiche, Kältegefühl) treten meist nur nachts auf und können einige Stunden andauern und werden nur durch das Überziehen sehr enger Kleidung erträglicher. Sollte mich nun einmal zum Neurologen überweisen lassen.

friedrich kommentierte am 19.10.2015 um 23:53 Uhr

An Pauline vom 11.3.2015: Ich hatte in den 1980-iger Jahren immer mal wieder gefühlte 100.000e feinste Nadeln im der linken Oberschenkeloberseite. Mir half es, jeden Morgen 10 Sekunden lang heißes Wasser über die letzten 4 Wirbel laufen zu lassen. Eine Zufallsentdeckung. Ein paar Jahre später brauchte ich das nicht mehr. Einfach das Hinterteil auf den Badewannenrand und dann mit der Brause abduschen.

Peter kommentierte am 31.01.2016 um 11:00 Uhr

Im Jahr 2008 musste ich mich einer Darmkrebs-OP mit Metastasen am Lymphsystem unterziehen. Dann hatte ich eine aggressive Chemotherapie mit vier Medikamenten. Unter anderem wurde Oxalplatin eingesetzt. Nach der achten Chemobehandlung kippte ich, worauf das Oxalplatin abgesetzt und die Dosis um 30 % verringert wurde. Besonders an den Füßen traten schmerzhafte Parästhesien auf. Seitdem habe ich wegen des Oxalplatins chronische Missempfindungen an den Füßen und ich bin besonders kälteempfindlich. Wegen dieser und anderer Nebenwirkungen habe ich auf Antrag einen Behindertenpass und einen Gehbehindertenausweis ausgestellt bekommen (§ 29 b StVO 1960).

Der_Arthur kommentierte am 04.03.2016 um 21:25 Uhr

Ich habe wiederholt Kältegefühle am linken Knöchel.

Fühlt sich nicht sehr angenehm an!

Marizim kommentierte am 03.08.2016 um 21:56 Uhr

Ich habe Missempfindungen an Beinen, Armen und Teil meines Gesichts. Es fühlt sich pelzig oder klamm an. Schlimm ist, wenn Kleidung oder die Bettdecke auf meine Haut kommen. Ich friere oft oder mir ist sehr warm. Ich habe schon alle neurologischen Untersuchungen gemacht und nichts ist dabei raus gekommen. Ich weiß nicht weiter. Zu welchem Arzt soll ich noch gehen?