Medianuslähmung

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 10. April 2015
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Der Nervus medianus, auch Mittelarmnerv genannt, ist einer der drei Hauptnerven des Armes. Unter den Begriff Medianuslähmung werden Läsionen des Mittelarmnervs zusammengefasst, die einen Funktionsverlust der enervierten Muskeln bis hin zu völliger Lähmung beinhalten. Die Lähmungserscheinungen betreffen meist die Hand, die ersten drei Finger und den Daumen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Medianuslähmung?

Der Mittelarmnerv entspringt dem Armnervengeflecht Plexus brachialis, das von Nerven gebildet wird, die zwischen dem 5. Hals- und dem 1. Brustwirbel (C5 – Th1) aus der Wirbelsäule austreten. Der Nerv verläuft von der Achselhöhle über den Ellenbogen unter Verzweigung bis in die Handfläche. Er enerviert hauptsächlich Beugemuskeln des Unterarms und einige Fingermuskeln.

Eine Medianuslähmung äußert sich in Bewegungseinschränkung und Kraftverlust an Unterarm, Händen und den ersten drei Fingern und kann – unbehandelt – zu einer völligen Atrophie des betroffenen Muskels führen.

Ursachen

Abgesehen von Läsionen des Mittelnervs durch einen Unfall oder durch eine neurologische Erkrankung, wird eine Medianuslähmung meist durch eine übermäßige Druck- oder Zugbelastung des Nervs an bestimmten Eng- und Übergangsstellen verursacht. Eine der häufigsten Ursachen für eine Funktionsbeeinträchtigung des Nervus medianus ist das Karpaltunnelsyndrom. Es entsteht durch eine chronische Kompression des Nervs im Bereich des Karpaltunnels, einer Rinne an den Handwurzelknochen, durch die unter anderem der Mittelnerv verläuft.

Im Falle einer Entzündung des umliegenden Gewebes kann es für den Mittelnerv „eng werden“, so dass er ständiger Kompression ausgesetzt ist, und es zu Beeinträchtigungen bis hin zu einem völligen Funktionsverlust kommen kann. Auch Knochenbrüche, Luxationen oder Schnittwunden können eine übermäßige Druck- oder Zugbelastung auf den Nerv ausüben und eine Medianuslähmung verursachen. Das Pronator-Teres-Syndrom, das ebenfalls eine Beeinträchtigung des Mittelnervs beinhaltet, wird durch chronischen Druck auf den Mittelnerv in seinem Verlauf im Unterarm unterhalb des Musculus pronator teres verursacht.

Symptome und Verlauf

Typische Symptome der Medianuslähmung:

Symptome einer Medianuslähmung beinhalten meist motorische Bewegungseinschränkungen und Kraftverlust an den betroffenen Muskeln. Besonders betroffen sind Zeige- und Mittelfinger und der Daumen. Während Zeige- und Mittelfinger nicht mehr gekrümmt werden können, verharrt der Daumen in einer überstreckten Haltung. Diese, für das Karpaltunnelsyndrom typischen Symptome, sind auch unter dem Begriff Schwurhand bekannt.

Weitere Symptome sind auftretende Muskelschwäche und lokal begrenzte sensible Ausfälle im Bereich der betroffenen Muskeln. Die sensiblen Ausfälle äußern sich durch Taubheitsgefühle und Schmerzunempfindlichkeit gegenüber mechanischen und thermischen Reizungen. Der Verlauf der Symptome hängt von der Verursachung ab. Falls die Ursachen für eine Läsion des Mittelnervs nicht behoben werden, nehmen die Symptome an Deutlichkeit zu und die betroffenen Muskeln unterliegen einer Atrophie, die bis zum völligen und irreversiblen Abbau gehen kann. Fall es gelingt, die Verursachung der Nervenläsion zu beheben, verschwinden die Symptome in der Regel von selbst und der Muskel kann sich regenerieren.

Diagnose

Die typischen motorischen und sensiblen Ausfallerscheinungen an Händen, Daumen und den ersten drei Fingern lassen normalerweise eine Diagnose auf Medianuslähmung ohne jegliche weitere Hilfsmittel zu. Weitergehende Diagnoseverfahren mit objektiv messbaren Daten stehen ebenfalls zur Verfügung. Zur Bestimmung der Schwere einer vorliegenden Läsion und zur Bestimmung des Ortes der Läsion dient vor allem die Elektromyografie (EMG). Es können die Funktion einzelner Muskeln und die Nervenleitgeschwindigkeit (NLG) überprüft und gemessen werden.

Behandlung und Therapie

Die Behandlung der Medianuslähmung hängt weitestgehend von der Verursachung ab. Bei relativ mildem und eher unspezifischem Verlauf kommen zunächst konservative Therapien wie Ruhigstellung, Physiotherapie und Kälte-, bzw. Wärmeanwendungen infrage, die von schmerzstillenden und entzündungshemmenden Medikationen begleitet sein können. Die Therapie zur Bekämpfung des Karpaltunnelsyndroms wird auf den subjektiven und objektiven Befund abgestimmt.

In schweren Fällen kann ein operativer Eingriff notwendig werden, um den Karpaltunnel mit dem Ziel zu öffnen, dem Mittelarmnerv wieder genügend Raum zu verschaffen. In Ausnahmefällen bei eingeklemmtem Nerv kann eine operative Verlegung notwendig sein, um eine Zug- und Druckentlastung zu erreichen. Besondere Herausforderungen werden an die Chirurgie gestellt, wenn infolge einer Schnittverletzung der Mittelnerv vollkommen durchtrennt wurde. Speziell ausgebildete Chirurgen sind in der Lage, zunächst die beiden Nervenenden im Gewebe zu lokalisieren und die Hüllstrukturen der beiden Nervenenden mikrochirurgisch miteinander zu vernähen oder zu verkleben.

Innerhalb der Hüllstrukturen verlaufen die einzelnen – extrem dünnen - motorischen und sensiblen Nervenfasern, die nicht wieder miteinander verbunden werden können. Die Fasern, die von der Nervenzelle im Bereich des Plexus brachialis bis zum Ort der Läsion reichen, bleiben erhalten, während die abgetrennten Fasern absterben und durch neu nachwachsende Nervenfasern ersetzt werden. Der Körper nutzt dabei die zusammengenähte Hüllstruktur für die neu nachwachsenden Nervenfasern. Es handelt sich um einen langwierigen Prozess, da die nachwachsenden Fasern nur einen halben bis einen Millimeter pro Tag schaffen.

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Vorbeugung

Direkt vorbeugende Maßnahmen zur Vermeidung einer Medianuslähmung sind nicht existent, sofern Läsionen durch Unfälle in Betracht gezogen werden. Zur Vorbeugung gegen allmählich eintretende Nervenlähmungen wie z. B. bei dem Karpaltunnelsyndrom oder dem Pronator-Teres-Syndrom wird eine gewisse Sensibilität gegenüber ständig wiederkehrender einseitiger Bewegungen empfohlen. Erste Anzeichen einer motorischen Schwäche oder lokal begrenzter sensibler Ausfälle sollten abgeklärt werden.

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