Malassimilationssyndrom (MAS)

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 10. April 2015
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Unter dem Malassimilationssyndrom (MAS) wird eine Gruppe von Krankheiten zusammengefasst, die eine Störung der Nahrungsaufnahme im Darm zur Folge haben. Es handelt sich dabei meist um eine Maldigestion, ein vermindertes Aufspaltungsvermögen der im Dünndarm ankommenden Nahrung oder um eine Malabsorption, ein gestörtes Aufnahmevermögen der bereits in resorptionsfähige Stoffe und Stoffgruppen zerlegten Nahrung.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Malassimilationssyndrom?

Unter dem Begriff Malassimilationssyndrom (MAS) werden Krankheiten zusammengefasst, die eine Störung der Nahrungsaufnahme durch den Dünndarm beinhalten. Entweder ist die notwendige weitere enzymatische Aufspaltung der Nahrung im Dünndarm gestört, so dass eine Resorption durch die Zotten im Dünndarm nicht erfolgen kann oder die enzymatische Aufspaltung verläuft normal, aber die Resorption der aufgespaltenen Nahrungsstoffe durch den Dünndarm ist gestört. Im ersteren Fall handelt es sich um Maldigestion und im letzteren Fall um Malabsorption.

Ursachen

Im Falle der Maldigestion besteht ein Mangel an Enzymen (Verdauungssäften). Entweder können die Organe aufgrund bestimmter Erkrankungen die notwendigen Enzyme nicht mehr synthetisieren oder den Enzymen ist der Weg zum Nahrungsbrei in den Verdauungsorganen versperrt. Das wichtigste Organ zur Produktion von exokrinen Verdauungsenzymen – vor allem für die fettabbauenden Lipasen und eiweißabbauenden Proteasen – ist die Bauchspeicheldrüse (Pankreas).

Falls der Mangel an Verdauungssäften auf eine Erkrankung des Pankreas zurückzuführen ist, kann es sich um eine Entzündung handeln oder um ein Pankreaskarzinom. Der Abfluss der Pankreassäfte kann z. B. durch Gallensteine behindert werden, was zu ähnlichen Symptomen führen kann. Wenn es sich um Malabsorption, also um eine verminderte Absorptionsfähigkeit der Darmzotten handelt, kann eine entzündliche Darmerkrankung wie Morbus Crohn vorliegen, oder es besteht eine Überempfindlichkeit gegen bestimmte Nahrungsbestandteile. Ein bekanntes Beispiel ist die Überempfindlichkeit gegen Gluten (Zöliakie).

Symptome und Verlauf

Typische Symptome des Malassimilationssyndroms:

Die Symptome bei Vorliegen eines MAS sind weitestgehend unabhängig davon, ob sie durch eine Maldigestion oder durch eine Malabsorption verursacht wurden. In beiden Fällen enthält der Stuhl im Enddarm unaufgearbeitete Nahrungsbestandteile, die zu voluminösen und übelriechenden, sogenannten Fettstühlen, führen können. Es stellt sich chronischer Durchfall ein. Im weiteren Verlauf kommt es – unbehandelt – zu allgemeinen Vitamin-, Protein- und Fettmangelsymptomen.

Sie äußern sich zunächst in Müdigkeit, Gewichtsverlust und in einem verminderten Leistungsvermögen. Im weiteren Verlauf zeigen sich Muskelatrophien und Ödeme, die auf einen Mangel an proteinogenen Aminosäuren zurückzuführen sind. Aufgrund des Vitaminmangels stellen sich Nachtblindheit, Hyperkeratose, Polyneuropathien, Tetanien und viele weitere Symptome ein.

Falls keine Behandlung erfolgt und die Verursachung des MAS nicht beseitigt wird, können die Symptome allmählich lebensbedrohlich werden. Der Körper verfügt zwar über viele Kompensationsmöglichkeiten, aber einen massiven gleichzeitigen Mangel an proteinogenen Aminosäuren, Vitaminen, Metallionen und anderen Spurenelementen kann er auf Dauer nicht ausgleichen.

Diagnose

Viele der vorgenannten Symptome, die durch MAS verursacht werden, sind relativ unspezifisch und könnten auch völlig andere Ursachen haben. Deshalb empfiehlt sich bei einem Anfangsverdacht auf Vorliegen einer Maldigestion oder einer Malabsorption, eine genaue Anamnese vorzunehmen, in der abgeklärt wird, ob Nahrungsmittelunverträglichkeit bekannt sind, welche Operationen durchgeführt wurden und ob relevante Vorerkrankungen bestanden. Einen ganz wichtigen Hinweis kann die Farbe und Konsistenz (evtl. auch Geruch) des Stuhls geben. Weiterführende Untersuchungen sind Laboruntersuchungen, in denen eine Vielzahl von Parametern untersucht werden können, die Hinweise auf Unterversorgungen bestimmter Stoffgruppen geben können.

Behandlung

Eine effektive Therapie für ein vorliegendes MAS, die auf Ursachenbekämpfung abzielt, setzt eine präzise Diagnose voraus, um eine individuelle Therapie zu entwickeln. Falls eine Unverträglichkeit auf bestimmte Nahrungsmittel festgestellt wurde, führt eine strikte Ernährungsumstellung zum Ziel. Ein bekanntes Beispiel hierfür ist die Zöliakie, auch einheimische Sprue genannt, bei der das körpereigene Immunsystem auf Gluten überreagiert und sogar die Schleimhaut im Dünndarm angreift, so dass sich eine Malabsorption ausbildet.

Eine strikte Ernährungsumstellung auf glutenfreie Nahrung kann die Krankheit zwar nicht heilen, kann aber dafür sorgen, dass das Immunsystem die Schleimhaut des Dünndarms nicht mehr angreift, so dass sie sich wieder regenerieren kann. Wenn andere Gründe zu einer Malabsorption geführt haben, muss die Therapie darauf abgestellt werden. Es können Darminfektionen durch Amöben, Salmonellen oder andere Krankheitserreger vorliegen, die diagnostiziert und gezielt bekämpft werden müssen.

Die verminderte Absorptionsfähigkeit des Dünndarms kann auch durch Morbus Crohn – eine Autoimmunerkrankung – oder durch Diabetes mellitus sowie durch eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) und viele weitere Gründe verursacht werden, die alle eine speziell abgestimmte Therapie erfordern. Falls eine Maldigestion diagnostiziert wurde, wird die Aufmerksamkeit auf die Organe gelenkt, die in ihrer Funktion zur Beisteuerung von Verdauungsenzymen beeinträchtigt sind. Das kann z. B. eine Entzündung des Pankreas sein oder auch Gallensteine, die den Gallengang für die Verdauungssäfte versperren und operativ oder per extrakorporaler Stoßwellenlithotripsie entfernt werden müssen.

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Vorbeugung

Bei bekannter Nahrungsmittelunverträglichkeit liegt die effizienteste vorbeugende Maßnahme in der Vermeidung der problematischen Stoffe. Bei allen anderen Verursachern einer MAS sind kaum sinnvolle vorbeugende Maßnahmen möglich. Falls sich eine hartnäckige Diarrhö einstellt und der Stuhl eine ungewöhnlich helle Farbe annimmt, ist als vorbeugende Maßnahme ein sofortiger Arzt- oder Klinikbesuch anzuraten, um frühestmöglich eine Therapie beginnen zu können, bevor irreversible Schäden eintreten.

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