MRSA-Infektion

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 10. April 2015
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Eine MRSA-Infektion wird durch einen gegen das Antibiotikum Methicillin resistenten Stamm des grampositiven Bakteriums Staphylococcus aureus verursacht. Der Methicillin-resistente Stamm kann zu Problemen vor allem in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und Altenheimen kommen, wenn symptomatische Infektionen mit dem resistenten Keim auftreten, die nur schwer behandelbar sind.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine MRSA-Infektion?

Die MRSA-Infektion wird durch einen Methicillin-resistenten Stamm des fast allgegenwärtigen Bakteriums Staphylococcus aureus verursacht. Da der resistente Stamm des Bakteriums häufig nicht nur gegen Methicillin, sondern auch gegenüber anderen Antibiotika Resistenz zeigt, wird das Akronym MRSA mittlerweile auch treffender als „multi-resistenter Staphylococcus aureus“ übersetzt. Die (meist) harmlose Variante des Bakteriums ist in der Natur weit verbreitet und besiedelt häufig die Haut und die Schleimhäute der oberen Atemwege. Infektionen mit dem resistenten Keim können lokal begrenzt, tiefergehend oder sogar systemisch sein, wenn sich die Keime über die Blutbahn verbreiten und sich in bestimmten Organen festsetzen.

Ursachen

Die Anwesenheit des resistenten Bakteriums allein reicht nicht für eine Infektion aus, sondern setzt in der Regel ein geschwächtes Immunsystem voraus. Diese Voraussetzungen sind vor allem in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen gegeben. Das Bakterium kann von Mensch zu Mensch über Hautkontakt, z. B. durch einfachen Händedruck, übertragen werden. Weil das Bakterium gut an verschiedenen Oberflächen haftet, kann eine Infizierung auch durch Flüssigkeiten oder z. B. durch „kontaminierte“ Gegenstände wie Atemschläuche, Katheter und ähnliche Hilfsmittel erfolgen.

Bei medizinischen Hilfsmitteln, die in direkten Körperkontakt mit den oberen Atemwegen (Nase, Rachenraum, etc.) gebracht werden, empfehlen sich daher besondere Hygienemaßnahmen. Besonders gefährdet sind Patienten während und nach einer Operation, da ihr Immunsystem durch die OP stark beaufschlagt ist und nicht optimal auf eine Konfrontation mit resistenten Staphylokokken reagieren kann.

Symptome und Verlauf

Nachdem eine „Kontaminierung“ mit dem resistenten Staphylococcus aureus erfolgte und das körpereigene Immunsystem das Bakterium nicht erfolgreich im Sinne einer Abwehr bekämpfen konnte, treten die ersten Symptome der MRSA-Infektion ca. 4 bis 10 Tage nach der Infizierung auf. Die Symptome einer MRSA-Infektion können lokal begrenzt, tiefergehend oder sogar auf eine systemische Infektion hindeuten. Lokale Symptome sind Talgdrüsen- oder Haarbalgentzündungen sowie die Ausbildung von Furunkeln oder anderen eitrigen Abszessen in der Haut.

Tiefergehende Entzündungen, die auf eine MRSA-Infektion hinweisen können, sind Nasennebenhöhlen- und Mittelohrentzündungen oder Entzündungen des Knochenmarks. Es sind auch Fälle von Lungenentzündung bekannt – besonders bei gleichzeitiger Virusinfektion. Bei MRSA-Infektionen, die zu schwerwiegenden entzündlichen Prozessen im Körper führen, ist eine spezielle medikamentöse Therapie erforderlich. In einem Labortest kann analysiert werden, auf welche Kombination spezifischer Antibiotika der resistente Keim reagiert und bekämpft werden kann, also keine oder nur schwache Resistenzen entwickelt hat.

Diagnose

Die relativ unspezifischen Symptome einer MRSA-Infektion lassen keine eindeutige Diagnose zu. Wenn die momentanen Lebens- und Umgebungsbedingungen einen Verdacht bestätigen, kann in einem Speziallabor zunächst unter dem Mikroskop festgestellt werden ob in einem Abstrich von der erkrankten Stelle, bzw. Hautpartie, Staphylococcus aureus vorhanden ist. Falls der Krankheitserreger vorhanden ist, kann in einer angesetzten Bakterienkultur nachgewiesen werden, ob es sich um resistente Keime handelt und auf welche Antibiotika sie ansprechen.

Behandlung

Bei Vorliegen eines Verdachts auf eine MRSA-Infektion und anschließendem Nachweis, dass die Erkrankung von resistenten Staphylokokken verursacht wurde, richtet sich die Therapie auf eine Bekämpfung der Bakterien mit einer Kombination von Antibiotika, die sich im Versuch mit der individuellen Bakterienkultur als wirksam erwiesen hat. Auf keinen Fall dürfen Beta-Laktam-Antibiotika verabreicht werden, die normalerweise gegen Staphylokokken eingesetzt werden, weil die die MRSA gegen diese Gruppe von Antibiotika Resistenzen entwickelt haben.

Falls aus bestimmten Gründen nur ein Einzelwirkstoff als Medikament in Frage kommt, wurden mit sogenannten Reserveantibiotika wie Vancomycin, Daptomycin, Tigecyclin oder mit neueren Cephalosporinen wie Linezolid gute Ergebnisse erzielt. Reserveantibiotika sollen nur in besonderen Fällen zum Einsatz kommen, weil sie z. T. mit starken Nebenwirkungen in Verbindung gebracht werden und um zu verhindern, dass durch medizinisch unnötige Anwendungen weitere Resistenzen gegen die Mittel gebildet werden.

Nach erfolgter Behandlung kann es sein, dass die resistenten Bakterien vollständig verschwinden. In anderen Fällen sind die Keime nach wie vor nachweisbar, obwohl sie bei dem Betroffenen keine Infektion mehr auslösen. Wenn die Keime auch nach erfolgreicher Therapie nachweisbar bleiben, empfiehlt sich eine sogenannte Sanierung. Da Staphylococcus aureus hauptsächlich die Schleimhäute der oberen Atemwege, also Nase und Rachenraum, besiedelt, wird eine antibiotische Nasensalbe verabreicht und desinfizierende Mundspülungen empfohlen. Falls eine Besiedelung der Haut besteht, sollen antiseptische Seifen und Lösungen benutzt werden.

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Vorbeugung

Eine direkte Vorbeugemaßnahme, die eine MRSA-Infektion verhindern könnte, ist nicht bekannt. Die wichtigsten vorbeugenden Maßnahmen bestehen in der Einhaltung bestimmter Hygieneregeln. Insbesondere müssen in Krankenhäusern und anderen Institutionen, in denen es zu MRSA-Infektionen kommen kann, die Handhygieneregeln eingehalten werden.

Problematisch wirkt sich auch aus, dass Personal, welches direkt in Kontakt mit Patienten kommt, Träger der resistenten Staphylokokken sein kann, ohne es zu wissen und ohne selbst erkrankt zu sein. Ein Screening für das Personal (Ärzte, Pflegepersonal) könnte Klarheit schaffen, wird aber momentan noch als zu aufwendig abgelehnt.

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