MRSA

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 11. April 2016
Gesundpedia.deKrankheiten MRSA

Von einigen Boulevard-Blättern als Killer-Keim betitelt, erregt der MRSA seit einigen Jahren immer wieder Aufsehen. Da dieser Erreger vor allem in Krankenhäusern und Pflegeheimen auftritt, fühlen sich Patienten bedroht und verängstigt. Doch was genau ist der MRSA, ist er wirklich so gefährlich und was kann man gegen ihn tun?

Inhaltsverzeichnis

Was ist MRSA?

Der MRSA (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus) ist ein Bakterium, also ein Krankheitserreger, der eine hohe Restistenz gegen gängige Antibiotika und übliche Behandlungsmethoden aufweist. Häufig wird sein Name fälschlicherweise mit multi-restistent definiert.

Hat er eine Wunde besiedelt, gilt diese als schwer zu behandeln, da nur wenige Therapiemethoden als wirksam gegen diesen Erreger gelten. Auch kann der MRSA-Erreger Blutvergiftungen hervorrufen und hierbei die Organe befallen. Dies kommt seltener vor, betrifft aber vor allem Schwerkranke und Abwehrgeschwächte.

Die Diagnose, ob ein Patient mit MRSA besiedelt ist, erfolgt in der Regel über Abstriche an Ohren, Nase, Rachen, After oder auch an offenen Wunden. Da eine MRSA-Infektion sich auch generalisieren, also in den Blutkreislauf übergehen kann, können auch entsprechende Tests erfolgen, um eine Blutvergiftung mit MRSA nachzuweisen oder auszuschließen.

Ob ein Patient als MRSA-frei gilt, hängt von drei negativen Testungen an der enstprechenden Körperstelle ab. Erst, wenn alle Abstriche drei mal negativ ausgefallen sind, ist der Patient nicht mehr mit MRSA besiedelt. Die Auswertung der Abstriche nimmt in aller Regel ein Labor vor.

Ursachen

Der MRSA-Erreger kommt überall, vorrangig aber in Krankenhäusern, Pflegeheimen oder anderen medizinischen Einrichtungen vor. Meist töten gängige Hygiene- und Reinigungsmittel diese Erreger nicht ab, da sie inzwischen Resistzenzen entwickelt haben. Aus diesem Grund stellen sie eine erhöhte Gefahr für Risikogruppen dar. Viele gesunde Menschen tragen diesen Keim auf ihrer Haut, ohne es zu merken und ohne, dass er ausbricht, da ihr Immunsystem intakt ist.

Kranke, Abwehrgeschwächte, Senioren und Kinder gehören aber zur Risikogruppe, da ihr Immunsystem nicht unbedingt einwandfrei arbeitet. Hier kann MRSA zu Infektionen führen, z. B. an Wunden, die aufgrund des Keims nur sehr schwer bzw. unbehandelt gar nicht heilen.

Symptome und Verlauf

Der MRSA bildet auf Wunden einen gelben, zähen Belag ("aureus" ist das lateinische Wort für "goldfarben"), der für Fachkundige eindeutig zu erkennen ist. Bei schlecht heilenden Wunden, die einen solchen Belag aufweisen, sollte daher unbedingt eine Abklärung erfolgen. Unbehandelt und im Fall einer geschwächten Immunabwehr, kann es zudem zu einer generalisierten Infektion kommen, was bedeutet, dass der Erreger in den Blutkreislauf übergeht und die Organe infiziert.

Eine solche Ausbreitung ist als lebensgefährlich einzustufen, kommt aber eher selten vor. Dennoch können Risikogruppen daran erkranken, wozu auch Patienten zählen, die frisch operiert wurden oder nach Unfällen im Krankenhaus liegen, wo MRSA vorrangig auftritt. Man kann ganz klar sagen, dass die Reaktionen der Presse (Killer-Keim) übertrieben anmuten, da es durchaus wirksame Behandlungsmethoden gibt.

Trotzdem ist eine MRSA-Besiedelung oder Infektion sofort und fachgerecht zu behandeln bzw. zu sanieren, um mögliche Komplikationen frühzeitig zu umgehen. Bei Einhaltung aller Hygiene- und Behandlungsvorschriften, sowie der möglichen Stabilisierung des Immunsystems kann MRSA gut bekämpft werden, ohne dass es zu einer Neuinfektion oder erneuten Besiedelung kommen muss.

Diagnose

Die möglichst frühzeitige Diagnostik von MRSA ist besonders im stationären Bereich wichtig, um eine unbemerkte Ausbreitung des Keims zu verhindern. Träger von MRSA können Patienten, Klinikpersomal oder Gegenstände sein. Besonders häufig wurde MRSA beispielsweise an den Schuhsohlen des Krankenhauspersonals nachgewiesen. Die Frühdiagnostik hat also gerade im Hinblick auf eine Prophylaxe einen entscheidenden Stellenwert.

MRSA-Träger sind in der Regel asymptomatisch. Verursacht der Keim aber eine Infektion, so handelt es sich meist um ein dramatisches, schwer zu beherrschendes Krankheitsbild mit Fieber und verzögerter Wundheilung. Die ärztliche Diagnose kann ausschließlich anhand von Labordiagnostik gestellt werden. Um eine genaue Keimbestimmung zu ermöglichen, stehen heute mikrobiologische und auch molekularbiologische Nachweisverfahren zur Verfügung.

Denn bei MRSA handelt es sich um eine Vielzahl von Bakterienstämmen mit unterschiedlichen Resistenzen gegenüber Antibiotika. Sind die MRSA-Erreger im Labor isoliert und auch identifiziert, so wird im nächsten Schritt ein sogenanntes Antibiogramm erstellt. Anhand des Ergebnisses kann der Arzt nun zielgerichtet und spezifisch eine Antibiotikatherapie einleiten. Breitbandantibiotika sind zur Therapie von MRSA ungeeignet, das sie die Resistenzbildung noch verstärken.

Das laborfähige Material zum MRSA Erregernachweis besteht aus Abstrichen, die den Patienten von verschiedenen Körperarealen entnommen werden. Zum sogenannten MRSA-Screening werden Abstriche entnommen von Leiste, Achseln, Rachen und Nasenvorhof. Andere Körperflüssigkeiten, wie beispielsweise Wundsekrete oder Eiter, können im medizinischen Laboratorium ebenfalls auf MRSA getestet werden.

Behandlung und Therapie

Die Behandlung des MRSA besteht vorrangig aus der akribisch sauberen Wundversorgung, sowie aus speziellen Hygienemaßnahmen. Da reguläre Duschcremes oder Seifen den Keim nicht abtöten können, werden hier spezielle, medizinische Ganzkörperwaschlotionen verwendet. Gerade in Pflegeheimen und Krankenhäusern kommt es hier zu einer Isolation des Besiedelten, um den Keim nicht auf andere Patienten zu übertragen. Nur mit Mundschutz und Schutzkleidung kann dann der Raum betreten werden, täglich erfolgt die Ganzkörperwäsche inkl. Haarpflege, auch Kleidung und Bettwäsche werden täglich gewechselt.

Diese Maßnahmen sind teils umstritten, da MRSA-Patienten, die ambulant behandelt werden, nicht isoliert werden und längst nicht diese strengen Hygieneregeln beachten müssen. Hier reicht eine adäquate Wundversorgung und die tägliche Ganzkörperwäsche mit entsprechenden Mitteln meist aus. Inzwischen gibt es in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen sogenannte Wundmanager, die sich um die sachgemäße Behandlung von MRSA kümmern und mit Ärzten und Pflegepersonal kooperieren.

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Vorbeugung

Da der MRSA-Erreger genau genommen überall vorkommen kann, ist niemand wirklich geschützt. Allerdings haben Menschen mit intaktem Immunsystem diesen Keim nicht zu fürchten. Senioren, Kinder oder auch chronisch Kranke gehören aber zur gefährdeten Personengruppe.

Eine Vorbeugung kann also vor allem darin bestehen, sich bei einem bekannten MRSA-Fall in der Familie oder bei Krankenhausbesuchen an die entsprechenden Hygienevorschriften zu halten.

Auch die Stärkung des Immunsystems ist von Vorteil. Eine detaillierte Beschreibung von vorbeugenden Maßnahmen kann hier auch der Hausarzt anbieten.

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Kommentare und Erfahrungen von anderen Besuchern

Heinz kommentierte am 23.11.2014 um 19:23 Uhr

Laut unabhängiger Aussage des Hausarztes und des Wundversorgers, ist es gängie Praxis, dass bei Abstrichanfragen an ein Labor mit Absicht nicht nach MRSA gefragt wird, um die Folgen (Meldepflicht mit allen finanziellen Nachteilen) bei positivem Ergebnis zu vermeiden. Sind bei Laboranfragen tatsächlich Alternativbestellungen (also SA und MRSA als zwei Anfragen) möglich oder wird bei der Frage nach SA autmatisch MRSA mit ausgewertet? Wenn ich privat in ein Labor gehe und ein Abstrichergebniss nach SA anfrage und auch bezahle, erhalte ich nur das Ergebnis zu SA. Wenn die obige Praxis stimmen würde, was ökonomisch auch nachvollziehbar wäre, wären alle Statistiken unbrauchbar und die eigene Diagnose vermutlich auch. Es wäre sehr hilfreich, wenn jemand den Widerspruch auflösen könnte!