Lispeln

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 19. Juli 2015
Gesundpedia.deSymptome Lispeln

Ein Lispeln gilt in der Medizin als Sprachstörung. Bei Kleinkindern ist Lispeln häufig eine entwicklungsbedingte Erscheinung. Das Lispeln beschreibt die eingeschränkte Fähigkeit eines Menschen, sogenannte Zischlaute (wie etwa 'z' oder 's') zu formen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Lispeln?

In der Wissenschaft stellt das Lispeln eine Form der Artikulationsstörung dar - das lateinische Wort 'articulare' bedeutet hierbei ins Deutsche übersetzt so viel wie 'deutlich aussprechen'. Das Lispeln kann sich je nach Betroffenem auf unterschiedliche Weise äußern: In den meisten Fällen führt Lispeln zu einer beeinträchtigten Aussprache des Lautes 's'.

Diese weitverbreitete Form des Lispelns wird auch als sogenannter Sigmatismus bezeichnet (in Anlehnung an das griechische Wort 'Sigma' für 's'). Weniger häufig findet beim Lispeln eine eingeschränkt korrekte Bildung der Laute 'ch' oder 'sch' statt.

Ursachen

Ursachen, die sich hinter einem Lispeln verbergen können, sind vielfältig. So kann beispielsweise eine frühe Hörstörung beim Kind dazu führen, dass Zischlaute nicht ausreichend wahrgenommen und in der Folge nicht korrekt ausgesprochen werden.

Darüber hinaus kann das Risiko eines auftretenden Lispelns durch Fehlstellungen erhöht werden, die etwa einer Kieferfehlstellung oder an den Zähnen vorliegen. In selteneren Fällen ist es möglich, dass Funktionsbeeinträchtigungen der Gesichtsmuskulatur sowie Tumore im Bereich von Mundhöhle und/oder Zunge ein Lispeln herbeiführen.

Bei Kleinkindern, deren Sprachentwicklung noch nicht vollständig abgeschlossen ist, tritt ein Lispeln häufig als natürliches Phänomen ohne Krankheitswert auf. Bedingt ist ein solches Lispeln durch die Tatsache, dass das Bilden von Zischlauten durch Kinder in der Regel erst vergleichsweise spät erlernt wird.

Ob das Lispeln eines Kleinkindes die Folge eines regulären Prozesses des Spracherwerbs darstellt oder Symptom möglicher körperlicher Beeinträchtigungen ist, kann im Zweifelsfall ärztlich abgeklärt werden.

Diagnose und Verlauf

Dass bei einer Person ein Lispeln vorliegt, kann meist bereits durch Laien aufgrund hörbarer typischer Lautfehlbildungen festgestellt werden. Besteht Zweifel bzgl. der Hintergründe eines entsprechenden Lispelns, können fachärztliche Diagnoseschritte Klarheit bringen.

So kann mithilfe diagnostischer Verfahren beispielsweise geprüft werden, ob beim Betroffenen Fehlstellungen im Kieferbereich vorliegen oder die Gesichtsmuskulatur Beeinträchtigungen aufweist. Störungen des Hörvermögens, die einem Lispeln zugrunde liegen können, sind durch den Einsatz spezieller Hörtests zu diagnostizieren.

Der individuelle Verlauf des Lispelns orientiert sich vor allem an den jeweiligen Ursachen der Lautfehlbildung - ist das Lispeln beim Kleinkind Ausdruck des natürlichen Spracherwerbs, so bildet sich die Fehlartikulation meist selbstständig zurück. Verbergen sich Funktionsbeeinträchtigungen hinter einem Lispeln, tragen frühzeitige fachgerechte Interventionen oft zur Besserung der Symptomatik bei.

Behandlung und Therapie

Bei vorliegendem Lispeln richten sich Notwendigkeit und Form einer erfolgenden Behandlung vor allem nach den individuellen Ursachen der Artikulationsbeeinträchtigung. Besteht bei Kindern auch nach abgeschlossenem Spracherwerb ein Lispeln fort, so raten Experten in vielen Fällen dazu, eine Entscheidung über mögliche Behandlungsmaßnahmen erst nach kompletter Ausbildung der zweiten Vorderzähne zu treffen. Begründet wird dieser Ratschlag mit dem Einfluss eines Zahnwechsels auf das Lispeln.

Wurden im Rahmen einer Ursachendiagnostik körperliche Beeinträchtigungen erkannt, die ein Lispeln begründen oder begünstigen, so besteht ein wichtiger Therapieschritt meist in einer entsprechenden Ursachenbekämpfung. Liegen dem Lispeln beispielsweise Zahnfehlstellungen oder Einschränkungen des Gehörs zugrunde, tragen korrigierende Maßnahmen in vielen Fällen auch zu einer Minderung des Lispelns bei.

Verursachen Tumore des Mundraumes ein auftretendes Lispeln, so können nach individuellem Behandlungsplan eventuelle chirurgische Eingriffe erforderlich sein. Häufig werden entsprechende medizinische Maßnahmen dabei durch logopädische (stimmheilkundliche) Behandlungseinheiten ergänzt, um beim Betroffenen eine korrekte Lautbildung beeinträchtigter Zischlaute zu trainieren.

Konnten bei einem vom Lispeln Betroffenen körperliche Ursachen ausgeschlossen werden, hängt die Entscheidung für sprachtherapeutische Maßnahmen vor allem vom individuellen Leidensdruck ab - vor allem erwachsene Menschen, bei denen ein Lispeln vorliegt, hegen oft den Wunsch, die Artikulationsstörung zu bekämpfen.

Da auch psychische Faktoren ein auftretendes Lispeln bzw. dessen Fortbestehen begünstigen können, stellen verschiedene psychotherapeutische Angebote nicht selten eine sinnvolle Ergänzung der logopädischen Behandlung dar.

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Vorbeugung

Einem Lispeln im Kleinkindalter kann vor allem durch regelmäßige ärztliche Kontrolluntersuchungen vorgebeugt werden. Im Rahmen entsprechender Untersuchungen können beispielsweise Beeinträchtigungen des Gehörs oder weitere Erkrankungen bzw. Verletzungen, die möglicherweise ein Lispeln bedingen, frühzeitig diagnostiziert werden.

Auf diese Weise können Funktionsstörungen bereits vor Abschluss der Sprachentwicklung bekämpft werden, sodass das Risiko eines Lispelns deutlich reduziert wird. Auch beim Erwachsenen können bei auftretenden körperlichen Symptomen, die gelegentlich ein Lispeln hervorrufen, frühzeitige Arztbesuche eine körperlich bedingte Artikulationsstörung verhindern.

Um zu vermeiden, dass ein Lispeln bei Kleinkindern über die abgeschlossene Sprachentwicklung hinaus fortbesteht, raten Experten Bezugspersonen schließlich dazu, den häufig als niedlich geltenden Artikulationsfehler dem Kind gegenüber nicht zu wiederholen, sondern korrekt zu sprechen.

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