Lispeln

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 5. Juli 2017
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Ein Lispeln gilt in der Medizin als Sprachstörung. Bei Kleinkindern ist Lispeln häufig eine entwicklungsbedingte Erscheinung. Das Lispeln beschreibt die eingeschränkte Fähigkeit eines Menschen, sogenannte Zischlaute (wie etwa 'z' oder 's') zu formen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Lispeln?

In der Wissenschaft stellt das Lispeln eine Form der Artikulationsstörung dar - das lateinische Wort 'articulare' bedeutet hierbei ins Deutsche übersetzt so viel wie 'deutlich aussprechen'. Das Lispeln kann sich je nach Betroffenem auf unterschiedliche Weise äußern: In den meisten Fällen führt Lispeln zu einer beeinträchtigten Aussprache des Lautes 's'.

Diese weitverbreitete Form des Lispelns wird auch als sogenannter Sigmatismus bezeichnet (in Anlehnung an das griechische Wort 'Sigma' für 's'). Weniger häufig findet beim Lispeln eine eingeschränkt korrekte Bildung der Laute 'ch' oder 'sch' statt.

Ursachen

Ursachen, die sich hinter einem Lispeln verbergen können, sind vielfältig. So kann beispielsweise eine frühe Hörstörung beim Kind dazu führen, dass Zischlaute nicht ausreichend wahrgenommen und in der Folge nicht korrekt ausgesprochen werden.

Darüber hinaus kann das Risiko eines auftretenden Lispelns durch Fehlstellungen erhöht werden, die etwa einer Kieferfehlstellung oder an den Zähnen vorliegen. In selteneren Fällen ist es möglich, dass Funktionsbeeinträchtigungen der Gesichtsmuskulatur sowie Tumore im Bereich von Mundhöhle und/oder Zunge ein Lispeln herbeiführen.

Bei Kleinkindern, deren Sprachentwicklung noch nicht vollständig abgeschlossen ist, tritt ein Lispeln häufig als natürliches Phänomen ohne Krankheitswert auf. Bedingt ist ein solches Lispeln durch die Tatsache, dass das Bilden von Zischlauten durch Kinder in der Regel erst vergleichsweise spät erlernt wird.

Ob das Lispeln eines Kleinkindes die Folge eines regulären Prozesses des Spracherwerbs darstellt oder Symptom möglicher körperlicher Beeinträchtigungen ist, kann im Zweifelsfall ärztlich abgeklärt werden.

Diagnose und Verlauf

Dass bei einer Person ein Lispeln vorliegt, kann meist bereits durch Laien aufgrund hörbarer typischer Lautfehlbildungen festgestellt werden. Besteht Zweifel bzgl. der Hintergründe eines entsprechenden Lispelns, können fachärztliche Diagnoseschritte Klarheit bringen.

So kann mithilfe diagnostischer Verfahren beispielsweise geprüft werden, ob beim Betroffenen Fehlstellungen im Kieferbereich vorliegen oder die Gesichtsmuskulatur Beeinträchtigungen aufweist. Störungen des Hörvermögens, die einem Lispeln zugrunde liegen können, sind durch den Einsatz spezieller Hörtests zu diagnostizieren.

Der individuelle Verlauf des Lispelns orientiert sich vor allem an den jeweiligen Ursachen der Lautfehlbildung - ist das Lispeln beim Kleinkind Ausdruck des natürlichen Spracherwerbs, so bildet sich die Fehlartikulation meist selbstständig zurück. Verbergen sich Funktionsbeeinträchtigungen hinter einem Lispeln, tragen frühzeitige fachgerechte Interventionen oft zur Besserung der Symptomatik bei.

Wann zum Arzt?

Das Lispeln ist eine phonetische Störung. Die Aussprache ist gestört oder unsauber. Aus medizinischer Sicht ist dies kein besorgniserregender Zustand, bei dem eine ärztliche Versorgung notwendig ist. Körperlich und organisch gibt es in den meisten Fällen keine Probleme, die einen Handlungsbedarf bewirken. In seltenen Fällen ist insbesondere bei Kindern die Ursache für das Lispeln eine Hörstörung. Um das über verschiedene Tests ausreichend abzuklären, ist ein Arztbesuch notwendig.

Die Störung der Artikulation führt häufig zu emotionalen und psychischen Belastungen. Zu ihnen gehören ein vermindertes Selbstbewusstsein, Verweigerung des Sprechens oder ein soziales Rückzugsverhalten. Sobald der Betroffene das Lispeln als eine seelische Belastung erlebt, ist ein Arzt zu konsultieren. Treten weitere Beschwerden wie eine dauerhafte Reduzierung der Stimmung, die soziale Isolation oder depressive Zustände auf, ist eine medizinische Betreuung notwendig. Die mentalen Probleme haben im weiteren Verlauf bei vielen Betroffenen einen progressiven Verlauf. Daher empfiehlt es sich, rechtzeitig einen Arzt um Hilfe zu bitten.

Zahnfehlstellungen können das Lispeln verursachen. Hierbei handelt es sich um einen kosmetischen Makel. Im Gespräch mit einem Arzt kann besprochen werden, welche Möglichkeiten der Änderungen gegeben sind. Bei einigen Betroffenen kann das Lispeln durch ein gezieltes Stimmtraining reduziert werden oder vollständig verschwinden. Ein Arzt ermöglicht eine entsprechende logopädische Therapie.

Komplikationen

Das Lispeln führt in den meisten Fällen zu keinen herkömmlichen medizinischen Komplikationen. Es treten häufig emotionale Problematiken auf, die meist dauerhafte Beeinträchtigungen auslösen. Ein vermindertes Selbstbewusstsein, Scham und soziale Isolation sind auftretende Symptome. Viele Menschen reduzieren ihre mündliche Kommunikation. Dies führt zu zwischenmenschlichen Problemen und Konflikten. Missverständnisse stellen sich ein und Streitereien sind möglich. Das Lispeln anderer Menschen ist in der Gesellschaft oftmals Gegenstand für Hänseleien und das eigene Amüsement. Den Betroffenen drohen hingegen dadurch weitere psychische Erkrankungen. Eine Melancholie, Depression oder Teilnahmslosigkeit können sich ausbilden.

Durch das Lispeln werden vermehrt Zahnkorrekturen vorgenommen, die aus medizinischer Sicht nicht notwendig sind. Die Eingriffe führen vorrangig zu kosmetischen Änderungen. Die Vorderzähne werden gekürzt oder ihre Stellung verschoben. Dies kann zu Problemen der Stabilität des gesamten Zahnhalteapparates führen. Das lebenslange Tragen von Zahnspangen oder Zahnersatz wird häufig notwendig. Verletzungen im Mundraum, Hör- und Sprachprobleme sind mit dem Lispeln verbunden. Schmerzen der Schleimhäute oder Bläschen auf der Zunge beeinflussen die Aussprache. Viren und Bakterien zählen zu den Krankheitserregern. Sie breiten sich weiter aus und sind ansteckend. Zusätzlich droht eine Reduzierung der Nahrungsaufnahme. Hält diese an, folgt ein Gewichtsverlust. Es kann zu einer Essstörung sowie Dehydration kommen.

Behandlung und Therapie

Bei vorliegendem Lispeln richten sich Notwendigkeit und Form einer erfolgenden Behandlung vor allem nach den individuellen Ursachen der Artikulationsbeeinträchtigung. Besteht bei Kindern auch nach abgeschlossenem Spracherwerb ein Lispeln fort, so raten Experten in vielen Fällen dazu, eine Entscheidung über mögliche Behandlungsmaßnahmen erst nach kompletter Ausbildung der zweiten Vorderzähne zu treffen. Begründet wird dieser Ratschlag mit dem Einfluss eines Zahnwechsels auf das Lispeln.

Wurden im Rahmen einer Ursachendiagnostik körperliche Beeinträchtigungen erkannt, die ein Lispeln begründen oder begünstigen, so besteht ein wichtiger Therapieschritt meist in einer entsprechenden Ursachenbekämpfung. Liegen dem Lispeln beispielsweise Zahnfehlstellungen oder Einschränkungen des Gehörs zugrunde, tragen korrigierende Maßnahmen in vielen Fällen auch zu einer Minderung des Lispelns bei.

Verursachen Tumore des Mundraumes ein auftretendes Lispeln, so können nach individuellem Behandlungsplan eventuelle chirurgische Eingriffe erforderlich sein. Häufig werden entsprechende medizinische Maßnahmen dabei durch logopädische (stimmheilkundliche) Behandlungseinheiten ergänzt, um beim Betroffenen eine korrekte Lautbildung beeinträchtigter Zischlaute zu trainieren.

Konnten bei einem vom Lispeln Betroffenen körperliche Ursachen ausgeschlossen werden, hängt die Entscheidung für sprachtherapeutische Maßnahmen vor allem vom individuellen Leidensdruck ab - vor allem erwachsene Menschen, bei denen ein Lispeln vorliegt, hegen oft den Wunsch, die Artikulationsstörung zu bekämpfen.

Da auch psychische Faktoren ein auftretendes Lispeln bzw. dessen Fortbestehen begünstigen können, stellen verschiedene psychotherapeutische Angebote nicht selten eine sinnvolle Ergänzung der logopädischen Behandlung dar.



Aussicht und Prognose

Das Lispeln ist bei Kindern so häufig, dass es als normal erachtet werden kann. Die Prognose dafür, dass sich diese Form der Sprachstörung während der Entwicklung des Kindes und mit Unterstützung durch sprachtherapeutische Maßnahmen wieder beheben lässt, ist gut. Entscheidend für die Prognose ist die Ursache des Lispelns. Ist der Sigmatismus durch eine Zahnfehlstellung der vorderen Zähne bedingt, ist auf den Wechsel vom Milchgebiss zum dauerhaften Gebiss hin an dieser Stelle zu warten, ehe eine endgültige Prognose abgegeben wird. Die in der Regel verschwindenden Zahnlücken waren meist der Auslöser der Sprachstörung.

Im Falle einer anderen physiologischen Ursache, wie zum Beispiel Hörproblemen (insbesondere im Bereich hoher Töne), ist die Prognose schlechter. Kinder mit einem unzureichenden Gehör können die Lautbildung anderer nicht entsprechend nachvollziehen und imitieren, was zu einer verformten Aussprache führt. Sprachtherapeutische Maßnahmen können angewendet werden, führen aber nur bedingt zu einer Besserung, wenn dem Hörproblem nicht entgegengetreten wird.

Auch Zungenlähmungen, die nicht zu beheben sind, schließen eine Besserung des Lispelsn praktisch aus. Es kann lediglich versucht werden, Ausgleichslaute zu finden, die den angestrebten Lauten am ehesten entsprechen. Abhängig vom Grad der Zungenlähmung kann dies gelingen. Ist eine neu getragene Zahnspange oder ähnliches der Auslöser des Lispelns, besteht kein Handlungsbedarf. Nach wenigen Tagen gewöhnt sich der Träger der Zahnspange an sie und hat seine Aussprache angepasst.

Vorbeugung

Einem Lispeln im Kleinkindalter kann vor allem durch regelmäßige ärztliche Kontrolluntersuchungen vorgebeugt werden. Im Rahmen entsprechender Untersuchungen können beispielsweise Beeinträchtigungen des Gehörs oder weitere Erkrankungen bzw. Verletzungen, die möglicherweise ein Lispeln bedingen, frühzeitig diagnostiziert werden.

Auf diese Weise können Funktionsstörungen bereits vor Abschluss der Sprachentwicklung bekämpft werden, sodass das Risiko eines Lispelns deutlich reduziert wird. Auch beim Erwachsenen können bei auftretenden körperlichen Symptomen, die gelegentlich ein Lispeln hervorrufen, frühzeitige Arztbesuche eine körperlich bedingte Artikulationsstörung verhindern.

Um zu vermeiden, dass ein Lispeln bei Kleinkindern über die abgeschlossene Sprachentwicklung hinaus fortbesteht, raten Experten Bezugspersonen schließlich dazu, den häufig als niedlich geltenden Artikulationsfehler dem Kind gegenüber nicht zu wiederholen, sondern korrekt zu sprechen.

Bücher über Lispeln

Quellen

  • Gängler P. et al.: Konservierende Zahnheilkunde und Parodontologie. Thieme Verlag. 3. Auflage 2010
  • Reitemeier B.: Einführung in die Zahnmedizin. Thieme Verlag. 1. Auflage 2006
  • Gängler, P., et al.: Konservierende Zahnheilkunde und Parodontologie. Thieme, Stuttgart 2010
  • Weber, T.: Memorix Zahnmedizin. Thieme, Stuttgart 2009
  • Hellwege, K.D.: Die Praxis der zahnmedizinischen Prophylaxe, Georg Thieme Verlag, 6. Auflage, 2003
  • Kramer E. Prophylaxefibel, Grundlagen der Zahngesundheit; Deutscher Zahnärzte Verlag (2009)

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