Leistenschmerzen beim Joggen

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 19. Mai 2017
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Leistenschmerzen beim Joggen können viele Ursachen haben. Nicht immer steht ein Leistenbruch hinter den Beschwerden, zum Teil sind sie harmlos. Ein Arztbesuch ist jedoch ratsam.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Leistenschmerzen beim Joggen?

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Medikamente gegen: Sportverletzungen

Die Leiste (lat. Inguen) ist der untere seitliche Teil der Bauchwand und stellt den Übergang von der Bauchwand zum Oberschenkel dar. Der Mensch verfügt über eine linke und eine rechte Leiste. In der Leistenregion befindet sich der Leistenkanal. Beim Mann enthält dieser unter anderem den Samenstrang, bei der Frau das Mutterband. Zudem befinden sich in der Leistenregion die inguinalen Lymphknoten. Der Leistenkanal ist eine natürliche Schwachstelle der Bauchwand. Es handelt sich bei der Leiste um einen Teil der Bauchwand, nicht, wie häufig fälschlich angenommen, um eine knöcherne Struktur.

Bei einigen sportlich aktiven Menschen kommt es beim und/oder nach dem Joggen zu Schmerzen der Leiste bzw. zu Schmerzen in der Leistenregion. Diese Schmerzen können von unterschiedlicher Beschaffenheit und unterschiedlicher Intensität sein. Diese Schmerzen lassen den Großteil der Betroffenen an einen "Leistenbruch", eine Hernie im Bereich der Leiste, denken. Dies ist jedoch nicht bei jedem Schmerz der Leiste der Fall. Es müssen diverse weitere körperlichen und auch nicht-körperliche Ursachen bedacht werden. Im Folgenden sollen diese möglichen Ursachen sowie die Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten erläutert werden.

Ursachen

Treten während des Joggens oder nach dem Joggen Schmerzen in der Leiste auf, sehen die meisten Betroffenen in diesem Schmerz ein Symptom eines "Leistenbruchs". Dies ist jedoch nicht immer der Auslöser von Schmerzen im Bereich der Leiste. Um mögliche Ursachen erläutern zu können, sind zunächst grundlegende Gemeinsamkeiten bei den betroffenen Personen zu suchen. Da die Schmerzintensität und auch die Art des Schmerzes durchaus unterschiedlich sein können, können diese Merkmale nicht als zu betrachtende Gemeinsamkeiten herangezogen werden.

Es ist jedoch allen Betroffenen gemein, dass sie einen - wie auch immer gearteten - Schmerz in der Leiste oder in der Leistenregion verspüren, der während des Joggens auftritt. Hieraus lässt sich die zweite Gemeinsamkeit, die sportliche Aktivität der betroffenen Personen, ableiten. Ausgehend von dieser Betrachtung lassen sich nun einige mögliche Ursachen nennen. Zu diesen zählt auch der bereits genannte "Leistenbruch". Es handelt sich bei diesem nicht um eine Fraktur, obwohl die Bezeichnung eines Bruches allgemeinsprachlich am häufigsten für eine solche verwendet wird.

Beim "Leistenbruch" handelt es sich eigentlich um eine Leistenhernie (Inguinalhernie). Eine Hernie bezeichnet einen Eingeweidebruch. In Folge einer Schwachstelle der "festen Hülle" des Bauchraumes kommt es zu einer Lücke dieser. Geschieht dies im Bereich des Leistenkanals, liegt eine Leistenhernie vor. Teile des Darms können den Bauchraum durch diese "Lücke" verlassen und werden als Beule sichtbar. Der Leistenbruch kann in Folge eines erhöhten Bauchinnendrucks (z. B. während der Schwangerschaft), durch chronischen starken Husten, durch starkes Pressen bei Verstopfung oder auch durch einen durch starke körperliche Belastung ausgelösten erhöhten Bauchinnendruck verursacht werden.

Normalerweise verursacht die Hernie der Leiste nur leichte Schmerzen oder ein Druckgefühl. Treten plötzliche, starke Schmerzen auf und kann die "Beule" im Liegen nicht "weggedrückt" werden, liegt ein eingeklemmter Bruch vor. Dieser muss sofort operativ behoben werden. Eine unkomplizierte Leistenhernie hingegen muss nicht unverzüglich behoben werden.

Weitere Ursachen für Leistenschmerzen während des Joggens sind zum Beispiel Beschwerden der Hüfte. Treten die Beschwerden nur beim Joggen oder bei anderer sportlicher Betätigung auf, können beispielsweise gestörte Bewegungsabläufe der Hüfte Schmerzen verursachen, die in die Leistenregion "ausstrahlen". Generell sind sehr viele Beschwerden und Krankheitsbilder der Hüfte denkbar. Exemplarisch kann das sogenannte Impingement genannt werden. Hierbei handelt es sich um eine Beeinträchtigung der Gelenkbeweglichkeit. Leistungssport begünstigt das Entstehen dieses Hüftproblems.

Davon ausgehend, dass der betroffene Mensch generell sportlich aktiv ist, was aufgrund des Joggens anzunehmen ist, stellt das Vorliegen der "Sportlerleiste" eine weiter mögliche Ursache dar. Bei der Sportlerleiste handelt es sich um ein recht umstrittenes Beschwerdebild. Hierbei liegt eine Schwäche bzw. ein Defekt der Muskeln, Sehnen, etc. der Bauchwand im Bereich der Leiste vor. Im Gegensatz zum Leistenbruch kommt es hierbei jedoch nicht zu der Wölbung und zum Bruchsack, also zum Austreten eines Teils des Darms. Es ist umstritten, ob es sich bei der Sportlerleiste um ein eigenständiges Beschwerdebild oder um eine atypische Leistenhernie handelt. Wie dem Namen zu entnehmen ist, treten die Beschwerden vor allem bei Sportlern auf.

Krankheiten

Wann zum Arzt?

Leistenschmerzen beim Joggen basieren in vielen Fällen auf einer falschen Atemtechnik. Ein Arzt muss nicht aufgesucht werden. Ausruhen und langsames Atmen lindern die Schmerzen, bis sie in kurzer Zeit vollkommen verschwunden sind. Künftig ist die Atmung beim Joggen zu überprüfen und zu korrigieren. Stellen sich die Leistenschmerzen beim Joggen aufgrund einer Überlastung ein, sollte sich der Betroffene ebenfalls schonen. Sind die Schmerzen nach einigen Stunden noch immer vorhanden, ist ein Arztbesuch notwendig.

Breiten sich die Leistenschmerzen weiter aus oder werden sie stärker, muss ein Arzt die Beschwerden abklären. Treten die Leistenschmerzen beim Joggen plötzlich und unvermittelt auf, ist ein Arztbesuch notwendig. Es besteht das Risiko, dass eine Zerrung oder eine Knochenbeschädigung vorliegt, die beide behandelt werden müssen. Bei zusätzlichen Schwellungen oder Verfärbungen der Haut, ist es ebenfalls nötig, einen Arzt zu konsultieren.

Halten die Beschwerden über einen längeren Zeitraum von mehreren Wochen an, können chronische Erkrankungen vorliegen. Ein Arzt ist aufzusuchen, da sich die Schmerzen im weiteren Verlauf kontinuierlich ausbreiten werden. Die Einnahme von Medikamenten ist grundsätzlich nur in Rücksprache mit dem Arzt ratsam. Schmerzmittel haben verschiedene Nebenwirkungen, die zuvor besprochen werden müssen. Bei einer Schiefhaltung des Beckens oder einem veränderten Gang drohen dauerhafte Schäden. Daher ist rechtzeitig ein Arzt zu konsultieren.

Diagnose und Verlauf

Die Diagnostik bei Leistenbeschwerden besteht zunächst immer in einer ausführlichen Anamnese. Hierbei erfragt der Arzt, wann die Schmerzen auftreten, wie lange sie anhalten, wie stark der Schmerz ist und welche Art von Schmerz auftritt. Auch nach bereits behandelten Leistenhernien wird in der Regel gefragt werden. An die Anamnese schließt sich eine körperliche Untersuchung an. Zum Ausschluss eines Leistenbruchs wird der Arzt zunächst schauen, ob eine Vorwölbung vorhanden ist. Weiterhin wird der Arzt die Leiste nach einer Lücke, der Bruchstelle abtasten. Da sich dies durch eine Tastuntersuchung nicht immer einwandfrei feststellen oder ausschließen lässt, wird häufig auch eine Sonografie (Ultraschall) der Leiste durchgeführt. Mittels Sonografie lässt sich in jedem Fall erkennen, ob eine Hernie vorliegt.

Sollte kein Leistenbruch vorliegen, wird der Arzt weitere Untersuchungen veranlassen bzw. durchführen. Hierzu zählt beispielsweise eine Untersuchung des Bewegungsapparates, da Fehlstellungen zu Fehlbelastungen beim Sport führen können, die Schmerzen in der Leiste auslösen. Bei einem Mann wird der Arzt eventuell auch die Hoden untersuchen, da die Schmerzen auch von diesen kommen können. Weitere mögliche Ursachen, die diagnostisch ermittelt oder ausgeschlossen werden können bzw. sollten sind Schäden der Hüfte oder Harnsteine.

Zudem können die Schmerzen von einer Schwellung der Lymphknoten, von den umliegenden Gelenken und Muskeln, Krampfadern oder einem Aneurysma verursacht werden. Der Arzt wird alle diese möglichen Ursachen bedenken und seine Diagnostik nach diesen ausrichten. Bei Frauen können die Beschwerden durch eine Schwangerschaft bedingt sein. Wird keine Ursache gefunden, ist es möglich, dass die Schmerzen durch eine falsche Belastung beim Joggen, durch falsches Schuhwerk oder durch eine Überlastung ausgelöst werden.

Komplikationen

Leistenschmerzen beim Joggen führen zu einer Unterbrechung oder Reduzierung der sportlichen Aktivität. Das löst bei regelmäßigen Joggern eine Veränderung der allgemeinen Lebensführung aus. Häufig tritt ein Vermeidungsverhalten auf, das dauerhaft sein kann. In einigen Fällen stellt sich eine Angststörung ein. Diese bewirkt eine Reduzierung aller körperlichen Aktivitäten und schränkt das eigene Leben deutlich ein. Die Lebenszufriedenheit sinkt und psychische Erkrankungen treten auf. Im weiteren Verlauf sind Panikattacken möglich. Bei einer Abnahme der Bewegungen und steigender Unzufriedenheit kommt es häufig zu einer Gewichtszunahme. Übergewicht und eine Essstörung sind möglich.

Die Leistenschmerzen können auf eine Fehlhaltung des Körpers hinweisen. Darüber hinaus sind Schäden der Knochen denkbar. Beides kann in schweren Fällen zu einem operativen Eingriff führen, der mit Risiken verbunden ist. Darüber hinaus kann es während einer Operation oder einem stationären Aufenthalt zu Infektionen oder einem entzündlichen Prozess an der Eintrittsstelle kommen. Leistenschmerzen beim Joggen können auf fehlerhafte Atemfunktionen hindeuten. Als Ursache können Probleme oder Missbildungen der Atemwege vorhanden sein. Darüber hinaus können irreparablen Schäden der Lunge vorliegen. Im weiteren Verlauf kann es zu einer reduzierten Atmung oder einem Ausfall der Lungentätigkeit kommen. Einer künstliche Beatmung ist notwendig. Die Angst vor dem Ersticken steigt dadurch an.

Behandlung und Therapie

Die Behandlung und Therapie richtet sich nach der ermittelten Ursache. Liegt eine Hernie der Leiste vor, muss diese operativ behoben werden. Verschiedene chirurgische Verfahren stehen zur Verfügung, um eine Leistenhernie zu beheben. Der Arzt klärt mit dem Patienten individuell ab, welche Technik bzw. welches Verfahren für diesen am besten geeignet ist. Liegt ein eingeklemmter Bruch vor, muss dieser sofort chirurgisch therapiert werden.

Liegen den Schmerzen Hüftbeschwerden zu Grunde, ist zunächst abzuklären, was genau die Ursache ist. Handelt es sich beispielsweise um eine Arthrose des Hüftgelenks, kann diese nur symptomatisch durch die Gabe von entzündungshemmenden Medikamenten gelindert werden. Andere Hüft- und Gelenkbeschwerden hingegen können operativ oder konservativ behoben werden, sodass die Ursache beseitigt ist.

Muskuläre Probleme lassen sich meist durch Entspannung, Massagen und schmerzlindernde Gels oder Salben beheben, was dazu führt, dass die Beschwerden relativ schnell behoben sind. Wird keine Ursache gefunden, oder verursacht eine Überlastung die Beschwerden, ist es ratsam, für einen gewissen Zeitraum auf sportliche Aktivität zu verzichten. Letztendlich verordnet der behandelnde Arzt die Therapie nach seinem Ermessen auf Grundlage seiner Untersuchungsergebnisse.



Vorbeugung

Vorbeugen lässt sich vor allem durch das Vermeiden einer zu starken Belastung. Wer gerade erst beginnt, Sport zu treiben, sollte seine Möglichkeiten nicht direkt bis zu seiner körperlichen Belastungsgrenze ausreizen. Weiterhin sollte nicht jeden Tag und nicht zu lange Sport getrieben werden, da dies schnell zu einer Überlastung führen kann. Zudem ist das richtige Schuhwerk wichtig, um eine falsche Belastung zu vermeiden. Weitere allgemeine Tipps lassen sich jedoch nicht geben.

Bücher über Schmerzen

Quellen

  • Rüther, W. & Lohmann, C.H.: Orthopädie und Unfallchirurgie, Urban & Fischer, 20. Auflage, 2014
  • Heisel, J.: Physikalische Medizin - Praxiswissen Halte- und Bewegungsorgane, Georg Thieme Verlag, 1.Auflage, 2005
  • Wülker N. Taschenlehrbuch Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme Verlag. 2. Auflage 2010.
  • Mayer, C. et Siems, W.: 100 Krankheitsbilder in der Physiotherapie, Springer Medizin Verlag, 1.Auflage, 2011
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2012
  • Imhoff, A.B. et al.: Checkliste Orthopädie, Georg Thieme Verlag, 3. Auflage, 2014

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