Leistenhoden

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 1. April 2015
Gesundpedia.deKrankheiten Leistenhoden

Als Leistenhoden wird eine Sonderform des sogenannten Hodenhochstandes bezeichnet. Befinden sich die Hoden auch nach der Geburt im Leistenkanal, so sind diese nicht im Hodensack tastbar.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Leistenhoden?

Der Hodenhochstand, Maldeszensus testis, ist ein kinderurologisches Krankheitsbild. Durch noch nicht im Detail bekannte Faktoren wandern die paarig angelegten Hoden im letzten Drittel der Schwangerschaft nicht bis in den Hodensack, sondern bleiben im Leistenkanal stecken.

Dies bleibt oft zunächst unbemerkt und verursacht auch nicht zwingend Beschwerden. Auch die Wahrscheinlichkeit, dass die Leistenhoden im ersten Lebensjahr doch noch deszendieren, ist recht hoch. Erfolgt keine spontane Abwanderung in den Hodensack, so ist eine Therapie erforderlich.

Ursachen

Die genauen Ursachen für Leistenhoden sowie alle anderen Formen des Hodenhochstandes liegen immer noch weitgehend im Dunkeln. Auch sogenannte Bauchhoden, Gleithoden oder Pendelhoden sind Formen eines Hodenhochstandes. Pendelhoden haben aber keinen besonderen Krankheitswert, denn diese sind bereits in den Hodensack deszendiert, haben aber die Tendenz, zeitweilig wieder in den Leistenkanal zurückgezogen zu werden.

Als Ursachen für den Kryptorchismus als Oberbegriff, zu dem auch das Krankheitsbild der Leistenhoden gehört, werden Hormonfehlregulierungen oder anatomische Fehlbildungen diskutiert. Oft liegt der Erkrankung auch eine Kombination beider Einflussfaktoren zugrunde. Besonders die unzureichende Ausschüttung des Hormons Gonadotropin im frühkindlichen Körper oder durch die Mutter scheinen einen wichtigen Einfluss auf die Wanderfähigkeit der Hoden durch den Leistenkanal auszuüben. Leistenhoden sowie alle anderen Formen eines Kryptorchismus können die Fruchtbarkeit von Männern erheblich beeinträchtigen. Viele der betroffenen Männer sind leider zeit Lebens steril.

Symptome und Verlauf

Typische Symptome des Leistenhodens:

Leistenhoden verlaufen in der Regel asymptomatisch. Nur wenn nach dem ersten Lebensjahr immer noch keine Therapie erfolgt ist, können sich krampfartige Bauchschmerzen mit Brechreiz und Übelkeit einstellen. Dann besteht eine sofortige Indikation zur operativen Verlegung der Leistenhoden in das Scrotum. Rechtzeitig erkannte und behandelte Leistenhoden nehmen einen medizinisch unkomplizierten Verlauf, sofern es gelungen ist, beide Leistenhoden in den Hodensack zurückzuverlegen.

Nicht rechtzeitig diagnostizierte Leistenhoden sind allerdings wegen der drohenden Sterilität und damit Kinderlosigkeit ein ernst zu nehmendes Problem. Außerdem entwickelt sich bei Männern mit Hodenhochstand überdurchschnittlich häufig ein Hodentumor. Sterilität droht bei jeder Form des Hodenhochstandes, welcher nicht bis zum Ende des ersten Lebensjahres erfolgreich therapiert wurde. Es gibt in der medizinischen Literatur nachweislich zahlreiche Fälle, bei denen die operative Zurückverlegung der Hoden erst nach dem 10. Lebensjahr aufgrund akuter Bauchschmerzen der betroffenen Jungen erfolgte.

Bei diesen chronischen Verläufen muss neben der Unfruchtbarkeit auch mit zu niedrigen Testosteronspiegeln im Erwachsenenalter gerechnet werden. Denn das männliche Geschlechtshormon Testosteron wird in den Hoden gebildet. Ein Mangel führt häufig zu Erektionsstörungen.

Diagnose

Die Diagnose von Leistenhoden oder anderen Ausprägungsarten eines Hodenhochstandes ist in der Regel einfach und sicher durch den Tastbefund des Kinderarztes zu stellen. Im Hodensack ist demnach kein Hoden tastbar. Meist sind es aufmerksame Mütter, die das Fehlen der Hoden im Scrotum als Erstes bemerken.

Leider wird ein Hodenhochstand auch heute noch in den vorgeschriebenen Reihenuntersuchungen von Babys und Kleinkindern übersehen. Anders lässt sich die große Zahl der operativen Eingriffe zur Zurückverlegung der Hoden nach dem 10. Lebensjahr nicht erklären. Bei den Leistenhoden kann der Arzt die Hoden durch die Bauchdecke im Leistenkanal ertasten, typischerweise lassen sich die Hoden dann nicht manuell verschieben. Bildgebende Verfahren wie zum Beispiel Röntgen, Computertomographie oder Ultraschall erhärten die Diagnose.

Behandlung und Therapie

Leistenhoden können ein- oder doppelseitig auftreten. Vor einem operativen Eingriff zum Verlegen der Hoden aus dem Leistenkanal in den Hodensack wird in der Regel zunächst eine Hormonbehandlung versucht. Dabei werden per intramuskulärer Injektion die Hormone HCG oder GnRH oder eine Kombination von beiden Hormonen verabreicht. Beide Hormone regen im kindlichen Körper die Bildung von Testosteron an, was wiederum als Stimulanz zum Herabgleiten der Hoden aus dem Leistenkanal in den Hodensack wirkt.

Das Hormon GnRH kann auch intranasal durch Einsprühen in die Nase appliziert werden. Die Aufnahme des künstlich zugeführten Hormons in die Blutbahn erfolgt in diesem Fall direkt durch die Nasenschleimhaut. Eine Hormontherapie zur Behandlung von Leistenhoden dauert nicht länger als 6 Wochen. In diesem Zeitraum sollten die Leistenhoden spontan vom Leistenkanal in den Hodensack deszendiert sein, was auch in bin zu 60 Prozent aller hormonbehandelter Fälle der Fall ist.

Auch nach erfolgreicher Therapie müssen bis zur Pubertät engmaschige Kontrollen erfolgen, denn es kann nicht ausgeschlossen werden, dass die Hoden wieder in den Leistenkanal zurückwandern. Erst nach erfolgloser Hormonbehandlung müssen die Hoden dann operativ in den Hodensack zurückverlegt werden.

Rezeptfreie Medikamente gegen Geschlechtskrankheiten


Vorbeugung

Da es sich bei den Leistenhoden, wie auch bei den anderen Formen des Hodenhochstandes, um eine Entwicklungsanomalie handelt, ist eine direkte Prophylaxe nicht möglich. Um schwere Komplikationen wie eine Unfruchtbarkeit oder Hodenkrebs zu vermeiden, sollte die Behandlung so früh wie möglich erfolgen und spätestens mit Vollendung des zweiten Lebensjahres abgeschlossen sein.

Bücher über Leistenhoden

Weitere Infos

Das könnte Sie auch interessieren:

Welche Erfahrungen und Hinweise haben Sie zum Thema Leistenhoden?

Name oder Pseudonym:

E-Mail: (optional)

(wird nicht angezeigt, nur notwendig, wenn aktuelle Gesundheitsinformationen erwünscht werden)

Kommentar:

(Bitte auf Groß-, Kleinschreibung und verständliche, ganze Sätze achten.)

Sicherheitsfrage: Wieviel sind 30 plus 5?