Leberabszess

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 22. Juli 2015
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Bei Leberabszessen handelt es sich um entzündliche Prozesse unterschiedlicher Ursache, bei denen sich in der Leber lokal Eiter ansammelt. Obwohl Leberabszesse relativ selten vorkommen, kann die Erkrankung einen drastischen Verlauf nehmen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Leberabszess?

Leberabszesse sind abgegrenzte Ansammlungen von Eiter in der Leber, die durch Infektionen verursacht werden. Man unterscheidet zwischen primären und sekundären Abszessen. Meist ist der rechte Lappen der Leber betroffen, seltener der linke.

In weit über der Hälfte aller Fälle handelt es sich dabei um solitäre Eiteransammlungen, ansonsten tritt die Erkrankung in Form mehrerer kleiner Eiterherde auf. Mit 20 Erkrankungen pro 100000 Einwohner zählt der Leberabszess zu den seltenen Krankheiten.

Ursachen

Primäre Leberabszesse werden durch Veränderungen innerhalb der Leber ausgelöst. Ursache hierfür kann z. B. ein direkter Befall des Lebergewebes durch verschiedene Arten von Parasiten (wie z. B. Hundebandwurm und Fuchsbandwürmer oder auch Amöben) sein. Diese Parasiten werden durch den direkten Kontakt mit Wirten, in diesem Fall die entsprechenden Tiere, verursacht.

Ebenso infrage kommen Traumata, d. h. eine Schädigung bzw. Verletzung der Leber durch äußere Gewalteinwirkung, infolge derer Keime eindringen können. Weiterhin kann auch eine Tumorerkrankung Ursache für einen Leberabszess sein.

Sekundäre Leberabszesse liegen vor, wenn sich Entzündungen anderer Organe auf die Leber ausbreiten. Bei einer Abszess bildenden Entzündung der Gallengänge kann sich die Infektion über die Gallenwege ausbreiten.

Auch ein Befall über die Blutbahnen (z. B. über die Pfortader) ist möglich, z. B. bei einer Blinddarmentzündung. Bei einem Amöbenbefall können die Amöben die Darmwand durchdringen, bis zur Leber vordringen und dort Leberabszesse auslösen.

Symptome und Verlauf

Typische Symptome bei Leberabzess:

Infolge eines Leberabszesses kommt es zu hohem Fieber, Schüttelfrost, Übelkeit und Erbrechen, weiterhin zu Schmerzen im rechten, oberen Bauchraum und – bedingt durch die Raumforderung des Abszesses – zu einer krankhaften Vergrößerung der Leber. Gelbsucht (Ikterus), eine Gelbfärbung von Haut und Augen, wird als Folge eines Leberabszesses ebenfalls häufig beobachtet.

Damit einher geht oft auch die Verringerung der Konzentration von Hämoglobin im Blut. Da Hämoglobin für den Sauerstofftransport verantwortlich ist, sind rasche Ermüdung und auch Luftknappheit die Folge: Die Patienten fühlen sich schwach und entkräftet. Wird die Funktion der Leber durch den Abszess zu stark eingeschränkt, kann dies zum oftmals tödlich endenden Leberversagen führen.

Ebenfalls möglich ist die weitere Ausbreitung der Infektion: Pleura, Lunge und Herzbeutel können ebenfalls infiziert werden. Bei einer Amöbiasis (Amöbenruhr) treten - neben dem Leberabszess selbst - zusätzlich starke Durchfälle auf.

Diagnose

Leberabszesse können mithilfe bildgebender Verfahren sichtbar gemacht werden: Sowohl mittels Ultraschall, als auch per Computertomographie (CT) können sie nachgewiesen werden. Die ultraschallgestützte Punktion ermöglicht den effizienten und schnellen Nachweis Abszess bildender Erreger.

Eine Vergrößerung der Leber und auch der typische Druckschmerz kann ggf. palpatorisch, d. h. durch Abtasten, festgestellt werden. Wichtig im Zusammenhang mit der Diagnose von Leberabszessen ist die ausführliche Befragung des Patienten (Anamnese). Dabei ist vor allem zu prüfen, ob der Patient in der näheren Vergangenheit Risikogebiete besucht oder Kontakt mit Menschen aus Risikogebieten gehabt hat.

Bei bestimmten Berufsgruppen (Tierpfleger, Waldarbeiter etc.) muss auch der Tierkontakt berücksichtigt werden. Leberabszesse sind differentialdiagnostisch von Leberzysten und Lebertumoren abzugrenzen.

Behandlung und Therapie

Sofern die Ursache des Leberabszesses eine bakterielle Infektion ist, wird zunächst der Erreger ermittelt. Erst dann wird eine speziell auf den Erreger ausgerichtete Behandlung mit Antibiotika durchgeführt. Spricht die Therapie nicht an, besteht zunächst die Möglichkeit, den Abszess durch Punktion zu spülen.

Versagt dieser minimalinvasive Eingriff, wird der Abszess – auch um eine Ruptur zu vermeiden - in einem operativen Eingriff zunächst geöffnet und anschließend gründlich gespült. Dabei ist eine Kontamination des umliegenden Gewebes durch die pyogenen (eiterbildenden) Keime unbedingt zu vermeiden. Ansonsten kann es im weiteren Verlauf der Therapie zu schwerwiegenden Komplikationen wie z. B. einer Blutvergiftung (Sepsis) u. ä. kommen.

Um den Abfluss sich erneut bildenden Eiters gewährleisten zu können, kann eine Drainage gelegt werden. Je nach Ausmaß der Erkrankung und der Anzahl der Abszesse kann eine Resektion der Leber erforderlich werden. In den meisten Fällen erfolgt eine Nachbehandlung der Leberabszesse mit Antibiotika.

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Vorbeugung

Um Leberabszessen vorzubeugen, ist gute Hygiene unerlässlich. Vor allem in tropischen Gebieten oder Regionen, in denen viele Menschen an Amöbenruhr erkrankt sind oder Erreger in sich tragen könnten, ist die Verwendung von abgekochtem Wasser von größter Bedeutung.

Da Erreger auch per Hautkontakt übertragen werden können, empfiehlt sich die häufige Desinfektion der Hände. Im Umgang mit Tieren – auch mit Hunden – ist generell Vorsicht walten zu lassen, da einige Bandwurmarten ebenfalls Leberabszesse verursachen können.

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Kommentare und Erfahrungen von anderen Besuchern

sperling1511 kommentierte am 28.11.2015 um 19:34 Uhr

Ich hatte im April diesen Jahres einen Leberabszess mit einem Durchmesser von 18 cm. Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus wurde keine Nachuntersuchung angewiesen. Muss ich trotzdem mit Komplikationen rechnen? Beim Atmen habe ich ständig Schmerzen in der rechten Seite.