Kompartmentsyndrom

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 16. Juli 2015
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Von einem Kompartmentsyndrom sind besonders häufig Menschen betroffen, die einen Arm- oder Beinbruch erlitten haben. Durch Ödeme oder Narbengewebe kommt es zu Druck in betroffenen Gewebeabschnitten.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Kompartmentsyndrom?

Die Definition des 1963 geprägten Begriffes Kompartmentsyndrom beschreibt einen Zustand von starkem Gewebedruck mit nachfolgenden Beschwerden unter der Hautoberfläche. Durch das Kompartmentsyndrom können Gewebeteile minderdurchblutet werden oder absterben.

In der Folge kann es zu Nervenschädigungen, Schäden an Blutgefäßen oder Organen kommen. Man nennt das Kompartmentsyndrom gelegentlich auch Logensyndrom. Durch dieses Kompartmentsyndrom genannte Phänomen kann es zu Minderdurchblutung, Schmerzen und im schlimmsten Falle zum Absterben von Gewebe kommen. Die ersten Berichte über dieses Leiden sind seit 1881 verbürgt. Bis heute konnte das Kompartmentsyndrom nicht aus der Welt geschafft werden.

Ursachen

Ein simpler Arm- oder Beinbruch oder ein zu eng angelegter Gipsverband genügen, um ein Kompartmentsyndrom auszulösen. Es zählt zu den häufigsten Bruch-Komplikationen nach der tiefen Beinvenenthrombose. In anderen Fällen ist ein operativer Eingriff an der Aorta Auslöser eines - oftmals lebensbedrohlich gefährlichen - Kompartmentsyndroms.

Verantwortlich für das Entstehen des Kompartmentsyndroms sind so genannte Faszien bzw. derbere Schichten des Bindegewebes, die nicht flexibel genug sind, sich den Schwellungen durch Ödeme und Blutergüsse anzupassen. Sie verursachen erhöhten Druck auf umliegende Gewebeteile. Man spricht dabei von Kompartments oder Logen, die durch bestimmte Muskelgruppen begrenzt werden.

Dadurch ergaben sich die Begriffe Logen- oder Kompartmentsyndrom, die je nach Bedarf noch weiter präzisiert werden können. Die umliegenden Muskeln passen sich der entstandenen Schwellung ausreichend schnell an, nicht aber die festeren Faszien. Sie lösen das Kompartmentsyndrom aus, weil sie zu unflexibel sind.

Das Syndrom entsteht ebenso bei chronischer Überlastung der Muskeln, beispielsweise durch Leistungssport, wo Muskelmasse durch übermäßiges Training schnell zunimmt. Das chronische Kompartmentsyndrom betrifft vor allem Läufer, Geher und Triathleten. Ein durch Training ausgelöstes Kompartmentsyndrom mit chronischer Verlaufsform nennt man funktionell.

Operativ kann ein Kompartmentsyndrom ausgelöst werden, wenn in einer bestimmten Körperlage mehrere Stunden lang operiert werden muss. Urologen und Gynäkologen berichten, dass nach bestimmten Operationen ein Kompartmentsyndrom auftreten kann. Da man das heutzutage weiß, unterbricht man die Operation mehrfach, um die Beinlagerung zu ändern. So kann ein Kompartmentsyndrom erfolgreich vermieden werden.

Symptome und Verlauf

Durch das Kompartmentsyndrom kommt eine Kettenreaktion in Gang. Die schlechte Durchblutung durch den Gewebedruck verändert auch den Stoffwechsel. Neuromuskuläre Schäden und eine mögliche Nekrotisierung im Gewebe sind die Folgen eines akuten Kompartmentsyndroms.

In der chronischen Version sind die Schädigungen nicht mehr so gravierend, weil der Druckaufbau durch das Kompartmentsyndrom nur bei bestimmten Belastungen spürbar wird. Während man früher fast nur die akute Verlaufsform des Kompartmentsyndroms nach Brüchen, Verschüttungen mit Gewebeverletzungen oder Unfällen kannte, diagnostiziert man das chronische Kompartmentsyndrom in neuerer Zeit häufiger.

Zu den klassischen Symptomen des Kompartmentsyndroms gehören spontan auftretende Druckschmerzen in der Muskelumgebung, Muskeldehnungprobleme und spürbare Verhärtungen nach operativen Eingriffen oder Verletzungen. Beim abdominellen Kompartmentsyndrom sind die Symptome dramatischer. Einschränkungen des Blutflusses und Atemnot können bei dieser Form des Kompartmentsyndroms auftreten.

Die entstehenden Durchblutungsstörungen beim abdominellen Kompartmentsyndrom können auch Organe oder das Gehirn in ihren Funktionen einschränken. Nur mit schnellem Handeln ist dieses Kompartmentsyndrom in den Griff zu bekommen. Kommt es zu Sensibilitätsstörung und Empfindungsstörungen in Folge des funktionellen Kompartmentsyndroms, ist dies bereits als Spätfolge anzusehen. Der Verlauf kann je nach Verursachung unterschiedlich sein. Lebensbedrohlich ist nur das abdominelle Kompartmentsyndrom.

Diagnose

Die Diagnose eines Kompartmentsyndroms muss möglichst zeitnah zu einer Operation, einem zu eng angelegten Gipsverband oder einer Bruchverletzung erfolgen, da sonst massive Schädigungen auftreten können. Mittels Palpationsverfahren oder Drucksonde nahe der Schwellung kann man das Kompartmentsyndrom sicher diagnostizieren. Sind nicht die Extremitäten vom Kompartmentsyndrom betroffen, sondern die Abdominalregion, muss eine Blasendruckmessung unternommen werden.

Behandlung und Therapie

Die Behandlung eines Kompartmentsyndrom muss eine Unterscheidung zwischen einem akuten und chronisch-funktionellem Kompartmentsyndrom treffen. In akuten Fall kann man das Kompartment operativ entlasten. Dies erfolgt durch eine Spaltung der betroffenen Faszien.

Beim abdominalen Kompartmentsyndrom bedeutet das eine sofortige Laparotomie. Erst nach dem Abschwellen der betroffenen Körperregion kann die Wunde geschlossen werden.

In Unterschied dazu erfolgt bei einem funktionellen Kompartmentsyndrom nur eine entsprechende Kühlung oder eine Reduzierung der Trainingsbelastung. Durchblutungsförderung und Schonung sind in diesem Zusammenhang beim funktionellen Kompartmentsyndrom Mittel der Wahl.

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Vorbeugung

Zur Vorbeugung gegen ein Kompartmentsyndrom kann man nur wenig tun. Eine insgesamt moderate Lebensweise und die Vermeidung von Stürzen sind noch die besten Gegenmittel gegen das Kompartmentsyndrom.

Operationen und Eingriffe kann man nicht verhindern, übermäßiges Sporttraining aber sehr wohl. Zumindest einem funktionellen Kompartmentsyndrom kann man durch langsame Trainingssteigerung entgegentreten, auch wenn man Berufssportler ist.

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Kommentare und Erfahrungen von anderen Besuchern

Ela kommentierte am 08.04.2016 um 19:31 Uhr

Ich hatte eine Operation an der Wirbelsäule, bekam eine Bandscheiben-Prothese. Diese OP wurde durch den Bauch durchgeführt. Als ich nach der OP erwachte hatte ich schlimme Schmerzen im linken Bein. Ich sagte es meinem Mann und als er sich dann das Bein ansah schlug er Alarm bei den Ärzten. Mein Bein war weiß wie eine Wand. Ich wurde sofort zum CT gebracht und wurde dann nochmal 5 Stunden Not operiert. Als ich dann wieder wach wurde war ich auf der Intensivstation. Mir wurde gesagt ich wäre fast gestorben. Ich hatte ein Kompartmentsyndrom es wurde eine Faszienspaltung durchgeführt und meine Nieren haben versagt. Ich war an der Dialyse angeschlossen und mein linker Unterschenkel ist taub. Das war erst mal ein Schock. Heute 3 Monate nach dem ganzen ist mein linker Fuß immer noch taub. Ich sitze nun im Rollstuhl und kann mit Gehstützen nur kurze Wege gehen, da mir die ganzen OP-Narben sehr weh tun. Schuld an dem ganzen war die erste OP. Die Ärzte haben mein Bauchschlagader verletzt und ich bekam einen tiefen Beinvenenverschluss. Dadurch bekam ich einen Beipass an der Bauchschlagader.