Knalltrauma

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 30. September 2016
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Das Knalltrauma (auch als Schalltrauma oder akustisches Trauma bezeichnet) beschreibt eine Schädigung des Hörorgans, die durch die Einwirkung von extremem Lärm oder Druck auf das Ohr entsteht. Durch das Knalltrauma kann es zu bleibenden Verletzungen und einer Verminderung der Hörfähigkeit kommen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Knalltrauma?

Im medizinischen Bereich wird von einem Knalltrauma gesprochen, wenn das Hörorgan aufgrund einer kurzfristigen Belastung mit Lärm oder auch Druck eine Schädigung erleidet. Das Ohr hat die Möglichkeit, ein gewisses Maß an Lautstärke und auch Druck aushalten und ausgleichen zu können – überschreiten die Werte dieses Maß jedoch deutlich, dann wird das Ohr geschädigt.

Das Hörorgan beim Menschen besteht aus einem äußeren Teil, der sich in Ohrmuschel, Gehörgang und Mittelohr unterteilt. Das Mittelohr wird dabei durch das Trommelfell – eine elastische Membran – vom Gehörgang getrennt. Bei dem äußeren Teil handelt es sich sozusagen um einen Schallleitungsapparat, auf den der Schall trifft und von hier an das Innenohr weitergeleitet wird.

Aus der Hörschnecke und dem Gleichgewichtsorgan setzt sich das Innenohr zusammen. Die Hörschnecke, bei der es sich um einen sehr empfindlichen Teil im Ohr handelt, empfängt den Schall und leitet die Signale an das Gehirn weiter. Wenn jetzt starker Lärm in Form eines plötzlichen Knalls auf das Ohr trifft, kommt es zu Knalltrauma.

Ursachen

Ein Knalltrauma entsteht in der Regel bereits dann, wenn eine Lautstärke von mehr als 150 db über einen Zeitraum von weniger als 3 ms auf das Ohr trifft. Derartige Einwirkungen auf das Ohr können zum Beispiel bei Knallkörpern oder ebenso auch bei Gewehrschüssen entstehen.

Auch das Aufgehen eines Airbags, Blitzeinschläge, Sprengungen oder auch ein kräftiger Schlag auf das Ohr können zu einem Knalltrauma führen. Es kommt hierbei zu einer Schädigung der Haarzellen, was in der Folge einen Mangel an Sauerstoff sowie zur Bildung freier Radikale führt.

In diesem Zusammenhang können auch mechanische Schädigungen dadurch entstehen. Meist ist zuerst der basale Bereich der Hörschnecke betroffen, der auch den Hochtonbereich beschreibt.

Symptome und Verlauf

Typische Symptome eines Knalltrauma:

Bei einem Knalltrauma klagen Betroffene darüber, dass sich das Ohr anfühlt, als wäre es verstopft. Das Knalltrauma geht in der Regel mit einem Hörverlust auf dem betroffenen Ohr einher. Zu den weiteren Symptomen gehören oft Tinnitus (Ohrgeräusche), Schwindel, Gleichgewichtsstörungen oder auch Hyperakusis (Geräuschüberempfindlichkeit).

Oft betrifft das Knalltrauma nur eine Seite, so dass sich die Beschwerden in den ersten Tagen bessern, ein Fortschreiten der Symptome ist in der Regel nicht zu erwarten. Generell entsteht durch ein Knalltrauma oft eine bleibende Schwerhörigkeit. Inwieweit die Hörfähigkeit zukünftig gestört ist, kann der Arzt mit einem Hörtest (so genanntes Audiogramm) feststellen.

Diagnose

Um ein Knalltrauma eindeutig diagnostizieren zu können, wird der HNO-Arzt eine Hörkurve anfertigen. Das so genannte Audiogramm zeigt auf, ob eine Schallempfindungsschwerhörigkeit vorliegt. So kann sich auf dem Audiogramm entweder ein Abfall der Kurve bei Tönen mit hohen Frequenzen oder aber eine Senke bei 4.000 Hz zeigen.

Der so genannte SISI-Test (Short Increment Sensitivity Index) ist positiv, das spiegelt also das Vorliegen eines positiven Recruitments vor. Dadurch zeigt sich, dass die Spanne zwischen der Hörschwelle und der so genannten Unbehaglichkeitsschwelle des Hörbereichs geringer als bei Normalhörenden ist. Es kommt zu einem schnelleren Lautheitsanstieg, der aufgrund der Schädigung der äußeren Haarzellen erfolgt.

Nicht geschädigte Haarzellen können leise Töne verstärken und laute Töne abschwächen. Dadurch ist es Gesunden möglich, eine große Vielfalt an Tönen wahrzunehmen. Sind die Haarzellen aufgrund eines Knalltraumas geschädigt, dann fällt diese Modifikation weg, otoakustische Emissionen können im geschädigten Bereich nicht gemessen werden. Da der Test eine erhebliche Lärmbelastung für das Ohr darstellt, wird er in der Regel erst eine Woche nach dem traumatischen Ereignis vom HNO-Arzt durchgeführt.

Behandlung

Die hämorheologische Infusionstherapie mit HAAES (Hydrocyethylstärke) und Procain ist die therapeutische Erstmaßnahme nach einem Knalltrauma. Weiterhin besteht die Möglichkeit, Kortison zu verabreichen. Schlagen beide Therapien nicht an, so kann die hyperbare Sauerstofftherapie angezeigt sein. Für den weiteren Verlauf ist allerdings generell ein frühzeitiger Beginn der Therapie wichtig. Das Risiko bleibender Schäden ist geringer, je früher mit der Therapie begonnen wird.

Nur wenn eines oder beide Fenster im Innenohr beschädigt sind oder sich eine so genannte Perilympfistel gebildet hat, ist eine operative Therapie angezeigt. Bei der Perilympfistel handelt es sich um eine krankhafte Verbindung des Perilymphraumes (Umgebung der Sinneszellen im Hörorgan) mit dem Mittelohr. Bei einem operativen Eingriff kommt es dann zu einer Eröffnung des Trommelfells, die beschädigten Fenster oder auch die mögliche Fistel werden repariert.

Generell ist die Prognose eines Knalltraumas gut. Bereits innerhalb von 6 Wochen nach dem Ereignis stellt sich eine Besserung der Beschwerden ein, oft verschwinden die Beschwerden bereits in diesem Zeitraum komplett. Verschwinden die Beschwerden in den genannten 6 Wochen nicht, ist die Prognose eher schlecht – eine Therapie ist dann meist nicht mehr Erfolg versprechend.



Ursachen

Einem Knalltrauma kann man nur vorbeugen, wenn man Orte mit entsprechender Lärmbelästigung meidet. So sollten Sprengungen zum Beispiel möglichst mit Ohrstöpsel beobachtet werden. Vor allem zum Jahreswechsel sollte man möglichst nicht direkt neben gezündeten Knallkörpern stehen.

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