Kleines Immergrün

Medizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 16. November 2021
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Schon die alten Griechen und Römer kannten das Kleine Immergrün. In den mittelalterlichen Kräuterbüchern und bei dem Kirchenschriftsteller Albertus Magnus (13. Jh.) wird es ebenfalls erwähnt. Da das Kleine Immergrün oft über den Menschen verbreitet wird, gilt sein gehäuftes Vorkommen im Wald als Indiz für in der Nähe befindliche unterirdische Reste mittelalterlicher Siedlungen.

Inhaltsverzeichnis

Allgemeiner Überblick

Die Heilpflanze Kleines Immergrün wirkt beruhigend und antibakteriell. Jedoch sollte es nur in verarbeiteter Form verwendet werden.

Das Kleine Immergrün (Vinca minor) gehört zu den Hundsgiftgewächsen (Apocynaceae). Es ist ein immergrüner kriechender Halbstrauch (Bodendecker), der maximal 15 cm hoch wird. Seine Blatttriebe wachsen bis 60 cm aufrecht, danach dann flach kriechend und sich an den Knoten mit Wurzeln verankernd. Die eiförmigen 4 cm langen dunkelgrünen Blätter sind ganzrandig, lederartig und gegenständig. Sie haben auf ihrer Unterseite eine gelbe Färbung.

Die etwa 3 cm großen, einzeln auf langen Stielen stehenden Blüten sind hellblau oder lila. Das Kleine Immergrün blüht im April und Mai und bildet im Juni/Juli Samen enthaltende Doppelbalg-Früchte. Die hierzulande vorkommenden Kleinen Immergrün Pflanzen enthalten nur wenige Samen und vermehren sich daher überwiegend über ihre kriechenden Triebe. Das Kleine Immergrün Kraut wird ganzjährig gesammelt, sollte jedoch mit Vorsicht konsumiert werden, da alle Pflanzenteile wegen ihres hohen Gesamt-Alkaloid-Gehalts (0,2 bis 0,7%) leichte Vergiftungserscheinungen hervorrufen können.

Vorkommen und Anbau

Das Kleine Immergrün kommt in der Türkei und in Süd-, Mittel- und Osteuropa bis zum Kaukasus vor. In Süddeutschland ist es seit der Römerzeit belegt. Es bevorzugt Hügel und Gebirgslandschaften bis in 1.300 m Höhe und wächst einzeln oder vergesellschaftet in artenreichen Au-, Buchen- und Laub-Mischwäldern. Als Kulturpflanze findet man das hübsche Kleine Immergrün in Gärten, Parks und auf Friedhöfen, wo es meist als Unterpflanzung genutzt wird.

Das alte Heilkraut bevorzugt schattige Standorte mit nährstoffreichen, schwach basischen Lehm oder Tonböden und mild-feuchte Klimate. Gartenfreunde pflanzen den anspruchslosen Bodendecker, den es als Kulturpflanze auch in den Varietäten mit rot-violetten und weißen Blüten gibt, im Halbschatten oder Schatten an. Da das Kleine Immergrün sehr schnell wächst, kann man sich dann bald an einem dichten Pflanzenteppich erfreuen.

Anwendung und Wirkung

Das Kleine Immergrün enthält mehr als 40 Indol-Alkaloide, von denen das Vincamin und das Eburnamenin die wichtigsten Wirkstoffe sind. Außerdem kommen in der Pflanze noch Gerbsäuren, Gerbstoffe, Bitterstoffe, Saponine, Beta-Sitosterol, Flavonoide und Vincin vor. Die alte Heilpflanze wurde in der Vergangenheit von der Volksmedizin für diverse Anwendungen genutzt. Da sie jedoch in Tierversuchen starke Blutbildveränderungen hervorrief, sprach das Bundesgesundheitsamt 1987 ein Verkaufsverbot für alle Naturheilmittel aus, die Kleines Immergrün als einzigen Wirkstoff enthielten.

Es gilt jedoch nicht für Vincamin Fertig-Arzneimittel, synthetisch hergestellte Vincamin, Teemischungen mit Kleinem Immergrün und das homöopathische Vinca minor. Fertig-Mono-Präparate mit Vincamin werden seit 2005 in Deutschland nicht mehr verkauft: Man hatte den Wirkstoff inzwischen durch ähnlich wirkende Substanzen ersetzt. Kleines Immergrün wirkt beruhigend, entzündungshemmend, harntreibend, antibakteriell, Blutdruck und blutzuckersenkend, immunsuppressiv, zytotoxisch gegen Krebszellen, krampflösend, schleimlösend, menstruationsfördernd, adstringierend und blutstillend.

Das aus dem Kleinen Immergrün gewonnene Vincamin, das bei altersbedingten Durchblutungsstörungen des Gehirns eingesetzt wird, kann man sich als Tabletten verschreiben lassen (Tagesdosis: 40 bis 60 mg). Das homöopathische Mittel Vinca minor wird aus der ganzen während der Blütezeit gepflückten Pflanze gewonnen. Es ist im Gegensatz zu der Pflanze Kleines Immergrün, die in zu hoher Dosierung Nebenwirkungen wie starken Blutdruckabfall, erhöhte Infektionsanfälligkeit, Magen-Darm-Erkrankungen und Hautrötungen verursachen kann, nebenwirkungsfrei.

Wogegen hilft das Kleine Immergrün?

Bedeutung für die Gesundheit

Patienten, die das Kleine Immergrün als Naturheilmittel nutzen möchten, können es in niedriger Dosierung als Teemischung, homöopathisches Mittel oder äußerliche Anwendung anwenden. In früheren Zeiten setzten es die Heilkundigen bei folgenden Beschwerden ein: Erkältungen, Rheuma, Hals und Magenentzündungen, Kreislaufbeschwerden, Magen-Darm-Probleme (Durchfall), Wunden, Abszesse, Furunkel, Zahnschmerzen, Nasenbluten, Lungenkrankheiten und Atemwegsbeschwerden (Keuchhusten, Husten), Herzinsuffizienz und Menstruationsstörungen.

Dank seiner starken antibakteriellen und anti-entzündlichen Eigenschaften legte man Kranken, die offene Wunden oder Abszesse hatten, einen Umschlag mit in Kleines Immergrün Tee getränkten Tüchern auf. Der Tee wird aus 2 TL getrocknetem Kraut hergestellt, das mit 1 Tasse kochendem Wasser überbrüht wird und 20 Minuten ziehen muss. Von dem Heilkräuter-Tee trinkt der Patient dann 4-mal pro Tag 1/4 Tasse. Wem der Tee zu riskant erscheint, der sollte sich stattdessen die homöopathische Tinktur verschreiben lassen.

Bei Halsschmerzen und Halsentzündungen hilft das Gurgeln mit dem Tee. Eine Brei-Packung aus zerquetschten Blättern lindert Krämpfe in Beinen und Armen. Eine aus den Kleine Immergrün Blättern hergestellte Salbe wird bei entzündlichen Hauterkrankungen und Hämorrhoiden eingesetzt. Das homöopathische Kleine Immergrün zeigt Heilwirkung bei zerebralen Durchblutungsstörungen, Blutgerinnungsstörungen, Schleimhautblutungen und nässenden Ekzemen (Neurodermitis).

 

Quellen

  • Hans Konrad Biesalski, Matthias Pirlich, Stephan C. Bischoff, Arved Weimann: Ernährungsmedizin. Thieme, 5. Auflage 2017.
  • Bühring, U.: Praxis-Lehrbuch Heilpflanzenkunde. Thieme, 4., überarbeitete Auflage 2014
  • Vukovic, L.: 1001 natürliche Hausmittel: für Haus und Garten, Gesundheit und Körperpflege. Dorling Kindersley Deutschland GmbH, 2017.
  • Hademar (u.a.) Bankhofer: Das große Buch der Hausmittel. München, 2003.

Dieser Artikel wurde unter Maßgabe der naturwissenschaftlichen Fachliteratur und fundierter empirischer Quellen verfasst.
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