Kanzeröse Kachexie

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 7. Dezember 2016
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Die kanzeröse Kachexie ist keine eigenständige Erkrankung, sondern vielmehr ein Symptomenkomplex, der als Folge einer Krebserkrankung entsteht. Viele Mediziner bevorzugen deshalb den Begriff Syndrom. Gekennzeichnet ist die Tumorkachexie durch eine starke Auszehrung und Abmagerung der betroffenen Patienten.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine kanzeröse Kachexie?

Die kanzeröse Kachexie wird auch als Tumorkachexie bezeichnet. Es handelt sich dabei um ein multifaktorielles Syndrom mit einem charakteristischen massiven Verlust von subkutanem Fett und Skelettmuskulatur. Ursache der Tumorkachexie ist eine im Rahmen einer Krebserkrankung auftretende Stoffwechselstörung. Eine verbindliche und standardisierte Definition gibt es für die Tumorkachexie allerdings noch nicht. Einer aktuellen Empfehlung nach liegt eine Tumorkachexie dann vor, wenn innerhalb von zwölf oder weniger Monaten mindestens fünf Prozent der Körpermasse verloren wurden. Zudem müssen drei dieser fünf Kriterien erfüllt sein:

  • abnehmende Muskelkraft
  • Anorexie
  • niedriger Fettfreie-Masse-Index
  • Veränderungen in biochemischen Werten (z.B. Anämie, erniedrigtes Serumeiweiß oder erhöhte Entzündungswerte)

Die Zahlen von Patienten, die an einer Tumorkachexie leiden, schwanken je nach Definitionsgrundlage. Man geht davon aus, dass sich bei zehn bis fünfzig Prozent aller Tumorpatienten früher oder später eine Tumorkachexie einstellt.

Ursachen

Die genauen Ursachen der kanzerösen Kachexie sind noch nicht vollständig erforscht. Es scheint sich um ein multifaktorielles Geschehen zu handeln. Normalerweise greift der Körper nur in Hungerperiode auf die Fettreserven des Körpers zurück. Bei der Kachexie ist das anders, hier werden die Fettreserven auch bei ausreichender Nahrungszufuhr aufgelöst. Die freigesetzten Fettsäuren werden dann in der Leber eingelagert. Es entsteht eine Fettleber.

Warum der Körper die Fettreserven angeht ist ebenfalls noch nicht ganz geklärt. Forscher vermuten, dass der Tumor dafür verantwortlich ist. Er sendet scheinbar verschiedene Substanzen aus, die den Fettabbau veranlassen. Es handelt sich dabei zum einen um den Lipid-mobilisierenden Faktor (LMF) und zum anderen um den Proteolyse-induzierenden Faktor (PIF). Diese leiten dann die Lipolyse und die Muskelproteolyse ein. Zudem werden bei einer Krebserkrankung Botenstoffe freigesetzt, die zu Entzündungen im gesamten Körper führen.

Doch nicht nur der Tumor, sondern häufig auch die Krebstherapie verursacht Gewichtsverlust. Insbesondere die Chemotherapie sorgt beim Patienten für Übelkeit, Erbrechen und Appetitlosigkeit. Sie hat zudem einen negativen Einfluss auf die Geschmacks- und die Geruchsnerven. Das Essen schmeckt den Patienten einfach nicht mehr. Häufig wird während der Therapie auch die Mundschleimhaut geschädigt, sodass die Nahrungsaufnahme für die betroffenen Patienten einfach nur noch schmerzhaft ist.

Doch die kanzeröse Kachexie tritt nicht bei allen Krebserkrankungen gleich häufig auf. Der Gewichtsverlust ist bei Bauchspeicheldrüsenkrebs, Magenkrebs, Speiseröhrenkrebs, Dickdarmkrebs und Lungenkrebs am größten. Brustkrebspatientinnen verlieren deutlich seltener an Gewicht.

Symptome und Verlauf

Typische Symptome der kanzerösen Kachexie:

Die kanzeröse Kachexie zeigt sich durch einen starken Gewichtsverlust des Patienten verbunden mit Appetitlosigkeit. Es kommt nicht nur zum Abbau von Fett, sondern auch von Muskulatur. Die Betroffenen fühlen sich schwach, ausgezehrt und müde. Auch Entzündungen an verschiedenen Stellen des Körpers sind zu beobachten. Im Laufe der Erkrankung kommt es zudem zu einer Insulinresistenz. Die Körperzellen sprechen nicht mehr auf Insulin an und können in der Folge auch keine Glukose mehr aufnehmen.

Dadurch kommt es zu weiterem Gewichtsverlust und Schwäche. Neben allgemeiner Schwäche leiden die Patienten auch unter Antriebslosigkeit bis hin zur Depression. Die inneren Organe sind vom Fett- und Muskelabbau hingegen kaum betroffen. Durch die vermehrte Freisetzung von Fetten kann sich aber eine Fettleber entwickeln. Eventuell verspüren die Patienten dann ein leichtes Völle- oder Druckgefühl im rechten Oberbauch. Die Leber kann deutlich vergrößert sein.

Diagnose

Grundlage für das Vorliegen einer kanzerösen Kachexie ist eine sicher diagnostizierte Krebserkrankung. Da derzeit noch keine verbindliche Definition für die Kachexie besteht, ist die Diagnosestellung eher schwierig. So muss nicht jeder Gewichtsverlust bei einem Krebspatienten zwangsläufig auch eine Tumorkachexie sein. Die Diagnose wird meist anhand der Anamnese und einer körperlichen Untersuchung gestellt. Dabei werden das Körpergewicht und mit der bioelektrischen Impedanzanalyse auch die fettfreie Masse des Patienten bestimmt.

Unterstützend kann eine Blutuntersuchung im Labor erfolgen. In den meisten Fällen ist der Albuminwert im Blutserum erniedrigt. Das C-reaktive Protein (CRP) und die Akute-Phase-Reaktion (APR) können erhöht sein. Zudem lassen sich im Blut der Patienten meist erhöhte Glycerin- und Katecholaminwerte nachweisen. Der erhöhte Glycerin-Gehalt ist ein Hinweis auf den verstärkten Abbau von Fettzellen.

Behandlung und Therapie

Eine Heilung der kanzerösen Kachexie ist nur möglich, wenn die ursächliche Krebserkrankung geheilt wird. Da die Kachexie aber oft erst in einem späteren Stadium der Krebserkrankung auftritt, sind die Chancen für eine Heilung eher gering. In vielen Fällen erfolgt deshalb eine rein palliative Behandlung. Derzeit gibt es keinen Arzneistoff, der zur Behandlung der Tumorkachexie zugelassen ist.

Meist werden Nahrungsergänzungsmittel oder Fertigarzneimittel verwendet, die eigentlich nur für andere Indikationen zugelassen sind. Man spricht hier auch von Off-label use. Um die Nahrungsaufnahme zu erhöhen, werden zudem Appetitanreger verabreicht.



Vorbeugung

Da die kanzeröse Kachexie vielmehr Symptom als eigenständige Erkrankung ist, lässt sich ihr auch nicht vorbeugen. Um das Risiko einer Krebserkrankung zu senken, sollten Risikofaktoren wie beispielsweise das Rauchen gemieden werden. Zudem sollten die empfohlenen Vorsorgeuntersuchungen zur Früherkennung von Brust- und Darmkrebs regelmäßig durchgeführt werden.

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