Kammerwasser

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 29. November 2016
Gesundpedia.deAnatomie Kammerwasser

Als Kammerwasser wird eine klare Flüssigkeit bezeichnet, deren Entstehung im Auge stattfindet. Es ist überaus wichtig für die Versorgung des Auges.

Inhaltsverzeichnis

Definition

Beim Kammerwasser handelt es sich um eine klare Flüssigkeit. Sie bildet sich in der vorderen sowie in der hinteren Augenkammer. Die Zusammensetzung des Kammerwassers weist Ähnlichkeiten mit dem Blutplasma auf. Die Menge an Bilirubin und Eiweiß fällt jedoch geringer aus. Aus diesem Grund zeigt sich die Färbung der Flüssigkeit farblos.

Wichtigster Bestandteil des Kammerwassers ist Wasser, das einen Anteil von 98 Prozent hat. Die restlichen zwei Prozent verteilen sich auf Vitamin C, Wasserstoffperoxid-Spuren, Elektrolyte, Aminosäuren, Milchsäure, Immunglobuline und Gluthation. Pro Tag stellt das menschliche Auge bei einem Augapfelvolumen von ca. 6,5 Millilitern rund 3 bis 9 Millimeter Kammerwasser her.

Anatomie

Die Entstehung des Kammerwassers findet in der hinteren Augenkammer statt, genauer gesagt am Ziliarkörper. Dabei erfolgt die Herstellung im Epithel des Processus ciliares majores. An diesem Ablauf haben drei unterschiedliche Prozesse Anteil. Dazu gehören die Ultrafiltration, aktive Transportvorgänge sowie die Diffusion.

Obwohl die chemische Beschaffenheit dem Blutplasma ähnelt, weist das Kammerwasser eine sehr spezielle chemische Zusammensetzung auf. Diese erfordert eine Separierung vom Blutkreislauf. Gewährleistet wird dies durch die Blutkammerwasser-Schranke. Diese verfügt über einen ähnlichen Aufbau wie die Blut-Hirn-Schranke.

Bei den unterschiedlichen Zellen des Ziliarepithels besteht eine feste Verbindung über sogenannte Tight Junctions und Gap Junctions. Auf diese Weise kommt es zur Bildung einer speziellen Schicht aus Bindegewebe. Sie lässt lediglich spezielle Stoffe zwischen Kammerwasser und Blut an sich vorbei.

Über die Regenbogenhaut (Iris) und die Linse erfolgt der Abfluss des Kammerwassers vom Corpus ciliare aus durch die vordere Augenkammer. Der hauptsächliche Abfluss findet mit einem Anteil von 85 Prozent durch das Trebekelwerk innerhalb des Kammerwinkels und den Schlemmkanal statt. Von dort aus gelangt das Kammerwasser in den Plexus venosus sclerae.

Dabei handelt es sich um ein venöses Hornhautgeflecht. Von dieser Stelle aus fließt das Kammerwasser in den Blutkreislauf ein. Ein weiterer Abfluss mit einem Anteil von 15 Prozent sind die Gefäße des Ziliarkörpers. Ein bindegewebsartiges Grundgerüst bildet das Trabekelwerk, das mit Epithel ausgekleidet ist. Innerhalb des Augapfels sorgt das Kammerwasser für den Augeninnendruck. Damit werden die inneren Augenstrukturen gewährleistet.

Zu den wichtigsten Funktionen des Kammerwassers zählen die Versorgung der Netzhaut, der Linse, der Hornhaut und des Glaskörpers. Zu diesem Zweck werden wichtige Stoffe wie Vitamine, Elektrolyte und Aminosäuren bereitgestellt. Ebenfalls enthalten ist Immunglobulin G (IgG-Antikörper) zur Abwehr von Krankheitskeimen. Die Antikörper dienen dazu, Bakterien und Viren innerhalb des Auges zu bekämpfen.

Wichtig ist das Kammerwasser zudem für die Stabilität des Augapfels. Auch der Augeninnendruck ist von Bedeutung. Der Druck des Kammerwassers darf jedoch weder zu niedrig und noch zu hoch ausfallen. Aus diesem Grund erfolgt seine Regulation durch einen speziellen Mechanismus der Produktion des Kammerwassers sowie des Kammerwasser-Abflusses. Die Abfluss-Regulation wird durch das Stimulieren von Beta-Rezeptoren gewährleistet.

Die Kammerwasser-Herstellung hängt sowohl vom onkotischen Druck als auch vom Blutdruck ab. Ist der Blutdruck erhöht, hat dies eine vermehrte Herstellung des Kammerwassers zur Folge. Die Produktion des Kammerwassers hängt von verschiedenen Schwankungen ab. Im Falle von Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) oder durch das Alter nimmt die Herstellung des Kammerwassers ab.



Erkrankungen des Kammerwassers

Störungen des Kammerwassers führen oftmals zu Erkrankungen des Auges. Diese kommen durch Veränderungen des Augeninnendrucks zustande. Bei den meisten betroffenen Personen sind die Störungen mit einem erhöhten Augendruck verbunden. Nur selten ist dagegen ein erniedrigter Augeninnendruck für die Beschwerden verantwortlich.

Zu einem erhöhten oder erniedrigten Augeninnendruck kann es aufgrund eines Verlustes an Kammerwasser kommen, der wiederum durch einen Unfall oder eine Operation an den Augen verursacht wird. Erfolgt der Ausgleich des Druckverlusts nicht rasch, besteht die Gefahr einer Aderhautschwellung.

Noch ausgeprägter als der Druckabfall ist allerdings ein Anstieg des Augeninnendrucks, der wiederum Grünen Star oder ein Glaukom hervorruft. Langfristig haben diese Erkrankungen Schädigungen des Auges zur Folge. Im schlimmsten Fall droht sogar die Erblindung des Patienten.

Der Augeninnendruck schwankt in der Regel zwischen 10 und 21 mmHg. Liegt der Druck auf die Dauer bei mehr als 21 mmHg, drohen Schädigungen des Sehnervs. Das genaue Ausmaß ist allerdings individuell unterschiedlich.

Ein erhöhter Augeninnendruck erfolgt durch Störungen des Abflusses des Kammerwassers. Dabei kann es sich um altersbedingte Leiden, Arterienverkalkung, Diabetes mellitus oder bestimmte Augenkrankheiten handeln.

Als Sonderfall gilt das Glaukom. Die Gefahr eines Glaukomanfalls steigt mit erhöhtem Lebensalter an. Bemerkbar macht sich ein gestörter Kammerwasserabfluss durch Übelkeit, Erbrechen, Augenschmerzen sowie Herzrhythmusstörungen.

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