Kammerflimmern (Kammerflattern)

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 31. März 2015
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Mit dem Begriff Kammerflimmern (Kammerflattern) ist ein körperlicher Zustand gemeint, bei dem das Herz mit über 300 Schlägen pro Minute schlägt. Diese Frequenz ist sehr schnell. Sie verhindert, dass noch eine Pumpbewegung das Blut transportieren kann. Es handelt sich um eine lebensbedrohliche Herzrhythmusstörung.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Kammerflimmern (Kammerflattern)?

Kammerflimmern (Kammerflattern) ist ein Notfall, bei dem Minuten über Leben oder Tod des Betroffenen entscheiden können. Durch ein Durcheinander von elektrischen Impulsen kontrahiert der Herzmuskel sinnlos schnell. Der Kreislauf bleibt stehen. Kammerflimmern kann nach einigen Minuten tödlich enden, wenn es nicht schnellstmöglich behandelt wird. Es ist der plötzliche Herztod, der dem Kammerflimmern oft folgt und es so extrem lebensbedrohlich werden lässt.

Das Kammerflimmern kann jedoch auch die Folge eines Herzinfarktes sein. Ein Herzinfarkt kündigt sich mit starken Schmerzen an, bedingt ein massives Engegefühl im Brustbereich. Oft sind die Schmerzen zu Beginn eines Herzinfarktes auch stark brennend. Übelkeit, Erbrechen oder Bauchschmerzen und kalter Angstschweiß können begleitende Symptome sein. Am Beginn der Herzrhythmusstörung spricht man von einem Kammerflattern, welches dann in ein sogenanntes Kammerflimmern übergehen kann.

Ursachen

Kammerflimmern (Kammerflattern) kann entstehen, wenn der Herzmuskel nicht oder nur unzureichend mit Blut versorgt ist. Dadurch erhält das Herz zu wenig Sauerstoff. Hingegen steigt der Anteil an Kohlendioxid, der PH-Wert steigt und die Gefahr einer Übersäuerung nimmt deutlich zu. Die Herzmuskelzelle verändert sich in ihrer Leitfähigkeit. Stromimpulse, die das Zusammenziehen der Zelle bedingen, werden nur noch unzureichend und verzögert weitergeleitet.

Die innere Reizleitung funktioniert nicht mehr. Zwischen den Zellen kommt es zu einem Austausch von richtungslosen Impulsen. Die Herzmuskelzellen kontrahieren nun völlig ungeordnet, da kein ordnendes System mehr die Grundbewegung vorgibt. Die gesamte Funktionseinheit des Herzens bricht somit auseinander. Um nun wieder eine Ordnung in das Chaos zu bringen, benötigt das Herz eine Herzdruckmassage. Sie bringt wieder die Grundbewegung des Pulsierens zurück. Sobald sie aufhört, beginnt das Durcheinander der verworrenen Erregungsleitungen von vorn. Mit einer massiven Einwirkung – Defibrillation – wird Strom durch das Herz geleitet. Es kommt kurzzeitig zum Stehen und kann anschließend wieder im normalen Rhythmus schlagen.

Symptome und Verlauf

Typische Symptome des Kammerflimmerns (Kammerflattern):

Kammerflimmern ist ein sehr ernstzunehmender Zustand, bei dem der Betroffene sofort Hilfe benötigt. Er kann sich selbst nicht helfen, da er nach kürzester Zeit bewusstlos wird. Nach wenigen Minuten bekommt der Betroffene Krämpfe und kann kollabieren. Durch den Sauerstoffmangel entwickeln sich Gehirnschädigungen.

Wird weiterhin nicht behandelt, tritt dann nach kurzer Zeit der Tod ein. Der Betroffene wird bleich, bricht mit geweiteten Pupillen zusammen. Puls oder Blutdruck sind nicht mehr feststellbar. Überleben Menschen Kammerflimmern durch eine Reanimation, so haben sie ein erhöhtes Risiko, ein weiteres Kammerflimmern zu erleiden. Die Überlebenschance mit einem Rettungsdienst liegt bei etwa 10 Prozent.


Diagnose

Ein Elektrokardiogramm (EKG) kann Kammerflimmern (Kammerflattern) als Ursache eines Herzstillstandes feststellen. Die Linien des EKG sind bei einem Kammerflimmern sehr ungeordnet. Beim Kammerflattern sieht man große, haarnadelförmige Zacken und beim Kammerflimmern sind es mehr wellenartige Muster, die sich in Größe und Form ständig abwechseln.

Ein Notarzt wird Betroffene entsprechend befragen, wenn die Wiederbelebung gelungen ist. Er wird Vorerkrankungen klären und den Verlauf bis zum eigentlichen Kammerflimmern genau erfragen. Ist das Kammerflimmern überlebt worden, müssen diagnostisch die Ursachen erfasst werden. Dazu dienen eine Ultraschalluntersuchung am Herzen, Blutuntersuchungen, Gentests oder auch Belastungs-EKG und Langzeit-EKG.

Behandlung

Die Therapie von Kammerflimmern (Kammerflattern) hängt maßgeblich von der zugrunde liegenden Erkrankung ab. Damit der plötzliche Herztod infolge Kammerflimmerns zukünftig vermieden werden kann, wurde ein kleiner Cardioverter-Defibrillator (ICD) entwickelt. Er kann wie ein Herzschrittmacher operativ implantiert werden. Er hat eine Schockabgabe mit hoher Energie.

Der Diagnostikteil erkennt bedrohliche Herzrhythmusstörungen. Tödliches Kammerflimmern wird immer deutlich. Es kommt dann zu einer adäquaten Schockabgabe zwischen 10 und 40 Joule, um die lebensbedrohliche Störung zu unterbrechen. Durch den ICD normalisiert sich der Herzschlag. Das Gerät wird in einer Hauttasche des Brustmuskels eingesetzt.

Je nach messbaren Werten kann das Gerät einen starken Schock oder viele schwächere Impulse abgeben, um den Herzschlag positiv zu beeinflussen. Der operative Eingriff erfolgt bei Vollnarkose. Das ist wichtig, weil die verschiedenen Funktionen des Gerätes getestet werden müssen. Das Gerät kann nach erfolgreicher Operation von außen programmiert werden. Einmal im Quartal erfolgt eine Kontrolle. Nach etwa 5 – 7 Jahren muss ein Batteriewechsel erfolgen. In entsprechend ausgestatteten Zentren ist auch eine automatische Fernüberwachung von Gerät und Herzfunktion möglich.

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Vorbeugung

Kammerflimmern (Kammerflattern) kann man in dem Sinne vorbeugen, so wie man auch allgemein Koronaren Herzkrankheiten vorbeugt. Dazu gehört eine gesunde Ernährung, Vermeidung von Übergewicht, Alkoholkonsum und Zigaretten. Viel Bewegung an frischer Luft und das Vermeiden psychischer Stressbelastungen.

Ist man psychischem Stress ausgesetzt, so sollte man aktiv nach Entlastung suchen. Ein ausgleichendes Hobby, Yoga oder Meditation können helfen. Sind die Krankheiten, die zum Kammerflimmern führten, erblich bedingt, so kann man nicht vorbeugen.

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