Künstliche Befruchtung

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 7. Juli 2016
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Wenn der Wunsch nach einem Kind auf natürliche Art und Weise nicht erfüllbar ist, so kann eine künstliche Befruchtung helfen. Dabei werden Ei und Samen entweder außerhalb oder innerhalb des Körpers der Frau zusammengeführt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist künstliche Befruchtung?

Als künstliche Befruchtung wird ein medizinischer Eingriff bezeichnet, durch den eine Schwangerschaft herbeigeführt wird. Sie kommt bei Paaren mit Kinderwunsch zum Einsatz, die bereits über einen längeren Zeitraum versucht haben, schwanger zu werden, wobei bei vielen körperliche Ursachen der Grund für die Kinderlosigkeit sind.

Anwendungsgebiete

Typische Anwendungsgebiete der künstlichen Befruchtung:

Eine künstliche Befruchtung wird angewandt, wenn es mit der natürlichen Familienplanung nicht klappt. Es dauert sehr unterschiedliche Zeit bis es mit einer Schwangerschaft klappt. Bei manchen Pärchen funktioniert es sofort bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr, andere müssen es mehrere Jahre versuchen. In Deutschland fängt man frühestens nach einem Jahr erfolgloser Familienplanung mit der künstlichen Befruchtung an. Ein anderes Anwendungsgebiet sind die Pflanzen- und Tierzüchtung.

Welche Methoden und Verfahren gibt es?

Für eine künstliche Befruchtung stehen verschiedene Methoden zur Auswahl, die von individuellen Voraussetzungen abhängig sind. Dabei sind oft mehrere Behandlungsschritte erforderlich, sodass eine künstliche Befruchtung auch einige Monate dauern kann. Zur Auswahl stehen folgende Verfahren:

  • Intratubarer Gametentransfer (GIFT)

Eine noch relativ neue Methode ist die so genannte Schlüpfhilfe (assisted hatching), wobei damit bei der intrazytoplasmatischen Spermieninjektion bzw. bei der In-Vitro-Fertilisation versucht wird, das Einnisten der Eizelle zu unterstützen. Bei einer natürlichen Schwangerschaft kann der Embryo auf Grund verschiedener Enzyme leichter aus der Glashaut schlüpfen. Beim assisted hatching wird dieses Schlüpfen erleichtert, indem die Glashaut ausgedünnt oder angeritzt wird. Dabei arbeitet der Arzt mit einer Glasnadel bzw. einem Laser oder die Glashaut wird enzymatisch ausgedünnt. Dieses Verfahren birgt allerdings auch gewisse Gefahren, da der Embryo dabei verletzt werden kann.

Darüber hinaus muss der Arzt über besondere Fähigkeiten verfügen, da das Loch in der Hülle nicht zu klein sein darf. Sonst kann es sein, dass der Embryo stecken bleibt und es zu keiner Einnistung kommt. Am besten dazu geeignet ist ein Laser, da die Tiefe und Größe des Loches damit sehr gut steuerbar ist.

Was muss der Patient im Vorfeld und bei der Nachsorge beachten?

Da eine künstliche Befruchtung eine Schwangerschaft nicht garantieren kann, sind Geduld und Ausdauer notwendig. Die Erfolgschancen hängen dabei von der Methode, dem Alter sowie der Qualität der Samen- und Eizellen ab. Vor der künstlichen Befruchtung muss sich das Paar verschiedenen Untersuchungen unterziehen, um festzustellen, warum es zur Kinderlosigkeit gekommen ist. Dafür sind Fruchtbarkeitsuntersuchungen bei Mann und Frau notwendig.

Zunächst erhebt der Arzt die Krankengeschichte und die Frau muss sich einem Ultraschall, Hormonuntersuchungen, Zyklusbeobachtungen, einem Postkoitaltest bzw. einer Gebärmutter- und Bauchspiegelung unterziehen. Beim Mann erfolgt eine Untersuchung des Samens sowie ein Postkoitaltest, Hormonuntersuchungen, ein Hodenultraschall bzw. eine genetische Fruchtbarkeitsuntersuchung. Darüber hinaus sollte bei beiden Partnern auch ein HIV-Test durchgeführt werden.

Durchführung - Wie läuft die Untersuchung ab?

Während früher die In-Vitro-Fertilisation häufiger eingesetzt wurde, wird heute vorwiegend die intrazytoplasmatische Spermieninjektion bevorzugt. Im Rahmen einer In-Vitro-Fertilisation werden Samen- und Eizellen außerhalb des Körpers zusammengeführt. Bei der intrazytoplasmatischen Spermieninjektion wird hingegen eine Samenzelle mit Hilfe einer feinen Nadel in die Eizelle injiziert. Die Eizellen werden nach einer Hormonbehandlung bei beiden Verfahren zunächst aus den Eierstöcken entnommen, nach einer erfolgreichen Befruchtung erfolgt dann die Übertragung in die Gebärmutter.

Da für eine Spermieninjektion nur eine Samenzelle benötigt wird, ist diese Methode vor allem dann geeignet, wenn die Fruchtbarkeit des Mannes stark eingeschränkt ist. Für die In-Vitro-Fertilisation sind hingegen mehrere Samenzellen erforderlich, darüber hinaus müssen Spermien und Eizelle ihren Weg zueinander auch alleine finden. Bevor die künstliche Befruchtung stattfindet, wird die Hormonausschüttung gebremst, um einen vorzeitigen Eisprung zu verhindern. Zwei Wochen später werden die Eierstöcke hormonell stimuliert, wodurch die Chancen auf mehrere befruchtungsfähige Eizellen steigen.

Mit Hilfe von Kontrolluntersuchungen kann dann geprüft werden, ob eine ausreichend herangereifte Eizelle vorhanden ist. Wenn es eine reife Eizelle gibt, kann ein Eisprung ausgelöst werden. 36 Stunden später müssen die Eizellen dann unter leichter Narkose entnommen werden. Am Tag der Befruchtung muss der Mann in der Klinik oder zu Hause masturbieren, da für eine künstliche Befruchtung "frische" Samenzellen erforderlich sind. Vor der Spermieninjektion oder In-Vitro-Fertilisation wird die Samenflüssigkeit in einem Labor noch aufbereitet, um einer allergischen Reaktion vorzubeugen bzw. die Befruchtungsfähigkeit zu verbessern.

Besteht beim Mann eine Unfruchtbarkeit, so kommen auch Spendersamen in Frage. Nach der Aufbereitung des Samens werden Ei- und Samenzelle zusammengebracht und die befruchtete Eizelle kommt in einen so genannten Brutschrank. War die Befruchtung erfolgreich, so überträgt der Arzt die Eizelle dann in die Gebärmutter. Wenn es mehrere befruchtete Eizellen gibt, können diese auch eingefroren und für einen eventuellen weiteren Versuch verwendet werden. Nach etwa drei Wochen kann der Mediziner feststellen, ob die künstliche Befruchtung erfolgreich war.

Eigenleistung oder Krankenkasse - wer übernimmt die Kosten?

Je nach Anbieter bzw. Methode liegen die Kosten für eine künstliche Befruchtung in Deutschland bei etwa 2000 Euro pro Versuch. Meistens muss aber mit höheren Kosten gerechnet werden, da der erste Versuch oftmals nicht sofort zu einer Schwangerschaft führt. Bei Paaren, die verheiratet sind, werden die Kosten unter bestimmten Voraussetzungen zum Teil übernommen. Allerdings übernimmt die Krankenkasse die Kosten nicht für beliebig viele Behandlungszyklen, sondern die Kostenübernahme beschränkt sich meist auf drei Behandlungen. Eine Grundvoraussetzung dabei ist, dass die Therapie eine Erfolgsaussicht hat. Unverheiratete Paare müssen die Kosten einer künstlichen Befruchtung selbst tragen.



Risiken, Komplikationen und Nebenwirkungen

Eine künstliche Befruchtung bringt verschiedenste Komplikationen und Risiken. Auf Grund der Hormonstimulation können zum Beispiel Mehrlingsschwangerschaften auftreten. Durch operative Eingriffe kann es darüber hinaus auch zu Verletzungen an Blutgefäßen, Darm oder Blase bzw. zu Infektionen kommen. Des Weiteren stellt die Therapie auch eine große psychische Belastung dar, vor allem dann, wenn die Behandlung sehr lange dauert.

Darüber hinaus kann es auch zu kindlichen Fehlbildungen kommen, wobei das Risiko bei der In-Vitro-Fertilisation fast gleich hoch ist wie bei der Spermieninjektion. Dabei können vor allem Herzfehler, Fehlbildungen im Magen-Darmtrakt bzw. Lippen- oder Gaumenspalten auftreten. Außerdem liegt die Aussicht mit Hilfe einer künstlichen Befruchtung schwanger zu werden nur bei zwanzig Prozent pro Behandlungszyklus, sodass oft mehrere Versuche notwendig sind, um schwanger zu werden.

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