Jodmangel

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 29. Juni 2015
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Jod ist ein natürlich vorkommendes Spurenelement, das zur Gruppe der Mineralstoffe gehört. Für den Menschen ist Jod lebensnotwendig. Chronischer Jodmangel kann zu ernsten gesundheitlichen Folgen führen. Der Körper braucht Jod für den Aufbau der Schilddrüsenhormone Trijodthyronin und Thyroxin, durch welche im menschlichen Körper Prozesse wie Knochenbildung, Wachstum, Energiestoffwechsel sowie die Entwicklung des Gehirns steuern.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Jodmangel?

Von Jodmangel ist die Rede, wenn der Organismus nicht genügend mit Jod versorgt wird. Da Jod im Körper nicht eigenständig produziert werden kann, ist es nötig, eine ausreichende Menge Jod über die Nahrung aufzunehmen.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt zum Beispiel eine Tagesdosis von etwa 200 Mikrogramm Jod für Jugendliche und Erwachsene. Kinder benötigen auf ihre Größe und ihr Alter bezogen eine entsprechend geringere Dosis, während der Bedarf bei Schwangeren und Stillenden höher ist.

Ursachen

Der Jodmangel wird in der Regel durch die Ernährung mit Lebensmitteln verursacht, die zu wenig Jod enthalten. Deutschland gehört zu den jodärmsten Regionen in Europa. Die Gletscherschmelze schwemmte vor Tausenden von Jahren das Spurenelement aus dem Boden.

In unseren Böden, Weideflächen, Äckern und im Trinkwasser kommt Jod deshalb nur in geringen Mengen vor. Dadurch fehlt es zu einem großen Teil in der Nahrung. Viele Jahre galt das Gebiet der heutigen Bundesrepublik als Jodmangelland.

Die Schilddrüsenvergrößerung, auch als Struma bzw. Kropf bezeichnet, war das erkennbarste Zeichen für dieses Defizit. Laut einer Studie von 1995 waren zu diesem Zeitpunkt nur neun Prozent der Bundesdeutschen ausreichend mit Jod versorgt.

Symptome und Verlauf

Jodmangel ist die häufigste Ursache für Schildrüsenvergrößerung (Kropf).

Jodmangel hat eine Unterfunktion der Schilddrüse zur Folge. Die daraus resultierenden Symptome entwickeln sich zumeist schleichend, so dass die Betroffenen über lange Zeit nichts davon bemerken. Typische Anzeichen treten erst bei stärkerer Unterfunktion in Erscheinung. Charakteristisch für eine Schilddrüsenunterfunktion können sein:

Das Auftreten und die Ausprägung der Symptome sind unter anderem abhängig vom Alter des Betroffenen. Patienten höheren Alters leiden hauptsächlich unter Kraftlosigkeit, Verstopfung und Kälteempfindlichkeit. Wird Jodmangel nicht beizeiten erkannt und entsprechend behandelt, kann es zur Bildung eines Kropfes kommen. Die am meisten verbreitete, mit Jodmangel in Verbindung stehende Krankheit ist die Jodmangel-Struma.

Diagnose

Fällt einer Person das Wachstum der Schilddrüse oder ein Knoten am Hals in deren Nähe auf, sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden. Eine Schilddrüsenvergrößerung kann viele Auslöser haben und nicht alle davon sind harmlos. Zunächst muss abgeklärt werden, ob weitere Beschwerden, Vorerkrankungen oder Veränderungen vorliegen, die auf eine Funktionsstörung der Schilddrüse oder deren Vergrößerung hindeuten können. Eine erste Diagnose kann durch das Abtasten der Schilddrüse erfolgen. Dabei wird auch festgestellt, ob die Schilddrüse mit dem sie umgebenden Gewebe verwachsen ist. Diese Verwachsungen finden sich oft bei bösartigen Schilddrüsenerkrankungen. Die genaue Größe der Schilddrüse wird mit einem Ultraschallgerät gemessen. Damit wird auch gleichzeitig ihre Gewebestruktur beurteilt, die bei der Jodmangelstruma normal bis, von möglichen Knoten abgesehen, regelmäßig sein kann.

Besteht die Struma schon länger, können auch mit Flüssigkeit gefüllte Hohlräume (Zysten), Verkalkungen oder Vernarbungen auftreten, durch die das Schilddrüsengewebe im Ultraschall unregelmäßig erscheint. Durch eine Blutuntersuchung wird in Erfahrung gebracht, ob die Menge der Schilddrüsenhormone im Blut normal ist, oder ob eine Schilddrüsenüberfunktion bzw. -unterfunktion vorliegt. Bei vorliegenden Gewebsknoten wird mittels Feinnadelpunktion Gewebe entnommen und anschließend untersucht, um sicherzugehen, dass es sich um keine bösartige Veränderung handelt. Eine Schilddrüsenszintigraphie wird durchgeführt, um festzustellen, ob innerhalb eines Kropfes verändertes, fehlerhaftes Gewebe vorkommt, das weder durch das Gehirn noch durch die Hirnanhangdrüse kontrolliert wird.

Behandlung und Therapie

Wird bei einem Patienten Jodmangel festgestellt, den dieser nicht durch entsprechende Nahrungsaufnahme ausgleichen kann, so kann Jod über Nahrungsergänzungsmittel oder Medikamente zugeführt werden.

Haben sich bereits auf den Jodmangel zurückzuführende Folgeerkrankungen entwickelt, kann die Behandlung auch über eine reine Behebung des Mangels hinausgehen. So werden beispielsweise zur Behandlung eines durch Jodmangel bedingten Kropfes medikamentös Schilddrüsenhormone verabreicht.

In vielen Fällen werden diese Medikamente durch Jodgaben ergänzt. Durch diese Therapie soll eine Beseitigung oder zumindest Verkleinerung des Jodmangel-Kropfes erzielt werden.

Auch durch den Jodmangel ausgelöste Schilddrüsenunterfunktionen werden häufig durch die Gabe von Schilddrüsenhormonen behandelt. Die für den jeweiligen Patienten nötige Menge kann aus dessen Hormonblutwerten bestimmt werden.

Bei besonders großen Strumen können medikamentöse Behandlungen manchmal nicht ausreichen. Hier müssen die Folgen des Jodmangels gelegentlich operativ bekämpft werden. Ein chirurgischer Eingriff kann besonders bei älteren Menschen erforderlich sein.

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Vorbeugung

Die wirkungsvollste Maßnahme zur Vorbeugung von Jodmangel ist eine hinreichend jodhaltige Ernährung. Besonders viel Jod enthalten zum Beispiel Fisch und Meeresfrüchte. Auch in Brokkoli, Champignons und Erdnüssen findet sich relativ viel Jod. Weiterhin empfiehlt sich die Verwendung von jodhaltigem Speisesalz. Auch sogenannte Jodid-Tabletten können einem Jodmangel vorbeugen. Diese Möglichkeit sollte jedoch vorab mit einem Arzt besprochen werden.

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