Invagination (Darmverschluss bei Kleinkindern)

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 31. März 2015
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Invagination (Darmverschluss bei Kindern) bezeichnet im medizinischen Sprachgebrauch allgemein jede Art der Einstülpung. Bei Kleinkindern ist die Invagination häufig die Ursache für einen mechanischen Darmverschluss oder Säuglingsileus. Diese Form der Invagination betrifft hauptsächlich Kleinkinder unter 3 Jahren und kann im schlimmsten Fall zu einer lebensbedrohlichen Situation führen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Invagination (Darmverschluss bei Kindern)?

Invagination (Darmverschluss bei Kindern) – auch Darmeinstülpung oder Intussuszeption genannt – bezeichnet die Einstülpung eines Darmteiles in den vom Mund wegführenden nachfolgenden Darmabschnitt. Diese Einstülpung in sogenannter aboraler (weg vom Mund führender) Richtung kann sich aufgrund der Peristaltik, also der Eigenbewegung der Darmwand, weiter fortsetzen. Dadurch kann es zu einem Darmverschluss kommen, was lebensbedrohliche Folgen nach sich ziehen kann.

Eine möglichst rasche Behandlung im Krankenhaus ist daher unbedingt notwendig! Durch die Faltung der Darmwand während einer Invagination kommt es zudem zu einer venösen Abflussbehinderung des Blutes – ein Blutstau ist die Folge sowie die Ödembildung im umliegenden Wandgewebe. Dadurch wird die Blutversorgung des betreffenden Darmabschnittes immer weiter verringert, was sich dann durch die für einen Darmverschluss typischen Symptome zeigt. Eine ileokolische Invagination liegt vor, wenn sich das Ileum (Krummdarm) in das Colon (Grimmdarm) einstülpt. In selteneren Fällen tritt ein Teil des Ileums in das Ileum selbst ein.

Ursachen

Es gibt eine Reihe möglicher Ursachen, die zur Entstehung einer Invagination (Darmverschluss bei Kindern) führen können. Eine erhöhte Darmmotilität (Darmbeweglichkeit), z.B. in Folge einer Gastroenteritis, geht bei Kleinkindern und Säuglingen häufig einer Invagination voraus. Aber auch Infektionen können eine Darmeinstülpung begünstigen. Neben einer hohen Eigenbewegung des Darms innerhalb der ersten Lebensjahre sowie Darminfekten sollte differentialdiagnostisch auch eine seltene Gefäßentzündung als Ursache in Betracht gezogen werden. Dies kann insbesondere bei etwas älteren Kindern im Zuge einer zystischen Fibrose (auch Mucoviscidose) bzw. Purpura Schoenlein-Henoch die Ursache einer Invagination sein.

Raumfordernde Prozesse durch Tumore, Darmpolypen oder Lymphknoten sind im frühen Kindesalter jedenfalls die Ausnahmen, später müssen sie zumindest eher in Betracht gezogen werden. Ebenso sind unter anderem submucöse Blutungen, Darmduplikaturen, Lymphome oder Adhäsionen im höheren Alter als auslösende Momente beschrieben worden. Bei Kindern typisch im Falle einer Invagination ist der plötzliche Erkrankungsbeginn, und zwar aus totaler Gesundheit heraus, d.h. obwohl das Kind gesund und gut genährt ist. Eine Invagination betrifft sehr häufig ohne deutlich erkennbare Ursache Säuglinge und Kleinkinder unter drei Jahren. Und 80% der Invaginationen sind sogar bei Kindern im ersten Lebensjahr zu beobachten.

Symptome und Verlauf

Typische Symptome der Invagination (Darmverschluss bei Kindern):

Bei der kindlichen Invagination (Darmverschluss bei Kindern) also beginnt der Krankheitsverlauf sehr oft idiopathisch, d.h. ohne ersichtliche oder konkrete Ursache. Typisch bei einer Einstülpung des Darms sind plötzlich auftretende heftige, kolikartige und in Intervallen verlaufende Bauchschmerzen. Hinzu kommen später galliges Erbrechen, Durchfall (blutiger, schleimiger Stuhl wie „Himbeergelee“) und in Folge Verstopfung und eine zunehmende gräuliche Blässe des Kindes. Der phasenweise Verlauf ist sehr typisch für eine Invagination mit Darmverschluss, genau wie die unvermittelt auftretenden, starken und krampfartigen Schmerzen im Bauch sowie heftige Schweißausbrüche.

Aufgrund der auffälligen peritonealen Symptome schreien die Kinder häufig vor Schmerzen und winkeln die Beine in Schonhaltung an. Zunehmende Lethargie bis hin zur Bewusstlosigkeit deuten klar auf einen Ileus (Darmverschluss) hin und machen eine sofortige Einweisung ins Krankenhaus unumgänglich. Gerade durch das junge Alter sind auftretende Symptome aufmerksam zu erfassen, um ein rasches Handeln zu ermöglichen: Der plötzliche Beginn der Schmerzen, die intervallartige Verlaufsform sowie Abwehrspannung und zunehmender Verfall und Schwäche lassen sehr schnell auf eine mögliche Invagination schließen.

Diagnose

Das charakteristische beschriebene Beschwerdebild ist zwar kennzeichnend für eine Invagination (Darmverschluss bei Kindern), dennoch müssen im Krankenhaus durch differentialdiagnostische Methoden ähnlich anmutende Erkrankungen wie eine Blinddarmentzündung oder eine sehr schwere Verstopfung ausgeschlossen werden. Die körperliche Untersuchung lässt eine walzenartige Erhebung im rechten Unterbauch ertasten, und bei bis zu 20% der betroffenen Kinder ist bei der rektalen Untersuchung Blut zu finden.

Zur weiteren raschen Abklärung wird eine Sonographie durchgeführt, die im Falle einer Invagination die typische Doppelringstruktur sichtbar macht. Dieses auffällige Bild wird auch als Kokarde oder Schießscheibenphänomen bezeichnet, was im Querschnitt den ineinanderliegenden Darmabschnitten entspricht. Spätestens jetzt beginnt die Therapie, was sich oftmals mit einer Röntgenaufnahme des Abdomens überschneidet, bei der bereits ein Colonkontrasteinlauf durchgeführt wird. Diese ist im Zweifelsfall nicht nur ein klares bildgebendes Diagnoseverfahren, sondern hier beginnt bereits das therapeutische Eingreifen.

Behandlung

Um eine Invagination (Darmverschluss bei Kindern) sprichwörtlich umzukehren, gehört das Einbringen von wasserlöslichem Kontrastmittel und/oder einer Kochsalzlösung zu den ersten Therapieoptionen. Es soll eine hydrostatische Reposition der betroffenen Darmabschnitte erfolgen, wobei auch mittels Luft derselbe Effekt erzielt werden kann: Bei der pneumatischen Devagination soll ähnlich wie durch Flüssigkeit und mit Hilfe eines eingeführten Darmrohres der eingestülpte Teil des Darmes wieder in seine Ursprungsposition zurück gedrückt und geschoben werden. Das Therapieergebnis der Devagination wird mittels Ultraschall oder Röntgenaufnahme kontrolliert und hat innerhalb der ersten etwa 14 Stunden die besten Erfolgsaussichten.

Ein schnelles Handeln ist bei einer Invagination in jedem Falle entscheidend. Wenn diese Möglichkeiten der Evagination mit Luft oder flüssigen Einläufen nicht funktionieren, kommt der behandelnde Arzt um ein schnelles, operatives Vorgehen nicht umhin. Bei der sogenannten Laparotomie wird der Bauch geöffnet und versucht, den Darm manuell zu repositionieren (Handgriff nach Hudsenson). Wenn auch diese manuelle Reposition erfolglos bleibt, müssen die betroffenen und geschädigten Darmabschnitte entfernt werden. Nach dieser Resektion erfolgt das chirurgische Zusammenfügen in Form der End-zu-End-Anastomose.

Grundsätzlich gilt: Je früher mit der Behandlung der Invagination begonnen werden kann, umso erfolgreicher greifen die einzelnen Therapieoptionen. Im Anschluss an die mechanische Korrektur muss unbedingt auf eine ausreichend hohe Flüssigkeitszufuhr sowie eine Substitution des gestörten Elektrolythaushaltes Acht gegeben werden.

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Vorbeugung

Bei kindlicher Invagination (Darmverschluss bei Kindern) sind zu 90 Prozent Säuglinge bzw. Kleinkinder zwischen dem 4. Lebensmonat und 3 Jahren betroffen. Und was wohl auch eher unbekannt sein wird, ist die Tatsache, dass jährlich 1 von 1000 Kindern an der Invagination erkrankt.

Da es vor allem bei Kindern kaum eine Möglichkeit der Prävention gibt, sollten Eltern über die typischen Symptome unbedingt Bescheid wissen und für den Fall, dass ihr Kind betroffen sein sollte, schnell und besonnen handeln. Denn bei rascher ärztlicher Behandlung verläuft eine Invagination meistens problemlos. Entscheidend für eine positive Prognose ist auf jeden Fall zügiges Handeln, damit das Kind möglichst ohne operativen Eingriff und schnell wieder gesundet.

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