Internetsucht

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 18. September 2017
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Mit dem Begriff Internetsucht wird ein krankhaftes Verhalten beschrieben, bei dem Betroffene nicht mehr kontrollieren können, wie viel Zeit sie in bestimmten Bereichen des Internets verbringen. Im Zuge dessen können Abhängigkeitssymptome und Entzugserscheinungen auftreten. Studien zeigen, dass in Deutschland etwa eine halbe Million Menschen unter dieser Form der Sucht leiden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Internetsucht?

Gegenwärtig gibt es für das Phänomen Internetsucht keine allgemein anerkannte Definition. Selbst die Begrifflichkeit an sich ist noch umstritten, so dass viele Experten anstatt von Internetsucht von einer Internetabhängigkeit sprechen. Als Argument wird in der Diskussion um den richtigen Begriff das Fehlen einer stofflichen Ebene angemahnt, die bei vergleichbaren Suchterkrankungen, wie z. B. der Alkoholsucht, besser abgegrenzt werden kann.

Der Begriff „Internetsucht“ wurde vom amerikanischen Psychiater Ivan Goldberg eingeführt, als er seine ersten Erkenntnisse über die „Internet Addiction Disorder“ veröffentlichte. Unter Wissenschaftlern, die dieses Phänomen untersuchen, besteht demgegenüber Einigkeit darüber, dass es sich bei der Internetsucht um eine pathologische (krankhafte) Veränderung des menschlichen Verhaltens handelt. Diese kann – psychologisch betrachtet – in den Bereich der Persönlichkeitsstörungen eingeordnet werden.

Ursachen

Bei der Untersuchung von Betroffenen, welche an Intersucht wurde festgestellt, dass besonders in der Begegnung mit drei Bereichen des Internets suchtartiges Verhalten auftreten kann: Beim Onlineshoppen, bei der Nutzung sozialer Netzwerke und beim Aufsuchen sexueller Inhalte. Wissenschaftler gehen aber davon aus, dass der Aufenthalt in diesen digitalen Welten nicht allein für krankhaftes Verhalten verantwortlich sein kann.

Vielmehr wird davon ausgegangen, dass vorhandene psychische Vorschäden bei Betroffenen den Verlust einer ausreichenden Selbstkontrolle begünstigen. Dieser Verlust kann dazu führen, dass die richtige Wahrnehmung der Realität immer mehr verloren geht und die emotionale Bindung an die Tätigkeit im Internet zunehmend eine existentielle Bedeutung für die betroffene Person einnimmt.

Daneben ist auch entscheidend, dass das Internet Welten eröffnet, die dazu einladen, mit der eigenen Identität zu experimentieren. Diese existentielle Flexibilität ermöglicht es dem Nutzer, die soziale oder auch geschlechtliche Identität nach Belieben zu verändern und sich so eine eigene digitale Lebensrealität zu erschaffen.

Symptome und Verlauf

Typische Symptome einer Internetsucht:

Im weiteren Verlauf der Erkrankung können dann vermehrt körperliche und soziale Symptome in Erscheinung treten. Internetsüchtige haben durch einen Mangel an Bewegung oft Übergewicht und sind anfällig für die damit verbundenen Folgeerkrankungen. Auch Muskelschwäche oder körperliche Fehlbildungen können mit der Zeit auftreten. Schon ein kurzzeitiger Nichtgebrauch des Internets kann zu Entzugserscheinungen wie Kopfschmerzen, Schwitzen oder Stimmungsschwankungen führen.

Auch eine mangelnde Körperhygiene kann schon in den Anfängen auftreten. Daneben leidet auch der geistige Zustand unter dem übermäßigen digitalen Konsum. So können Depressivität, Konzentrationsschwächen und Schlafstörungen zu beobachten sein. Als Konsequenz wird dann zumeist auch das soziale Leben in Mitleidenschaft gezogen. Verabredungen werden nicht eingehalten, Beziehungen und Freundschaften können in die Brüche und auch der Arbeitsplatz verloren gehen, wenn das Verlangen nach dem Internet zu viel Raum im Alltag einnimmt.

Diagnose

Die ärztliche Diagnose der Suchterkrankung Internetsucht wird mit Hilfe spezieller Fragebögen vorgenommen. Dabei wird durch die Internetsucht-Skala (ISS) ermittelt, wie weit die Abhängigkeit von der Nutzung des Internets bereits fortgeschritten ist. Bei der Untersuchung wird in den Blick genommen, ob der Patient bereits zwanghaftes Verhalten aufweist, wie stark die Selbstkontrolle des Patienten im Allgemeinen ist und ob es Beeinträchtigungen des Alltagslebens durch den Internetgebrauch gibt.

Komplikationen

Durch eine Internetsucht drohen verschiedene negative Folgeerscheinungen. Sie können sowohl die Psyche als auch die Physis betreffen. Mitunter sind die Auswirkungen dramatisch. Die Folgen einer Internetabhängigkeit sind oft nur langsam zu erkennen. Dabei lässt sich nicht immer genau feststellen, ab wann die Leidenschaft für das Internet zur regelrechten Sucht ausartet. Ein wichtiges Merkmal ist, dass sich die betroffenen Personen immer häufiger im Internet aufhalten und keine Zeit mehr für ihre Familie oder Freunde haben. Jenseits des Computers üben sie keinerlei andere Hobbys mehr aus. Ebenso werden der Beruf, der Haushalt und sogar das Äußere vernachlässigt. Im Extremfall büßen die Internetsüchtigen ihren Arbeitsplatz ein.

Als typische psychische Auswirkungen der Internetabhängigkeit gelten das Abschirmen vor den dadurch entstehenden Problemen sowie das Leugnen der Onlinesucht. Die Betroffenen wollen die problematischen Folgeerscheinungen nicht wahrhaben und schirmen sich Kritikern gegenüber ab. In manchen Fällen führt dies im Laufe der Zeit zur Vereinsamung des Internetsüchtigen. Manchmal hat die Onlinesucht ernste Komplikationen wie psychische Erkrankungen zur Folge. Dabei handelt es sich vor allem um affektive Störungen, Depressionen sowie Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörungen.

Unternehmen die Betroffenen den Versuch, die psychischen Störungen zu unterdrücken, besteht das Risiko, dass es außerdem zu körperlichen Auswirkungen kommt. Dazu gehören u. a. Nikotin- oder Alkoholmissbrauch. Weil die Internetsucht außerdem einseitige Körperhaltungen und Bewegungsmangel nach sich zieht, drohen Gesundheitsprobleme an Rücken und Herz. ist möglich. Virenhemmende Arzneimittel verursachen unter Umständen eine Blutarmut und beeinträchtigen die Entwicklung des Ungeborenen in der Schwangerschaft.

Behandlung und Therapie

Für die Behandlung der Internetsucht ist noch keine Standardtherapie entwickelt worden. Allerdings hat sich in der Praxis die Durchführung einer Verhaltenstherapie bewährt, um Patienten auf dem Weg zu einem normalen Gebrauch des Internets zu unterstützen. Durch diesen Therapieansatz können Betroffene eigene Lösungsstrategien entwickeln, die ihren Umgang mit dem Internet wieder an eine gesunde Handlungsweise heranführen. Je nach Krankheitsbild kann es auch hilfreich sein, Angehörige und Freunde in diesen Heilungsprozess mit einzubeziehen.

Wie bei anderen Suchterkrankungen ist aber auch hier die eigene Erkenntnis des selbst schädigenden Verhaltens der erste und oft schwierigste Schritt. Es kommt oft dazu, dass Betroffene erst durch große gesundheitliche oder soziale Schäden das nötige Problembewusstsein erlangen, um professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Paradoxerweise hat es sich bewährt, diese Hilfe v.a. im Internet anzubieten. Die Hemmschwelle, sich helfen zu lassen, ist hier niedriger, da sich Betroffene in einer für sie vertrauten Welt mit dem Problem auseinander setzen können.



Vorbeugung

Personen, die viel Zeit im Internet verbringen, können einem suchthaften Verhalten und somit einer Internetsucht vorbeugen, indem sie sich selbst und ihren Umgang mit dem Internet sorgfältig und kritisch beobachten. Daneben kann es hilfreich sein, sich selbst Grenzen zu setzen und die Nutzung des Internets vor allem auch zeitlich einzuschränken.

Sollte diese selbst motivierte Grenzsetzung bereits schwierig sein, so sollten Betroffene frühzeitig professionelle Hilfe in Anspruch nehmen, um das Suchtverhalten in seinen Anfängen ändern zu können. Auch Angehörige und Freunde sollten in die Beobachtung des eigenen Internetverhaltens einbezogen werden, um eine Verhaltenskorrektur vornehmen zu können, bevor es schädigende Ausmaße annehmen kann.

Bücher über Computerspielsucht

Quellen

  • Payk, T.: Checkliste Psychiatrie und Psychotherapie. Thieme, Stuttgart 2013
  • Dilling, H. & Freyberger, H.J.: Taschenführer zur ICD-10-Klassifikation psychischer Störungen, Huber Verlag, 6. Auflage 2012
  • Siegenthaler, W. (Hrsg.): Siegenthalers Differenzialdiagnose Innere Krankheiten – vom Symptom zur Diagnose. Thieme, Stuttgart 2005
  • Bergner, T. M. H.: Burnout-Prävention. Schattauer, Stuttgart 2012
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2012
  • Tölle, R., Windgassen, K.: Psychiatrie. Springer, Berlin 2014

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