Insulinom

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 8. Februar 2016
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Das Insulinom ist ein seltener, häufig gutartiger endokriner Tumor der Bauchspeicheldrüse. Er schüttet unkontrolliert Insulin aus und löst aus diesem Grunde bei den betroffenen Patienten immer wieder massive Unterzuckerungssymptome aus. Die klassische Therapie beim Insulinom besteht in der operativen Entfernung des Tumors. Bei einem bösartigen Insulinom wird die Behandlung häufig durch Chemotherapie und/oder Strahlentherapie ergänzt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Insulinom?

Beim Insulinom handelt es sich um einen in etwa 90 Prozent aller Fälle gutartigen Tumor der Bauchspeicheldrüse (Pankreas). Die aus dem endokrinen Drüsengewebe der Bauchspeicheldrüse, den sogenannten Langerhans-Inseln, entstehende Neubildung tritt sehr selten auf, ist aber dennoch die häufigste endokrine Tumorerkrankung im Bereich des Pankreas.

Typisch für das Insulinom ist seine unkontrollierte Insulinausschüttung, die beim Patienten wiederholt die charakteristischen Symptome einer – teilweise massiven – Unterzuckerung auslöst. Bei häufigem Auftreten unerklärbar niedriger Blutzuckerspiegel sollte deshalb auch immer an die seltene Möglichkeit eines Insulinoms gedacht werden.

Ursachen

Die Ursachen für das Entstehen eines Insulinoms liegen in einer Entartung der Betazellen der Langerhans-Inseln. In den meisten Fällen handelt es sich hierbei um ein gutartiges Adenom, in etwa zehn Prozent der Erkrankungen jedoch um ein Adenokarzinom, das häufig in die Leber metastasiert.

Aufgrund seiner Entstehung auf dem Boden des Drüsengewebes der Bauchspeicheldrüse verhält sich das Insulinom des Pankreas hormonaktiv: Es schüttet willkürlich Insulin sowie in vielen Fällen noch weitere gastrointestinale Hormone wie zum Beispiel das vasoaktive Intestinalpeptid (VIP) aus, das einen großen Einfluss auf die Magen-Darm-Funktion hat.

Inwiefern es zu den charakteristischen Zellentartungen im Bereich der Bauchspeicheldrüse und damit zur Bildung der Insulinome kommt, ist noch nicht hinreichend geklärt. Auffällig ist jedoch ein signifikant häufiges Auftreten des Insulinoms bei Patienten, die unter dem MEN1-Syndrom (Wermer-Syndrom) leiden, das sich in endokrinen Neubildungen in den Bereichen Hirnanhangdrüse, Bauchspeicheldrüse und Nebenschilddrüse manifestiert.

Symptome und Verlauf

Durch seine unkontrollierte Insulinausschüttung und den damit verbundenen massiven Einfluss auf den Blutzuckerspiegel äußert sich das Insulinom immer wieder durch den klassischen vegetativen Symptomkomplex der Unterzuckerung (Hypoglykämie):

  • Blutzuckerkonzentrationen nach körperlicher Aktivität oder Nahrungskarenz unter 30 mg/dl oder 1,65 mmol/l

In schweren Fällen einer Unterzuckerung besteht die Gefahr, dass die Betroffenen in Rahmen eines hypoglykämischen Schocks ohnmächtig werden oder sogar ins Koma fallen. Typisch für Patienten, die an einem Insulinom erkrankt sind, ist die zeitnahe Besserung auch massiver Beschwerden durch die Zuführung von Glukose (Traubenzucker) oder anderen Kohlenhydraten. In vielen Fällen kommt es durch die anabole Wirkung des Insulins deshalb zu einer Gewichtszunahme beim Insulinom-Patienten bis hin zur Adipositas.

Diagnose

Erster Baustein in der Diagnostik eines Insulinoms sind die Symptomschilderungen des Patienten im Rahmen einer gründlichen ärztlichen Anamnese. Nachdem andere mögliche Unterzuckerungsursachen wie Diabetes mellitus oder Nebenwirkungen von Medikamenten ausgeschlossen sind, wird bei Verdacht auf ein Insulinom häufig ein Hungerversuch durchgeführt, der in der Regel zwischen 48 und 72 Stunden dauert: Während bei gesunden Patienten das Fasten eine Drosselung der körpereigenen Insulinausschüttung und dadurch einen niedrigen Blutzuckerwert bewirkt, sorgt ein Insulinom für einen weiterhin hohen beziehungsweise nur unverhältnismäßig schwach abfallenden Insulinspiegel beim Betroffenen. Typisch sind zudem erhöhte Werte von C-Peptid und Pronisulin. Beim dringenden Verdacht auf ein Insulinom können anschließend folgende bildgebende Verfahren im Bereich der Bauchspeicheldrüse eingesetzt werden, um den Tumor genau zu lokalisieren sowie die Ausdehnung oder eventuelle Metastasen des Insulinoms zu erkennen:

Behandlung

Konsequenter therapeutischer Schritt nach der Entdeckung eines Insulinoms ist in der Regel dessen vollständige chirurgische Entfernung. Ergänzend kann sowohl vor als auch während des operativen Eingriffes versucht werden, mit spezifischen Wirkstoffen wie Octreotid oder Diazoxid die tumorbedingt unkontrollierte Ausschüttung des Insulins zu bremsen.

Sollte sich bei der pathologischen Untersuchung im Anschluss an die Operation herausstellen, dass der entfernte Tumor bösartig ist, muss gezielt eventuellen Metastasen gesucht werden.

Nach Abschluss der weiterführenden Diagnostik wird für den Patienten ein individuelles Therapieschema aus Operation, Chemotherapieblöcken und gegebenenfalls Strahlentherapie erarbeitet. Häufig liegt die Behandlung des Insulinoms interdisziplinär in den Händen von Chirurgen, Diabetologen, Onkologen und Strahlentherapeuten.

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Vorbeugung

Eine spezifische Prophylaxe für das Insulinom gibt es nicht. Dies liegt vor allem daran, dass auch die Ursachen des Insulinoms noch nicht bekannt sind. Trotz seiner Seltenheit erscheint es jedoch wichtig, bei häufigen Unterzuckerungszuständen mit entsprechenden diagnostischen Schritten auch ein Insulinom auszuschließen.

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