Hydrotherapie

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 19. Juli 2016
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Hydrotherapie ist der Überbegriff für Anwendungen der Naturheilkunde, die auf verschiedene Art und Weise Wasser nutzen, um Symptome zu lindern oder die Behandlung von Erkrankungen zu unterstützen. Im Vordergrund steht dabei die Anregung des Stoffwechsels und des Blutkreislaufs mittels mechanischer Wirkung des Wassers und Temperatur. In der modernen Medizin stellt die Hydrotherapie zum Teil eine Ergänzung zu anderen Behandlungsmethoden dar, ohne mit ihr in Konkurrenz zu stehen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Hydrotherapie?

Die Hydrotherapie oder Wasserkur, seltener Hydriatrie, gehört zur Naturheilkunde und stellt eine der ältesten Behandlungsformen dar. Ihre Wirkung ist in den meisten Fällen unspezifisch und richtet sich in der Regel nicht nur auf einzelne Symptome, sondern auf eine ganzheitliche Aktivierung des Stoffwechsels und des Blutkreislaufs. Die Ursprünge der Hydrotherapie lassen sich bis in die Antike zurückverfolgen, wobei der Übergang zwischen medizinischem Gebrauch und religiösen bzw. spirituellen Praktiken insbesondere in der Vergangenheit fließend war. Obwohl die Hydrotherapie heute nach wie vor eine eher untergeordnete Rolle spielt, entdeckte die Medizin sie in jüngster Zeit mit leicht zunehmender Tendenz wieder.

Anwendungsgebiete

Typische Anwendungsgebiete der Hydrotherapie:

Die Einsatzgebiete der Hydrotherapie sind nicht klar umgrenzt. Viele Befürworter der verschiedenen Verfahren gehen von nahezu universalen Gebrauchsmöglichkeiten aus, sofern keine klaren Kontraindikationen vorliegen – wie beispielsweise offene Wunden, die bei einigen äußeren Anwendungen Probleme bereiten könnten. Ein spezifischer Einsatz von hydrotherapeutischen Verfahren ist jedoch im Rahmen der Behandlung von Verbrennungen und Schmerzen möglich. Fließendes kaltes Wasser zur ersten Versorgung einer Verbrennung gilt allgemein als Hausmittel, stellt im Grunde genommen jedoch ebenfalls eine Anwendung der Hydrotherapie dar. Einige Forscher gehen von einer positiven Wirkung von Kaltwasserbehandlungen auf das Immunsystem aus, wie sie unter anderem Sebastian Kneipp entwickelte.

Die Temperatur von Wasser, Dampf oder Eis regt die Durchblutung und den Stoffwechsel des Behandelten an und kann dadurch körpereigene Prozesse fördern, die der Selbstheilung dienen. Kneipp und andere Begründer der europäischen Hydrotherapie gingen außerdem davon aus, dass die Exposition mit extremen Temperaturen in Dampf- und Wasserbädern eine Abhärtung des Immunsystems zur Folge hätte. Heute gibt es Hinweise darauf, dass sich tatsächlich einige derartige Effekte im menschlichen Körper abspielen; allerdings führen Wasserkuren nicht mit Gewissheit und in jedem Fall zu diesem Ziel. Auch deshalb stellt die Hydrotherapie in der Regel eine Ergänzung zur herkömmlichen Behandlung dar oder dient der Verbesserung des allgemeinen Befindens und der Vorsorge.

Welche Methoden und Verfahren gibt es?

Die Hydrotherapie kennt zahllose verschiedene Methoden und Verfahren, die sich teils unabhängig voneinander entwickelten und die sich dennoch häufig ähneln. Zu den bekanntesten Vertretern der Wasserkur gehört Sebastian Kneipp, der in Wassertreten, Duschen, Arm-/Fuß- und Sitz-Bädern, Waschungen, Blitzgüssen, Wickeln und Dampfbäder ein Mittel zur Abhärtung gegen Zivilisationskrankheiten sah. Berühmt sind vor allem die nach ihm benannten Knie- bis Oberschenkel-tiefen Becken, die mit kaltem Wasser gefüllt sind und durch welche die Anwender laufen, indem sie bei jedem Schritt die Knie nach oben ziehen. Die moderne Hydrotherapie schließt neben den genannten Verfahren außerdem Anwendung ein, die sich Eis, Whirlpools, Brausen und Unterwasserdruckstrahlmassagen zunutze machen.

Was muss der Patient im Vorfeld und bei der Nachsorge beachten?

Vor der Hydrotherapie sollten Anwender sich vergewissern, dass das gewünschte Verfahren kein hohes Risiko für sie birgt. Vor allem Menschen mit kardiovaskulären Beschwerden wie Herzrhythmusstörungen und anderen müssen Vorsicht walten lassen; gleiches gilt für Personen mit anderen Vorerkrankungen. Schmerzen und andere Beschwerden erfordern eine medizinische Abklärung, da sonst die Gefahr besteht, dass Anwender die eigentlichen Ursachen der Symptome übersehen und eine möglicherweise notwendige ärztliche Behandlung zu spät erfolgt. Auch allgemeines Unwohlsein und unspezifische Beschwerden wie Kopfschmerzen, Müdigkeit, Trägheit, Gliederschmerzen und andere verlangen die Konsultation eines Arztes. Zwischen den Anwendungen sollte ausreichend Zeit liegen, um den Körper nicht zu stark zu beanspruchen.

Durchführung - Wie läuft die Untersuchung ab?

Der Ablauf der Hydrotherapie hängt vom gewählten Verfahren ab. Behandler oder Kursleiter führen mit dem Klienten in der Regel vorab ein Gespräch, um eine individuell passende Anwendung zu finden, Indikationen zu berücksichtigen und Kontraindikationen auszuschließen. Bei der eigentlichen Behandlung ist zwischen Eigenanwendungen und Anwendungen mit Therapeutenunterstützung zu unterscheiden. Ein Beispiel für Letztere ist die Colon-Hydro-Therapie, die im Wesentlichen aus einem Einlauf besteht.

Von der Darmspülung versprechen sich Befürworter dieses Verfahrens einen reinigen Effekt und die Stärkung des Immunsystems; allerdings ist diese Sichtweise sehr umstritten, denn es existieren keine Wirkungsbelege für diese Theorie. In der Regel führt eine geschulte Person die Colon-Hydro-Therapie mit dem Klienten durch. Andere Verfahren erfordern in den meisten Fällen keine ständige Begleitung durch einen Therapeuten, zum Beispiel viele Kneipp-Methoden wie das Wassertreten. Zum Teil bieten sogar Schwimmbäder entsprechende Becken an, in denen Badegäste diese Form der Hydrotherapie eigenständig praktizieren können.

Eigenleistung oder Krankenkasse - wer übernimmt die Kosten?

In manchen Fällen kann die Krankenkasse die Kosten der Hydrotherapie übernehmen. Dies hängt jedoch sowohl von der Krankenkasse als auch von der Art der Hydrotherapie und dem Grund des Einsatzes ab. Interessierte können sich deshalb im Voraus informieren, ob ihre Krankenkasse eine entsprechende Leistung übernimmt.



Risiken, Komplikationen und Nebenwirkungen

Da es sich bei Hydrotherapie um einen Sammelbegriff für eine Vielzahl von Verfahren handelt, lassen sich die potenziellen Komplikationen und Risiken nur schwer verallgemeinern. Grundsätzlich sollten Anwender deshalb vor dem Einsatz eines Verfahrens individuell prüfen, ob Kontraindikationen vorliegen und welche Risiken gelten.

Überempfindlichkeit gegenüber Temperaturextremen oder -schwankungen kann die Anwendung thermischer Verfahren erschweren; sie sind unter diesen Umständen nicht in jedem Fall sinnvoll. Patienten sollten insbesondere größere Wunden, Schmerzen, Verbrennungen und andere Beschwerden, die zu schweren Komplikationen führen können, nicht außerhalb von klinisch kontrollierten Bedingungen oder ohne medizinische Abklärung eigenständig hydrotherapieren.

Insbesondere bei Temperatur-basierten Verfahren sollten Personen mit Herz- und Kreislaufbeschwerden zunächst einen Arzt konsultieren, da einige Anwendungen der Hydrotherapie einen Schockzustand auslösen können, der bis zum Herzinfarkt führen kann.

Bei speziellen Verfahren wie der Colon-Hydro-Therapie gelten besondere Vorsichtsmaßnahmen, da eine unsachgemäße Ausführung Risiken birgt; im Falle der Darmspülung kann unterlassenes Entleeren beispielsweise Kaliummangel und eine Störung der Darmflora hervorrufen. Falsch temperiertes Wasser kann Darmkrämpfe oder Hitzeschäden auslösen; auch mechanische Schäden sind möglich.

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