His-Bündel

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 29. November 2016
Gesundpedia.deAnatomie His-Bündel

Das ca. 5 bis 8 mm lange His-Bündel ist Teil des Erregungsleitungssystems des Herzens. Bei einem Totalausfall des Sinus- und AV-Knotens kann das His-Bündel autonom als letzte Absicherung des Herzschlags mit einer eigenen Taktfrequenz von 20 – 30 Hz einspringen.

Inhaltsverzeichnis

Definition

Das His-Bündel bildet zusammen mit dem Sinusknoten, dem AV-Knoten (Atrioventikularknoten), den Tawara-Schenkeln und den Purkinje-Fasern das Erregungsbildungs- und Erregungsleitungssystem des Herzens. Das His-Bündel entspringt nahe des AV-Knotens im rechten Vorhof und durchdringt die Scheidewände zum linken Vorhof und zu den beiden Kammern.

Im Normalfall „übernimmt“ das His-Bündel die elektrischen Impulse vom AV-Knoten, um sie über das Erregungsleitungssystems an die Muskulatur der beiden Kammern weiter zu leiten. Der AV-Knoten wiederum erhält die elektrischen Impulse vom Sinusknoten über die Muskelzellen der Vorhöfe.

Falls es zu einem Ausfall des Sinusknotens und des AV-Knotens kommt, können die Muskelzellen des His-Bündels mit einer eigenen autonomen Erregungsbildung mit einer Frequenz von etwa 20 bis 30 Hz einspringen.

Anatomie

Das ca. 5 bis 8 mm lange His-Bündel entspringt nahe des AV-Knotens in der rechten Vorkammer und beginnt mit einem gemeinsamen Stamm, der sich nach wenigen Millimetern in zwei rechte und einen linken Ast aufteilt. Sie durchziehen die Scheidewände zur linken Vorkammer und zu den beiden Hauptkammern.

Die drei Äste, die entlang der Scheidewände verlaufen, werden Tawara-Schenkel genannt, die sich ihrerseits an der Herzspitze in die Purkinje Fasern weiter aufteilen. Das His-Bündel besteht aus speziellen Herzmuskelfasern, die elektrische Impulse weiterleiten können und auch zur spontanen Depolarisation fähig sind. Das bedeutet, dass das His-Bündel im Normalfall als Teil des Erregungsleitungssystems des Herzens fungiert.

Funktion

Das His-Bündel hat zwei Funktionen. Zum einen fungiert es als Teil des Erregungsleitungssystems des Herzens, indem es die vom AV-Knoten empfangenen elektrischen Kontraktionsimpulse über die nachgelagerten Teile des Erregungsleitungssystems wie Tawara-Schenkel und Purkinje-Fasern zunächst an die Papillarmuskelzellen der beiden Segelklappen Trikuspidal- und Mitralklappe leitet und nur wenige Millisekunden später an die Muskelzellen der Kammerwände.

Zum anderen hat das His-Bündel eine wichtige Funktion in der Erregungserzeugung. Es handelt sich um eine Art körpereigener Notfunktion. Die Muskelzellen des His-Bündels sind in der Lage, elektrische Kontraktionsimpulse in einer Frequenz von 20 bis 30 Hz zu erzeugen, so dass das Herz selbst bei Totalausfall von Sinus- und AV-Knoten noch mit einer Frequenz von 20 bis 30 Hz schlagen kann. Das His-Bündel fungiert dann zusätzlich als Teil der Erregungserzeugung.

Im Normalfall kommt diese Art der Erregungserzeugung nicht zum Tragen, weil die deutlich höhere Erregungsfrequenz des Sinusknotens wie auch des AV-Knotens - in seiner Notfunktion als erste Ersatzinstanz bei Ausfall des Sinusknotens - die „Kammerersatzfrequenz“ des His-Bündels überdecken.

Obwohl die „Notfunktion“ des His-Bündels nur extrem selten genutzt bzw. aktiviert wird, kann sie im Falle einer Vergiftung mit Nervengiften lebensrettend sein, weil das His-Bündel unbeeinflusst und unbeeindruckt von Vergiftungen für eine gewisse Zeit die Herzfunktion aufrecht erhalten kann.



Erkrankungen des His-Bündels

Die häufigsten Beschwerden und Krankheiten, die im Zusammenhang mit dem His-Bündel stehen, ist der His-Bündel-Block. Das His-Bündel kann seine Normalfunktion, die Weiterleitung der elektrischen Kontraktionsimpulse an die Papillar- und die Kammermuskulatur nicht wahrnehmen, die elektrischen Impulse werden blockiert.

Der His-Bündel-Block verursacht eine Herzrhythmusstörung. Ursache für den His-Bündel-Block können Durchblutungsstörungen oder Entzündungen des His-Gewebes oder degenerative Gewebsveränderungen sein.

Symptome ähnlich einer Herzrhytmusstörung können auftreten, wenn Teile des Reizleitungssystems, die dem His-Bündel nachgeordnet sind wie die Tawara-Schenkel oder die Purkinje Fasern, den elektrischen Schlagreiz nicht weiterleiten können.

In sehr seltenen Fällen kommt es bei Neugeborenen und Säuglingen bis zum Alter von 6 Monaten zu einer junktionalen ektopische Tachykardie. Auch als His-Bündel-Tachykardie bezeichnet.

Weniger selten ist eine Störung nach einer offenen Herzoperation. Bei Auftreten der Störung kommt es bei Neugeborenen oder Säuglingen zu einer lebensbedrohlichen Kammerfrequenz von 150 bis 350 Hz. Die genauen Ursachen sind noch nicht hinreichend erforscht.

Sehr wahrscheinlich spielen bestimmte Genmutationen eine Rolle, weil bestimmte Familien überdurchschnittlich häufig davon betroffen sind. Meist findet sich als Auslöser der Kammertachykardie ektopes Gewebe im His-Bündel, also Gewebe, das normalerweise im His-Bündel nicht vorkommt.

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