Herzrasen nach Essen

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 29. November 2016
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Als Herzrasen wird ein Puls von mehr als 100 Schlägen in der Minute bezeichnet. Das Symptom kann auch nach dem Essen auftreten. Oftmals ist es ein Hinweis auf bestimmte Erkrankungen, die einer medizinischen Behandlung bedürfen. Die Ursachen für Herzrasen nach dem Essen fallen unterschiedlich aus.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Herzrasen nach Essen?

Herzrasen nach dem Essen ist keine Seltenheit. Häufig wird es durch unterschiedliche Erkrankungen ausgelöst. So kann es u. a. die Folgeerscheinung einer Billroth-II-Operation sein oder sich im frühen Stadium der Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) zeigen. Ärzte sprechen von Herzrasen (Tachykardie), wenn es zu einem Herzschlag von über 100 Schlägen in der Minute kommt. Dazu gehört auch eine anormale Erhöhung des Ruhepulses auf mehr als 100 Schläge.

Nach dem Essen tritt das Herzrasen oft in unterschiedlichen Abständen auf. Außerdem können noch weitere Beschwerden vorkommen. Dazu zählen Schweißausbrüche, allgemeine Nervosität, Übelkeit, Blutdruckabfall oder körperliche Schwäche. In seltenen Fällen erleidet der Betroffene sogar einen gefährlichen Schock. Durch bestimmte Behandlungsmaßnahmen lässt sich dem Herzrasen nach dem Essen jedoch entgegenwirken.

Ursachen

Als Auslöser für Herzrasen nach dem Essen kommen verschiedene Ursachen in Betracht. Dazu zählen in erster Linie Herz- und Gefäßerkrankungen wie chronischer Bluthochdruck oder die koronare Herzkrankheit (KHK). Durch diese Leiden wird das Herz empfindlicher für unterschiedliche Herzrhythmusstörungen. Dabei können schon kleinere Anstrengungen eine ausgeprägte Mehrbelastung für das Herz nach sich ziehen. Dabei handelt es sich auch um einen ganz normalen Vorgang wie die Verdauung. Besonders bei bereits fortgeschrittenen Herz- und Gefäßkrankheiten erfolgen Reaktionen des Herzens auf verstärkte Belastungen. Deswegen kann im Rahmen der Verdauung eine Beschleunigung der Herzfrequenz eintreten.

Weitere Erkrankungen, die zu Herzrasen nach dem Essen führen, sind Stoffwechselkrankheiten wie Diabetes mellitus Typ 2. Im frühen Stadium dieses Leidens findet oftmals ein erheblicher Abfall des Blutzuckerspiegels statt, was sich negativ auf den Blutdruck auswirkt. Durch dessen Erhöhung wird wiederum Herzrasen ausgelöst. Oftmals liegt auch eine Beteiligung der Schilddrüse in Form einer Überfunktion vor.

Eine weitere Ursache für die Tachykardie nach dem Essen ist das sogenannte Dumping-Syndrom. Verursacht wird das Syndrom hauptsächlich durch chirurgische Eingriffe in der Magenregion wie der Billroth-II-Operation. Bei diesem Verfahren entfernt der Chirurg bestimmte Magenteile wegen eines Geschwürs oder eines Tumors und schließt den Dünndarm an den übrigen Magen an. Beim Dumping-Syndrom findet eine Sturzentleerung des Mageninhalts statt, der aus dem Magen in den Dünndarm gelangt. Ursache dafür ist die kürzere Passage der Nahrung über den Magen, sodass sie schon frühzeitig im Dünndarm eintrifft. Aufgrund des Frühdumpings tritt eine erhöhte osmotische Konzentration auf, wodurch rasch größere Wassermengen in das Darmlumen befördert werden. Bis zu ein Fünftel des Blutplasmavolumens gelangt auf diese Weise durch den Darm, was wiederum Herzrasen nach dem Essen auslöst.

Eine andere Folge des Dumping-Syndroms ist das Spätdumping. Dieses kommt durch die schlagartige Aufnahme von großen Mengen an Kohlenhydraten zustande. Diese hat wiederum das Ausschütten von größeren Mengen an Insulin zur Folge. Dadurch senkt sich der Blutzuckerspiegel oft soweit ab, dass der Betroffene unter einer Unterzuckerung leidet. Weil der Organismus als Gegenreaktion unterschiedliche Hormone wie Adrenalin ausschüttet, kann dies Herzrasen zur Folge haben. Nicht immer sind jedoch Krankheiten für Herzrasen nach dem Essen verantwortlich. So lösen mitunter auch bestimmte Lebensmittel oder Medikamente die Tachykardie aus. Bei den Lebensmitteln handelt es sich zumeist um Koffein oder Getränke, die Alkohol enthalten. Des Weiteren können Herzmedikamente wie Bisprolol oder Nikotin für das Herzrasen ursächlich sein.

Krankheiten

Diagnose und Verlauf

Nicht bei jedem Herzrasen nach dem Essen ist eine medizinische Behandlung erforderlich. Hält die Tachykardie nach den Mahlzeiten jedoch länger an und nimmt einen chronischen Verlauf, sollte ein Arzt zu Rate gezogen werden. Der Mediziner befasst sich zunächst ausführlich mit der Anamnese (Krankengeschichte) des Patienten. Dabei erkundigt er sich nach den Beschwerden, der Einnahme von Arzneimitteln sowie nach möglichen Vorerkrankungen oder Voroperationen. Im Rahmen der Anamnese lassen sich oft schon erste Hinweise auf die Ursachen des Symptoms finden. Als wichtig gilt zudem ein EKG, um eine eventuelle Herzerkrankung auszuschließen oder ihr auf die Spur zu kommen. Ebenfalls sinnvoll ist eine Blutuntersuchung, bei der vor allem der Hämoglobinwert im Mittelpunkt steht. Von Interesse sind außerdem Blutzucker, Schilddrüsenwerte und die Herzenzyme. In den meisten Fällen nimmt das Herzrasen nach dem Essen einen positiven Verlauf. Durch eine Anpassung der Ernährungsweise oder spontane Rückbildungen fällt die Prognose besonders beim Dumping-Syndrom günstig aus. Werden die auslösenden Ursachen erfolgreich behandelt, nimmt die Tachykardie auch bei einer Schilddrüsenüberfunktion oder Diabetes Typ 2 einen positiven Verlauf.

Behandlung und Therapie

Die Behandlung von Herzrasen nach dem Essen richtet sich nach der auslösenden Ursache. So erfordern zahlreiche Herz- und Gefäßerkrankungen eine Umstellung der Ernährung. Dabei verzichtet der Patient vor allem auf Lebensmittel, die Fett, Zucker und Koffein enthalten, da diese unangenehme Nebenwirkungen wie Herzrasen auslösen. Gleiches gilt für Alkohol und Nikotin. Im Falle eines Frühdumping-Syndroms werden die Mahlzeiten in kleinen Portionen verzehrt und über den gesamten Tag verteilt.

Oft gehen die Beschwerden dann nach einem Monat von selbst wieder zurück. Halten die Symptome jedoch an, kann eine weitere Magenoperation sinnvoll sein. Im Falle des Spätdumpings sollte der Patient zwei bis drei Stunden nach dem Essen eine Zwischenmahlzeit zu sich nehmen, die reich an Kohlenhydraten ist. Dies wirkt der verstärkten Freisetzung von Insulin entgegen und führt zur Verminderung des Herzrasens. Mitunter werden auch Arzneimittel verabreicht, durch die sich die Wirkung des Parasymphatikus reduziert, was dem Dumping-Syndrom entgegenwirkt. Ist Diabetes der Auslöser der Tachykardie nach dem Essen, erhält der Patient Insulin. Auf diese Weise erreicht er wieder eine normale Herzfrequenz.



Vorbeugung

Um Herzrasen nach dem Essen vorzubeugen, empfiehlt sich in diesem Zusammenhang der Verzehr von kleinen Mahlzeiten, wenn der Betroffene unter dem Dumping-Syndrom leidet.

Darüber hinaus kann auch einigen Ursachen wie der Zuckerkrankheit oder einer Schilddrüsenüberfunktion entgegengewirkt werden. Es sollte auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung geachtet werden. Zudem sind sportliche Aktivitäten für ein stabiles und gesundes Herz-Kreislaufsystem wichtig.

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