Hefe-Allergie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 10. September 2017
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Eine Hefeallergie ist entsprechend der Schwere mit leichten bis gravierenden Symptomen unterschiedlicher Genese verbunden. Eine fundierte Ernährungsberatung mit angepasster Umstellung der Ernährung auf naturbelassene und vollwertige Kost ist in den meisten Fällen so erfolgreich, dass die Betroffenen ein normales Leben führen können. Eine genaue Diagnose ist mit diversen Laboruntersuchungen zu erzielen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Hefeallergie?

Ganz gleich, ob von Backhefe, Bäckerhefe, Bierhefe oder Bärme die Rede ist, immer ist die Rede von einem einzelligen Pilz, der Hefe. Backhefe hat dabei ihren Ursprung in der obergärigen Bierhefe.

Der lateinisch wissenschaftliche Name ist Saccharomyces cerevisiae. Die einzelnen Zellen sind rund bis oval und haben einen Durchmesser von fünf bis ca. zehn Mikrometer. Die Vermehrung erfolgt durch den Knospungsprozess. Die allergene Wirkung der Hefe mit unterschiedlichsten Symptomen geht vom Eiweiß aus, das in der Hefe enthalten ist.

Ursachen

In vielen Produkten ist Hefe enthalten. Dazu zählen nicht nur Brot und Brötchen, sondern auch Bier, Wein und Essig. Warum beispielsweise in den USA wesentlich mehr Menschen unter einer Hefeallergie leiden als bei uns ist bisher nicht abschließend erforscht.

Die Hefebakterien Saccharomyces Cerevisiae, die Back- und die Bierhefe gelten als Verursacher. Sie besitzen die Fähigkeit, Kohlenhydrate in Zucker und Alkohol umzuwandeln, was wichtig für die Bier- und Weinherstellung ist. Die Gasentwicklung bei der Umwandlung von Zucker zu Alkohol wird zur Auflockerung von Teigwaren genutzt. Nicht zuletzt findet sich Hefe auch in Medikamenten und Kosmetika.

Allerdings ist das in der Hefe enthaltene Eiweiß der Hauptverursacher für eine Hefeallergie. Diese tritt ein, sobald das Immunsystem für dieses Allergen sensibilisiert ist. Das Allergen wird vom Immunsystem als Fremdkörper erkannt. Dies führt zur Bildung von Antikörpern, die für die Symptome einer Hefeallergie verantwortlich sind.

Andererseits ist der Hefepilz Candida albicans nicht nur in einigen Nahrungsmitteln, sondern ganz natürlich auch in kleinen Mengen im Darm enthalten. Seine Wirkung ist normalerweise durch das Bakterium Lactobacillus acidophilus, das ein Wachstum der Hefe verhindert, ausgeglichen. Überlistet die Hefe die Bakterien, kommt es zu allergischen Reaktionen. Es ist bekannt, dass auch das Inhalieren von Allergenen, zum Beispiel beim Backen mit Trocken- oder Frischhefe oder Hefepulver allergische Reaktionen auslösen kann.

Zu den weniger bekannten Auslösern gehören die Antibabypille, Steroide und Antibiotika sowie ein niedriger Gehalt an Vitamin D. Eine erhöhte Anfälligkeit besteht bei Diabetes und im Rahmen einer Chemotherapie.

Wann zum Arzt?

Eine Hefe-Allergie ist sehr selten. Wer nach dem Verzehr hefehaltiger Produkte aber regelmäßig Symptome bemerkt, die für eine Lebensmittelunverträglichkeit typisch sind, sollte einen Arzt aufsuchen und einen Allergietest machen lassen. Zu den Symptomen einer Hefe-Allergie zählen Hautausschläge und Ekzeme, Magen-Darm-Beschwerden, insbesondere Blähungen, Völlegefühl und Durchfall sowie Übelkeit und Erbrechen. Diese Symptome sind zwar typisch, aber nicht spezifisch. Sehr viele andere Stoffe erzeugen im Fall einer Unverträglichkeit genau die gleichen Symptome. Insbesondere dann, wenn ein Patient vorwiegend nach dem Verzehr von Backwaren allergisch reagiert, kann es sich auch um eine Reaktion auf Weizen und die darin enthaltenen Stoffe wie Gluten handeln.

Sofern die Symptome nicht allzu heftig ausfallen, kann es sinnvoll sein, nicht sofort zum Arzt zu gehen, sondern zunächst ein Ernährungstagebuch zu führen. In diesem Tagebuch wird über einen Zeitraum von mehreren Wochen aufgezeichnet, welche Nahrungsmittel konsumiert und zu welchen Gesundheitsstörungen es gekommen ist. Diese Aufzeichnungen können dem Arzt dabei helfen, mögliche Allergene bereits im Vorfeld zu erkennen und dann gezielt zu testen. Bei schweren allergischen Reaktionen sollte aber immer sofort ein Arzt aufgesucht werden, um möglichen Komplikationen vorzubeugen.

Symptome und Verlauf

Grob umschrieben sind die Symptome mit denen anderer Lebensmittelallergien zu vergleichen. Allerdings verursachen die unterschiedlichen Hefearten auch unterschiedlich stark ausgeprägte Symptomatiken.

Zu den grundlegenden Symptomen gehört das Anschwellen der Schleimhäute im Mund-, Nasen- und Rachenbereich bis hin zu einer Retinitis. Auch das Anschwellen der Zunge und Lippen sowie Magenbeschwerden mit Übelkeit, Erbrechen und Durchfall (Diarrhoe) gehören zu den Symptomen bei einer Hefeallergie. Häufig sind auch Hauterkrankungen mit Hautrötung, Ekzembildung, Juckreiz sowie Bläschen- und Pustelbildung zu beobachten. Dies gilt auch für das Atopische Ekzem und die Nesselsucht. Auch allergische Reaktionen der Atemwege bis hin zu allergischem Asthma oder (zum Glück seltener) ein allergischer Schock können auftreten.

Es kann darüber hinaus zu einer Entwicklung der Hefeinfektion Candidiasis kommen. Diese ist auch bekannt als Soor, Windeldermatitis, Moniliasis, Candidose oder Oidiomycosis. Die Ansiedlung erfolgt in feuchten Körperbereichen wie dem Mund- und Vaginalbereich. Frauen sind häufiger betroffen als Männer.

Diagnose

Die Diagnose einer Hefeallergie gliedert sich in vier Phasen. Ob alle erforderlichen Diagnosephasen für eine Allergiebestimmung erforderlich sind, sollte dem behandelnden Arzt (Allergologe oder anderer Facharzt mit allergologischer Weiterbildung) überlassen bleiben.

Zuerst ist bei Verdacht auf eine Hefeallergie ein Ernährungstagebuch für zwei bis vier Wochen zu führen. Darin sind täglich alle Lebensmittel aufzulisten, die verzehrt wurden. Dazu werden alle unmittelbar oder mit zeitlicher Verzögerung aufgetretenen Symptome aufgeschrieben.

Im zweiten Schritt wird ein Hauttest durchgeführt. Dafür trägt der Arzt allergene Substanzen auf die Haut auf. Rötungen auf eine oder mehrere dieser Substanzen signalisieren, dass der Körper bereits Antikörper gebildet hat. Die dritte Phase besteht aus einem Labortest um Werte im Blut zu analysieren, die auf eine Hefeallergie hinweisen. Ein Pricktest oder Epikutantest sowie der Yorktest können sich anschließen.

Im letzten Schritt kann ein Provokationstest durchgeführt werden. Vorsicht ist geboten, wenn von einem IgG-Test gesprochen wird. Dieser ist lt. der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie bei Lebensmittelallergien nicht aussagekräftig.

Der Heikpraktiker wird zusätzlich zu einem 45er Screening Profil auch folgende Parameter untersuchen:

  • Aspergillus fumigatus
  • Penicillium notatum
  • Mucor mucedo
  • Alternaria tenius
  • Stachybotris spp
  • Cladosporium herbarum
  • Rhizopus nigricans
  • Trichophyton mentagrophytes
  • Candida albicans

Komplikationen

In der Regel können die Beschwerden und Symptome der Hefe-Allergie relativ gut eingeschränkt und vermieden werden, wenn Hefe vom Betroffenen vollständig vermieden wird. Dabei kommt es in den meisten Fällen nicht zu einer besonderen Verschlechterung der Lebensqualität, da die meisten Produkte ohne Hefe hergestellt werden. Die Betroffenen klagen dabei bei der Einnahme von Hefe über Erbrechen und Übelkeit. Weiteren kommt es nicht selten zu Schmerzen im Bauch oder zu Durchfall. Auch die Haut kann durch die Hefe-Allergie gerötet werden und von einem Juckreiz betroffen sein. In der Regel kommt es dann zu einem allergischen Schock oder zu einer Atemnot. Dieser Zustand muss auf jeden Fall von einem Arzt behandelt werden.

Die Beschwerden verschwinden meistens wieder, wenn die Hefe vom Körper vollständig abgebaut wurde. Dabei treten keine besonderen Komplikationen auf. Nur in schwerwiegenden Fällen ist die Gabe von Medikamenten notwendig, um die Beschwerden zu lindern. Weiterhin kann auch eine Desensibilisierung durchgeführt werden, um die Beschwerden zu lindern. Dabei kommt es nicht zu besonderen Komplikationen. Allerdings kann eine vollständige Heilung leider nicht garantiert werden. Die Lebenserwartung des Patienten wird durch die Hefe-Allergie in den meisten Fällen nicht eingeschränkt.

Behandlung und Therapie

Für vier bis acht Wochen besteht die Therapie aus einem vollständigen Verzicht auf Zucker, Süßigkeiten, Weißmehlprodukte und Alkohol, damit den Hefebakterien der Nährboden entzogen wird. In den ersten vier Wochen ist auch auf süßes Obst zu verzichten. Salat, Gemüse und Vollwertprodukte ohne Hefe bestimmen den Ernährungsplan. Durch den hohen Gehalt an sekundären Pflanzenstoffen mit einer antimikrobiellen Wirkung und dem hohen Faseranteil wird der Darm perfekt gereinigt.

Häufig ist auch von einer Desensibilisierung die Rede. Diese sollte am besten von einem Allergologen oder Facharzt mit allergologischer Weiterbildung durchgeführt werden. Die Betroffenen erhalten dafür eine zunehmende Dosis von Hefeallergenen, auf die Sie lt. dem Allergietest positiv reagieren. Der Organismus gewöhnt sich mit der Zeit an das Allergen, und die Symptome lassen nach. Wie lange eine Desensibilisierung anhält, hängt von der zuvor gestellten Diagnose ab. Bei einer Desensibilisierung ist allerdings zu beachten, dass sie mit einem relativ großen Risiko verbunden ist. Weil die Reaktion nicht vorhersehbar ist, kann es unter Umständen sogar zu einem allergischen Schock kommen. Dieses Risiko sollte mit dem behandelnden Arzt unbedingt vorher besprochen und abgewogen werden.

Viele Betroffene entscheiden sich für eine Umstellung der Ernährung. Hierbei kann eine erfahrene Ernährungsberaterin, ein erfahrener Ernährungsberater behilflich sein. Bei dieser Beratung wird berücksichtigt, dass es unterschiedliche Back- und Bierhefearten gibt. Dauerhaft verzichtet werden muss aber nur auf die Hefearten, die eine allergische Reaktion auslösen.

Bei Backwaren kann auf Sauerteighefe, auch als Ökohefe bezeichnet, zurückgegriffen werden. Hierbei handelt es sich um eine ganz spezielle Züchtung, die für Personen mit einer Hefeallergie verträglich ist. Damit können Brot, Brötchen und andere Gebäcksorten sogar zu Hause selber hergestellt werden. Brot und Brötchen, die mit Backferment hergestellt wurden, sind ideal für Hefeallergiker.

Im Backfermentbrot wird Milchsäure gebildet, die für eine gesunde Darmflora sorgt, indem die Fäulnisbakterien gehemmt werden. Angeregt wird die Produktion von Ig A. Dabei handelt es sich um ein Immunglobulin in Form eines Antikörpers, das auf alle Abwehrvorgänge bezüglich der Schleimhautoberflächen (u. a. die Darmschleimhaut) spezialisiert ist.

In puncto pflegende und dekorative Kosmetika ohne Hefe besteht der sicherste Weg darin, im Reformhaus oder Bioladen mit entsprechender Fachabteilung einzukaufen. Auch Apotheken verfügen teilweise über ein entsprechendes Sortiment an Kosmetika ohne Hefe. Besteht bereits eine Candidiasis, muss eine oral medikamentöse Behandlung erfolgen und raffinierter Zucker zu 100 % gemieden werden.



Vorbeugung

Die beste Vorbeugung besteht in einer vollwertigen Ernährung. Deren Schwerpunkt sollte aus frischem Gemüse roh und gedünstet oder gekocht (das Kochwasser z. B. für Suppen oder Soßen weiterverwenden), Salat mit kalt gepressten Ölen, Obst und vollwertigen Backwaren ohne Hefe bestehen. Fleisch und Fisch dürfen gerne 2-mal die Woche den Speiseplan bereichern. Vorsicht ist bei Wurst geboten. Hier versteckt sich oft Zucker (auch in Form von zuckerähnlichen Stoffen). Alkohol sollte ein Genussmittel sein, dass nicht regelmäßig konsumiert wird. In puncto Hefe gilt dies besonders für Bier und Wein.

Bücher über Allergie

Quellen

  • Furter, S., Jasch, K.C.: Crashkurs Dermatologie. Urban & Fischer, München 2007
  • Dirschka, T., Hartwig, R., Oster-Schmidt, C. (Hrsg.): Klinikleitfaden Dermatologie. Urban & Fischer, München 2010
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2013
  • Rassner, G.: Dermatologie – Lehrbuch und Atlas. Urban & Fischer, München 2009
  • Herold, S.: 300 Fragen zur Pubertät. Graefe und Unzer, München 2008
  • Ellsässer, S.: Körperpflege und Kosmetik. Springer, Berlin 2008
  • Abeck, D.: Häufige Hautkrankheiten in der Allgemeinmedizin: Klinik, Diagnose, Therapie, Springer Verlag, 2. Auflage, 2011
  • Abeck, D. & Cremer, H.: Häufige Hautkrankheiten im Kindesalter: Klinik - Diagnose - Therapie, Springer Verlag, 3. Auflage, 2006

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