Harnröhrenstriktur (Hypospadie)

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 27. Juli 2017
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Die als Verengung der Harnröhre relevante Harnröhrenstriktur beeinträchtigt die Lebensqualität und kann zu schwerwiegenden Erkrankungen der Blase und der Nieren führen. Die Behandlung der Hypospadie ist relativ einfach, jedoch nur operativ möglich.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Harnröhrenstriktur (Hypospadie)?

Als Harnröhrenstriktur, auch Hypospadie genannt, wird die angeborene oder erworbene Verengung der Harnröhre (Urethra) durch vernarbtes Gewebe bezeichnet. Die Verengung kann ringförmig und kurz sein, aber auch einen längeren Abschnitt der Harnröhre betreffen.

Dieser Defekt betrifft in erster Linie Männer, da deren Harnröhre aus anatomischen Gründen normalerweise deutlich länger als die von Frauen ist. Eine Harnröhrenstriktur bei Frauen ist sehr selten.

Ursachen

Eine angeborene Harnröhrenstriktur geht meist mit einer krankhaften Verkürzung oder Verlagerung der Harnröhre bei Männern einher. Der Ausgang der Harnröhre befindet sich an ungewöhnlichen Stellen, der Urin tritt zum Beispiel nicht an der Penisspitze, sondern an verschiedenen Regionen des Penisschaftes aus. Dieser Defekt heißt in der medizinischen Fachsprache Hypospadie oder Epispadie.

Eine erworbene Harnröhrenstriktur wird durch mechanische Reizungen oder Infektionen verursacht. Nach operativen Eingriffen (zum Beispiel Verlängerungen von Penis und/oder Harnröhre) kann durch Narbengewebe die Verengung hervorgerufen werden. Auch eine angeborene Vorhautverengung (Phimose) kann durch häufige Entzündungsvorgänge eine Harnröhrenstriktur beeinflussen.

Mechanische Verletzungen wie zum Beispiel durch das unsachgemäße Legen eines Blasenkatheders oder verschiedenen Sextoys, häufige Harnröhrenentzündungen (Urethritis) sowie Tumore des umliegenden Gewebes begünstigen eine Harnröhrenstriktur. Dabei kann die einschneidende Störung an allen Abschnitten der Harnröhre auftreten. Die Verengung der Harnröhre ist ein schleichender Vorgang und tritt nicht von heute auf morgen ein.

Wann zum Arzt?

Bei dieser Erkrankung handelt es sich um einen der häufigsten Geburtsfehler bei Jungen. Operationen und damit der Besuch zum Arzt sind insbesondere dann angezeigt, wenn die Hypospadie mit folgenden Problemen assoziiert ist: Ein „Sprühen“ des Urins, weil die Harnröhrenöffnung nicht von Eichelgewebe umgeben ist, sodass ein Urinieren im Stehen nicht möglich sein wird. Eine Biegung im Penis während der Erektion, die die normale Sexualfunktion beeinträchtigen und mit reduzierter Fruchtbarkeit verbunden sein kann und nicht zuletzt Verlegenheit über das Aussehen des Penis. Ziel eines chirurgischen Eingriffs wird also sein, ein normales Aussehen und eine normale Funktion des Penis wiederherzustellen.

In jedem Fall sind eine vollständige Anamnese und eine körperliche Untersuchung vor dem Eingriff erforderlich. Dies gilt insbesondere auch deshalb, weil die Hypospadie mit weiteren Problemen wie einer angeborenen Ventralverkrümmung des Penis, Kryptorchismus oder Intersexualität verbunden sein kann. Ist der Penis sehr klein, sind eventuell Hormoninjektionen erforderlich, um ihn vor der Operation zu vergrößern.

Bei einer Hypospadie ohne zusätzliche Probleme kann die Operation beim gesunden Säugling ab einem Alter von etwa 3 Monaten durchgeführt werden. Eine Entlassung kann häufig bereits am Tag des chirurgischen Eingriffs erfolgen. Der frühzeitige Eingriff ist nicht entscheidend für den Operationserfolg, hat aber den Vorteil, dass vermutlich keine unangenehme Erinnerungen beim Patienten zurückbleiben werden.

Symptome und Verlauf

Typische Symptome von Harnröhrenverengung (Hypospadie):

Eine Hypospadie macht sich langsam bemerkbar und kann deshalb von aufmerksamen Patienten und Ärzten rechtzeitig diagnostiziert werden. Hauptsymptom der Harnröhrenstriktur ist ein veränderter Harnstrahl. Harn wird mit geringerer Intensität abgelassen, bis hin zu teilweisem Unvermögen, was zu gefährlichem Harnstau in der Blase führt. Vor allem ein verdrehter oder mehrfach geteilter Harnstrahl deutet auf eine Harnröhrenstriktur hin.

Beim Wasserlassen kommt es zu brennenden Schmerzen, auch wenn keine Infektion vorliegt. Dennoch führt Restharn in der Harnblase häufig zu schmerzhaften Blasenentzündungen, die chronisch werden können. Bei dauerhaft unbehandelter Harnröhrenstriktur verändert sich die Elastizität der Blase. Es kommt zu Verdickungen des Blasenmuskels und zum Harnrückfluss in die Nieren, was zu schweren Nierenschäden bis hin zum Nierenversagen führen kann. Blut im Urin ist ein weiteres Zeichen für Harnröhrenstriktur im fortgeschrittenen Stadium.

Diagnose

Eine genaue Anamnese (Befragung) des Patienten steht am Anfang der Diagnose einer Hypospadie. Dabei erkundigt sich der Arzt nach Art und Dauer der Beschwerden und klärt eventuelle vorangegangene Infektionen oder Verletzungen ab. Im Labor wird der Urin untersucht, um mögliche Infekte zu klassifizieren.

Sonografie und Ultraschall geben Auskunft über den Zustand der Harnblase, die Restharnmenge sowie den Zustand der Nieren. Zur genauen Lokalisierung der Verengung ist eine Röntgenuntersuchung mit Hilfe eines Kontrastmittels erforderlich. Führt die Röntgendiagnostik nicht zu einer klaren Aussage, wird in der Regel eine Spiegelung der Harnröhre mittels Diagnose-Katheder vorgenommen, um die exakte Stelle der Harnröhrenstriktur zu erkennen.

Komplikationen

Eine Harnröhrenstriktur (Hypospadie) kann sowohl zu Problemen des Harnflusses, aber auch der Ejakulation führen. Dies kann in eine Einschränkung der Fruchtbarkeit enden (Infertilität). Im anderen Falle kann sich der Harn aufstauen. Dadurch kann sich zum Beispiel die Blase überdehnen und starke Schmerzen verursachen. Außerdem kann sich die Harnblase entzünden und so zu einer Infektion der Harnwege führen. Diese kann sich im schlimmsten Falle unbehandelt systemisch über den gesamten Körper ausbreiten und so zu einer Urosepsis führen. Dies stellt einen medizinischen Notfall dar, bei dem ca 60 Prozent der Betroffenen unbehandelt versterben.

Auch kann sich der Harn bis zur Niere aufstauen und dort zu entsprechenden Entzündungen führen. Das kann von einer Einschränkung der Nierenfunktion bis hin zum Nierenversagen (Niereninsuffizienz) führen und damit zu einer Einschränkung der Lebensqualität. Auch operativ behandelt kann der Eingriff zu verschiedenen Komplikationen führen. Ziemlich früh kann dies postoperativ zu Nachblutungen und zu einer schlimmeren Verengung der Harnröhre führen. Zudem ist die Operation nicht immer erfolgreich und kann zu einer erneuten Striktur oder auch Fistelbildung der Harnröhre kommen. Neben den körperlichen Problemen kann die Harnröhrenstriktur auch zu einigen psychischen Problemen führen. Der Betroffene erleidet ein gewisses Schamgefühl und isoliert sich deswegen von der Gesellschaft, was im schlimmsten Falle sogar bis hin zu Depressionen entwickeln kann.

Behandlung und Therapie

Die Behandlung einer Harnröhrenstriktur erfolgt operativ. Eine Dehnung (Bougierung) durch Dilatoren (medizinische Stifte, die in die Harnröhre eingeführt werden) wird heute nicht mehr als sinnvoll angesehen, da weitere Verletzungen nicht auszuschließen sind. Ringförmig einschneidendes, vernarbtes Gewebe lässt sich auch nicht dehnen, sondern muss operativ entfernt und gegebenenfalls durch Prothesen ersetzt werden.

Bei der operativen Behandlung einer Harnröhrenstriktur wird die Harnröhre im lokalisierten Bereich von innen aufgeschlitzt. Anschließend wird ein Blasenkatheder gelegt, der solange in der Harnröhre verbleibt, bis sich diese regeneriert und durch neugebildetes Gewebe den Schnitt verschlossen hat. Bildet sich eine Harnröhrenstriktur trotz mehrfacher operativer Eingriffe immer wieder neu oder ist die Harnröhrenstriktur langflächig, wird eine Mundschleimhautplastik in Betracht gezogen. Hierbei wird die Harnröhre von außen freigelegt (das heißt, der Penis wird längs aufgeschnitten). Schleimhaut aus dem Mund wird entnommen und an der geschlitzten Harnröhre eingesetzt.

Das körpereigene Gewebe verwächst sehr schnell und bietet der geschädigten Harnröhre zusätzliche Elastizität. Kleinere, ringförmige Harnröhrenstrikturen können herausgeschnitten werden. Die beiden Enden der Harnröhre werden anschließend miteinander vernäht. Andere Auslöser wie Tumore, Entzündungen oder Geschlechtskrankheiten (Tripper) müssen ebenfalls mitbehandelt und entfernt bzw. geheilt werden.



Aussicht und Prognose

Eine Harnröhrenstriktur muss behandelt werden, da diese Krankheit in der Regel nicht wieder von selbst verheilt und zu weiteren schwerwiegenden Beschwerden führen kann. Aus diesem Grund ist auch eine frühe Diagnose notwendig, um weitere Komplikationen oder Beschwerden zu vermeiden. Durch eine Behandlung können in den meisten Fällen alle Beschwerden eingeschränkt werden. Die Harnröhrenstriktur wirkt sich sehr negativ auf das Harnverhalten aus und kann zu einem deutlich verringerten Wasserlassen führen. In der Regel erkranken die Betroffenen durch die Harnröhrenstriktur auch an einer Entzündung der Blase oder auch an Entzündungen der Nieren.

Weiterhin wird auch die Lebensqualität durch diese Beschwerde erheblich verringert, da es zu starken und vor allem zu brennenden Schmerzen beim Wasserlassen kommt. Die Betroffenen können durch die Harnröhrenstriktur auch an psychischen Beschwerden erkranken. Eine Selbstheilung dieser Beschwerde tritt dabei nicht ein. In der Regel kommt es bei einer frühzeitigen und richtigen Behandlung zu keinen weiteren Einschränkungen und Beschwerden und zu einem positiven Krankheitsverlauf.

Vorbeugung

Die Vorbeugung einer Harnröhrenstriktur ist schwierig. Es sollten möglichst alle auslösenden Faktoren vermieden werden, was sich im Fall der Harnröhrenstriktur als schwierig gestaltet, weil die Gründe unabwägbar sind. Helfen kann die Behandlung einer Phimose im Kindesalter, um zukünftige Entzündungen, die eine Harnröhrenverengung verursachen können, einzudämmen.

Bücher über Harnröhrenstriktur (Hypospadie)

Quellen

  • Gasser, T.: Basiswissen Urologie. Springer, Berlin 2015
  • Hof H, Dörries R. Duale Reihe: Medizinische Mikrobiologie. Thieme Verlag. 4. Auflage(2009)
  • Hofmann, R., (Hrsg.): Endoskopische Urologie. Springer, Berlin 2009
  • Schmelz, H.-U. et al.: Facharztwissen Urologie, Springer Verlag, 2014
  • Jocham, D. & Miller, K.: Praxis der Urologie, Georg Thieme Verlag, 2007

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