Harnkraut

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 26. April 2016
Gesundpedia.deHeilpflanzen Harnkraut

Die Wirkung des Harnkrauts als Heilpflanze geht auf das 16. Jahrhundert zurück. In der Volksmedizin wurde es hauptsächlich zur Behandlung von Brüchen verwendet. Die moderne Alternativmedizin setzt das Heilkraut bei Beschwerden der Nieren und ableitenden Harnwege eingesetzt.

Inhaltsverzeichnis

Allgemeiner Überblick

Das Harnkraut wirkt harntreibend und hilft somit bei Nierenleiden und Harnwegserkrankungen.

Das Harnkraut ist Mitglied der Familie der Nelkengewächse (Caryophyllaceae) und gehört zur Gattung der Bruchkräuter. Die kleinen gelblich-grünen Blätter erinnern auf den ersten Blick tatsächlich an eine Nelke. Diese Pflanzenart ist auch unter den volkstümlichen Namen Kahles Bruchkraut, Christusschweiß, Tausendkorn, Passionsblümchen, Kuckucksseife, Dürrkraut und Jungfernkraut bekannt. Die wissenschaftliche Bezeichnung lautet Herniaria glabra. Diese Bezeichnung geht zurück auf die lateinische Sprache und setzt sich aus den Begriffen „hernia“ (Bruch) und „glabra“ (kahl) zusammen. Aus diesem Grund wird diese Pflanze auch als Kahles Bruchkraut geführt.

Vorkommen und Anbau

Das Harnkraut ist eine komplett grüne, mehrjährige Pflanze, die trittfest dicht über den Boden wächst. Dieses Nelkengewächs tritt als ein- bis zweijähriger, ausdauernder Hemikryptophyt oder kurzlebiger Therophyt auf. Die Überdauerungsknospen der Hemikryptophyten liegen an der Erdoberfläche und trotzen nachteiligen Witterungsverhältnissen wie Nässe, Schnee, Kälte oder Trockenheit durch eine Schnee-, Erd- oder Laubdecke. Therophyten sind Pflanzen von kurzer Lebensdauer, die ungünstige Jahreszeiten und Witterungsverhältnisse überstehen, indem die Samen im Boden überdauern.

Der Kuckuck hat Einzug in diese Namensgebung gefunden, da diese Pflanzenart meistens zur Brutzeit der Kuckucke blüht, wenn diese ihre Paarungsrufe von sich geben. Die getrockneten Pflanzenteile riechen nach Waldmeister und schäumen, wenn man sie aneinander reibt, daher der ungewöhnliche Begriff Kuckucksseife. Die Pflanzenstängel sind 5 bis 15 cm lang, maximal kann das Nelkengewächs eine Länge von 30 cm erreichen. Sie sind komplett kahl und nur stellenweise mit kleinen Wimpernhärchen versehen. Die zwittrigen Blüten sind fünfzählig und ungestielt, die grünen elliptischen Kelchblätter laufen in eine stumpfe Spitze aus.

Die weißen Kronblätter sind kleiner als die grünen Kelchblätter. Sie sind mit fünf fertilen Staubblättern und fünf kronblattartigen Staminodien versehen. Die vorweiblichen Blüten sind 1 mm groß, die Bestäubung erfolgt durch kleine Zweiflügler oder durch Selbstbestäubung. Das Harnkraut blüht von Juni bis Oktober. Es breitet sich in Form der leichten, einsamigen und rauen Nüsse aus.

Diese linsenförmigen und 0,5 mm großen Samen haben eine glänzend schwarze Farbe und verbreiten sich als Ballonflieger, Wasserhafter (Schuhwerk) oder Regenschwemmlinge. Die Früchte reifen von Juli bis Oktober. Das Harnkraut ist in den gemäßigten Zonen Europas und Westasiens zuhause, in Nordamerika ist es ein Neophyt. Bevorzugte Standorte des Harnkrauts sind Sandtrockenrasen, Heide, Verkehrsinseln, Steinlücken in Dämmen und sandige Ruderalstellen.

Anwendung und Wirkung

Als Heilpflanze werden die oberirdisch frisch geernteten Blätter und Blüten verwendet. Während der Blütezeit sind die Inhaltsstoffe des Harnkrauts am wirksamsten. Hauptinhaltsstoffe sind Triterpensaponine, Bisdesmoside der Medicagensäure, Gypsogensäure, 16α-Hydroxymedicagensäure, Flavonoide, Umbelliferon, Herniarin (verwandt mit Cumarin), Gerbstoffe, Cumarine, ätherisches Öl und Sponine. Das Harnkraut wirkt harntreibend, anregend und schwach krampflösend.

Die Kräuter sind in Apotheken, im Onlinehandel oder in Kräuterläden erhältlich. In der Naturheilkunde wird das Kahle Bruchkraut zur Behandlung von Nierenleiden, Beschwerden des Harnapparates und Geschlechtskrankheiten eingesetzt. Seine besondere Wirkung entfaltet das Nelkengewächs als Kräutertee bei chronischer Blasenentzündung, schmerzhaftem Harndrang und Harnröhrenentzündung. Die Kommission E, eine Vereinigung von Sachverständigen „zur Bewertung von pflanzlichen Arzneimitteln“, akzeptiert die therapeutische Wirkung bei Nervenkatarrh, Nervenentzündung, Rheumatismus, Blutreinigung, Gicht, sowie bei Beschwerden im Bereich der ableitenden Harnwege und Nieren.

Eine medizinische Anerkennung als Arzneimittel erfolgt jedoch nicht, da dieses Wirkspektrum nicht ausreichend wissenschaftlich belegt ist. Weitere Untersuchungen belegen eine ausgeprägte Wirkung gegen uropathogene E.coli-Bakterien, die für verschiedene Harnwegsinfektionen verantwortlich sind. Die Hauptwirkung ist schleimlösend. Die Alternativmedizin schreibt dem Harnkraut auswurffördernde, hustenstillende, wundheilende und desinfizierende Eigenschaften zu. Sie setzt das Heilkraut bei Blasenentzündung, Harnwegsinfektionen, Harnsteinen, Harndrang, Nierenproblemen, Nierensteinen, Lungenleiden, Lungenverschleimung, Albuminurie (übermäßige Proteinausscheidung über den Urin), Infektionen der Atemwegsorgane, Ödemen, Wassersucht, Stoffwechselstörungen und zur Wundheilung ein.

Harnkraut ist oft Bestandteil von Blasen- und Nierentees. Häufig wird es in Kombination mit Beerentraube verwendet, da seine Wirkung alleine gering ist. Die Kombination von Harnkraut und Beerentraube wirkt gleichzeitig desinfizierend im Bereich der ableitenden Harnwege und krampflösend. Die ideale Mischung besteht als 25 Gramm Harnkrautblättern und 20 Gramm Bärentraubenblättern.

Die Kräuter werden mit ¼ Liter kaltem Wasser angesetzt und nach zwölf Stunden abgegossen. Danach wird der Tee erwärmt und täglich zwei bis drei Tassen getrunken. Als Diuretikum (Wasserausschwemmung) im Rahmen einer Durchspülungstherapie wird Tee aus dem Harnkraut gegen Harnsteine und Krämpfe eingesetzt. Im Bereich der Krampflösung gilt eine schwach spasmolytische Wirkung als therapeutisch akzeptiert. Diese ist jedoch nicht ausreichend wissenschaftlich belegt.

Wogegen hilft Harnkraut?

Bedeutung für die Gesundheit

Das Harnkraut ist eine nicht giftige Heilpflanze, die Verwendung der Pflanzenbestandteile ist daher unbedenklich und Nebenwirkungen sind bisher nicht bekannt. Aufgrund seiner Inhaltsstoffe können bei extremer Überdosierung Lähmungserscheinungen auftreten.

Bei normaler therapeutisch indizierter Anwendung sind in diesem Zusammenhang Nebenwirkungen jedoch ausgeschlossen, es sei denn, der Anwender weist eine Übersensibilisierung gegen einen oder mehrere der Pflanzenbestandteile oder Inhaltsstoffe auf.

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