Hallux Valgus (Ballenzeh)

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 27. Juli 2017
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Bei einem Hallux Valgus, auch Ballenzeh genannt, handelt es sich um eine Fehlstellung der großen Zehe. Der große Zeh neigt sich dabei nach innen und das Grundgelenk dieser Zehe drückt sich nach außen. Die Wahrscheinlichkeit für die Entstehung eines Hallux Valgus wächst mit zunehmendem Alter.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Hallux Valgus (Ballenzeh)?

Der Hallux Valgus (Ballenzeh) ist die häufigste Form von Zehenverformung (Schiefstand) in der Bevölkerung. In den meisten Fällen handelt es sich bei einem Hallux Valgus jedoch nur um ein rein kosmetisches Problem, da er in der Regel kaum körperliche Beschwerden verursacht.

Von einem Ballenzeh sind vor allem Menschen in westlichen Kulturen betroffen. Hier tritt die Erkrankung wesentlich häufiger in Erscheinung.

Dies ist darauf zurückzuführen, dass in den meisten Fällen ein Hallux Valgus tatsächlich durch das Tragen von Schuhen mit einem hohen Absatz (High-Heels) verursacht wird. Aus diesem Grund sind hauptsächlich Frauen von einem Hallux Valgus betroffen.

Der Hallux Valgus wird durch eine Fehlstellung am großen Zeh deutlich. Der Hallux Valgus verursacht häufig starke Schmerzen am Fuß.

Ursachen

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Ein Hallux Valgus (Ballenzeh) entsteht über mehrere Jahre. Er ist die Folge einer dauerhaften Fehlbelastung, häufig in Verbindung mit einer angeborenen Bindegewebs- und Bänderschwäche. Auch eine mangelnde Fußmuskulatur kann die Entstehung eines Hallux Valgus fördern.

Bei einem Hallux Valgus kommt es im Fuß zu einer Abflachung des Längsgewölbes. Des Weiteren wird das Quergewölbe des Fußes beim Abrollen stärker belastet und verbreitert sich durch diesen zunehmenden Druck.

Da hochhackige und schmale Schuhe einen ähnlichen Effekt auf den Fuß ausüben, wird durch das Tragen solcher Schuhe die Entstehung eines Hallux Valgus auch noch unterstützt.

Da sich durch die Verformungen auch häufig die Zugrichtung der Sehnen ändert, ist der zuständige Muskel nicht mehr in der Lage, ein Abspreizen des großen Zehs zu verhindern.

Symptome und Verlauf

Durch die Zehenverformung kann es zu Druckstellen, im schlimmsten Fall aber auch zu einer Abnutzung des Zehengrundgelenks, also einer Arthrose, kommen.

Je nach Ausprägung des Hallux Valgus (Ballenzeh) kann es an der Vorwölbung der großen Zehe zu einer Reizung kommen, die zu einer Verdickung des Schleimbeutels führt. Dies wiederum erzeugt noch mehr Druck auf den betroffenen Fußbereich und hat daher Entzündungen, Schwellungen und Schmerzen zur Folge.

Die Zehenfehlstellung kann verschiedene Ausprägungsgrade erreichen. Im schlimmsten Fall kann die Verformmung des Großzehs bis zu 90° betragen.

Diagnose

Einen Hallux valgus oder Ballenzeh erkennt der Orthopäde zunächst an der schief gestellten Großzehe, die von der Deformation betroffen ist. Die Zehe ist nicht gerade nach vorne gerichtet, sondern in Richtung der Nachbarzehen abgewinkelt. Dadurch kann der Großzeh unter den Nachbarzeh rutschen oder sich über ihn legen. Unübersehbar ist beim Hallux valgus auch das vorspringende Grundgelenk des Zehs (Ballen). Oft ist die Haut des hervorspringenden Ballens durch Reibungsdruck entzündet und erscheint dadurch rötlich. Das Röntgenbild offenbart schließlich, was der äußere Anblick schon andeutet: Der Mittelfußknochen spreizt sich zur Fußinnenseite ab. Als Begleitsymptom besteht häufig ein Spreizfuß, den der Arzt sofort an der typischen Form erkennt und röntgenologisch untermauert wird.

Der Orthopäde wird den Patienten auch nach seinen Beschwerden fragen. Sie klagen dann oft über Schmerzen im Grundgelenk der Großzehe, vor allem, wenn noch zu enge Schuhe getragen werden. Denn als Folge des Ballenzehs kann eine nichtinfektiöse Schleimbeutelentzündung entstehen, die am sichersten durch eine Punktion zu diagnostizieren ist. Schonender für den Patienten ist jedoch eine Ultraschalluntersuchung. Als weitere typische Komplikation des Hallux valgus entwickelt sich eine Arthrose im Grundgelenk der großen Zehe. Die Patienten berichten dann im Diagnosegespräch, dass die Zehenfehlstellung schon jahrelang besteht. Eine exakte Diagnose der Verschleißerscheinung kann eine Magnet-Resonanz-Tomografie (MRT) erfordern.

Komplikationen

Der Ballenzeh führt zu einer Änderung der Fortbewegung. Die Möglichkeiten sind eingeschränkt und lösen eine Reduzierung der Bewegungen aus. Dadurch erhöhen sich die Risiken einer Gewichtszunahme und eines Übergewichts. Die Bewegungsabläufe verändern sich durch die vorhandenen Beschwerden. Schmerzen stellen sich ein und Gangunsicherheiten treten auf. Dadurch ist das allgemeine Unfallrisiko erhöht. Der Hallux Valgus führt zu einer Fehlstellung der Knochen und einer stärkeren Belastung des gesunden Fußes. Eine Überlastungsreaktion ist möglich. Schmerzen der Knochen, Muskeln, Sehnen und Nerven treten dann in beiden Füßen auf. Es kommt zu einer Zunahme von Entzündungserkrankungen, die sich insbesondere bei einem geschwächten Immunsystem schnell im Organismus ausbreiten können.

Bildet sich Eiter durch eine Entzündung, entwickeln sich weitere Schwellungen am Fuß. Gelangt Eiter in die Blutbahn, besteht die Gefahr einer Blutvergiftung. Durch den Ballenzeh entsteht ein Engegefühl im Schuhwerk. Die Luft kann nicht mehr ausreichend zirkulieren, was die Schweißbildung fördert. Pilzinfektionen, Hühneraugen oder Hautveränderungen treten auf. In vielen Fällen kann das gewohnte Schuhwerk nicht mehr getragen werden und individuelle Schuhe müssen nach orthopädischen Bedürfnissen hergestellt werden. In einem fortgeschrittenen Stadium des Hallux Valgus oder bei einem Anstieg der Beschwerden wird ein operativer Eingriff durchgeführt. Dieser ist mit Risiken und Nebenwirkungen verbunden.

Behandlung und Therapie

Bevor mit einer Behandlung des Hallux Valgus begonnen werden kann, wird von dem betroffenen Fuß eine Röntgenaufnahme angefertigt werden. Anhand dieser Aufnahme kann die Stärke der Verformung und die möglicherweise bereits vorhandene Arthrose im Zehengrundgelenk festgestellt werden.

Eine kurzfristige Besserung des Hallux Valgus kann durch Schienen oder Bandagen an den betroffenen Fußpartien erreicht werden. Auch das Tragen von Einlagen in den Schuhen kann zu einer kurzzeitig Verbesserung des Hallux Valgus führen.

Eine langfristige Verbesserung kann jedoch nur durch eine Operation erreicht werden. Die Art der nötigen Operationsschritte ist dabei von der Ausprägung des Hallux Valgus und der möglicherweise bereits vorhandenen Arthrose abhängig. Die Operation kann jedoch in den meisten Fällen ambulant mittels einer lokalen Betäubung durchgeführt werden.

Die ersten drei bis vier Wochen nach der Operation des Hallux Valgus muss der Patient einen Entlastungsschuh tragen, welcher das Abrollen des Fußes verhindert. Auch das nächtliche Tragen einer Schiene kann hilfreich sein.

Danach kann zu bequemem Schuhwerk gewechselt werden. Allerdings sollten bis zu drei Monate nach der Operation kein Sport getrieben und keine längeren Spaziergänge unternommen werden. Die Ausheilung des Hallux Valgus kann durch Physiotherapie noch unterstützt werden.



Vorbeugung

Um die Entstehung eines Hallux Valgus zu verhindern, sollte möglichst das Tragen von Schuhen mit hohem Hacken vermieden werden. Stattdessen sollte auf flache und bequeme Schuhe oder auf so genannte Gesundheitsschuhe zurückgegriffen werden. Auch die Durchführung von Fußgymnastik zur Stärkung der Fußmuskulatur oder barfuss gehen ist empfehlenswert.

Sind durch den behandelnden Arzt bereits Einlagen verschrieben worden, kann die Entstehung eines Hallux Valgus durch das tägliche Tragen dieser Einlagen verhindert werden.

Bücher über Fußpflege

Quellen

  • Rüther, W. & Lohmann, C.H.: Orthopädie und Unfallchirurgie, Urban & Fischer, 20. Auflage, 2014
  • Heisel, J.: Physikalische Medizin - Praxiswissen Halte- und Bewegungsorgane, Georg Thieme Verlag, 1.Auflage, 2005
  • Wülker N. Taschenlehrbuch Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme Verlag. 2. Auflage 2010.
  • Mayer, C. et Siems, W.: 100 Krankheitsbilder in der Physiotherapie, Springer Medizin Verlag, 1.Auflage, 2011
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2012
  • Imhoff, A.B. et al.: Checkliste Orthopädie, Georg Thieme Verlag, 3. Auflage, 2014

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