Hafer-Allergie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 10. September 2017
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Eine Lebensmittelallergie auf Hafer ist immer eine Glutenallergie. Dabei setzt sich Gluten aus Prolaminen und Glutelinen zusammen. Gluten findet sich nicht nur im Hafer, sondern auch in anderen Getreidesorten. Häufiger besteht eine Allergie gegen das Hafermehl, die Haferflocken und die Haferkleie. Seltener besteht diese gegenüber den Pollen. Die Therapie besteht in einer Ernährungsumstellung auf glutenfreies Getreide, der Verabreichung von Antiallergika und evtl. Salben mit Cortison. Besteht die Allergie gegenüber den Pollen, muss die Umgebung möglichst frei von ihnen gehalten werden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Hafer-Allergie?

Eine Allergie gegenüber dem Getreide Hafer, das zur Familie der Süßgräser, lat. Poaceae, gehört, bezieht sich häufiger auf die Unverträglichkeit gegenüber dem Mehl, der Kleie und den Flocken als auf die Pollen. Seltener besteht eine Allergie gegen die Pollen des Hafergetreides. Eine Allergie entwickelt sich, wenn sich das menschliche Immunsystem für das Allergen sensibilisiert hat. Sofortreaktionen treten meistens in Verbindung mit einer Kreuzallergie zu beispielsweise Roggen oder Weizen auf. Ansonsten können die Symptome auch zeitversetzt auftreten.

Ursachen

Relativ selten ist eine Allergie gegen die Pollen des Hafers. Häufiger ist sie anzutreffen gegen Hafermehl, Haferkleie und Haferflocken. Auch Kreuzreaktionen mit anderen Mehlsorten können für die allergenen Reaktionen verantwortlich sein. Die enthaltenen Prolamine, zusammen mit den Glutelinen die zwei Bestandsgruppen des Glutens (Kleberweiß), können zusammen aber auch einzeln für eine Haferallergie verantwortlich sein. Dabei sind die unterschiedlichen Bezeichnungen zu berücksichtigen. Die Prolamine vom Weizen heißen Gliadin, vom Hafer Avein und vom Roggen Secalinin.

Deshalb sollte der Allergietest auch nicht wie leider üblich auf Antikörper gegen Gliadin in der Alpha- oder Betavariante begrenzt werden. Weitere gefährliche und allergieauslösende Bestandteile im Gluten sind das Weizenkeimagglutinin, das Gluteomorphin und das Glutenin sowie das Omega- oder Gammagliadin.

Auch diese Bestandteile können einzeln oder in Kombination zu Unverträglichkeitsreaktionen bzw. Allergien führen. Es besteht somit auch dann eine Allergiegefahr, wenn der normale Gluteninintolleranztest negativ ausfällt.

Wann zum Arzt?

Allergische Reaktionen sollten in jedem Fall ärztlich abgeklärt werden. Wenn es nach dem Kontakt mit Hafer oder haferhaltigen Lebensmitteln zu Hautrötungen, geschwollenen Augen, Magenschmerzen oder Aufstoßen kommt, liegt womöglich eine Haferallergie vor, die diagnostiziert und gegebenenfalls direkt behandelt werden muss. Ein Allergietest ist auch dann anzuraten, wenn immer wieder unspezifische Symptome bemerkt werden. Dies gilt vor allem dann, wenn die Beschwerden das Wohlbefinden erheblich beeinflussen oder die Unfallgefahr in Beruf und Alltag erhöhen.

Generell gilt also: bei Verdacht auf eine Haferallergie sofort einen Arzt konsultieren. Dieser führt je nach Symptomatik einen Allergietest, einen Pricktest, einen Provokationstest oder einen iGE-Test durch, wodurch eine mögliche Getreideallergie zweifelsfrei festgestellt werden kann. Wenn die Haferallergie einen allergischen Schock verursacht, sollte ein Notarzt gerufen oder die nächstgelegene Klinik aufgesucht werden. In schweren Fällen, etwa bei einem Kreislaufzusammenbruch, sollten begleitend dazu Erste-Hilfe-Maßnahmen geleistet werden. In akuten Notfällen können auch entsprechende Medikamente eingesetzt werden, um die Beschwerden zu lindern.

Symptome und Verlauf

Typische Symptome:

Liegt eine allergische Reaktion auf die Pollen vor, ähneln diese den Reaktionen anderer Pollenallergien. Bei einer Allergie nach Verzehr von Hafer können Symptome einer Lebensmittelallergie auftreten.

Für Pollenallergiker sind Symptome wie tränende und juckende Augen sowie Ohrjucken oder Ohrentzündungen genauso zu beobachten wie ein Jucken der Nase bzw. ein allergischer Schnupfen. Davon abzugrenzen aber nicht weniger häufig sind die laufende Nase und der Dauerschnupfen sowie Niesanfälle oder Niesattacken. Andererseits kann es zu einer chronisch verstopften Nase und sogar einer Retinitis kommen.

Liegt eine Haferallergie durch Lebensmittel vor, können Magenschmerzen, die nicht selten von Aufstoßen, Übelkeit und Erbrechen begleitet werden, auftreten. Manchmal entwickelt sich auch eine Gastritis. Die Haut betreffend kann es zu Juckreiz, Rötungen, Hautausschlag und massiven Ekzemen kommen. Darüber hinaus kann es wie bei der Pollenallergie zu einer juckenden und laufenden Nase sowie einem Dauerschnupfen kommen.

Beiden Allergieformen gemeinsam sind Symptome wie ständige Müdigkeit, (temporäre) Konzentrationsschwäche, Kopfschmerzen (bis hin zu Migräne), Verdauungsprobleme, Blähungen, Bauchkrämpfe sowie Verstopfung (Obstipation) oder Durchfall (Diarrhoe). Leider wird hier häufig und fälschlicherweise ein Reizdarmsyndrom diagnostiziert. Auch Depressionen und Migräne sind als Folgeerscheinungen bekannt. In schwereren Fällen kann ein Taubheitsgefühl sowie ein Kribbeln in den Armen und / oder Beinen auftreten.

Eine weitere Verstärkung der Symptome kann bis zum Eintreten einer Fibromyalgie und diversen Autoimmunerkrankungen wie zum Beispiel die rheumatoide Arthritis oder die chronische Schilddrüsenentzündung Hashimoto führen.

Diagnose

Erste diagnostische Hinweise können anhand eigener Beobachtungen erfolgen. Treten die Beschwerden nach einem Spaziergang auf, handelt es sich eher um eine Pollenallergie bezüglich des Hafers. Sind diese nach dem Essen zu beobachten, ist eine Lebensmittelallergie naheliegend. Auf jeden Fall sollte ein Arzt, bestenfalls ein Allergologe oder ein erfahrender Mediziner mit allergologischer Weiterbildung, konsultiert werden. Dieser führt einen Allergietest durch und je nach Symptomatik einen Pricktest oder IgE-Test. Für eine genaue Austestung bietet sich der Provokationstest an. Dabei wird den Betroffenen das entsprechende Allergen in hoher Konzentration zugeführt. Hierbei ist die konstante Kontrolle wegen der Gefahr eines allergischen Schocks unerlässlich. Damit ein neuer Speiseplan aufgestellt werden kann, sollte auf Kreuzallergien zu anderen Getreiden getestet werden.

Komplikationen

In der Regel handelt es sich bei der Hafer-Allergie nicht um eine schwerwiegende Krankheit. Die Symptome und Beschwerden können dabei relativ einfach vermieden werden, wenn der Patient auf Hafer in seinem Leben vollständig verzichtet. Dabei kommt es nicht zu besonderen Komplikationen. Die Beschwerden und Symptome können sehr unterschiedlich sein. In den meisten Fällen leiden die Patienten dabei an Schnupfen oder an einer verstopfenden Nase. Auch die Haut kann jucken und gerötet sein. Ebenso führt die Hafer-Allergie zu einer Atemnot und auch zu Entzündungen in den Ohren. Die Lebensqualität des Patienten wird deutlich verringert, wenn Hafer eingenommen wird. Ebenso kann es zu Blähungen, Übelkeit und zu Aufstoßen kommen.

Die Patienten leiden auch an Durchfall und sind dabei in ihrem Alltag deutlich eingeschränkt. Eine direkte Behandlung der Hafer-Allergie kann nicht durchgeführt werden. Die Beschwerden werden vermieden, indem Hafer nicht eingenommen wird. Dabei stehen dem Betroffenen verschiedene Ersatzprodukte zur Verfügung. In der Regel treten dabei keine Komplikationen auf. In akuten Notfällen können auch Medikamente eingesetzt werden, um die Beschwerden der Hafer-Allergie zu behandeln. Die Lebenserwartung des Betroffenen wird durch die Hafer-Allergie nicht beeinflusst.

Behandlung und Therapie

Bei einer Allergie auf Hafer als Lebensmittel sollte dieses Getreide vom Speiseplan verbannt werden. Dies gilt auch für die Haferkleie, die von vielen wegen der verdauungsfördernden Wirkung geschätzt wird. Haferkleie kann ersetzt werden durch Flohsamen. Haferfreie Müslis aus beispielsweise 100 % Dinkel oder Kamut schmecken genauso lecker, sind sehr gut bekömmlich und mit einem hohen Nährstoffgehalt versehen.

Auch Brot und Brötchen aus diesen Getreidesorten sowie aus Emmermehl sind sehr delikat und gesund. Die bereits unter dem Punkt Diagnose angesprochene Austestung auf eine eventuelle Kreuzallergie zu anderen Getreiden gibt Aufschluss darüber, ob eines dieser Getreide ebenfalls besser zu meiden ist. Häufig ist bei Weizen Vorsicht geboten, da viele eine manchmal unerkannte Weizenallergie haben.

Sind Kreuzallergien bekannt, kann auf glutenfreie Backwaren aus Hirse, Teffmehl und Reis zurückgegriffen werden. Auch die Pseudogetreidesorten Quinoa, Buchweizen und Amaranth sind glutenfrei.

Um die allergischen Symptome in den Griff zu kriegen, werden in der klassischen Schulmedizin Antiallergika verschrieben. Die Behandlung von Hautreaktionen erfolgt meistens mit einer cortisonhaltigen Salbe.

Für eine langfristige Behandlung empfiehlt sich auch die Sensibilisierung. Das Immunsystem wird mit zunehmender Dosierung dem Allergen Hafer ausgesetzt. Dadurch, dass sich das Immunsystem an das Allergen gewöhnt, können häufig die Symptome gemildert werden. Es empfiehlt sich also, mit einem Allergologen diese Behandlung zu besprechen.

Wer auf die Pollen des Hafers allergisch reagiert, hat viele Möglichkeiten, sich zu schützen. Die erforderlichen Antiallergika sind teilweise rezeptfrei in der Apotheke oder sogar online zu erhalten. Trotzdem sollte die Rücksprache mit dem behandelnden Arzt nicht ausgelassen werden. Für zu Hause und wenn möglich am Arbeitsplatz sollten Pollenschutzgitter angebracht werden. Das Flies dieses Gitters verhindert, dass die Pollen in die Räume gelangen.

Spezielle Luftreiniger filtern die Pollen aus der Luft und Staubsauger mit Hepafilter entfernen die Pollen aus Teppichen, Teppichböden und Polstergarnituren. Zusammen sorgen sie für eine Umgebung, die so gut wie möglich von Pollen befreit ist. Wer sich draußen in Gebieten mit Pollenflug des Hafers aufhält, kann sich mit einer Atemschutzmaske und evtl. einem Nasenfilter effektiv schützen.



Vorbeugung

Eine Vorbeugung kann in der Vermeidung von glutenhaltigen Lebensmitteln liegen. Teilweise wird dies bei einer familiären Vorbelastung empfohlen. Eine weitere vorbeugende Maßnahme kann die möglichst hohe Pollenfreiheit in der Wohnung darstellen. Wer in ländlicher Umgebung wohnt, kann sich mit einem Mundschutz schützen. Bei Unsicherheit kann eine Austestung wie hier beschrieben einerseits die erlösende Nachricht bringen aber andererseits auch vor einer ganzen Reihe an gesundheitlichen Störungen bzw. Krankheiten schützen.

Bücher über Allergien

Quellen

  • Furter, S., Jasch, K.C.: Crashkurs Dermatologie. Urban & Fischer, München 2007
  • Dirschka, T., Hartwig, R., Oster-Schmidt, C. (Hrsg.): Klinikleitfaden Dermatologie. Urban & Fischer, München 2010
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2013
  • Rassner, G.: Dermatologie – Lehrbuch und Atlas. Urban & Fischer, München 2009
  • Herold, S.: 300 Fragen zur Pubertät. Graefe und Unzer, München 2008
  • Ellsässer, S.: Körperpflege und Kosmetik. Springer, Berlin 2008
  • Abeck, D.: Häufige Hautkrankheiten in der Allgemeinmedizin: Klinik, Diagnose, Therapie, Springer Verlag, 2. Auflage, 2011
  • Abeck, D. & Cremer, H.: Häufige Hautkrankheiten im Kindesalter: Klinik - Diagnose - Therapie, Springer Verlag, 3. Auflage, 2006

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