Hühnereiweiß-Allergie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 17. September 2017
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Bei einer Hühnereiweiß-Allergie handelt es sich um eine echte Nahrungsmittelallergie. Im Rahmen der Allergie produziert das menschliche Immunsystem Antikörper gegen Hühnereiweiß. In der Folge sind diverse Beschwerden bei den betroffenen Personen möglich. Schon geringe Mengen an Hühnerei sind ausreichend, um schwerwiegende Komplikationen auszulösen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Hühnereiweiß-Allergie?

Die Hühnereiweiß-Allergie zeigt sich im überwiegenden Teil der Fälle bei Säuglingen und Kleinkindern. Bei den meisten Betroffenen lässt die Hühnereiweiß-Allergie bis zur Einschulung allmählich nach und verschwindet oftmals gänzlich. Zur Behandlung der Hühnereiweiß-Allergie ist es erforderlich, strikt auf hühnereiweißhaltige Lebensmittel zu verzichten, da andernfalls ernsthafte Komplikationen drohen. Denn Hühnereiweiß zählt zu den potentesten existierenden Allergenen, sodass teilweise schon winzige Mengen zu erheblichen Symptomen führen.

Die Hühnereiweiß-Allergie wird synonym auch als Hühnerei-Intoleranz, Hühnerei-Allergie oder Eiweißallergie bezeichnet. Der medizinisch richtige Begriff ist jedoch Hühnereiweiß-Allergie. Denn das menschliche Immunsystem reagiert auf die Hühnereiweiße wie auf Fremdstoffe, die bekämpft werden. Die typischen Symptome einer Hühnereiweiß-Allergie entwickeln sich in einem Zeitraum von einigen Minuten bis zu zwei Stunden nach dem Verzehr von Hühnereiweiß. Die Beschwerden der Allergie werden durch den Stoff IgE vermittelt.

Die Hühnereiweiß-Allergie tritt in den meisten Fällen schon im ersten Jahr nach der Geburt auf, wenn die Babys mit hühnereiweißhaltigem Brei und ähnlichen Speisen gefüttert werden. Bis zum Alter von drei Jahren kommt die Hühnereiweiß-Allergie besonders häufig vor. Weitere durch den Stoff IgE vermittelte Allergien sind die Erdnuss- und die Kuhmilchallergie. Beobachtungen weisen darauf hin, dass ein bis zwei Prozent aller kleinen Kinder an einer Hühnereiweiß-Allergie leiden. Jedoch verlieren etwa zwei Drittel der betroffenen Kinder die Allergie bis zum sechsten Lebensjahr.

Ursachen

Bei der Hühnereiweiß-Allergie bekämpft das Immunsystem des betroffenen Menschen Hühnereiweiße, als wären es Krankheitserreger. Die Gründe für diese Immunreaktion sind aktuell noch nicht abschießend erforscht. Beim ersten Verzehr von Hühnereiweiß erkennt das Immunsystem das Eiweiß, sodass eine Sensibilisierung erfolgt. Bei einem erneuten Konsum von Hühnerei erkennt das Abwehrsystem die Substanzen sofort wieder. In der Folge davon reagiert der Organismus mit entsprechenden Beschwerden. Im überwiegenden Teil der Fälle äußern sich die ersten Symptome der Hühnereiweiß-Allergie schon nach einigen Minuten nach Verzehr des Hühnereis. Auch der bloße Kontakt, etwa über die Haut bei der Zubereitung von Speisen, ist bei manchen Personen für entsprechende allergische Reaktionen ausreichend.

Eine Hühnereiweiß-Allergie ist meist schwierig zu diagnostizieren und bleibt oft lange Zeit unerkannt. Dadurch verursacht sie bei den betroffenen Kindern mitunter erhebliche Beschwerden und bereitet den Eltern große Sorgen. Problematisch ist vor allem, dass Hühnereiweiß in einer Vielzahl von Lebensmitteln enthalten ist. Dies gilt vor allem für Fertigprodukte bzw. verarbeitete Nahrungsmittel. Aus diesem Grund ist die Verbindung zwischen den auftretenden allergischen Symptomen und dem Hühnereiweiß meist nur schwer erkennbar.

Das Hühnereiweiß enthält zahlreiche Allergene, zum Beispiel Ovalbumin und Lysozym. Im Eiklar befindet sich hauptsächlich Ovomukoid, dass durch Hitze nicht zerstört wird. Anders verhält es sich bei Ovalbumin. Dieses Allergen wird durch Erhitzungsprozesse vernichtet. Personen mit einer Allergie gegen Ovalbumin vertragen also Eiklar in gebratenem oder gekochtem Zustand. Allerdings ist von unbeaufsichtigten Selbsttests dringend abzuraten. Ob gekochte Eier vertragen werden, lässt sich nur mit ärztlicher Aufsicht sicher prüfen. Auch im Eigelb sind diverse Allergene enthalten. Es zeigt sich, dass vermehrt erwachsene Personen auf Eigelb allergisch reagieren. Hingegen liegen Allergien gegen Eiklar öfter bei kleinen Kindern vor.

Wann zum Arzt?

Die Hühnereiweiß-Allergie zählt gemeinsam mit der Laktoseintoleranz zu den häufigsten Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Eine Hühnereiweiß-Allergie geht nicht immer, aber doch sehr oft, mit einer Allergie gegen Hühnerfleisch und auch gegen das Fleisch und die Eier anderer Geflügelarten einher. Wer nach dem Verzehr solcher Produkte immer wieder bestimmte Symptome entwickelt, sollte einen Arzt zuziehen, um abzuklären, ob tatsächlich eine Lebensmittelunverträglichkeit vorliegt.

Eine Hühnereiweiß-Allergie macht sich in der Regel durch eine Reihe von Symptomen bemerkbar. Dazu zählen Ekzeme und andere Formen von Hautausschlägen sowie Verdauungsstörungen, insbesondere Blähungen, Durchfall, Verstopfung, Krämpfe oder akute Darmentzündungen. Manche Patienten entwickeln auch Bronchialasthma. Wer solche Symptome regelmäßig nach dem Verzehr von Hühnereiweiß oder anderen Geflügelprodukten beobachtet, sollte einen Arzt aufsuchen und einen Allergietest machen lassen.

Eine Hühnereiweiß-Allergie tritt besonders häufig bei Kindern auf und wird nicht immer sofort erkannt, da Kinder Hühnereiweiß vorwiegend in versteckter Form konsumieren. Hühnereiweiß ist zum Beispiel in fast allen Fertigkuchen sowie in vielen anderen Süßigkeiten enthalten. Darüber hinaus findet sich der Stoff in Fertigprodukten, wie zum Beispiel in Gemüsepizza, wo er nicht unbedingt vermutet wird. Eltern sollten ihre Kinder deshalb zeitnah einem Arzt vorstellen und auf einen Allergietest bestehen, wenn sie die beschriebenen Symptome an ihrem Nachwuchs bemerken.

Symptome und Verlauf

Typische Symptome:

Eine Hühnereiweiß-Allergie äußert sich in verschiedenen Symptomen, die in erster Linie die Haut, die Atemwege sowie den Magen-Darm-Trakt betreffen. Auf der Haut zeigen sich zum Beispiel Beschwerden wie Ausschlag, Ekzeme und Neurodermitis. Darüber hinaus leiden zahlreiche betroffene Personen an Übelkeit und Erbrechen bis hin zu Durchfall. Bei einem Teil der Patienten mit Hühnereiweiß-Allergie entwickelt sich Asthma. Prinzipiell ist im Rahmen der Hühnereiweiß-Allergie auch eine anaphylaktische Reaktion möglich.

Im Rahmen einer Hühnereiweiß-Allergie sind Kreuzallergien möglich. Diese bilden sich durch die Verwandtschaft verschiedener allergener Substanzen. Kreuzallergien betreffen zum Beispiel die Allergene in Eiklar und Eidotter sowie Allergene in Hühnerei und Hühnerfleisch. Das letztere Phänomen wird als Bird-Egg-Syndrom bezeichnet. Zudem entwickeln sich unter Umständen Kreuzallergien zu den Eiern weiterer Vogelarten, zum Beispiel Wachtel- oder Gänseeier.

Diagnose

Um eine Hühnereiweiß-Allergie zu diagnostizieren, analysiert der Arzt die Symptomatik des Patienten im Zusammenhang mit seinem Speiseplan und dem Zeitpunkt der Beschwerden. Da die allergischen Reaktionen nicht eindeutig auf eine Hühnereiweiß-Allergie hinweisen, sind verschiedene Untersuchungen zur Diagnose der Allergie notwendig.

Nachdem der Hausarzt eine erste Anamnese durchgeführt hat, leitet er den betroffenen Patienten in der Regel an einen Allergologen oder einen Hautarzt weiter. Dieser führt dann mit der erkrankten Person diverse Allergietests durch.

Zur Diagnose der Hühnereiweiß-Allergie werden unter anderem Blutuntersuchungen durchgeführt. Dabei wird zum Beispiel das Vorhandensein von IgE im Blut geprüft. Zudem erhalten die Patienten meist Hühnereiweiß zum Verzehr. Die Reaktionen auf die Allergene werden ärztlich beaufsichtigt und analysiert. Auf diese Weise ist eine relativ sichere Diagnose der Hühnereiweiß-Allergie möglich.

Komplikationen

Eine Hühnereiweiß-Allergie kann verschiedene Komplikationen nach sich ziehen. Beim Verzehr von Produkten mit Hühnereiweiß kommt es zunächst zu den typischen Abwehrreaktionen des Immunsystems: Rötung, Schwellung und Juckreiz. Im Extremfall kann ein anaphylaktischer Schock auftreten, welcher zum Kreislaufversagen und dadurch zum Tod des Betroffenen führen kann. Zumeist führt eine allergische Reaktion auf Hühnereiweiß jedoch zu recht harmlosen Beschwerden.

Neben erwähnten Symptomen können körperliche Ausfallerscheinungen auftreten. Dadurch erhöht sich das Risiko von Unfällen und Stürzen. Eine unzureichende oder ungeeignete Behandlung, etwa durch eine Panikreaktion der Eltern, kann die Beschwerden unter Umständen noch verstärken. Auch der Test auf eine Hühnereiweiß-Allergie birgt Risiken. Es kann zu schweren Komplikationen wie einem anaphylaktischen Schock kommen, verbunden unter anderem mit Unruhe, Juckreiz, Schwindel, Atemnot und Herzrasen. In besonders schweren Fällen können diese Beschwerden in ernste Bewusstseinsstörungen und einen Atem- und Kreislaufstillstand übergehen. Zuletzt können durch die eingesetzten Antiallergika eine Vielzahl von Neben- und Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln auftreten.

Behandlung und Therapie

Ursachen eines allergisches Schocks und Erste-Hilfe-Maßnahmen.

Ist eine Hühnereiweiß-Intoleranz nachgewiesen müssen Hühnereiweiß-Produkte konsequent gemieden werden. Denn neben leichten Allgemeinreaktionen (z.B. Rötungen Quaddeln) kann ein anapyhlaktischer Schock, der im Rahmen der Hühnereiweiß-Allergie möglich ist, einen lebensbedrohlichen Zustand darstellen.

In diesem Fall müssen unverzüglich Erste-Hilfe-Maßnahmen eingeleitet werden (Beseitigung des Allergens, Schocklage, Pulskontrolle). Hierzu gehört die sofortige Unterbindung bzw. Beseitigung des allergieauslösenden Stoffes (Allergen). Weiterhin muss der Betroffene in Schocklage gelagert (Hochlagerung der Beine) und der Puls regelmäßig kontolliert werden. Achten Sie zudem auf ausreichende Wärmezufuhr der betroffenen Person.

Abhängig von der Schwere des allergischen Schocks (u.a. Atemnot, Atemstillstand, Bewusstseinseintrübungen, Bewusstlosigkeit, Kreislaufstillstand) benötigt der Patient so schnell wie möglich ärztliche Betreuung, sodass unter Umständen ein Notarzt zu rufen ist. Dieser wird dann ggf. eine medikamentöse Therapie (Adrenalin) einleiten.



Vorbeugung

Wichtigste Säule der Vorbeugung ist die konsequente Vermeidung von Hühnereiweiß-Produkten. Allergiker sollten ein Notfall-Set mit sich führen. Dieses enthält u.a. eine Adrenalin-Spritze, um im Ernstfall das Herz-Kreislauf-System schnellstmöglich zu stabilisieren.

Bücher über Allergie

Quellen

  • Furter, S., Jasch, K.C.: Crashkurs Dermatologie. Urban & Fischer, München 2007
  • Dirschka, T., Hartwig, R., Oster-Schmidt, C. (Hrsg.): Klinikleitfaden Dermatologie. Urban & Fischer, München 2010
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2013
  • Rassner, G.: Dermatologie – Lehrbuch und Atlas. Urban & Fischer, München 2009
  • Herold, S.: 300 Fragen zur Pubertät. Graefe und Unzer, München 2008
  • Ellsässer, S.: Körperpflege und Kosmetik. Springer, Berlin 2008
  • Abeck, D.: Häufige Hautkrankheiten in der Allgemeinmedizin: Klinik, Diagnose, Therapie, Springer Verlag, 2. Auflage, 2011
  • Abeck, D. & Cremer, H.: Häufige Hautkrankheiten im Kindesalter: Klinik - Diagnose - Therapie, Springer Verlag, 3. Auflage, 2006

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