Häufiges Wasserlassen nachts

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 17. November 2016
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Häufiges Wasserlassen nachts unterbricht zu ungünstigen Zeiten die regenerative Phase des menschlichen Körpers. Einzelne Unterbrechungen ziehen meist keine schwerwiegenden Konsequenzen nach sich. Kommt es jedoch zu einer Häufung des Harndranges während der Nachtruhe, leiden Betroffene unter spürbarem Schlafentzug. Nykturie ist besonders bei älteren Menschen jenseits des 60 Lebensjahres anzutreffen. Hinter dem lästigen Symptom verbergen manchmal ernsthafte Erkrankungen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist häufiges Wasserlassen nachts?

Der Begriff Nykturie bezeichnet regelmäßigen Drang zum Toilettengang mitten in der Nacht. Menschen besitzen einen unruhigen Schlaf und erwachen durch den ständigen Druck im Blasenbereich sehr leicht. Junge Personen sind in aller Regel nicht von Nykturie betroffen. Mit steigendem Alter ändert sich die Wahrscheinlichkeit zur Neigung des nächtlichen Wasserlassens. Während die bloße Trinkmenge einen nachvollziehbaren Einfluss auf den Harndrang ausübt, spielt der starke Konsum von Getränken bei Nykturie nicht immer eine tragende Rolle.

Menschen mit einem gestörten Harndrang suchen daher mehrmals pro Nacht das Badezimmer auf. Trotz entleerter Blase verschwindet das markante Druckgefühl im Anschluss nicht. Zu unterscheiden ist dabei die Nykturie von der Enuresis (nächtlichem Einnässen), die sich außerdem durch unwillkürlichen Urinverlust im Bett definiert. Angesichts der penetranten Charakteristik der Symptomatik produziert die Krankheit neben körperlicher Erschöpfung auch auf psychischer Ebene eine enorme Belastung.

Der dringend benötigte, erholsame Schlaf entfällt oder wird spürbar beeinträchtigt. Als direkte Folge entwickeln sich Kopfschmerzen, Konzentrationsprobleme und chronische Müdigkeit. Dauerhaft artet der Schlafentzug in Depressionen aus oder verstärkt eine bereits vorhandene Grunderkrankung. Ältere Menschen leiden zugleich oft an starken Einschränkungen ihrer Mobilität. Für diese erweist sich das wiederholte Aufsuchen der Toilette in der Nacht als ausgesprochen anstrengend.

Ursachen

Nächtlicher Harndrang gilt nicht als eigenständige Krankheit. Vielmehr ist dieser Ausdruck von unterschiedlichen Erkrankungen. Diese reichen von relativ harmlosen Problemen bis hin zu lebensgefährlichen Ursachen. Primär stehen zwei Faktoren an vorderster Stelle, die eine Nykturie begünstigen. Eine übermäßig starke Urinproduktion (Polyurie) sorgt für das schnell eintretende, unangenehme Körpersignal. Alternativ beeinflussen Verstopfungen der Harnwege die Ausscheidung des Urins. In diesem Fall tritt nicht das ganze Volumen an gesammelter Flüssigkeit beim Urinieren aus dem Körper aus.

Eine bereits ausgeprägte Herzinsuffizienz legt den Grundstein für diesen vermehrten Harndrang. Als Grund hierfür sind Beinödeme durch die herabgesetzte Pumpenstärke des Herzens zu nennen. Diese Wassereinlagerungen baut der Körper während der Ruhephase in der Nacht vermehrt ab. Dadurch kommt es zu einer ungewöhnlich raschen Auslastung von Niere und Blase. Herzprobleme dieser Art verursachen weitere Symptome wie Atemnot, generelle Abgeschlagenheit und herabgesetztes Leistungsvermögen.

Des Weiteren steht Diabetes mellitus in direktem Zusammenhang mit nächtlichem Wasserlassen. Unter dem Einfluss der Zuckerkrankheit konsumieren Betroffene mehr Flüssigkeit im Vergleich zu gesunden Menschen. Zusätzlich übt ein erhöhter Blutzuckerspiegel einen harntreibenden Einfluss auf den Stoffwechsel aus. Typische Begleitsymptome zur Nykturie sind hierbei ein intensives Durstgefühl, plötzlich eintretende Schwäche und unbeabsichtigter Gewichtsverlust.

Eine Ansammlung von Albumin im Urin deutet dagegen auf eine Nierenschädigung hin. Dieses Protein wirkt entwässernd und beschleunigt das Auffüllen der Blase beträchtlich. Urologische Ursachen wie eine vergrößerte Prostata engen den Harnweg durch Auflagedruck ein. Derartige Ausprägungen sind vor allem bei älteren Männern zu beobachten. In seltenen Fällen zeigt die Blase eine eingeschränkte Aufnahmekapazität. Verantwortlich für die internen Blockaden zeichnen sich oft Kristallablagerungen oder in seltenen Fällen auch Tumore. Spontan auftretende Nykturie allerdings auch einem gewöhnlichen Infekt geschuldet sein. Ein leicht brennender Schmerz in den Harnröhren während des Austretens gilt als klares Erkennungszeichen.

Krankheiten

Diagnose und Verlauf

Nykturie und die damit zusammenhängende Grunderkrankung ermittelt in der Regel der Hausarzt. Nicht immer sind urologische Ursachen gegeben. Daher dient der Allgemeinmediziner bei diesem Problem als übergeordnete Anlaufstelle zur Koordination der Untersuchung. Allgemeine Fragen zum Allgemeinbefinden und möglichen Vorerkrankungen gehören dazu. Verhärtet sich der Verdacht in eine spezielle Richtung, folgt zur Falsifizierung eine gründliche Untersuchung beim Facharzt. Als Erstes steht die Schilderung der Krankheitsgeschichte im Vordergrund.

Fragen bezüglich der Häufigkeit und Intensität des Harndranges sind zu erwarten. Zusätzlich folgen Fragen über mögliche Grunderkrankungen, die zur Nykturie geführt haben könnten. Bei dem Check des allgemeinen Gesundheitszustandes fokussiert der behandelnde Arzt zunächst die grundlegenden Körperfunktionen. Der Griff zum Stethoskop zur Überprüfung des Herzens bestätigt oder eliminiert erste Verdachtsmomente bei diesem Organ. Durch Abtasten der Prostata ist für den Arzt eine fortgeschrittene Vergrößerung gut erkennbar.

Resultiert aus dem Vorgespräch und der ersten Begutachtung kein befriedigendes Ergebnis, ist eine nachgehende Untersuchung direkt in der Praxis. Blutzuckertests oder EKG stellen eine denkbare Option dar. Die Analyse der Ströme und Kondition des Herzens auf einem Fahrradergometer zielt auf mögliche Probleme wie die Herzschwäche ab. Urin- und Blutproben liefern klare Messwerte über den darin enthaltenen Zuckeranteil. Bei positivem Befund ist an Diabetes oder eine urologische Funktionsstörung zu denken. Eine Ultraschalluntersuchung deckt ansonsten nicht einsehbare Bereiche der Niere, Prostata und Blase auf.

Behandlung und Therapie

Nach einer erfolgreichen Untersuchung stehen die Chancen auf eine spürbare Besserung des Harndranges allgemein gut. Zielführend ist die Beseitigung oder Eindämmung der verursachenden Erkrankung hinter der Nykturie. Gegen Herzschwächen empfiehlt sich eine medikamentöse Therapie. Begleitend kann je nach Fall auch behutsam ausgeübter Sport und eine Ernährungsumstellung die Herzleistung langfristig stabilisieren. Abhängig von der Schwere einer Infektion der Harnwege entscheidet der Arzt über die Gabe eines Antibiotikums.

Mit dem Rückgang der Entzündung von Blase oder Harnröhre klingt auch der nächtliche Toilettendrang rasch ab. Neigt die Blase zu einer regen Aktivität selbst zu Ruhezeiten aufgrund einer Fehlsteuerung, hilft gezieltes Training. Bewusstes Ignorieren des Dranges zwingt die Blase ihre Form zu halten und sich mit der Zeit anzupassen. Nach wenigen Monaten weist diese bereits eine vergrößerte Aufnahmekapazität vor. Schwere operative Eingriffe erfolgen hingegen nur bei massiver Vergrößerung der Prostata und Krebsverdacht. Zu diesem Zweck verweist der Arzt den Patienten in die entsprechende Fachabteilung eines Klinikums.

Bestimmte Medikamente mit Alphablockern unterstützen zudem die Blasenfunktion bei einer Blockade. Durch deren entspannende Auswirkung auf den beteiligten Muskel gelingt die Entleerung effektiver und schmerzfreier. Diabetiker erwartet meist eine Neueinstellung ihres Zuckerwerts. Durch die gezielte Regulation des Blutzuckerspiegels nimmt die wassertreibende Wirkung ab. Neben einer gezielten Ernährung ergänzen Medikamenten wie Insulinpräparate und Tabletten die Therapie. Bestehendes Übergewicht muss mittelfristig auf ein gesundes Niveau sinken. Das persönliche Mitwirken des Patienten ist hier unverzichtbar. Dessen Disziplin bleibt ausschlaggebend für Erfolg oder Misserfolg im Umgang mit Diabetes.



Vorbeugung

Manche Menschen empfinden Nykturie als beschämende Belastung und ein Zeichen von Altersschwäche. Dies kann zu einer verzögerten Konsultation des Arztes und zu späten Abklärung möglicher Ursachen führen. Dabei tritt nächtlicher Harndrang in einem breiten Anteil der Bevölkerung auf und gilt nicht als exotische Erkrankung. Vom Aussitzen der Symptome aufgrund persönlicher Vorbehalte ist strikt abzuraten.

Möglicherweise bleibt eine potenziell gefährliche Erkrankung ansonsten unentdeckt. Negative Folgen für Körper und die psychische Gesundheit sind ohne genauen Befund auf lange Sicht nicht auszuschließen. Eine unentdeckte Diabetes kann mit Bewusstseinsstörungen einhergehen sowie das Herz und Stoffwechsel nachhaltig angreifen. In vielen Fällen lässt sich mittels gezielter Analyse und einer rechtzeitig eingeleiteten Therapie das nächtliche Leiden deutlich lindern.

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