Glutenunverträglichkeit

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 31. Dezember 2014
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Die Glutenunverträglichkeit ist eine Krankheit, von der der Patient sein Leben lang betroffen ist. Verursacht wird sie durch eine Unverträglichkeit der in einigen Getreidesorten enthaltenen Klebeeiweiße. Aktuell wird die Glutenunverträglichkeit, die medizinisch als Zöliakie bezeichnet wird, mit einer glutenfreien Diät behandelt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Glutenunverträglichkeit?

Glutenunverträglichkeit bezeichnet eine chronische Erkrankung der Dünndarmschleimhaut, die durch eine Überempfindlichkeit gegen einige Bestandteile im Klebeeiweiß (Gluten) ausgelöst wird. Wird glutenhaltige Nahrung von Menschen mit Glutenunverträglichkeit aufgenommen, führt diese zu starken Entzündungsreaktionen im Dünndarm.

Die Entzündung geht mit einer starken Zerstörung der Darmepithelzellen einher, die für die Resorption der Nährstoffe wichtig sind. Die Glutenunverträglichkeit ist erblich bedingt und lässt sich noch nicht ursächlich behandeln.

Ursachen von Glutenunverträglichkeit

Damit eine Glutenunverträglichkeit auftreten kann, muss eine genetische Veranlagung vorhanden sein. Diese liegt bei etwa 35 Prozent aller Menschen vor. Durch die spezielle genetische Veranlagung sind auf den Immunzellen bestimmte Proteinzellen vorhanden. Erst dadurch ist die Voraussetzung für die Entwicklung einer Glutenunverträglichkeit gegeben, die sich jedoch nicht manifestieren muss. Das Risiko steigt jedoch mit dem Vorhandensein um den Faktor 3.

Begünstig wird die Glutenunverträglichkeit zusätzlich durch Stress, starken Konsum alkoholhaltiger Getränke und Pilzinfektionen mit Candida albicans. Die Krankheit selbst führt im Dünndarm zu starken Entzündungen. Diese entstehen bei der Glutenunverträglichkeit durch den Verzehr glutenhaltiger Nahrung wie Weizen, Gerste, Hafer und Roggen. Die nicht bereits verdauten Bruchstücke der Gluten führen zu einer Immunreaktion im Dünndarm.

Die Aktivität der für die Immunreaktion verantwortlichen T-Zellen verstärkt sich noch, wenn die Glutenbruchstücke mit dem körpereigenen Enzym Gewebetransglutaminase (tTG) reagieren. Durch die Entzündung werden die Darmzotten, die wichtig für die Aufnahme von Nährstoffen sind, zerstört.

Symptome und Verlauf von Glutenunverträglichkeit

Typische Symptome einer Glutenunverträglichkeit:

Die Symptome sind bei der Glutenunverträglichkeit stark abhängig vom Alter und dem einzelnen Patienten. Der klassische Verlauf ist der im Kleinkindalter. Nach dem Verzehr von glutenhaltiger Nahrung kommt es zu Blähungen, Mangel an Appetit, Übelkeit, Erbrechen und einer starke Gewichtsabnahme sowie zu einem stark aufgeblähten Bauch. Besonders charakteristisch sind die chronischen Durchfälle mit übel riechenden, glänzenden und voluminösen Stuhlgängen.

Bei größeren Kindern und Erwachsenen sind die Symptome meist nicht so ausgeprägt und eindeutig, weswegen die Glutenunverträglichkeit oft lange nicht erkannt wird. Das kann zu einer Unterversorgung mit Nährstoffen führen, deren Ursache in den durch die Entzündung zerstörten Darmzotten liegt. Darüber hinaus kann eine nicht behandelte Glutenunverträglichkeit zu Entwicklungsstörungen führen, das Risiko für Autoimmunkrankheiten wie Diabetes und entzündlichen Veränderungen der Schilddrüsen erhöhen.

Diagnose von Glutenunverträglichkeit

Diagnostiziert werden kann die Glutenunverträglichkeit durch einen Antikörpertest. In den meisten Fällen wird im Serum nach Antikörpern (tTG-IgA) gesucht, die das Enzym Gewebetransglutaminase angreifen. Bei 90 Prozent der Patient mit einer aktiven Glutenunverträglichkeit, die glutenhaltige Lebensmittel verzehren, sind diese Antikörper vorhanden.

Zur Absicherung des Tests kann zusätzlich ein IgG-Nachweis sinnvoll sein, da etwa 10 Prozent der Erkrankten einen Mangel an Immunglobulin A (IgA) aufweisen. Ist der Test für die Antikörper positiv, muss das Ergebnis per ambulanter Endoskopie und Dünndarmbiopsie bestätigt werden. Die entnommene Gewebeprobe aus der Dünndarmschleimhaut wird auf die typischen Merkmale einer Glutenunverträglichkeit untersucht.

Die Darmzotten sind abgeflacht oder fehlen komplett und die Darmschleimhaut ist nicht gefaltet. Dazu kommen ausgeprägte Vertiefungen und Ansammlungen von Immunzellen in der Darmschleimhaut. Die risikoarme Endoskopie wird bei Kindern und Jugendlichen inzwischen vermieden, wenn der Antikörpertest entsprechend hohe Werte aufweist.

Behandlung von Glutenunverträglichkeit

Die Glutenunverträglichkeit ist nicht ursächlich therapierbar. Aber der Auslöser lässt sich, wenn auch mit einigem Aufwand, aus der eigenen Ernährung eliminieren. Die Therapie ist so simpel wie wirkungsvoll zugleich. Wer an Glutenunverträglichkeit leidet, muss sein Leben lang komplett auf Nahrungsmittel verzichten, die Gluten enthalten. Das führt in den meisten Fällen zu einer radikalen Umstellung der Ernährungsgewohnheiten, da die Gluten in vielen ganz alltäglichen Lebensmitteln enthalten sind.

Der Erfolg rechtfertigt jedoch den Aufwand, da sich die Darmschleimhaut so schnell erholt und ihre Aufgabe wieder vollständig übernehmen kann. Damit sinken auch die Risiken für alle Folgeerkrankungen und mögliche Komplikationen. Wichtig ist hierbei, dass die Ernährung strikt eingehalten wird. Verzichten müssen Patienten mit Zöliakie auf alle Getreide, die das Klebeeiweiß Gluten enthalten. Das sind Weizen, Roggen, Gerste, Dinkel, Hafer, Kamut, Emmer, Einkorn und Grünkorn. Auch tabu sind die Produkte, die diese Getreide enthalten. Dazu zählen Backwaren, Nudeln, Bier, Malzprodukte, diverse Süßigkeiten und Müsli.

Um das Leben von Menschen mit Glutenunverträglichkeit zu erleichtern, muss der Hersteller inzwischen angeben, ob sein Produkt Gluten enthält. Als Ersatz für glutenhaltige Nahrungsmittel kommen Buchweizen, Amarant, Quinoa, Hirse, Sesam, Nüsse, Reis, Mais, Kartoffeln, Obst, Gemüse, Soja, Teff und Kastanie in Frage. Auch Fleisch, Fisch, Eier, Milch und Milchprodukte enthalten normalerweise keinen Gluten.

Auf Milch und Milchprodukte sollte nach der Diagnose verzichtet werden, wenn die Verdauung von Milchzucker (Lactose) beeinträchtigt ist. Das ist häufig der Fall, wenn durch die Glutenunverträglichkeit die Dünndarmschleimhaut stark geschädigt wurde.

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Vorbeugung von Glutenunverträglichkeit

Eine Vorbeugung gegen eine Glutenunverträglichkeit ist nur durch eine entsprechende Ernährung und durch die Vermeidung von Faktoren, die die Glutenunverträglichkeit begünstigen, möglich. Dazu gilt es Stress zu vermeiden, wenig Alkohol zu trinken und sich glutenarm oder sogar glutenfrei zu ernähren. Da die Krankheit nicht ursächlich, sondern nur symptomatisch behandelt werden kann, sollten Menschen, in deren Familie die Glutenunverträglichkeit bereits aufgetreten ist, besonders auf ihre Ernährung achten.

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Kommentare und Erfahrungen von anderen Besuchern

Annamonia kommentierte am 23.04.2015 um 12:57 Uhr

Die meisten Ärzte setzen Zölliakie und Glutenunverträglichkeit gleich. Es ist aber etwas Anderes, was noch kaum erforscht ist.