Glutenallergie

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 23. Dezember 2014
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Wer eine Glutenallergie hat, muss auf vieles verzichten: Gluten ist ein Getreideeiweiß und in einem sehr großen Anteil an Lebensmitteln enthalten. Die Vorgänge im Körper bei einer Glutenunverträglichkeit sind gut erforscht. Strittig ist, ob es sich dabei um eine Zivilisationskrankheit handelt oder ob es schon immer Menschen gab, die Gluten nicht vertragen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Glutenallergie?

Mediziner nennen die Glutenallergie Zöliakie oder bei Erwachsenen auch Sprue. Dabei handelt es sich um keine Nahrungsmittelallergie im klassischen Sinne. Genau genommen ist Zöliakie eine Autoimmunerkrankung.

Der Körper bildet Antikörper sowohl gegen Gluten als auch gegen körpereigenes Gewebe. So wird die Schleimhaut des Dünndarms zerstört. Bei Glutenallergie kann der Dünndarm seine Arbeit nicht ordnungsgemäß verrichten und es kommt zu einem Nährstoffmangel. Gluten ist unter anderem in Weizen, Roggen, Gerste, Dinkel und Hafer enthalten.

Ursachen von Glutenallergie

Bei einer Glutenallergie ist ein körpereigener Mechanismus gestört. Denn bei einem gesunden Menschen wird die Oberfläche des etwa fünf bis sechs Meter langen Dünndarms durch Gewebefalten, die Zotten, vergrößert. Über diese große Fläche soll sichergestellt werden, dass der Dünndarm möglichst alle Nährstoffe aus der Nahrung aufnehmen und sie dem Körper zur Verfügung stellen kann. Bei einer Glutenallergie ist dieser Vorgang gestört.

Die Darmzotten bilden sich mit der Zeit sogar vollständig zurück. Die Gewebefläche zur Aufnahme und Weiterverarbeitung von Nährstoffen ist damit deutlich verringert. Der Nahrungsbrei wird weitgehend unverdaut weiter Richtung Dickdarm geschoben und schließlich ausgeschieden. Die meisten Patienten mit einer Glutenunverträglichkeit sind genetisch prädisponiert. Das bedeutet, dass Menschen mit bestimmten Merkmalen im Erbmaterial eine dreifach erhöhte Wahrscheinlichkeit haben, an der Glutenallergie zu erkranken. Das erklärt, warum die Glutenunverträglichkeit in manchen Familien gehäuft vorkommt. Liegt die genetische Veränderung nicht vor, so kann der Mensch nicht an Zöliakie erkranken.

Die genetische Veranlagung ist aber nicht der alleinige Verursacher des Krankheitsbilds. Wer die Zöliakie-bedingende Veränderung im Erbmaterial hat, wird nicht unbedingt an einer Glutenunverträglichkeit leiden. Zu den möglichen Auslösern für die Krankheit zählen eine Pilzinfektion, Stress und hoher Alkoholkonsum. Häufig tritt die Glutenallergie zusammen mit anderen Krankheiten auf, dazu zählen Diabetes mellitus, Lebererkrankungen, Down-Syndrom, bestimmte Herzerkrankungen und noch einige mehr.

Symptome und Verlauf von Glutenallergie

Typische Symptome einer Glutenallergie:

Der Patient mit Glutenallergie hat zunächst meist unspezifische Magen-Darm-Beschwerden. Dazu zählen oft Durchfall, Verstopfung, Blähungen, Gewichtsverlust, Übelkeit, Bauchschmerzen, Darmkrämpfe oder Erbrechen. Mit der Zeit zeigen sich deutliche Mangelsymptome. Typisch sind Eisenmangel mit und ohne Blutarmut sowie Kalzium- und Vitamin-D-Mangel. Unbehandelt führt die Zöliakie zu einer Schwächung des gesamten Organismus mit erhöhter Infektanfälligkeit, schließlich geradewegs zur Auszehrung des Körpers.

Eine Zöliakie kann sich deshalb auch in ganz verschiedenen Krankheitsbildern zeigen, zum Beispiel Knochen- und Muskelschmerzen, Kraft- und Antriebslosigkeit, Arthritis, Wassereinlagerungen, Hautausschlag, Depressionen und Angststörungen, Kopfschmerzen, Epilepsie und Demenz. Bei Kindern führt Zöliakie zu allgemeinen Entwicklungsverzögerungen. Ist die Glutenallergie einmal ausgebrochen, ist sie nicht mehr heilbar.

Diagnose von Glutenallergie

Erste Hinweise zur Diagnose von einer Glutenallergie liefern die im Arztgespräch geschilderten Symptome. Die Vermutung auf Glutenallergie kann mittels eines Bluttests überprüft werden. Sicherheit über die Diagnose liefert eine Dünndarmbiopsie. Das bedeutet, dass ein wenig Körpermaterial aus dem Dünndarm entnommen und untersucht wird.

Die Dünndarmbiopsie wird im Rahmen einer Endoskopie durchgeführt. Üblicherweise erhält der Patient eine leichte Narkose. Das Verfahren ist komplikationsarm und schmerzfrei. Wichtig für die Diagnose einer Glutenallergie ist, dass sämtliche Untersuchungen angestellt werden, bevor der Patient seine Ernährung auf glutenfreie Lebensmittel umstellt. Ansonsten würden die Ergebnisse verfälscht.

Behandlung von Glutenallergie

Die einzige wirksame Behandlungsmöglichkeit gegen die Beschwerden, die eine Glutenallergie mit sich bringt, ist der strenge und lebenslange Verzicht auf Nahrungsmittel, die Gluten enthalten. Die Diät sollte ohne Sünden eingehalten werden. Die negativen Folgen einer Glutenaufnahme bei Glutenunverträglichkeit zeigen sich teilweise erst Monate oder gar Jahre später. Wenn die Diät erst dann wieder streng aufrechterhalten wird, kann es bereits zu schweren Schädigungen der Darmschleimhaut gekommen sein.

Der Verzicht auf glutenhaltige Lebensmittel sollte auch aus dem Grund genau eingehalten werden, dass das Darmkrebsrisiko bei Glutenunverträglichkeit um den Faktor 10 erhöht ist. Diese strenge Diät einzuhalten ist schwer. Positiv daran ist jedoch, dass in der Regel keine Medikamente eingenommen werden müssen. Allein durch den Verzicht auf Gluten bilden sich die meisten Begleiterscheinungen der Zöliakie innerhalb weniger Wochen oder mehrerer Monate zurück. Durchfälle, Blähungen und Untergewicht regulieren sich meist recht schnell. Am längsten dauert die Regeneration der Darmschleimhaut.

Die Diät schließt Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Dinkel und Grünkern aus. Verwandte Getreidearten und Urkornarten wie Einkorn und Khorasan-Weizen müssen ebenfalls gemieden werden. Produkte, die diese Getreidearten enthalten und aus der Ernährung gestrichen werden müssen, sind Mehl, Grieß, Graupen, Stärke, Müsli-Flocken, Paniermehl, Teigwaren, Brot und Brötchen, panierte Lebensmittel, Pizza, Knödel. Auch Leckereien wie Kuchen, Torten, süße Stückchen, Kekse, Müsliriegel, Eiswaffeln und Salzstanden fallen unter das Verbot. Im Netz und in einschlägiger Literatur finden sich zahlreiche Rezepte für eine abwechslungsreiche und schmackhafte Ernährung ohne Gluten. Einige Hersteller haben sich auf die Produktion glutenfreier Nahrungsmittel eigens für Patienten mit Glutenallergie spezialisiert.

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Vorbeugung von Glutenallergie

Bei der Entwicklung einer Glutenallergie scheint die frühkindliche Ernährung eine wichtige Rolle zu spielen. Als positiv für die Vermeidung einer Glutenallergie gilt Stillen während der ersten Lebensmonate. Es herrscht keine Klarheit darüber, wann der beste Zeitpunkt für die Einführung glutenhaltiger Lebensmittel in die Säuglingsernährung ist.

Bisher galt, dass vor Vollendung des sechsten Lebensmonats auf glutenhaltige Lebensmittel in der Säuglingsernährung verzichtet werden sollte. In neueren Studien wurde festgestellt, dass Gluten möglichst während der Stillphase Eingang in den Speiseplan finden sollte. Da die meisten Mütter vor Ende des sechsten Monats abstillen, wäre in Familien mit Disposition zur Glutenallergie dann der beste Zeitpunkt für die Einführung von Gluten mit etwa vier bis sechs Monaten.

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