Gleichgewichtsstörungen beim Kind

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 25. Juli 2017
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Gleichgewichtsstörungen beim Kind kommen, genau wie bei Erwachsenen, häufig vor. Migräne-assozierte Schwindelformen sind bei etwa der Hälfte der Diagnosen die Ursachen, doch viele weitere Auslöser kommen infrage.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Gleichgewichtsstörungen beim Kind?

Bei Gleichgewichtsstörungen scheint sich alles zu drehen. Der Gleichgewichtssinn, welcher der Körperhaltung sowie der räumlichen Orientierung dient, ist beeinträchtigt. Das Gefühl ist mitunter sehr unangenehm und geht mit einer starken Unsicherheit einher. Zum Glück geht der Schwindel meist sehr schnell wieder vorbei. Ist die Gleichgewichtsstörung jedoch krankhaft bedingt, kann sie länger anhalten oder häufig wiederkehren. Dies ist gefährlich, da aus einem schwindelbedingten Sturz Verletzungen resultieren können.

Ursachen

Gleichgewichtsstörungen beim Kind können verschiedene Ursachen haben. Eine Erkrankung des Gleichgewichtsorgans ist ein direkter Auslöser. Wenn dieses Organ betroffen ist, treten ein vestibulärer Schwindel und häufig zusätzlich eine Übelkeit auf. Die Gründe können Tumore oder Nervenentzündungen im Innenohr sein. Zu weiteren Ursachen gehören Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie ein zu hoher oder zu niedriger Blutdruck, Durchblutungsstörungen, Kopfverletzungen, ein beeinträchtigtes Sehvermögen bis hin zu Hirnschäden.

Zu den bekannten Auslösern von Gleichgewichtsstörungen gehört die Reisekrankheit. Das Gehirn kann aufgrund des ständigen Wechsels nicht mehr ausreichend reagieren. Des Weiteren können eine zu geringe Flüssigkeits- oder Nahrungszufuhr, ein Sonnenstich oder Hitzschlag, Mangel an Sauerstoff oder psychische Probleme Gleichgewichtsstörungen verursachen.

Krankheiten

Wann zum Arzt?

Gleichgewichtsstörungen beim Kind sollten dem Kinderarzt vorgestellt werden, wenn Eltern über Tage hinweg eine Problematik mit dem Gleichgewicht beobachten, die nicht im Zusammenhang mit den ersten unsicheren Schritten eines Laufanfängers steht.

Gleichgewichtsstörungen, die unerwartet und unerklärlich auftreten und auch über Tage anhalten, deuten auf eine neurologische Problematik hin. Entsprechend dringlich ist ein zeitnaher Besuch beim Kinderarzt. Hier muss nach einer Anamnese abgeklärt werden, ob weitere Untersuchungen durch einen Neuropädiater notwendig sind. Eventuell ist auch ein bildgebendes Verfahren sinnvoll. In seltenen Fällen kann hinter neu aufgetretenen Gleichgewichtsstörungen beim Kind auch eine Raumforderung im Bereich des Gehirns stecken. Je früher hier eine Diagnose erfolgt, umso besser stehen die Chancen auf eine vollständige Genesung.

Umgehend zum Kinderarzt oder zu einer Klinik mit Kinderheilkunde sollten Eltern sich begeben, wenn zusätzlich zu unerklärlichen Gleichgewichtsstörungen auch andere neurologische Symptome auftreten und sich rasch verstärken. Hierzu zählen beispielsweise Sehstörungen, eine plötzliche Ungeschicklichkeit in der Feinmotorik, aber auch Benommenheit, Verwirrung bis hin zur Apathie. Solche Symptome können in seltenen Fällen auch beim Kind auf einen Hirninfarkt oder eine Epilepsie hindeuten. Diese Krankheitsbilder sind medizinische Notfälle, die umgehend ärztlich untersucht werden müssen, um Folgeschäden für das Kind zu vermeiden.

Diagnose und Verlauf

Gleichgewichtsstörungen beim Kind werden aufgrund der vielfältigen Ursachen sehr sorgfältig diagnostiziert. Zunächst muss die Art des Schwindelgefühls genau identifiziert werden. Hier spielt eine Rolle, ob es sich um einen Ruheschwindel handelt oder die Symptome durch die Lagerung des Kopfes ausgelöst werden. Ebenfalls entscheidend sind, ob Medikamente eingenommen werden oder Erkrankungen vorliegen, die den Gleichgewichtssinn eventuell beeinträchtigen, beispielsweise Ohrenschmerzen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder eine Übelkeit.

Dies kann in Bezug auf die Ursache aufschlussreich sein. Die Überprüfung des Gleichgewichts ist eine typische Diagnosemethode. Hierfür versucht das Kind beispielsweise, mit geschlossenen Augen zu gehen oder auf einem Bein zu stehen. Zu den Medizinern, welche die Ursache ermitteln können, gehören der HNO-Arzt, Augenarzt, Kardiologe, Radiologe und Orthopäde.

Veränderungen im Gehirn können mit bildgebenden Verfahren untersucht werden. Bei einer unklaren Ursache der Gleichgewichtsstörungen zählt auch die psychologische Diagnose dazu. Weitere Untersuchungen sind, je nach vermuteter Ursache, Hörtests, Blutuntersuchungen, EEG (Elektroenzephalographie, EMG (Elektromyographie), ENG (Elektroneurographie), CT (Computertomographie), MRT (Kernspintomographie) und die Hirnwasseruntersuchung. Die Suche nach der Ursache für die Gleichgewichtsstörungen beim Kind kann zeitaufwendig und belastend werden.

Kinder, die unter Gleichgewichtsstörungen leiden, haben Probleme, das Gleichgewicht zu halten, da der Gleichgewichtssinn beeinträchtigt ist. Dies fühlt sich für den Betroffenen so an, als würde sich die Umgebung drehen oder der Boden unter den Füßen schwinden. Gleichgewichtsstörungen äußern sich insbesondere durch Schwindelgefühle, die oftmals von einem Schwarzsehen, einer Übelkeit, einem Erbrechen, Unwohlsein, Schweißausbrüchen und Sehstörungen begleitet werden.

In diesem Moment ist es nicht möglich, auf einem Bein zu stehen. Bei einem stark ausgeprägten Schwindel kann das Gleichgewicht gar nicht mehr gehalten werden, was zu einem Sturz und oftmals auch zu Verletzungen führen kann. Bei Erkrankungen des Innenohres kommen meist noch Ohrenschmerzen und -Geräusche sowie Hörstörungen hinzu. Die häufigsten Gleichgewichtsstörungen beim Kind können erfolgreich behandelt werden und haben einen gutartigen Verlauf.

Komplikationen

Gleichgewichtsstörungen beim Kind haben die unterschiedlichsten Ursachen. Diese haben ebenfalls unterschiedlichste Komplikationen. Häufig sind beim Kind eine Entzündung des Mittelohrs (Otitis media) Ursache für die Gleichgewichtsstörungen. Als häufigste Komplikation entsteht dabei eine Entzündung des Warzenfortsatzes (Mastoiditis) hinter dem Ohr, welcher stark eitern und anschwellen kann. In einigen Fällen kann dies auch auf den Knochen übergreifen.

Weitere Komplikation kann eine einseitige Gesichtslähmung sein, da in der Nähe des Mittelohrs der Hirnnerv verläuft, der für die mimische Muskulatur zuständig ist. Neben Gleichgewichtsstörungen kommen noch meist Übelkeit und Erbrechen hinzu, sowie eine Beeinträchtigung des Hörvermögens, da das Hörorgan nahe am Gleichgewichtsorgan liegt. Im schlimmsten Falle kann die Entzündung auf das Gehirn und die Hirnhäute übergehen (Enzephalitis und Meningitis). Das betroffene Kind leidet dabei unter Nackensteifigkeit, Übelkeit, Fieber, Kopfschmerzen und Lähmungen.

Eine Entzündung des äußeren Ohrs (Otitis externa) kann ähnliche Komplikationen mit sich ziehen. Zusätzlich kann auch das Trommelfell betroffen sein, welches einreißen kann und das Hörvermögen dazu beeinträchtigen kann. Auch ein hoher bzw. niedriger Blutdruck kann Gleichgewichtsstörungen verursachen. Während ein zu niedriger Blutdruck (Hypotonie) eher keine Komplikationen hat, kann ein zu hoher Blutdruck (Hypertonie) das Risiko erhöhen, im Erwachsenenalter an Atherosklerose zu erkranken und damit auch die Wahrscheinlichkeit eines Herzinfarktes erhöhen.

Behandlung und Therapie

Genauso vielfältig wie die Ursachen sind, verhält es sich ebenso mit den Behandlungsmöglichkeiten. Die Therapie richtet sich bei den Gleichgewichtsstörungen nach der Erkrankung, die der Auslöser ist. Zunächst einmal ist abzuklären, seit wann und wie oft sich die Gleichgewichtsstörungen beim Kind zeigen. Ebenfalls ausschlaggebend ist, ob diese im Ruhezustand oder auch in Bewegung auftreten oder ob Medikamente als Ursache infrage kommen.

Bei einer Untersuchung durch einen Arzt werden Beweglichkeit, Reflexe und Gefühlsempfindungen überprüft. Anhand der gewonnenen Erkenntnisse und der ermittelten Diagnose kann die Behandlung eingeleitet werden. Diese erfolgt häufig medikamentös, beispielsweise bei einem zu niedrigen oder zu hohen Blutdruck. Alle Gleichgewichtsstörungen sollten durch einen Mediziner abgeklärt werden, um die Ursache bereits im Frühstadium zu diagnostizieren und bleibende Schäden zu verhindern.



Aussicht und Prognose

Die Gleichgewichtsstörungen beim Kind können auf viele verschiedene Krankheiten hindeuten. Aus diesem Grund ist eine allgemeine Voraussage in diesem Falle nicht möglich und leider auch nicht sinnvoll. Sollten die Gleichgewichtsstörungen beim Kind vor allem beim Reisen auftreten, so sind diese harmlos und müssen auch nicht behandelt werden. Eventuell können diese Beschwerden dann während der Reise mit Hilfe von Medikamenten eingeschränkt werden. Allerdings können Gleichgewichtsstörungen beim Kind auch durch einen zu hohen oder zu niedrigen Blutdruck entstehen und müssen daher von einem Arzt untersucht werden. Auch andere Erkrankungen des Herzens oder des Kreislaufes können diese Beschwerden verursachen und müssen behandelt werden.

Eine Selbstheilung stellt sich in der Regel nicht ein. Weiterhin kann es durch die Gleichgewichtsstörungen beim Kind auch zu Verwirrungen oder zu epileptischen Anfällen kommen. Nicht selten leiden die Kinder aufgrund der Störungen auch an Hänseleien oder an Mobbing. Unbehandelt können die Gleichgewichtsstörungen beim Kind daher auch zu Komplikationen oder zu Folgeschäden im Erwachsenenalter führen. Eventuell wird dadurch auch die Lebenserwartung des Betroffenen verringert. In der Regel können die Beschwerden durch eine frühzeitige Behandlung eingeschränkt werden.

Vorbeugung

Die Vorbeugung besteht in regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen, bei denen der altersgerechte Zustand der Augen und Ohren des Kindes kontrolliert wird, um mögliche Beschwerden oder Erkrankungen frühzeitig zu erkennen. Da auch Herz-Kreislauferkrankungen oftmals die Ursache für Gleichgewichtsstörungen sind, sollte auf einen gesunden Lebenswandel mit einer ausgewogenen Ernährung und ausreichenden Bewegung als Vorbeugungsmaßnahme geachtet werden. Zudem gilt es, psychische Belastungen (Stress) zu vermindern. Auch ein Flüssigkeitsmangel (Dehydration) kann zu Gleichgewichtsstörungen führen. Daher ist es sehr wichtig, dass jeden Tag zwei bis drei Liter getrunken werden. Dies gilt für Kinder und Erwachsene gleichermaßen.

Bücher über Gleichgewichtsstörungen

Quellen

  • Deutsche Gesellschaft für pädiatrische Infektiologie: DGPI Handbuch: Infektionen bei Kindern und Jugendlichen, 6. Auflage, Georg Thieme Verlag, 2013
  • Schellenberg, I. et al.: Kinderkrankheiten von A-Z: Wo Naturheilverfahren wirken - wann Schulmedizin nötig ist, 2. Auflage, TRIAS, 2012
  • Stauber, M., Weyerstahl, T.: Duale Reihe Gynäkologie und Geburtshilfe. Thieme, Stuttgart 2013
  • Herold, G: Innere Medizin. Eigenverlag, Köln 2014
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013

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