Gleichgewichtsorgan

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 28. November 2016
Gesundpedia.deAnatomie Gleichgewichtsorgan

Ein häufig unbeachteter Sinn ist unsere Wahrnehmung für Gleichgewicht, dessen Wichtigkeit wir uns bestens noch beim Balancieren auf einem Balken bewusst sind. Im Folgenden soll erläutert werden, welchem Organ dieser Sinn entspringt, wie dieses Gleichgewichtsorgan aufgebaut ist und funktioniert, und was die mögliche Ursache einer Gleichgewichtsstörung sein kann.

Inhaltsverzeichnis

Definition

Das Gleichgewichtsorgan - auch als Vestibularapparat bezeichnet - ist ein Sinnesorgan im Innenohrbereich des Menschen. Es registriert Beschleunigungen und Drehungen in allen drei Dimensionen des Raumes und ist essentiell für die Balance im Stand als auch in der körperlichen Bewegung.

Man dürfte annehmen, dass sich das Gleichgewichtsorgan bei unseren auf den Bäumen lebenden Vorfahren entwickelt hat, weil ein Sturz vom Ast fatal sein konnte. Interessanterweise wissen wir aber heute, dass das Gleichgewichtsorgan bereits bei den frühesten Wirbeltieren vorhanden war, lange bevor es die Hörwahrnehmung gab.

Anatomie

Der Vestibularapparat ist ein Meisterwerk der Evolution, weil er sich genau so entwickelt hat, dass er Bewegungen in allen drei Raumdimension, also oben-unten, recht-links, vorne-hinten, erfassen kann. Von außen sieht das Organ aus wie ein Knoten mit drei Schleifen. Jede dieser "Schleifen" ist dabei ein Bogengang (Ductus semicirculares), der schlauchähnlich innen hohl und mit einer Flüssigkeit (Endolymphe) gefüllt ist.

Diese drei Bogengänge stehen in einem 90°-Winkel zueinander, um den drei Raumdimensionen optimal zu entsprechen. Jeder dieser hohlen Bogengänge wird von einer Sinnesleiste unterbrochen, und auf diesen Leisten sind die Sinneszellen (Cristae ampullares), die in Form von Härchen in den Gang hineinragen.

Ferner befinden sich an dem Gleichgewichtsorgan zwei Vorhofsäckchen, das große Säckchen (Utriculus) und das kleine (Sacculus). Deren Aufgabe ist es, nicht Drehungen sondern Beschleunigung (nicht zu verwechseln mit konstanter Geschwindigkeit!) zu erfassen.

Funktion

Aufgabe des Vestibularapparates ist die Erfassung von jeglichen Änderungen der eigenen Körperposition, indem er Drehungen und Beschleunigungen erfasst, sie in Signale umwandelt und diese ins Gehirn weiterleitet. Für Drehbewegungen sind die Bogengänge zuständig.

Wenn sich mindestens der Kopf des Menschen in eine Richtung schnell genug dreht, bewegt sich die in den Bögen befindliche Endolymphflüssigkeit relativ zu den fest fixierten Sinneszellen. Durch den Druck werden die Härchen gebogen, die Rezeptoren darunter werden stimuliert und senden einen Impuls an das Kleinhirn weiter.

Auch die Wahrnehmung von Geschwindigkeit in den Vorhofsäckchen vollzieht sich im Grunde genauso: Im Inneren der Säckchen ragen Härchen der Sinneszellen in eine Gallertmasse hinein, die die Innenwand bedeckt und mit Kalkkristallen (Otolithen) versetzt ist. Bei Beschleunigung verformt sich die Gallertmasse und biegt die Härchen, und es kommt ebenfalls zu einem Impuls, der an das Gehirn weitergeleitet wird.



Erkrankungen des Gleichgewichtsorgans

Eine häufige Beschwerde in Zusammenhang mit dem Gleichgewichtsorgan ist der gutartige Lagerungsschwindel, bei dem ein paar Sekunden nach einer Drehung ein starkes Schwindelgefühl einsetzt. Dieser Schwindel ist unverhältnismäßig stark, kann schlimmstenfalls zu Erbrechen führen, klingt aber meist nach 30 Sekunden wieder ab.

Ursache hierfür ist eine Fehllagerung der Kalkkristalle in den hinteren Bogengang hinein, wo sie nicht hingehören. Das kann durch Kopfverletzungen entstehen. Die Kristalle biegen bei Drehungen mit ihrer Masse die Sinneshärchen zusätzlich und erzeugen so die Illusion einer sehr schnellen Drehung. Leider beschränken sich viele weitere Ursachen von Schwindel nicht auf die Bogengänge, sondern wirken außerhalb davon ein.

Nervenfehlfunktionen oder Durchblutungsstörungen können ein Grund für fehlerhaftes Weiterleiten von Signalen aus dem Innenohr sein. Und diese wiederum können von allen möglichen Krankheiten verursacht worden sein, zum Beispiel durch Migräne, Blutdruckabfall oder Innenohrentzündungen. Auf jeden Fall sollte bei bleibenden Beschwerden ein Hals-Nasen-Ohren-Arzt (HNO) konsultiert werden.

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