Taubheit (Gehörlosigkeit)

Medizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 15. November 2021
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Bei ungefähr 98% der Menschen, die an Taubheit (Gehörlosigkeit) leiden, gibt es noch ein Restgehör. Das Gehör ist Teil der menschlichen Sinnesorgane. Ist es auf beiden Seiten im Kindesalter bereits derart beschädigt, dass die Wahrnehmung von Lauten und Geräuschen nicht mehr möglich ist, lässt sich die Muttersprache nicht erwerben.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Taubheit (Gehörlosigkeit)?

Taubheit (Gehörlosigkeit) kann nicht mit Schwerhörigkeit gleichgesetzt werden. Stattdessen handelt es sich um den Verlust des gesamten Hörvermögens. Hinter der Erscheinung können verschiedene Ursachen stecken. Insbesondere bei einer Ertaubung im weiteren Lebensverlauf kann es zunächst zu Problemen im Alltag kommen.

Taubheit kann angeboren sein oder zu einem späteren Zeitpunkt entstehen. Der Zustand macht sich entweder nur auf einem Ohr bemerkbar, oder er betrifft beide. Welche Behandlungsmöglichkeiten in Frage kommen und wie die Prognose aussieht, hängt vor allem vom Zeitpunkt der Diagnose sowie der einsetzenden Therapie ab. Somit sollten bestehende Beschwerden möglichst frühzeitig durch einen Arzt kontrolliert werden. Betroffene Kinder leiden vor allem bei einem sehr frühen Einsetzen der Taubheit unter Entwicklungsstörungen.

Ursachen

Taubheit hat viele Ursachen. Diese betreffen entweder das Ohr an sich oder die Leitbahnen zwischen Neuronen und Gehirn. Die Leitbahnen senden die aufgenommenen Reize aus Gehirn. Hier werden sie so verarbeitet, dass der Mensch unterschiedliche Geräusche erkennt. Weiterhin lässt sich das Auftreten von kombinierten Ursachen nicht ausschließen. So kommt bei einer erworbenen Taubheit zum Beispiel eine Schallleitungsstörung in Frage.

Bei dieser werden ausstrahlende Schälle nicht adäquat durch das Mittelohr auf das Innenohr weitergeleitet. Eine solche Erscheinung kann dann auftreten, wenn das Gehörknöchelchen durch eine Verletzung in seiner Funktion eingeschränkt wird. Dabei ist eine Schallleitungsstörungen nie die alleinige Ursache für Taubheit, sie tritt mit mindestens einer weiteren Komplikation auf.

Eine Schallempfindungsstörung betrifft die Registrierung und Weiterleitung von Tönen. So werden die Reize in den meisten Fällen nicht wahrgenommen. Angeborene Taubheit hat ihre Wurzeln zum Beispiel in der Genetik. Bestimmte Erkrankungen gehen mit einer Verformung von Innenohr oder Gehirn einher. Sauerstoffmangel, Röteln und Infektionen stellen weitere potentielle Auslöser dar.

Symptome und Verlauf

Die auftretenden Symptome bei Taubheit stehen in einer engen Verbindung zum Verlust des Gehörs. So werden sämtliche Geräusche und Töne nicht mehr wahrgenommen. Dementsprechend können Menschen auf diese nicht reagieren, was zum Beispiel eine Unterhaltung über den Sprachgebrauch unmöglich macht. Ein solcher Zustand kann den Alltag erschweren und einen psychischen Druck auf die Betroffenen ausüben.

Zum einen werden die Pflege und der Ausbau von sozialen Kontakten stark eingeschränkt, zum anderen kann oft auch nicht mehr auf gewohnte Weise am Berufsleben partizipiert werden. Bei einer angeborenen Taubheit treten manchmal weitere Beschwerden auf, die sich in Störungen von anderen Organen äußern. Eine früh erworbene Taubheit führt dazu, dass die eigene Muttersprache gar nicht oder nur teilhaft erlernt werden kann.

Eine einseitige Taubheit resultiert in der Regel in weniger gesellschaftlichen Beschwerden. Die Prognose hängt vom Zeitpunkt der Diagnose ab. So kann eine frühzeitige Erkennung zum Beispiel eine Innenohrprothese ermöglichen, die das Hörvermögen eventuell wiederherstellt. Weiterhin ist dem Gehör von Kindern eine größere Aufmerksamkeit zu schenken. Je früher Taubheit einsetzt, desto stärker können die Folgen sein. Generell sind die meisten Erkrankungen und Zustände, die in Gehörlosigkeit resultieren, nicht heilbar.

Diagnose

Die Diagnose folgt beim HNO-Arzt. Bei Kindern können die Eltern meistens bereits zuverlässig erkennen, ob das Hörvermögen eingeschränkt ist. Während des Arztbesuches erfolgt zunächst ein Gespräch, in dem alle Auffälligkeiten und die Dauer der Beschwerden erläutre werden sollten. Anzeichen bei Kindern stellen verschiedene Faktoren dar, wie das häufige Nachfragen, eine nicht altersgerechte Sprachentwicklung oder fehlende Reaktion auf Rufe.

Die physische Untersuchung umfasst verschiedene Tests. Zu diesen gehört zunächst eine Ohrspiegelung. Auf diese Weise lassen sich physische Störungen offenbaren. Der Test nach Weber erfolgt mit einer Schallgabel. Hier soll getestet werden, ob das Gehör auf einem Ohr besser ist als auf dem anderen. Bei der Sprachaudiometrie soll der Patient bestimmte Wörter eigenständig wiederholen.

Behandlung und Therapie

Die Behandlung hängt zum einen von der zugrunde liegenden Ursache ab, zum anderen vom Ausmaß der bestehenden Gehörlosigkeit. Besteht eine sehr starke Schwerhörigkeit, so kann auf Hörgeräte ausgewichen werden. Bei einer eintretenden Taubheit ist eine solche Methode leider nicht mehr wirksam. Unter Umständen eignet sich ein Cochlea-Implantat zur Verbesserung des Hörens. Dieses lässt sich jedoch nicht mit dem Gehör eines gesunden Menschenverstand vergleichen.

Der einseitige Verlust des Hörvermögens erlaubt normalerweise eine angemessene Sprachentwicklung bei Kindern. Dennoch ist eine Behandlung auch in solchen Fällen wichtig. So ist zum Beispiel die räumliche Einordnung der Töne häufig stark gestört. Gleichzeitig kann es zu unangenehmen Nebengeräuschen kommen. Die Implantation ermöglicht eine Verbesserung des Zustandes. Dabei kann die Operation nur zwischen dem zweiten und achten Lebensjahr erfolgen, wenn das Kind von Geburt an taub ist. Eine frühere Operation ist gesundheitlich riskant, eine spätere nicht mehr wirkungsvoll.

Dabei muss die Sprachfähigkeit des Kindes für bessere Resultate durchgehend geschult werden. Bei Erwachsenen ist ein positives Ergebnis dann wahrscheinlich, wenn sie vor dem chirurgischen Eingriff bereits sprechen konnten. Kommt es vor dem Erwerb der Muttersprache zum Verlust des Hörens, hilft die Gebärdensprache zur Kommunikation.


Vorbeugung

Gehörlosigkeit lässt sich nur bedingt vorbeugen. schwangere Frauen sollten auf Alkohol, Nikotin und Medikamente verzichten, die zur Taubheit des ungebornen Kindes führen können. Weiterhin hilft eine Impfung zur Vermeidung von Röteln und anderen Infektionskrankheiten.

Dieser Artikel wurde unter Maßgabe der aktuellen medizinischen Fachliteratur und fundierter wissenschaftlicher Quellen verfasst.
Qualitätssicherung durch: Dr. med. Nonnenmacher
Letzte Aktualisierung am: 15. November 2021

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