Gefühlsstörungen in den Beinen

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 1. November 2016
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Gefühlsstörungen in den Beinen können im Rahmen verschiedener neurologischer, orthopädischer oder internistischer Erkrankungen auftreten. Sie sind ein wichtiges Symptom zur Diagnose ernsthafter Krankheiten. Bandscheibenvorfälle und Hirnblutungen sind gefährliche Erkrankungen, die unter anderem Gefühlsstörungen der Beine verursachen können. Bei Vorliegen des Symptoms sollte unverzüglich ein Arzt aufgesucht werden.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Gefühlsstörungen in den Beinen?

Gefühlsstörungen werden auch als Parästhesie bezeichnet. Unter Gefühlsstörungen der Beine werden Missempfindungen, Taubheitsgefühl oder Kribbelgefühl verstanden. Die Symptome werden von Patienten als fehlende Berührungsempfindlichkeit beschrieben. Ein Gefühl als würden Ameisen über das Bein laufen und Schmerzen werden ebenfalls genannt.

Diese Symptome können an einem oder beiden Beinen auftreten. Das Bein kann komplett oder teilweise von den Gefühlsstörungen betroffen sein. Ein isoliertes Auftreten von Parästhesien an den Füßen ist ebenfalls möglich. Die betroffenen Gebiete können Rückschlüsse auf die Ursache der Beschwerden zulassen. Der Ort des Auftretens der Gefühlsstörungen kann auch einen Hinweis auf die Lokalisation der Ursache geben.

Bestimmte Bereiche der Beine sind jeweils Abschnitten der Wirbelsäule zugeordnet. Der Ort einer eventuellen Schädigung im Bereich der Wirbelsäule lässt sich so anhand der Gefühlsstörungen eingrenzen.

Ursachen

Ursache für die Entstehung von Gefühlsstörungen der Beine können verschiedene Erkrankungen des Nervensystems sein. Orthopädische und internistische Ursachen sind ebenfalls möglich. Häufig entstehen Parästhesien der Beine durch einen Bandscheibenvorfall in Höhe der Lendenwirbelsäule. Die Bandscheibe drückt auf das Rückenmark. Dadurch werden die Nervenstrukturen die zum Bein ziehen gereizt. In seltenen Fällen kann das Rückenmark durch einen Tumor geschädigt werden und so die Symptome verursachen.

Ein Grund für das Auftreten von Empfindungsstörungen der Beine kann außerdem im Bereich des Gehirns liegen. Hirnblutungen oder Tumore können Hirnstrukturen schädigen und somit Ausfallerscheinungen im Bereich der Beine verursachen. Missempfindungen der Beine können im Rahmen des Guillain-Barré-Syndroms auftreten. Es handelt sich um eine entzündliche Erkrankung des Nervensystems.

Die durch Zecken übertragene Borreliose kann neben anderen Symptomen ebenfalls Gefühlsstörungen der Beine verursachen. Als internistische Ursache für Parästhesien der unteren Extremität kommt Magnesiummangel infrage. Gefühlsstörungen der Beine können außerdem als Folge der Alkoholkrankheit im Rahmen des Wernicke-Korsakow-Syndroms auftreten. Missempfindungen der Beine können im Zusammenhang mit verschiedenen psychiatrischen Erkrankungen vorkommen.

Krankheiten

Diagnose und Verlauf

Beim Auftreten von Gefühlsstörungen im Bereich der Beine muss unverzüglich ein Arzt aufgesucht werden. Nur durch eine gründliche ärztliche Untersuchung können gefährliche Ursachen der Beschwerden gefunden und behandelt werden. Bei der Erhebung der Anamnese werden neben der genauen Beschreibung der Beschwerden eventuelle Vorerkrankungen, vergangene Operationen und die aktuelle Einnahme von Medikamente erfragt.

Fragen nach einem Zeckenbiss in der Vergangenheit sowie nach Alkoholkonsum gehören ebenfalls dazu. Die gründliche körperliche Untersuchung gibt Hinweise auf die Ursache der Symptomatik. Dabei werden die Lokalisation und die Art der Gefühlsstörungen genau bestimmt. Bei der neurologischen Untersuchung werden eventuelle Kraftminderungen und die Reflexe der Beine bestimmt. Hinweise auf zentralnervöse Ursachen der Beschwerden gibt die Erfassung der Reflexe des ganzen Körpers.

Durch eine Blutuntersuchung können Hinweise auf das Vorliegen einer Gerinnungsstörung oder einer Borreliose gefunden werden. Ergibt sich aus der körperlichen Untersuchung der Verdacht auf das Vorliegen eines Bandscheibenvorfalls, einer Hirnblutung oder eines Tumors, muss unverzüglich eine bildgebende Untersuchung erfolgen. Durch die Computertomographie (CT) können ein Bandscheibenvorfall oder eine Hirnblutung gezielt diagnostiziert werden. Die Frage nach dem Vorliegen eines Tumors kann die Durchführung einer Magnetresonanztomographie (MRT) notwendig machen.

Behandlung und Therapie

Die Behandlung von Gefühlsstörungen der Beine richtet sich nach der jeweiligen Ursache der Beschwerden. Ein Bandscheibenvorfall muss meist operativ versorgt werden. Nur so kann die Zerstörung der Nervenstrukturen des Rückenmarkes und eine eventuelle Querschnittslähmung vermieden werden. Nach erfolgreicher Operation bilden sich neben anderen Symptomen auch die Parästhesien der Beine zurück. Liegt als Ursache der Symptome eine Tumorerkrankung vor, ist in vielen Fällen ebenfalls die operative Therapie notwendig.

Ob eine Chemotherapie oder eine Bestrahlung sinnvoll ist, richtet sich nach der Art des Tumors. Wird als Ursache der Gefühlsstörungen eine Hirnblutung diagnostiziert, muss diese meist unverzüglich neurochirurgisch versorgt werden. Blutverdünnende Medikamente sollten soweit vertretbar pausiert werden. Die Blutgerinnungswerte sollten normalisiert werden. Treten die Beschwerden im Rahmen eines Guillain-Barré-Syndroms auf, kann eine Therapie mit Immunglobulinen erfolgen.

Die Plasmapherese, ein Austausch des Blutplasmas, kommt als Behandlung ebenfalls infrage. Nach der Diagnose einer Borreliose erfolgt die Therapie durch die Gabe des Antibiotikums Doxycyclin. Nach erfolgreicher Therapie bilden sich neben anderen Symptomen auch die Gefühlsstörungen der Beine zurück. Ein Magnesiummangel als Ursache für die Entstehung von Parästhesien kann sehr einfach durch die Einnahme von Magnesium behandelt werden. Eine Nahrungsumstellung kann sinnvoll sein. Liegen Gefühlsstörungen der Beine im Rahmen der Alkoholkrankheit vor, muss eine Therapie dieser Grunderkrankung erfolgen. Der körperliche Alkoholentzug sowie eine psychotherapeutische Begleitung sind dabei grundlegend.

Zur Behandlung neurologischer Symptome kommt die Vitaminsubstitution mit Vitamin B1, B6 und B12 infrage. Da es sich beim Auftreten von Gefühlsstörungen bereits um eine fortgeschrittene Form der Alkoholkrankheit handelt, ist eine komplette Rückbildung der Symptomatik oft nicht zu erreichen. Bei Parästhesien im Rahmen psychiatrischer Erkrankungen richtet sich die Therapie nach der Grunderkrankung.



Vorbeugung

Eine Vorbeugung der Entstehung von Gefühlsstörungen der Beine ist über die Prävention der auslösenden Erkrankungen möglich. Berufsgruppen, die ein erhöhtes Risiko für die Entstehung eines Bandscheibenvorfalls haben, sollten gezielt über die Möglichkeiten der Prävention aufgeklärt werden. Techniken zur optimalen Haltung und zum rückenschonenden Tragen von Lasten können einen Bandscheibenvorfall verhindern. Um eine Hirnblutung als Ursache von Parästhesien zu vermeiden, sollten bei Einnahme von Blutverdünnern die Gerinnungswerte regelmäßig kontrolliert werden.

Eventuell muss die Dosierung der Medikamente angepasst werden. Einer Borreliose kann durch einen effektiven Schutz vor Zeckenbissen vorgebeugt werden. Dies ist vor allem durch lange Kleidung beim Waldspaziergang gewährleistet. Magnesiummangel kann durch eine ausgewogene Ernährung verhindert werden. Die Entstehung von Gefühlsstörungen als Folge der Alkoholkrankheit kann durch eine frühzeitige Diagnose und Behandlung der Grunderkrankung vermieden werden.

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