Gefühlsstörungen in den Beinen

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 19. Mai 2017
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Gefühlsstörungen in den Beinen können im Rahmen verschiedener neurologischer, orthopädischer oder internistischer Erkrankungen auftreten. Sie sind ein wichtiges Symptom zur Diagnose ernsthafter Krankheiten. Bandscheibenvorfälle und Hirnblutungen sind gefährliche Erkrankungen, die unter anderem Gefühlsstörungen der Beine verursachen können. Bei Vorliegen des Symptoms sollte unverzüglich ein Arzt aufgesucht werden.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Gefühlsstörungen in den Beinen?

Gefühlsstörungen werden auch als Parästhesie bezeichnet. Unter Gefühlsstörungen der Beine werden Missempfindungen, Taubheitsgefühl oder Kribbelgefühl verstanden. Die Symptome werden von Patienten als fehlende Berührungsempfindlichkeit beschrieben. Ein Gefühl als würden Ameisen über das Bein laufen und Schmerzen werden ebenfalls genannt.

Diese Symptome können an einem oder beiden Beinen auftreten. Das Bein kann komplett oder teilweise von den Gefühlsstörungen betroffen sein. Ein isoliertes Auftreten von Parästhesien an den Füßen ist ebenfalls möglich. Die betroffenen Gebiete können Rückschlüsse auf die Ursache der Beschwerden zulassen. Der Ort des Auftretens der Gefühlsstörungen kann auch einen Hinweis auf die Lokalisation der Ursache geben.

Bestimmte Bereiche der Beine sind jeweils Abschnitten der Wirbelsäule zugeordnet. Der Ort einer eventuellen Schädigung im Bereich der Wirbelsäule lässt sich so anhand der Gefühlsstörungen eingrenzen.

Ursachen

Ursache für die Entstehung von Gefühlsstörungen der Beine können verschiedene Erkrankungen des Nervensystems sein. Orthopädische und internistische Ursachen sind ebenfalls möglich. Häufig entstehen Parästhesien der Beine durch einen Bandscheibenvorfall in Höhe der Lendenwirbelsäule. Die Bandscheibe drückt auf das Rückenmark. Dadurch werden die Nervenstrukturen die zum Bein ziehen gereizt. In seltenen Fällen kann das Rückenmark durch einen Tumor geschädigt werden und so die Symptome verursachen.

Ein Grund für das Auftreten von Empfindungsstörungen der Beine kann außerdem im Bereich des Gehirns liegen. Hirnblutungen oder Tumore können Hirnstrukturen schädigen und somit Ausfallerscheinungen im Bereich der Beine verursachen. Missempfindungen der Beine können im Rahmen des Guillain-Barré-Syndroms auftreten. Es handelt sich um eine entzündliche Erkrankung des Nervensystems.

Die durch Zecken übertragene Borreliose kann neben anderen Symptomen ebenfalls Gefühlsstörungen der Beine verursachen. Als internistische Ursache für Parästhesien der unteren Extremität kommt Magnesiummangel infrage. Gefühlsstörungen der Beine können außerdem als Folge der Alkoholkrankheit im Rahmen des Wernicke-Korsakow-Syndroms auftreten. Missempfindungen der Beine können im Zusammenhang mit verschiedenen psychiatrischen Erkrankungen vorkommen.

Krankheiten

Wann zum Arzt?

Gefühlsstörungen in den Beinen treten häufig nach langem Sitzen, Hocken oder Stehen auf. Die Durchblutung ist gestört und kann durch sanfte Bewegungen wieder in den optimalen Fluss gebracht werden. Im Normalfall ist keine weitere medizinische Betreuung notwendig. Menschen, die einen sehr niedrigen Blutdruck haben, leiden häufig unter Gefühlsstörungen in den Beinen. Mit koffeinhaltigen Substanzen oder regelmäßigen sportlichen Aktivitäten kann der Blutdruck ohne weitere ärztliche Betreuung erhöht werden. Gelingt dies nicht, ist ein Arzt um Rat zu fragen.

Breiten sich die Gefühlsstörungen in den Beinen weiter in die Füße, Zehen oder den Oberkörper aus, muss ein Arzt konsultiert werden. Treten die Störungen plötzlich ohne einen ersichtlichen Grund auf, ist es ratsam, die Beschwerden einem Arzt vorzustellen. Langanhaltende Störungen sind ebenfalls medizinisch abzuklären. Führen die Gefühlsstörungen in den Beinen zu Fehlhaltungen des Körpers oder Beeinträchtigungen bei Bewegungsabläufen, ist eine ärztliche Untersuchung notwendig.

Es besteht das Risiko, dass sich dauerhafte Schäden einstellen und weitere Beschwerden entwickeln. Ein Arzt ist aufzusuchen, wenn zusätzliche Beschwerden wie Schmerzen, Verfärbungen der Haut oder Belastungsschmerzen auftreten. Diese Symptome weisen auf weitere Erkrankungen hin, die untersucht und abgeklärt werden müssen. Vor der Einnahme von Medikamenten ist grundsätzlich ein Arzt zu konsultieren, um weitere Ursachen auszuschließen und Nebenwirkungen zu besprechen.

Diagnose und Verlauf

Beim Auftreten von Gefühlsstörungen im Bereich der Beine muss unverzüglich ein Arzt aufgesucht werden. Nur durch eine gründliche ärztliche Untersuchung können gefährliche Ursachen der Beschwerden gefunden und behandelt werden. Bei der Erhebung der Anamnese werden neben der genauen Beschreibung der Beschwerden eventuelle Vorerkrankungen, vergangene Operationen und die aktuelle Einnahme von Medikamente erfragt.

Fragen nach einem Zeckenbiss in der Vergangenheit sowie nach Alkoholkonsum gehören ebenfalls dazu. Die gründliche körperliche Untersuchung gibt Hinweise auf die Ursache der Symptomatik. Dabei werden die Lokalisation und die Art der Gefühlsstörungen genau bestimmt. Bei der neurologischen Untersuchung werden eventuelle Kraftminderungen und die Reflexe der Beine bestimmt. Hinweise auf zentralnervöse Ursachen der Beschwerden gibt die Erfassung der Reflexe des ganzen Körpers.

Durch eine Blutuntersuchung können Hinweise auf das Vorliegen einer Gerinnungsstörung oder einer Borreliose gefunden werden. Ergibt sich aus der körperlichen Untersuchung der Verdacht auf das Vorliegen eines Bandscheibenvorfalls, einer Hirnblutung oder eines Tumors, muss unverzüglich eine bildgebende Untersuchung erfolgen. Durch die Computertomographie (CT) können ein Bandscheibenvorfall oder eine Hirnblutung gezielt diagnostiziert werden. Die Frage nach dem Vorliegen eines Tumors kann die Durchführung einer Magnetresonanztomographie (MRT) notwendig machen.

Komplikationen

Gefühlsstörungen in den Beinen sind den meisten Menschen nicht unbekannt: Ein unangenehmes Kribbeln etwa oder Taubheitsgefühle dürften hinreichend bekannt sein. Häufig sind solche Gefühlsstörungen jedoch als Komplikationen zu erachten: Als zusätzliches Symptom einer anderen Krankheit. Die einer Gefühlsstörung in den Beinen zugrunde liegende Krankheit kann sehr schwer sein. Gefühlsstörungen in den Beinen sind zum Beispiel eine häufige Komplikation bei Multiple Sklerose (MS). Diese gefürchtete und im Grunde nicht heilbare Krankheit lässt sich um so besser und erfolgreicher behandeln und in ihrem Verlauf mindern, je ehe sie erkannt wird. Wer also häufiger über Gefühlsstörungen in den Beinen zu klagen weiß, zumal wenn sich die Temperatur nicht drastisch verändert hat, sollte nicht zögern, sich untersuchen zu lassen.

Vor allem bei älteren Patienten treten Gefühlsstörungen in den Beinen häufig als Komplikation einer MS auf. Unterbinden kann man solche Komplikationen nicht vollständig, zumal nicht in Verbindung mit einer so schweren Erkrankung wie MS. Allerdings lassen die Gefühlsstörungen in den Beinen sich minimieren. Hier sollte etwa auf eine gesunde Ernährung geachtet werden. Auf Nikotin muss vollständig verzichtet werden, Alkohol sollte nur in sehr geringen Maßen genossen werden und dies nicht oft. Auch Medikamente sollten nur genommen werden, wenn sie absolut unverzichtbar sind, da ihre Nebenwirkungen häufig wiederum die Gefühlsstörungen in den Beinen auslösen können. Regelmäßige Untersuchungen bei Ihrem Facharzt sollten eine Selbstverständlichkeit sein.

Behandlung und Therapie

Die Behandlung von Gefühlsstörungen der Beine richtet sich nach der jeweiligen Ursache der Beschwerden. Ein Bandscheibenvorfall muss meist operativ versorgt werden. Nur so kann die Zerstörung der Nervenstrukturen des Rückenmarkes und eine eventuelle Querschnittslähmung vermieden werden. Nach erfolgreicher Operation bilden sich neben anderen Symptomen auch die Parästhesien der Beine zurück. Liegt als Ursache der Symptome eine Tumorerkrankung vor, ist in vielen Fällen ebenfalls die operative Therapie notwendig.

Ob eine Chemotherapie oder eine Bestrahlung sinnvoll ist, richtet sich nach der Art des Tumors. Wird als Ursache der Gefühlsstörungen eine Hirnblutung diagnostiziert, muss diese meist unverzüglich neurochirurgisch versorgt werden. Blutverdünnende Medikamente sollten soweit vertretbar pausiert werden. Die Blutgerinnungswerte sollten normalisiert werden. Treten die Beschwerden im Rahmen eines Guillain-Barré-Syndroms auf, kann eine Therapie mit Immunglobulinen erfolgen.

Die Plasmapherese, ein Austausch des Blutplasmas, kommt als Behandlung ebenfalls infrage. Nach der Diagnose einer Borreliose erfolgt die Therapie durch die Gabe des Antibiotikums Doxycyclin. Nach erfolgreicher Therapie bilden sich neben anderen Symptomen auch die Gefühlsstörungen der Beine zurück. Ein Magnesiummangel als Ursache für die Entstehung von Parästhesien kann sehr einfach durch die Einnahme von Magnesium behandelt werden. Eine Nahrungsumstellung kann sinnvoll sein. Liegen Gefühlsstörungen der Beine im Rahmen der Alkoholkrankheit vor, muss eine Therapie dieser Grunderkrankung erfolgen. Der körperliche Alkoholentzug sowie eine psychotherapeutische Begleitung sind dabei grundlegend.

Zur Behandlung neurologischer Symptome kommt die Vitaminsubstitution mit Vitamin B1, B6 und B12 infrage. Da es sich beim Auftreten von Gefühlsstörungen bereits um eine fortgeschrittene Form der Alkoholkrankheit handelt, ist eine komplette Rückbildung der Symptomatik oft nicht zu erreichen. Bei Parästhesien im Rahmen psychiatrischer Erkrankungen richtet sich die Therapie nach der Grunderkrankung.



Vorbeugung

Eine Vorbeugung der Entstehung von Gefühlsstörungen der Beine ist über die Prävention der auslösenden Erkrankungen möglich. Berufsgruppen, die ein erhöhtes Risiko für die Entstehung eines Bandscheibenvorfalls haben, sollten gezielt über die Möglichkeiten der Prävention aufgeklärt werden. Techniken zur optimalen Haltung und zum rückenschonenden Tragen von Lasten können einen Bandscheibenvorfall verhindern. Um eine Hirnblutung als Ursache von Parästhesien zu vermeiden, sollten bei Einnahme von Blutverdünnern die Gerinnungswerte regelmäßig kontrolliert werden.

Eventuell muss die Dosierung der Medikamente angepasst werden. Einer Borreliose kann durch einen effektiven Schutz vor Zeckenbissen vorgebeugt werden. Dies ist vor allem durch lange Kleidung beim Waldspaziergang gewährleistet. Magnesiummangel kann durch eine ausgewogene Ernährung verhindert werden. Die Entstehung von Gefühlsstörungen als Folge der Alkoholkrankheit kann durch eine frühzeitige Diagnose und Behandlung der Grunderkrankung vermieden werden.

Bücher über Gefühlsstörungen

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Masuhr K., Masuhr, F., Neumann, M.: Duale Reihe Neurologie. Thieme, Stuttgart 2013
  • Mattle, H., Mumenthaler, M.: Neurologie. Thieme, Stuttgart 2013
  • Siegenthaler, W. (Hrsg.): Siegenthalers Differenzialdiagnose Innere Krankheiten – vom Symptom zur Diagnose. Thieme, Stuttgart 2005
  • Payk, T., Brüne, M.: Checkliste Psychiatrie und Psychotherapie. Thieme, Stuttgart 2013
  • Bewermeyer, H.: Neurologische Differenzialdiagnostik, Schattauer Verlag, 2011

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