Gefühlsstörungen in den Armen

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 11. November 2016
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Unter Gefühlsstörungen in den Armen werden verschiedene Missempfindungen im Bereich der Arme zusammengefasst. Die möglichen Ursachen sind vielfältig. Die Gefühlsstörungen können sowohl durch sehr harmlose Umstände wie eine falsche Lagerung, als auch durch schwere und schwerste Erkrankungen hervorgerufen werden.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Gefühlsstörungen in den Armen?

Als Gefühlsstörungen in den Armen werden diverse Missempfindungen der Arme bezeichnet, die auf unterschiedlichste Ursachen zurückgeführt werden können. Die Symptomatik kann sehr unterschiedlich auffallen. Häufig wird von einem Kribbeln oder dem typischen "Ameisenlaufen" berichtet. Auch Taubheitsgefühle, Brennen, Jucken, Stechen, Druck- und Spannungsgefühle sind häufige Gefühlsstörungen im Bereich der Arme. Insgesamt lässt sich sagen, dass diverse Empfindungsstörungen in den Armen möglich sind, die grob in zwei verschiedene Gruppen eingeteilt werden können.

Zum einen gibt es andersartige Wahrnehmungen, zu denen alle oben genannten Symptome zählen. Zum anderen kann ein gestörtes Empfinden von Sinnesreizen auftreten. Bei diesen werden verschiedenste Sinnesreize entweder anders, stärker oder schwächer wahrgenommen werden. Hierzu zählen Störungen der Berührungsempfindlichkeit, der Schmerzempfindlichkeit und der Temperaturwahrnehmung. Auch ein völliges Ausbleiben der Reizwahrnehmung kann vorkommen.

Die Symptome können sowohl ein- als auch beidseitig auftreten. Bei manchen Erkrankungen tritt die Symptomatik nur vorübergehend auf, bei anderen bleibt sie dauerhaft bestehen. Die Ursachen der Empfindungs- bzw. Gefühlsstörungen sind sehr vielfältig. Häufig liegen neurologische Beschwerden, zumeist Neuropathien, vor. Begleitend zu den bestehenden Gefühlsstörungen kann es auch zu Schmerzen und Muskellähmungen kommen. Als Definition lässt sich festhalten, dass Gefühlsstörungen der Arme unterschiedliche Störungen der Empfindlichkeit in den Armen sind, die auf diverse Ursachen zurückgeführt werden können.

Ursachen

Die Ursachen für Gefühls- und Empfindungsstörungen der Arme können sehr vielfältig sein. Häufig sind Schädigungen der Nerven als Grund der Gefühlsstörung auszumachen. Diese als Neuropathien bezeichneten Erkrankungen der peripheren Nerven gehen nicht auf traumatische Schädigungen zurück. Eine häufige Ursache für eine Neuropathie ist der Diabetes mellitus. Neuropathien als Begleiterkrankung eines Diabetes mellitus werden, falls mehrere Nerven betroffen sind, was zumeist der Fall ist, als diabetische Polyneuropathie bezeichnet. In fast allen Fällen beginnt die diabetische Polyneuropathie in den unteren Extremitäten. In diesem Zusammenhang kommt es häufig zum sog. "diabetischen Fuß". Die diabetische Polyneuropathie ist meist "aufsteigend", d.h. nachdem sie an den unteren Extremitäten begonnen hat, treten nach und nach auch Neuropathien höher gelegener Areale auf.

Eine weitere mögliche Ursache ist eine gestörte Nervenleitung, die im allgemeinen Sprachgebrauch häufig als "Einschlafen" des Armes bezeichnet wird. Dies ist in fast jedem Fall harmlos und geht auf das zu lange Verharren in einer Position oder das Liegen auf dem betroffenen Arm zurück. Dieses "Einschlafen" wird dadurch ausgelöst, dass die Versorgung des Nervs mit Sauerstoff oder Nährstoffen durch eine ungünstige Lagerung gestört ist. Das sich einstellende Taubheitsgefühl oder Kribbeln kann in diesem Fall als Warnsignal verstanden werden, die Lage des Armes schnellstmöglich zu ändern. Diese Änderung der Lage reicht meistens aus, um der Gefühlsstörung des Armes ein Ende zu setzen.

Weitere mögliche Ursachen einer Gefühls- bzw. Empfindungsstörungen in den Armen sind Störungen der Blutgefäße. Hier sind Durchblutungsstörungen der Arme, Krampfadern, Varizen und sog. "Besenreiser" als Auslöser der Missempfindungen möglich.

Häufig treten Gefühlsstörungen der Arme nach Verletzungen, die mit einer Nervenschädigung einhergehen auf. Hier sind besonders Frakturen zu nennen. Auch Luxationen sind eine mögliche Ursache. Missempfindungen wie Taubheit, Kribbeln oder eine gestörte Berührungsempfindlichkeit werden häufig nach Luxationen des Schultergelenks, einer Ober- und Unterarmfraktur, nach Erfrierungen und Schleudertraumen beobachtet. Diesen Auslösern ist gemein, dass eine Schädigung oder Beeinträchtigung der Nerven auftritt, die letztendlich für die verschiedenen auftretenden Gefühlsstörungen und Missempfindungen verantwortlich ist.

Bei Menschen, die an einer Migräne leiden, kann ein Kribbeln in den Armen ein Vorbote eines Migräneanfalls sein. Es ist in diesem Zusammenhang als harmlos zu betrachten. Bei einem sog. Bandscheibenvorfall kann es ebenfalls zu Gefühls- und Empfindungsstörungen der Arme kommen. Weitere Störungen bzw. Schädigungen der Nerven, die zu Gefühlsstörungen in den Armen führen können sind diverse Einklemmungen der Nerven, wie sie beispielsweise beim Karpaltunnelsyndrom auftreten können. Auch bei einer Ischialgie kann es im Zuge der Nervenreizung oder einer Einklemmung zu den genannten Symptomen kommen.

Bestimmte Infektionskrankheiten, z.B. die Viruserkrankung Herpes zoster (Gürtelrose) und eine durch Bakterien verursachte Borrelliose führen unter anderem zu Gefühlsstörungen in den Armen. Dies ist bei den genannten Erkrankungen auf durch die Erreger ausgelöste Entzündungen der Nerven zurückzuführen. Zu den bereits genannten Polyneuropathien ist hinzuzufügen, dass diese auch im Rahmen eines Alkoholismus auftreten können. Diese im ICD unter G62.1 aufgeführte sog. "alkoholische Polyneuropathie" oder "Alkohol-Polyneuropathie" tritt bei ungefähr 20-40% aller Alkoholkranken auf. Sind Nerven im Bereich der Arme von der alkoholischen Polyneuropathie betroffen, kommt es auch hier zu den typischen Symptomen, zu denen auch diverse Gefühlsstörungen zählen.

Als weitere neurologische Erkrankungen, die mit Gefühlsstörungen der Extremitäten, im speziellen der Arme einhergehen, sind Morbus Parkinson und die multiple Sklerose zu nennen. Im Rahmen des Morbus Parkinson kommt es zu Schmerzen und Missempfindungen, die teilweise auch als Anfangssymptome der Erkrankung auftreten können. Dies führt häufig zu Fehldiagnosen, da eher orthopädische Erkrankungen wie das Schulter-Arm-Syndrom hinter den Symptomen vermutet werden. Die Missempfindungen sind verschieden, teilweise kommt es auch zu einem Brennen in den Extremitäten. Treten bei Patienten Fluktuationen (Schwankungen der Beweglichkeit nach längerer Einnahme von Levodopamin) auf, kommt es im "off-Zustand", der Phase der Bewegungsunfähigkeit, zu teilweise unerträglichen Schmerzen.

Empfindungsstörungen in den Armen (und den Beinen) können ein erstes Anzeichen für eine Multiple Sklerose sein. Die Multiple Sklerose entwickelt sich meist relativ rasch und ohne vorherige "Ankündigung". Bei mehr als einem Drittel der Patienten beginnt die Multiple Sklerose mit Gefühlsstörungen. Auch ein Schlaganfall, das Restless-Legs-Syndrom, Vitaminmangelsyndrome, Magnesium- oder Eisenmangel, Hyperventilation, Angst- und Panikattacken, Hirntumore, Rückenmrkstumore, ein "offener Rücken", eine Schwermetallvergiftung und Nebenwirkungen verschiedener Medikamente, insbesondere von Chemotherapeutika können die Gefühlsstörungen auslösen.

Krankheiten

Diagnose und Verlauf

Bei der Diagnostik ist vor allem auf die Angaben des Patienten zu achten. Anschließend erfolgen meist eine grundlegende körperliche Untersuchung und eine neurologische Diagnostik. Hierbei werden unter anderem die Reflexe und das Gefühlsempfinden überprüft. Eventuell sind anschließend weitergehende Untersuchungen, z.B. Blutuntersuchungen, eine Computertomographie, eine Elektroneurografie oder eine Elektromyografie nötig. Die Diagnostik ist insgesamt von der auftretenden Symptomatik und den geschilderten Beschwerden des Patienten abhängig.

Behandlung und Therapie

Die Therapie richtet sich nach der vorhandenen Ursache und lässt sich daher nicht eindeutig beschreiben. Tritt die Symptomatik begleitend zu einer Grunderkrankung, beispielsweise Diabetes mellitus oder MS, auf, muss diese Grunderkrankung therapiert werden. Bei den verschiedenen Polyneuropathien richtet sich die Therapie ebenfalls nach der vorliegenden Ursache der Erkrankung. Insgesamt lässt sich festhalten, dass die möglichen Therapien sich nach den vorhandenen Ursachen richten und sich stark unterschieden.



Vorbeugung

Eine Vorbeugung ist bei bestimmten Formen möglich. Ein Verzicht auf das Rauchen und ein allenfalls moderater Alkoholkonsum sind wichtig, da so Durchblutungsstörungen und alkoholische Polyneuropathien vermieden werden können. Sport stärkt die Muskulatur und dient daher ebenfalls der Vorbeugung. Weiterhin stärkt Sport das Herz und regt die Durchblutung an. Bei Diabetikern ist die richtige Einstellung der Erkrankung von Bedeutung, da so eine diabetische Polyneuropathie vermieden werden kann.

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