Gedeihstörung

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 20. Januar 2015
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Häufig geht eine Gedeihstörung, d.h. eine gesamtkörperliche Entwicklungsstörung bei Kindern, auf eine unzureichende Aufnahme oder Verwertung von Nährstoffen zurück, die für ein normales Wachstum und eine altersgemäße kognitive und psychosoziale Entwicklung essenziell sind.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Gedeihstörung?

Unter den Begriff Gedeihstörung fallen verschiedene kindliche Entwicklungsstörungen. Diese betreffen in erster Linie das körperliche (Längen-)Wachstum und das Körpergewicht. Sie können aber auch mit verlangsamter oder eingeschränkter kognitiv-emotionaler Entwicklung und motorischen Schwierigkeiten einhergehen.

Zumeist beruht die Gedeihstörung ihrerseits auf einer Grunderkrankung, die für eine Unterversorgung des Organismus mit elementaren Nährstoffen verantwortlich ist, oder auf anderem Wege das normale Wachstum hemmt. Eine Gedeihstörung kann aber auch eine Vielzahl anderer körperlicher oder psychischer Ursachen haben, die nicht direkt mit der Ernährung zusammenhängen. Die Behandlungsoptionen richten sich nach der zugrunde liegenden Problematik.

Ursachen von Gedeihstörung

Eine zu geringe Nährstoffaufnahme als Ursache einer Gedeihstörung kann insbesondere in Entwicklungsländern durch eine armutsbedingte Mangelernährung bedingt sein. Aber auch in Industrienationen kann es innerhalb sozial schwacher Familien, durch mangelnde Kindes-Fürsorge, oder aufgrund weltanschaulicher Überzeugungen zur Unterernährung Heranwachsender kommen.

Neben sozialen Faktoren führen auch psychische Krankheiten – vor allem Essstörungen und Stresserkrankungen – bei Kindern zur Nahrungsverweigerung. Weiterhin können Verwertungs- und Verträglichkeitsstörungen wichtiger Nährstoffe eine Gedeihstörung verursachen. Dies ist vor allem bei Nahrungsmittelallergien und schweren Unverträglichkeiten (z. B. Zöliakie) der Fall.

Es können auch generelle Malassimilationsstörungen vorliegen, d.h. die Aufspaltung der Nahrung kann etwa durch Verdauungsenzymdefekte gestört sein, oder die Aufnahme verfügbarer Nährstoffe im Darm findet nur unzureichend statt. Schließlich kann sich eine Vielzahl leichter, aber auch ernster organischer Erkrankungen, Erbkrankheiten und Stoffwechselstörungen hinter einer Gedeihstörung verbergen (z. B. Herzschwäche, Nieren- und Lebererkrankungen, chronische Infektionen, Krebserkrankungen, Diabetes, Mukoviszidose, etc.). Nicht außer Acht zu lassen sind auch die Auswirkungen mangelnder emotionaler Zuwendung auf die seelisch-körperliche Entwicklung von Kindern (Münchhausen-Syndrom).

Symptome und Verlauf von Gedeihstörung

Typische Symptome einer Gedeihstörung:

Die Hauptsymptome einer Gedeihstörung sind vermindertes (Längen-)Wachstum, zu geringes Gewicht in Relation zu Größe und Alter, körperliche Abgeschlagenheit sowie Energiemangel, psycho-soziale Unterentwicklung relativ zum Alter, kognitiv-intellektuelle Schwierigkeiten und motorische Störungen.

Je nach Grunderkrankung variieren Symptome und Ausprägung der Gedeihstörung. Entsprechend sehen Prognosen zum Verlauf einer Gedeihstörung je nach Ursache höchst unterschiedlich aus. Sie reichen von gut behandelbaren Nahrungsmittelunverträglichkeiten bis hin zu schweren Erkrankungen mit geringerer Lebenserwartung.

Diagnose von Gedeihstörung

Bei einer Gedeihstörung handelt es sich um ein Begleitsymptom und keine eigenständige Diagnose. Haben Eltern den Verdacht, dass ihr Kind hinter dem normalen Wachstumspotential der Altersgenossen zurückbleibt, sollte ein Kinderarzt zu Rate gezogen werden. Dieser kann anhand der bisherigen Entwicklung und der Untersuchung des körperlichen Zustandes beurteilen, ob es sich tatsächlich um eine unnormale Entwicklungsverzögerung handelt.

Liegen typische Anzeichen einer gestörten körperlichen oder psychischen Entwicklung vor, richtet sich die spezifische Diagnosestellung auf die zugrunde liegende Ursache der Gedeihstörung. Zunächst können Untersuchungen des Blutes, Stuhls und Urins, gegebenenfalls auch Magen- oder Darmspiegelungen Aufschluss über die Verdauungsfunktionen geben.

Außerdem können durch Allergietests und Ernährungsprotokolle eventuelle Nahrungsmittelunverträglichkeiten ermittelt werden. Werden keine Auffälligkeiten im Ernährungs- und Verdauungsbereich gefunden, müssen weitere organische Ursachen und Erkrankungen in Betracht gezogen und abgeklärt werden. Nicht zuletzt sollten der psychische Gesundheitszustand und die psychosozialen Lebensumstände eines Kindes evaluiert werden, da nicht selten auch hier der Grund einer Gedeihstörung zu finden ist.

Behandlung von Gedeihstörung

Eine Gedeihstörung wird in Abhängigkeit der zugrunde liegenden Erkrankung behandelt. Bei Mangelernährung muss für eine höhere Nährstoff- und Kalorienzufuhr, gegebenenfalls durch zusätzliche Supplemente, gesorgt werden. Bei starker Unterernährung kann eine zeitweise Ernährung über Magensonden erforderlich sein. Sind Nahrungsmittelunverträglichkeiten und Stoffwechselstörungen die Ursache einer Gedeihstörung, können diese teilweise durch kontinuierliche Zuführung fehlender Enzyme und Hormone behandelt werden (beispielsweise durch Gabe von Laktase bei einer Laktoseintoleranz.) In einigen Fällen sind hingegen strenge Diäten angezeigt (z.B. striktes Meiden von Weizenprodukten bei Zöliakie).

Eine gestörte Nährstoffaufnahme muss ursächlich behandelt werden, etwa bei Vorliegen einer Entzündung der Magen- oder Darmschleimhaut. Hierfür stehen je nach Erkrankung Säureblocker, antibiotische und antivirale Medikamente und Maßnahmen zur Regeneration der gestörten Darmflora zur Verfügung. Weitere organische Erkrankungen und chronische Stoffwechselstörungen erfordern neben einer Ernährungsoptimierung ein individuelles Behandlungskonzept.

Bei fehlenden körperlichen Ursachen sollte kinderpsychologische Hilfe in Anspruch genommen werden, um der Problematik auf den Grund zu gehen. Liegen die Ursachen der Gedeihstörung in einem schädlichen psychosozialen Umfeld, etwa bei mangelnder Fürsorge oder gar Verwahrlosung durch die Eltern, muss unter Umstände das Jugendamt eingeschaltet werden.

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Vorbeugung von Gedeihstörung

Am besten lässt sich einer kindlichen Gedeihstörung durch ausreichende und vollwertige Ernährung vorbeugen. Eltern, Erzieher und Lehrer sollten auf Ernährungsschwierigkeiten der Kinder achten und bei Auffälligkeiten frühzeitig reagieren. Generell fördert ein harmonisches und fürsorgliches Umfeld die gesunde gesamtkörperliche und psychische Entwicklung des Kindes.

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