Funikuläre Myelose

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 19. Januar 2015
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Die Funikuläre Myelose ist eine degenerative Rückenmarkserkrankung, die durch einen Vitamin-B12-Mangel ausgelöst wird und deren Krankheitsbild an die Multiple Sklerose erinnert. Früh erkannt bilden sich Symptome nach Vitamin-B12-Gabe jedoch oft wieder vollständig zurück.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Funikuläre Myelose?

Die Funikuläre Myelose (Synonym: Funikuläre Spinalerkrankung) wird durch Vitamin-B12-Mangel ausgelöst. Sie gehört zu den sogenannten Entmarkungskrankheiten. Dabei handelt es sich um Erkrankungen, bei denen es zu einer Degeneration der Nerven kommt.

Typisch für die Funikuläre Myelose ist ein Abbau der Nervenfasern im Hinterstrang und Seitenstrang des Rückenmarks. Die Degeneration des zentralen Nervensystems führt zu Ausfällen in der Reizwahrnehmung und in der Motorik. Eine Perniziöse Anämie, die ebenfalls durch Vitamin-B12-Mangel bedingt wird, kann parallel oder nach der Funikulären Myelose auftreten.

Ursachen

Ursache für die Funikuläre Myelose ist ein Vitamin-B12-Mangel, der verschiedene Gründe haben kann. Der im Magen gebildete intrinsische Faktor ist ein Protein, das zur Aufnahme von Vitamin B12 aus der Nahrung notwendig ist. Fehlt der intrinsische Faktor, zum Beispiel aufgrund einer chronischen Magenschleimhautentzündung, kann dies zu einem Vitamin-B12-Mangel führen. Auch andere Resorptionsstörungen, Defekte im Vitamin-B12-Metabolismus oder ein stark erhöhter Vitamin-B12-Verbrauch (z. B. bei Befall mit dem Fischbandwurm) können der Auslöser für eine Funikuläre Myelose sein.

Funikuläre Myelose tritt nur selten ernährungsbedingt auf, denn der Körper hat eine hohe Speicherkapazität für Vitamin B12. Bei Veganern, die sich häufig fast Vitamin-B12-frei ernähren, wurden allerdings schon Fälle von Funikulärer Myelose diagnostiziert. Außerdem können bestimmte Medikamente eine Funikuläre Myelose verursachen. Zum Beispiel wurde nach Verabreichung von Phenobarbital, Methotrexat (wenn es in hoher Dosierung als Zytostatikum eingesetzt wird) und nach Narkosen mit Lachgas über das Auftreten einer Funikulären Myelose berichtet.

Symptome und Verlauf

Typische Symptome einer Funikuläre Myelose:

Bei der Funikulären Myelose treten durch den Abbau von Nervenfasern im Rückenmark als Symptome verschiedene Wahrnehmungsstörungen auf. Diese beginnen oft als Kribbeln oder Taubheit in den Füßen, später auch in Händen und Beinen. Im weiteren Verlauf der Funikulären Myelose kann die Propriorezeption (Wahrnehmung der Lage des eigenen Körpers und der Stellung der Körperteile zueinander) gestört sein, sodass es zu einem wackligen, unsicheren Gang kommen kann.

Die Wahrnehmung von Berührungen, Druck und Vibration ist häufig beeinträchtigt. Im späten Stadium können Krampfbeschwerden und Lähmungen auftreten. Auch Magenschmerzen, Durchfall und andere Beschwerden des Verdauungstraktes gehören zu den typischen Symptomen. Wird der Vitamin-B12-Mangel rechtzeitig erkannt, ist die Prognose jedoch gut, und es ist ein vollständiger Rückgang der Symptome der Funikulären Myelose nach Vitamin-B12-Gabe möglich.

Diagnose

Ein Verdacht auf eine Funikuläre Myelose entsteht meist dann, wenn aufgrund der oben genannten Symptome eine umfassende neurologische Untersuchung gemacht wird. Um eine Funikuläre Myelose eindeutig zu diagnostizieren und von anderen Erkrankungen mit ähnlichem Krankheitsbild (Multiple Sklerose, Neuroborreliose) abzugrenzen, wird der Vitamin-B12-Spiegel im Blut bestimmt.

Im Anschluss wird die Ursache für den Vitamin-B12-Mangel untersucht. Eine Magenspiegelung zeigt, ob eine Magenschleimhautentzündung vorliegt, die zum Vitamin-B12-Mangel führt. Mit dem sogenannten Schilling-Test untersucht der Arzt, ob die Funikuläre Myelose durch eine Aufnahmestörung des Vitamin B12 verursacht wurde.

Behandlung

Die Funikuläre Myelose beruht auf einem Vitamin-B12-Mangel und lässt sich deshalb relativ einfach durch die Gabe von Vitamin B12 behandeln. Vitamin B12 kann in den Muskel injiziert oder intravenös verabreicht werden. Zunächst sind oft tägliche Injektionen notwendig. Sobald der Vitamin-B12-Speicher im Körper wieder aufgefüllt ist, kann die Frequenz der Vitamin-B12-Gabe heruntergesetzt werden.

Eine Injektion alle 4 bis 12 Wochen ist dann oft ausreichend. Wenn die Ursache der Funikulären Myelose erkannt wurde, wird auch diese gegebenenfalls therapiert. Liegt zum Beispiel eine Magenschleimhautentzündung (Gastritis) vor, dann kann sich die Vitamin-B12-Aufnahme nach Behandlung wieder normalisieren, sodass keine weitere Vitamin-B12-Gabe mehr nötig ist. Liegt begleitend zu den neurologischen Symptomen auch eine Anämie vor, dann wird die Blutbildung durch eine zusätzliche Versorgung mit Eisen unterstützt.

Bei früher Erkennung der Funikulären Myelose ist eine vollständige Regeneration der Nerven möglich, die Symptome bilden sich dann komplett zurück. Bei stark fortgeschrittener Nervendegeneration können allerdings dauerhafte, irreparable Schäden zurückbleiben. In jedem Falle verhindert die Vitamin-B12-Gabe jedoch eine Verschlechterung der Symptome bei einer Funikulären Myelose.

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Vorbeugung

An die Vorbeugung einer Funikulären Myelose sollten Personen denken, die aufgrund von Erkrankungen oder ihrer Ernährungsweise eine zu geringe Aufnahme von Vitamin B12 befürchten. Dazu gehören unter anderem Veganer (wenn sie keine ergänzenden Präparate zu sich nehmen) und Personen mit chronischer Magenschleimhautentzündung oder mit bekannten Defiziten im Vitamin-B12-Stoffwechsel.

Der Arzt kann dann im Blut den Vitamin-B12-Spiegel bestimmen. Damit lässt sich schnell und sicher aussagen, ob eine Gefahr für das Auftreten einer Funikulären Myelose vorliegt oder nicht.

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