Flüssigkeitsmangel im Alter

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 18. Oktober 2016
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Mit der zunehmenden Überalterung unserer Gesellschaft, rückt das Thema Flüssigkeitsmangel im Alter immer mehr in den Mittelpunkt. Aus verschiedenen Gründen zählen Senioren zur Risikogruppe für die Entstehung eines Flüssigkeitsmangels, der jedoch auf vielfältige Weise behandelt oder verhindert werden kann.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Flüssigkeitsmangel im Alter?

Unter einem Flüssigkeitsmangel, auch Dehydration oder Dehydrierung genannt, versteht man die ungenügende Zufuhr von Flüssigkeit mit der Folge der zunehmenden Austrocknung des Körpers. Die ausreichende Menge an Flüssigkeit ist individuell unterschiedlich und hängt von Alter, Körpergröße, bestehenden Erkrankungen, körperlicher Konstitution, körperlicher Anstrengung und vielen weiteren Faktoren ab. Es besteht jedoch ein grober, häufig diskutierter Richtwert von etwa zwei Litern am Tag. Wird die individuell notwendige Menge an Flüssigkeit nicht zugeführt, kann es zu schwerwiegenden, körperlichen Beschwerden kommen, die schlimmstenfalls irreversibel sind.

Ursachen

Der Flüssigkeitsmangel im Alter kann zahlreiche, unterschiedliche Ursachen haben. Ein nicht zu unterschätzender Grund kann die zunehmende Inkontinenz des alten Menschen sein, der seine Kontrolle über das Wasserlassen verloren hat. Das Schamgefühl kann bewusst oder unbewusst dazu führen, weniger zu trinken. Ein weiterer Grund kann die steigende Immobilität des Patienten bei bester geistiger Gesundheit sein. Selbst wenn der Patient trinken möchte, kann er sich nicht selbst die Flüssigkeit zuführen.

Gründe hierfür können versteifte Fingergelenke (das Trinkglas kann nicht mehr gegriffen werden), die dauerhafte Rollstuhlnutzung (Patient kommt nicht an die Getränkeflaschen oder kann nicht selbst einkaufen gehen) oder die langfristige Bettlägerigkeit sein. Auch irreversible Schluckbeschwerden infolge eines Schlaganfalls können die Getränkeaufnahme deutlich erschweren, der Patient verschluckt sich bei jedem Schluckversuch. Einige Nieren- oder Herzerkrankungen verlangen ebenso eine reduzierte Flüssigkeitszufuhr.

Weitere Faktoren sind hinorganische Krankheiten, wie die Altersdemenz oder im speziellen Fall der Morbus Alzheimer. Die fortschreitende Vergesslichkeit in frühen Stadien der Demenzerkrankung kann ebenso zur Dehydration führen, wie ein spätes Stadium der Demenz, die mit dem vollständigen Verlust der Fähigkeit, sich selbst zu versorgen, einhergeht. Auch weit verbreitete Krankheiten, wie der Diabetes mellitus, der zu einer vermehrten Ausscheidung von Urin führt, können Ursache für einen Flüssigkeitsmangel im Alter sein. Seltener können Krankheiten vorliegen, die die Verwertung der zugeführten Flüssigkeitsaufnahme innerhalb des Körpers erschweren. Weitere Gründe können das Nachlassen des natürlichen Durstgefühls im Alter sein oder gar die als Kind in Kriegszeiten erlernte Anweisung, nicht zu viel zu trinken, um wertvolles Trinkwasser zu sparen.

Krankheiten

Diagnose und Verlauf

Flüssigkeitsmangel im Alter kann sich auf verschiedene Arten bemerkbar machen. Ein deutliches Zeichen ist die zunehmende Verwirrtheit des alten Menschen, was nicht zwangsläufig auf eine dauerhafte Demenz hindeuten muss, sondern vielmehr auf ein vorübergehendes Delir infolge des Flüssigkeitsmangels schließen lassen kann. Dauerhafter Kopfschmerz kann ebenfalls ein Anzeichen für eine geringe Trinkmenge sein. Auch ein konzentrierter, dunkler, stark riechender Urin zeigt an, dass zu wenig Flüssigkeit aufgenommen wurde, ebenso kann eine Verstopfung andeuten, dass zu wenig getrunken wurde.

Ein kurzer, schmerzloser Hautfaltentest kann einen Flüssigkeitsmangel sofort und sicher anzeigen: Am Handrücken wird eine Hautfalte leicht geformt beziehungsweise nach oben gezogen. Springt die Haut sofort in ihren Ursprungszustand zurück, besteht kein Flüssigkeitsmangel. Bleibt die Falte stehen, ist der Körper dehydriert und benötigt dringend Flüssigkeit. Trägt ein Patient bereits einen Katheter, lässt sich konkret anhand der ausgeschiedenen Urinmenge ablesen, wie viel Flüssigkeit dem Körper zuletzt zugeführt wurde.

Auch Mundgeruch, eine trockene Zunge und spröde, ausgetrocknete Lippen können Hinweise sein. Der Verlauf eines fortschreitenden und nicht behandelten Flüssigkeitsmangels ist ungünstig und kann schlimmstenfalls komatös und tödlich enden, da der Körper seine entgiftende Funktion nicht mehr erfüllen kann. Wie bei einem Nierenversagen, verbleiben die gefährlichen Harnstoffe im Körper und vergiften langsam den Organismus.

Behandlung und Therapie

Liegen Erkrankungen vor, die die Flüssigkeitszufuhr oder Flüssigkeitsverwertung im Körper erschweren oder verhindern, sollte zunächst diesen Ursachen auf den Grund gegangen werden. Oftmals ist hier eine erfolgreiche Behandlung möglich und der Flüssigkeitsmangel ist behoben. Patienten, die aufgrund von Inkontinenzproblemen nicht genügend trinken möchten, sollten mit dem umfangreichen Angebot von Inkontinenzartikeln in allen Varianten, Größen und Saugstärken vertraut gemacht werden.

Hersteller von Inkontinenzartikeln haben im vergangenen Jahrzehnt diskrete, geruchsarme, leicht zu handhabende, sehr saugfähige Produkte auf den Markt gebracht, die den Bedürfnissen des alten Menschen gerecht werden. Demente Patienten, die sich aufgrund von degenerativen Veränderungen im Gehirn nicht mehr selbst versorgen können, sind auf die kompetente und kontinuierliche Hilfe durch Angehörige oder Pflegekräfte angewiesen. Eine tägliche Bilanzierung der aufgenommenen Trinkmenge ist dabei unerlässlich, um die erforderliche Flüssigkeitszufuhr sicherzustellen.

Spezielle Dokumentationsbögen können dabei helfen. Trinkbecher mit Trinkhilfe ("Schnabel") und speziellen Griffen an beiden Seiten des Trinkgefäßes erleichtern nicht nur dementen, sondern auch bewegungseingeschränkten Patienten die Getränkeaufnahme. Patienten mit Schluckstörungen können sich mit speziellen, in der Apotheke oder in der Drogerie verfügbaren Verdickungsmitteln behelfen, die dem Getränk eine gelartige Konsistenz geben. Dickflüssige Getränke sind leichter zu schlucken, der Patient aspiriert somit nicht. Die Zufuhr von "flüssigen" Lebensmitteln, wie Suppe oder Joghurt, unterstützen die Flüssigkeitsbilanz ebenfalls. Helfen all diese Möglichkeiten nicht, die Flüssigkeitszufuhr sicherzustellen, können auf ärztliche Anordnung im Akutfall subkutane oder intravenöse Kochsalzinfusionen gegeben werden, dauerhaft ist das Legen einer transnasalen oder einer perkutanen endoskopischen Magensonde denkbar.



Vorbeugung

Der Dehydration im Alter kann durch regelmäßige und ausreichende orale Flüssigkeitszufuhr effektiv vorgebeugt werden. Mobile, geistig fitte ältere Menschen können sich durch Erinnerungshilfen im Alltag behelfen, auf die erforderliche Flüssigkeitsmenge zu kommen. Es eignet sich das Bereitstellen von ein bis zwei Wasserflaschen oder einer großen Kanne Tee in ständiger Sichtweite, die bis zum Endes des Tages geleert sein sollte. Auch die Bilanzierung der Trinkmenge, also die Dokumentation jedes Getränks, hat sich bewährt. So verfahren auch Seniorenheime, die die Flüssigkeitszufuhr dementer oder stark bewegungseingeschränkter Personen auf diese Weise sicherstellen müssen. Patienten, deren Schluckreflex dauerhaft gestört ist, können prophylaktisch subkutane oder intravenöse Infusionen oder eine Magensonde erhalten.

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