Extrakorporale Stoßwellentherapie

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 11. August 2016
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Bei der extrakorporalen Stoßwellentherapie werden hochenergetische kurze Schallwellen abgegeben. Die Methode kommt sowohl in der Urologie als auch in der Orthopädie zur Anwendung.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine extrakorporale Stoßwellentherapie?

Die extrakorporale Stoßwellentherapie (ESWT) zählt zu den Stoßwellenbehandlungen. Im Rahmen dieses nichtoperativen Verfahrens gelangen hochenergetische Druckwellen, die außerhalb des menschlichen Organismus erzeugt werden, zum Einsatz. So bedeutet der Begriff extrakorporal „außerhalb des Körpers“. Die Stoßwellen dringen in den Körper ein und entfalten dort ihre positive Wirkung.

Eingesetzt wird die extrakorporale Stoßwellentherapie seit den späten 80er Jahren von der Urologie, um Harnsteine oder Nierensteine zu zertrümmern und eine Harnwegsstauung aufzulösen. Besteht jedoch bereits ein Harnstau, ist eine Ableitung des Urins via Stent nötig.

Darüber hinaus sollte die Methode nur bei Steinen durchgeführt werden, deren Durchmesser maximal zwei Zentimeter erreicht. Seit den 90er Jahren ist die extrakorporale Stoßwellentherapie aber auch in der Orthopädie im Einsatz und dient dort zur Therapie von schmerzhaften Erkrankungen des Bewegungsapparates.

Unter Stoßwellen werden hochenergetische Schallwellen verstanden, die sich u. a. in der Luft ausbreiten und ihre Umgebung in Schwingung versetzen. Die kurz auftretenden druckstarken Schallimpulse dauern etwa 10 Mikrosekunden. Zu ihren Eigenschaften zählen ein rascher Druckanstieg sowie ein breit gefächertes Frequenzspektrum, das von 16 Hertz bis zu 20 Hertz reicht.

Anwendung und Funktion

Eine extrakorporale Stoßwellentherapie dient zur Behandlung von Harnsteinen und Nierensteinen. Dabei wird ein Sender über der Haut angebracht, über den die Schallwellen in den Körper gelangen und die Steine, die sich entweder in den Harnleitern oder den Nieren befinden, in kleine Stücke zersprengen. Das Ausscheiden der Trümmerreste erfolgt entweder auf natürliche Weise oder mithilfe eines Endoskops.

Ein weiteres Anwendungsgebiet der extrakorporalen Stoßwellentherapie stellt die Orthopädie dar, die das Verfahren zur Behandlung von Beschwerden an den Muskeln und Knochen anwendet. Gleiches gilt für Entzündungen an Bändern und Sehnen. Zu den empfohlenen orthopädischen Einsatzgebieten der extrakorporalen Stoßwellentherapie gehören ein Fersensporn, Verkalkungen an der Schulter, ein Tennisarm sowie eine Pseudarthrose.

Als Pseudarthrose wird eine Knochenheilungsstörung bezeichnet, bei der die Knochenzellen durch die Stoßwellen zu Wachstum stimuliert werden, wodurch der betroffene Knochen leichter ausheilt. Bei einem Tennisarm wirken die Stoßwellen der chronischen Entzündung an der Streckersehne am Unterarm entgegen und sorgen für eine Linderung der Schmerzen im Ellenbogen. Einen ähnlichen Effekt entfalten die Stoßwellen bei einer Kalkschulter und einem Fersensporn.

Methoden und Verfahren

Bei der extrakorporalen Stoßwellentherapie ist zwischen einer urologischen und einer orthopädischen Methode zu unterscheiden. Das urologische Verfahren zur Behandlung von Harnsteinen bzw. Nierensteinen trägt auch die Bezeichnung extrakorporale Stoßwellenlithotripsie (ESWL).

Das Erzeugen der Stoßwellen findet mit Geräten statt, die piezoelektrische Elemente beinhalten. So werden unter Strom von speziellen Quarzkristallen mechanische Schwingungen ausgelöst. Im menschlichen Körper können sich die Stoßwellen gut ausbreiten, weil dieser viel Flüssigkeit enthält.

Befindet sich in einem Harnleiter ein Stein, der über eine höhere Dichte als das Körpergewebe verfügt, führt dies zur Reflektion der Stoßwellen. Der Festkörper erhält Energie, wodurch an der Grenze zwischen Festkörper und Gewebe Druck- und Zugkräfte auftreten.

Werden im Rahmen der extrakorporalen Stoßwellenlithotripsie mehrere Stoßwellen auf die Zielregion konzentriert, können sie die Zertrümmerung eines Harn- oder Nierensteins erreichen. Dadurch werden die Steine derart zerkleinert, dass sie sich über die Harnwege aus dem Körper ausscheiden lassen. Auf die gleiche Weise trägt die extrakorporale Stoßwellentherapie überschießende Verkalkungen, die zum Beispiel an den Ansätzen von Sehnen auftreten, ab.

Bei einer extrakorporalen Stoßwellenlithotripsie richtet sich der Erfolg der Therapie nach der Zusammensetzung der Steine sowie deren Position und Größe. Diese sollte einen Umfang von 20 Millimetern nicht überschreiten.

Was muss der Patient beachten?

Vor der Durchführung einer extrakorporalen Stoßwellentherapie wird die genaue Lage der Steine vom Arzt bestimmt, was mithilfe einer Ultraschalluntersuchung oder Röntgenaufnahmen geschieht. Nimmt ein Patient blutgerinnungshemmende Arzneimittel ein, sind diese nach Anweisung des Arztes einige Tage vor der Durchführung der ESWT abzusetzen.

Im Anschluss an die extrakorporale Stoßwellentherapie muss der Patient 6 bis 12 Wochen lang warten, ob die Behandlung erfolgreich war, was sich durch eine Sonographie oder Röntgenuntersuchung feststellen lässt.

Nach der Behandlung ist viel Bewegung wichtig. Außerdem empfiehlt es sich, reichlich Tee, Wasser oder Saft zu trinken, damit die zertrümmerten Steinstückchen schneller aus dem Körper gelangen. In den meisten Fällen muss auch die auslösende Grunderkrankung therapiert werden. Diese lässt sich durch eine Analyse der Steinfragmente bestimmen. Das Auflösen der Fragmente kann auch durch spezielle Medikamente, die der Arzt verschreibt, beschleunigt werden.

Ablauf und Durchführung

Dient die extrakorporale Stoßwellentherapie dem Zertrümmern von Harn- oder Nierensteinen, wird dem Patienten vor der Behandlung ein Schmerzmittel verabreicht. Auf Wunsch kann er zudem ein Beruhigungsmittel erhalten. Nach dem Bestimmen des blockierenden Steins per Ultraschall wird ein Sender auf der Haut des Patienten so platziert, dass er sich gegen den Stein richtet.

Anschließend erfolgt das Beschießen des Steins bei einer Frequenz zwischen 1,0 und 1,5 mit Stoßwellen. Die Stoßwellen kommen durch einen speziellen Generator zustande. Aufgrund der entstehenden Scher- und Zugkräfte wird der Stein schließlich zertrümmert. Bei größeren Harnsteinen kann das Anlegen einer Schiene in den Harnleiter erforderlich sein. Mit diesem Vorgehen lässt sich der Stein leichter ausscheiden.

Einen ähnlichen Verlauf nehmen Behandlungen an der Schulter, dem Ellenbogen oder der Ferse. Ellenbogen und Ferse können zumeist ohne Betäubung behandelt werden.



Eigenleistung oder Krankenkasse - wer übernimmt die Kosten?

Die Kosten für eine extrakorporale Stoßwellentherapie werden von den gesetzlichen Krankenkassen seit 1998 nicht mehr übernommen. In den meisten Fällen erfolgt die Kostenerstattung jedoch bei privaten Krankenversicherungen. Bei einer eigenen Kostenübernahme muss der Patient mit 50 bis 250 Euro pro Sitzung rechnen, was von der jeweiligen Erkrankung abhängt.

Risiken, Gefahren und Komplikationen

Zu ernsthaften Komplikationen kommt es bei einer extrakorporalen Stoßwellentherapie nur selten. Häufigste Nebenwirkungen sind Herzrhythmusstörungen, Schmerzen, ein Blutdruckanstieg, Blutergüsse innerhalb der Niere sowie das Vergrößern der Steine, bevor sie aus dem Körper ausgeschieden werden. Mitunter leiden einige Patienten unter Koliken beim Ausscheiden der Steine.

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