Erhöhter Speichelfluss

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 11. Oktober 2016
Gesundpedia.deSymptome Erhöhter Speichelfluss

Ein erhöhter Speichelfluss kann die verschiedensten Ursachen haben. Dazu gehören beispielsweise Medikamente oder neurologische Erkrankungen wie Parkinson. Zudem kann es auf eine Grunderkrankung hinweisen. Obwohl der erhöhte Speichelfluss nicht schmerzhaft ist, ist er für den Betroffenen und das Umfeld belastend.

Inhaltsverzeichnis

Was ist erhöhter Speichelfluss?

Ein erhöhter Speichelfluss bezeichnet eine übermäßige Produktion des Speichels im Mund. In Fachkreisen wird dies Hypersalivation genannt. Der vermehrte Speichelfluss wird häufig noch von einer Sialorrhö begleitet, das unkontrollierte Austreten des Speichels aus dem Mund. Dieses kann sich durch ein Sabbern oder eine feuchte Aussprache zeigen. Bei einem gesunden Menschen beträgt die tägliche produzierte Menge an Speichel bis zu 1,5 Liter. Liegt die Menge jedoch deutlich darüber, wird vom vermehrten Speichelfluss gesprochen. Dieser nimmt in der Regel nach dem Essen sowie am Abend zu.

Ursachen

Es gibt vielfältige Ursachen, die zu einem vermehrten Speichelfluss führen können. Manchmal kann bereits ein Schlafen in Seitenlage dafür verantwortlich sein. Mediziner unterscheiden zwischen lokalen und medikamentösen Ursachen sowie zwischen allgemeinen und neurologischen Erkrankungen. Ein erhöhter Speichelfluss tritt häufig bei einer starken Übelkeit auf. Meist folgt kurze Zeit später ein Erbrechen.

Eine falsche Ernährung kann ebenso der Auslöser sein, zum Beispiel der Verzehr von scharfen, stark gewürzten oder sehr sauren Speisen und Nahrungsmitteln. Bei Babys und kleinen Kindern ist ein erhöhter Speichelfluss zusammen mit der Sialorrhö völlig normal, dem unwillkürlichen Abfließen des Speichels aus dem Mund. Bis zum vierten Lebensjahr des Kindes ist dies unbedenklich.

Zu den möglichen lokalen Ursachen gehören zum Beispiel eine Entzündung der Mandeln oder Mundhöhle, Karies usw. Erkrankungen der Speicheldrüsen, Allgemeinerkrankungen wie Diabetes, Autoimmunerkrankungen und Vitaminmangelerkrankungen gehören zu weiteren möglichen Auslösern, die einen erhöhten Speichelfluss verursachen können. Andere Ursachen können im psychischen Bereich begründet sein, beispielsweise in einer Nervosität oder Ängstlichkeit.

Neurologische Probleme wie eine Parkinsonerkrankung kann ein weiterer Auslöser sein. Bei verschiedenen Infektionen wie der Tollwut kommt es auch zu einem vermehrten Speichelfluss. Das Gleiche gilt für die Einnahme bestimmter Medikamente wie Neuroleptika oder Vergiftungen mit speziellen Substanzen, zum Beispiel Quecksilber. Veränderungen im Hormonhaushalt, beispielsweise während der Schwangerschaft oder Wechseljahre können die unangenehme Begleiterscheinung ebenso mit sich bringen.

Krankheiten

Diagnose und Verlauf

Zur Diagnose erfolgt zunächst einmal ein ausführliches Gespräch (Anamnese) mit dem Arzt, indem die Beschwerden geschildert werden. Hier spielt ebenso eine wichtige Rolle, ob sie dauerhaft vorhanden sind oder in welchen Situationen sie auftreten. Bei der Diagnose wird auch geklärt, ob tatsächlich ein erhöhter Speichelfluss oder eine Abschluckstörung vorliegt. Diese Beschwerden werden gern einmal verwechselt. Daher werden bei der körperlichen Untersuchung sehr häufig Schlucktests durchgeführt, um eine Störung beim Abtransportieren des Speichels ausschließen zu können.

Zudem wird dabei die Speichelmenge gemessen. Diese kann der Arzt schätzen, aber ihm steht hierfür auch ein spezielles Verfahren zur Verfügung. Mit Apparaten kann die Menge des Speichelflusses genau bestimmt werden. Bei manchen Betroffenen liegt eine Entzündung der Speicheldrüsen vor, woraus ein erhöhter Speichelfluss resultiert. Dies kann der Arzt durch ein Abtasten des Kiefers erkennen. Die Speicheldrüsen sind dann häufig schmerzempfindlich.

Behandlung und Therapie

Tritt ein erhöhter Speichelfluss auf, zählt die Gabe von Medikamenten zu den therapeutischen Maßnahmen. Dazu gehören zum Beispiel Dopaminantagonisten. Vor dem Essen kann ein Anticholinergikum eingenommen werden. Es gibt auch Medikamente als Pflaster. Diese werden hinter das Ohr geklebt. Der Wirkstoff gelangt hier direkt zu den Speicheldrüsen, um deren Speichelproduktion zu hemmen. Neben der medikamentösen Therapie gibt es auch Alternativen wie Bestrahlungen, Akupunktur, Entspannungstherapien zum Abbau von Stress, Verhaltentraining sowie sprachtherapeutische Maßnahmen.

Letzten Endes kann eine physiotherapeutische Behandlung ebenfalls Abhilfe schaffen. Ist die Ursache eine Vergiftung, muss das Gift aus dem Körper ausgeleitet werden. Liegt eine Erkrankung der Speicheldrüsen vor, ist manchmal ein chirurgischer Eingriff erforderlich, damit der erhöhte Speichelfluss beseitigt werden kann. Entsteht ein erhöhter Speichelfluss durch Zahnfehlstellungen, müssen diese korrigiert werden. Hierfür können Zahnspangen eingesetzt werden oder in schlimmen Fällen auch chirurgische Eingriffe notwendig werden.

Ein Neurologe kann eine Schädigung der Nerven ermitteln, die an der erhöhten Speichelproduktion beteiligt sind. Resultieren die Beschwerden aus einer bestimmten Krankheit, ist es grundsätzlich wichtig, dass die Grunderkrankung behandelt wird, um gleichzeitig auch den Speichelfluss zu verringern. Verschiedene Haus- und Naturheilmittel können ebenfalls eine gute Hilfe sein. Dazu gehören Kräutertinktur aus Eichenrinde, Benediktenwurz, Odermennig, Wacholderbeeren und Nussblättern, die in Branntwein eingelegt werden (zu gleichen Teilen), getrockneter Salbei, beispielsweise in der Form von Tees oder Bonbons. Außerdem helfen homöopathische Behandlungen mit Jaborandi, Ignatia oder Staphisagria (gute Hilfe im Zusammenhang mit einem Erbrechen bei Schwangeren).

Auf Grund der zahlreichen Ursachen, aus denen ein erhöhter Speichelfluss resultieren kann, sollte ein Arzt konsultiert werden. Dieser kann durch verschiedene Untersuchungen die genaue Ursache erkennen und die Behandlung mit speziellen Hausmitteln oder naturheilkundlichen Mitteln ergänzen. Eine einheitliche Therapie des erhöhten Speichelflusses ist nicht vorhanden, da stets die Ursache behandelt werden muss. Meist sind die Beschwerden schnell verschwunden, wenn eine passende Therapie eingeleitet wurde.



Vorbeugung

Ein erhöhter Speichelfluss kann nicht gezielt vorgebeugt werden, da es sich hierbei immer um das Symptom einer Krankheit handelt, die sehr unterschiedlicher Natur sein kann. Es ist jedoch empfehlenswert, auf einen optimalen Lebensstil zu achten. Dazu gehören eine gesunde Ernährung, die viele Vitamine enthält, sowie ausreichend Bewegung, am besten an der frischen Luft. Auf diese Weise bleibt das Immunsystem stark, sodass es in der Lage ist, Krankheiten abzuwehren.

Zudem ist es wichtig, Stress zu reduzieren. Autogenes Training, Yoga oder progressive Muskelentspannung sind ideal, denn diese Maßnahmen wirken auf den Körper und Geist entspannend und helfen dabei, Stress besser bewältigen zu können. Wer regelmäßig Medikamente einnehmen muss, sollte den Beipackzettel genau durchlesen, da sich hier eventuell der Auslöser findet.

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